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Elf Uhr Nachts

(Originaltitel: Pierrot le fou)
Herstellungsland:Frankreich, Italien (1965)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Alternativtitel:11 Uhr Nachts
Il Bandito delle undici
Crazy Pete
Pierrot Goes Wild
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Der intellektuelle Ferdinand Griffon, genannt "Pierrot", ist von seinem bürgerlichen Leben gelangweilt. Als er seine frühere Geliebte Marianne wieder trifft, verlässt er für sie spontan seine Familie. Auf ihrer Reise nach Südfrankreich ziehen die Liebenden eine blutige Schneise der Verwüstung durchs Land, bis Ferdinand von Gangstern entführt und gefoltert wird. Er soll den Verbrechern verraten, wo Marianne sich versteckt hält.
Nach dem explosiven Kultroman "Obsession" von Lionel White drehte Regielegende Jean-Luc Godard eine preisgekrönte Gangsterballade, die mit ihren schauspielerischen Glanzleistungen und revolutionären Erzähltechniken Filmgeschichte schrieb.
eine kritik von cecil b:

 

Lange Zeit habe ich mich davor gedrückt, meine Neugierde auf ELF UHR NACHTS (unsinniger deutscher Titel!) zu befriedigen, und den Film dann zu besprechen. Weil ich wusste, dass der Regisseur dieses Films, Jean-Luc Godard, diesen einst eine Kompilation seiner bisherigen Werke nannte. Dies hieße ja, ich sollte wohl sein ganzes Schaffen bis zur Veröffentlichung von PIERROT LE FOU kennen, um diesen im Ganzen zu erkennen. Ich fühlte mich erschlagen, von den 127 Regie-Arbeiten, die der Monsieur Godard bis heute veröffentlicht hat, auch, wenn sein Werk bis zur Inszenierung von dem nun hier besprochenen Films 'nur' etwa 20 Arbeiten als Regisseur bot, sein Schaffen als Drehbuchautor und Cutter habe ich nicht berücksichtigt. Mir sind nicht alle der erwähnten 20 Filme bekannt. Ich habe auch nicht de­tail­liert nachgelesen, welche 49 Auszeichnungen Godard für was erhalten hat. Wobei, die Tatsache, dass er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk, und PIERROT LE FOU zwei Auszeichnungen auf verschiedenen Festivals erhalten hat, die bekam schon meine Aufmerksamkeit. Den Roman OBSESSION, von Lionel White, auf dem PIERROT LE FOU grob basiert, den habe ich auch nicht gelesen.

Wie gut, dass mich die Review eines von mir gern gelesenen Filmkritikers dazu ermutigte, diesen Film trotzdem zu sehen. Der schrieb, dass sich dieser nicht auf etwas reduzieren wolle, gar nicht aufgrund seiner etlichen möglichen Bezügen schwerfällig werden, sondern eher das Gegenteil erreichen möchte. So musste ich, glaube ich, nicht um jeden Denker und jede Denkerin Bescheid wissen, oder ein bestimmtes derer Werke, welches in PIERROT LE FOU zitiert wird. Ich denke, dass es auch nicht zwingend wichtig ist, Godard zu 100 % zu verstehen, wenn er sein anarchistisches Stück Film beschreibt, indem er Filme von sich zitiert, die PIERROT LE FOU als Collage erklären: "PIERROT LE FOU, das ist ein KLEINER SOLDAT, der mit VERACHTUNG entdeckt, dass man SEIN LEBEN LEBEN muss, das EINE FRAU EINE FRAU ist und dass man in einer neuen Welt eine AUßENSEITERBANDE werden muss, um sich nicht AUßER ATEM wiederzufinden."

Das Godards Filme inszenatorisch und narrativ avantgardistisch waren, er immer wieder neues gewagt hat, und nicht selten eine Gesellschaftskritik den roten Faden gab, das sollte erwähnt werden. Passt zu dem vorherigen Zitat. Godard war einer der ersten und wichtigsten Regisseure, was das Prinzip der Auteur-Theorie angeht, einer der ersten Schritte in Richtung Autorenkino im Hinblick auf die kreative Unabhängigkeit der Regisseure. Er machte auch die Anfänge mit, die die Nouvelle Vague ins Leben riefen, womit er die Möglichkeit verstärkte, sich vom Mainstream abzuwenden und somit Regisseuren künstlerische Freiheit zu gewähren. Godard: „Ich ziehe es vor, etwas zu suchen, was ich nicht kenne, statt etwas, was ich kenne, besser zu machen.“. Godard ist einer der bedeutendsten Regisseure. Werfen wir in Gedanken mal einen Blick auf dieses seltsame Zelluloid, das nicht kategorisiert werden möchte. PIERROT LE FOU ist eine Lebensphilosophie. Und der zweite Film von Godard, den ich auf dieser Seite bespreche.

 

 

Natürlich stammt das Drehbuch von Godard. Wer sonst hätte zu dieser Zeit (Sechziger) so eine durchtriebene Erzählstruktur verwirklichen können? Wenige. Manche sagen, er habe nur einen konfusen Mischmasch aus dem Film Noir dieser Zeit gemacht, ohne dabei der nötigen Wirkung eines Films gerecht zu werden. Aber, eine klare narrative wie inszenatorische Kontinuität, suggeriert eine realistische Umgebung, so sagte Godard einst, und, er will oft wohl nur ein Gefühl und einen Gedanken vermitteln, der möglichst unabhängig von einer dargestellten Realität, ins­be­son­de­re individuell, wahrgenommen wird. Frei nach dem deutschen Kulturphilosophen Friedrich Schlegel: („Nur das Unvollendete kann begriffen werden.“). Selbst “Die Sprache verwischt die Reinheit", heißt es in PIERROT LE FOU.

Die verschiedenfarbigen Farbfilter, die Ferdinand -Pierrot-Griffon (Jean-Paul Belmondo: Casino Royale, Der Löwe) in manchen Szenen in das bürgerliche Leben einschließen, in­ten­si­vie­ren den Eindruck, dass der Protagonist in der normalen Welt, im Alltag, in der Gewohnheit und der systematischen Gesellschaft gefangen ist. Er ist alleine in Gesellschaft. Die Kamera-Perspektiven machen uns zum Beobachter, ob in Innenräumen, in denen ein Breitbildformat eine Bühne darstellt, oder auf der Straße und so, draußen, wo vor allem halbnahe, halbtotale und totale Einstellungen unser Paar als Zentrum jeder Umgebung zeigen. Die Landschaft ist auch mal in der Supertotale zu sehen, die Linse bewegt sich dann wie der Kopf eines Touristen. Wenn sich die Kamera (Raoul Coutard (1924–2016) Jules und Jim, Die Verachtung) im Stand um 360°dreht, dabei die beiden wichtigen Figuren verfolgt, und der Gang dieser gerade ist, können wir erstaunt sein. Oder dann, wenn der Blick abwechselnd ruckartig und dann stockend gen Himmel geht, wie eine visuelle Darstellung vom praktisch ziellosen Weg der Protagonisten. Die schwermütigen Geigen (Antoine Duhamel (1925–2014) Die Träumer, Frances Ha) hören wir nur selten, und dann plötzlich. Meistens konzentriert sich die Akustik auf die Dialoge, die fast ein Kammerspiel to go sind. Die Schnitte (Françoise Collin: Godards Die Außenseiterbande) gleichen nicht selten dem beschriebenen Blick der Kameraführung in den Himmel. Bloß nicht zu sauber und strukturiert inszenieren, so hieß es wohl, damit der zerstreute narrative Verlauf und die Darstellung parallel sind