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Ein Zombie hing am Glockenseil

(Originaltitel: Paura nella città dei morti viventi)
Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:City of the Living Dead
Entrada al infierno
Fear in the City of the Living Dead
Frayeurs
Gates of Hell, The
Kadaver hing am Glockenseil, Ein
Leiche hing am Glockenseil, Eine
Leiche hängt am Glockenseil, Eine
Pater Thomas
Paura
Staden med levande döda
Stadt der lebenden Toten, Die
Toter hing am Glockenseil, Ein
Zombie
Zombiernes by
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,86 (164 Stimmen) Details
inhalt:
Ein Priester erhängt sich auf dem Friedhof in der kleinen Stadt Dunwich. Diese Szene wird von dem Medium Mary in einer Séance beobachtet, das daraufhin scheinbar verstirbt. Die Leiterin der Gruppe vermutet dahinter die Erfüllung einer Prophezeiung aus dem Buch Henoch, das zudem voraussagt, dass die Toten nach der Selbsttötung eines Priesters auf dem Friedhof in Dunwich auferstehen. Der Reporter Peter ist auf dem Friedhof, wo das verstorbene Medium gerade von zwei Totengräbern begraben wird. Diese hören jedoch mit der Arbeit auf, und als Peter gehen will, hört er Geräusche und befreit die noch lebende Mary aus ihrem Grab. Sie erzählt ihm von ihrer Vision, weiß allerdings nicht, wo sich der Ort des Geschehens befindet, und so machen sich beide gemeinsam auf die Suche. In der Zwischenzeit geschehen merkwürdige Ereignisse im Örtchen Dunwich und schreckliche Dinge nehmen ihren Lauf...
eine kritik von chollo:

1979 hatte Regisseur Lucio Fulci mit seinem "Woodoo- Schreckensinsel der Zombies" bewiesen, sich auf Horror zu verstehen. Zwar konnte er  schon mit seinem "Don't Torture a Duckling" dem Genre zuträglich werden, doch kann man diesen Beitrag aufgrund seiner subversiven Eigenschaften nicht so ohne weiteres in dieses Fach einsortieren. Mit "Woodoo" war er dort vollends angekommen und hatte, in dem Business noch viel wichtiger, seinen Financiers bewiesen dass er es auch erfolgreich konnte.

Ein Jahr später bekam er dann sogleich die nächste Möglichkeit, ein Horror- "Märchen" an den Mann zu bringen. Ich verwende hier bewusst den Begriff Märchen, da sein "Ein Zombie hing am Glockenseil" bei wohlwollender Betrachtung nichts anderes ist. Wenngleich ein Märchen für Erwachsene. Wer beim Lesen der Inhaltsangabe des genannten Werks eher Bahnhof versteht darf beruhigt werden, man steht damit nicht alleine da. Eher hört und fühlt sich das Ganze wie ein Sammelsurium an obskuren Ideen an, und dieser Eindruck sollte sich mir nach Sichtung auch bestätigen. Nur wohnen wir hier nicht Episoden- Filmchen ála "Creepshow" oder " Katzenauge" bei, der liebe Fulci hat das mit seiner hier vorgetragenen Story bierernst gemeint. Ob es im Endeffekt für ihn dann auch schlüssig war bleibt wohl ein Geheimnis, auch mich hat es nicht wirklich kohärent gewirkt.

Was uns bei seinem Titel aber zuhauf geboten wird, ist eine Aneinanderreihung von zwielichtigen Momenten eingebettet in  derben Splattereffekten. Die bizarre Mischung aus übernatürlichen Ereignissen; Besessenheit und blanker Soziopathie funktioniert auf einem eigenartigen Weg. Verständlich ist das weniger, aber satt an entsprechenden Schauwerten. Da bekommt der nette Schwiegersohn in spe mal eben die Bohrmaschine in den Kopf geschoben, während ein gar argloses Mädchen via Autosuggestion ihre inneren Werte nach außen kehren darf. Lucio Fulci hat also erkannt was die Fans bei seinem Namen verlangen, nämlich Blut und Gedärm in Literkanistern. Diese Service sollte er dem geneigten Zuschauer dann auch angefangen mit "Woodoo" und fortgesetzt mit "Ein Zombie hing am Glockenseil" in einer stetigen Aufwärtsspirale in seinen Folgewerken bieten.

Sein Märchen aber jetzt nur auf Splatter für die niedrigen Instinkte zu komprimieren würde seinem Output ebenfalls nicht gerecht werden. Vor allem zeichnet sich sein Genre- Verschnitt durch eine wahrlich unbehagliche Atmosphäre aus, die ihn schon beinahe in den Gothik- Sektor schiebt. Durch Schauplätze in schummrigen Couleur und dem entsprechenden Gedudel im Hintergrund darf man seinem "Zombie (?!) am Glockenseil" durchaus einen gewißen Gruselfaktor attestieren. Kein Jump Scares oder ähnliches modernes Geplänkel, sondern Gänsehaut der alten Schule. Wenn auch nicht immer vollends gekonnt und in seiner Darstellung mitunter knapp unfreiwillig Komisch.

Die Darsteller, mal abgesehen von Christopher George ( "Grizzly") oder Giovanni Lombardo Radice (" Der Schlitzer"), sind die üblichen Pappnasen des italienischen Genrekinos. Die werten diese Suppe weder ab noch auf, und so verkümmert diese Sparte eben im Mittelmaß. Zumindest versuchen Sie alle ihren Job mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu behandeln, was beim vorliegenden Skript nicht immer leicht gefallen sein dürfte. Die wahren Hauptdarsteller sind hier aber auch  die Maskenbildner, die aus den begrenzten filmischen und finanziellen Mitteln ein Maximum herauskitzeln.

Höchst prominent ist Fulci's Werk natürlich durch die deutsche Dokumentation "Mama, Papa, Zombie" die seinem Film aus ethischer Sicht ein wahres Armutszeugnis erteilten. Ganz so heftig wirken die expliziten Szenen heute freilich nicht mehr, kommen doch auch die besten handwerklichen Effekte irgendwann in die Jahre. Auch die schon seit Jahrzehnten andauernde Beschlagnahme ist ein schlechter Scherz, hat Lucio's wohl bekanntestes Werk diesen Stempel schon lange nicht mehr verdient. Mal davon abgesehen das eine solche Maßnahme in ihrer Gesamtheit heutzutage ohnehin obsolet erscheint.

Lucio Fulci's Mixtur gehört natürlich in jeden gut sortierten Giftschrank von Liebhabern meines Jahrgangs. Doch auch diejenigen die mit diesem Stück zelluloid'scher Filmgeschichte mal so gar nichts Anfangen können haben mein vollstes Verständnis. Geschmackssache eben und jenes gilt für dieses verwirrende, altmodische und in seiner Darstellung durchaus fragwürdige Horrormärchen im Besonderen.

 

 

6/10
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Kommentare

24.01.2020 18:34 Uhr - sonyericssohn
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Hah, der mit der verkorksten Wurzelbehandlung !!! :-D
Hier hat mir tatsächlich die Stimmung gefallen. Auch wenn der Rest Fulci- typischer Schlunz is. Und ja ich gebs zu....der steht bei mir im Schrank. Unfassbar 🤣

24.01.2020 19:54 Uhr - Intofilms
3x
Fair und kompetent besprochen. Sehr schön!
„Ein Zombie hing am Glockenseil“ habe ich zuletzt vor gut einem Jahr gesehen. Ein in der Tat ziemlich verworrener, wunderlicher Zombiefilm. Aber gerade das gefällt mir. Zumal die Stimmung einfach super ist.
In den letzten Tagen habe ich ein paar spontane Neusichtungen vorgenommen (Puni, Wuffi und dir sei Dank!): „New York Ripper“ (7 - 8 Punkte), „Man-Eater“ (6 Punkte) und „Woodoo“ (7 - 8 Punkte). Ich musste also überall ein bisschen was abziehen, hatte aber trotzdem ganz viel Spaß. Ich finde, die haben alle Ausstrahlung und Charisma. Das könnte natürlich mit einer gewissen Prägung zusammenhängen...

Bin gespannt, wie‘s mit deiner Fulci-Reihe (?) weitergeht. Ich würde mitlesen. 😁

24.01.2020 21:21 Uhr - Kaiser Soze
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Gutes Review und immer wieder interessant sowas zu lesen, denn ich persönlich hasse diesen Film, aber Du erläuterat es nachvollziehbar und daher gefällt mir Dein Review mal wieder weit besser als dieser Schrottfilm ^^ nichts für Ungut 😁😂

25.01.2020 08:17 Uhr - Mucki1979
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Sehr schön. Mir gefällt der Vergleich zum Märchen für Erwachsene ziemlich gut, da selbst die Grimmschen Gebrüder am Gekröse nicht gespart haben. Und ich letztlich bei diesem Film nie wirklich weiß, ob er ernster gemeint ist, als er heute vielleicht noch wirkt. Bei mir kommt der Film mit einem Pünktchen mehr davon, aber Danke für das erfrischend formulierte Review!

25.01.2020 12:20 Uhr - CHOLLO
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Vielen vielen Dank liebe Kollegen:)

26.01.2020 11:57 Uhr - cecil b
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Dein Blick auf Fulci ist den meinen nicht unähnlich, und deine Besprechungen sind wirklich sehr lesenswert!

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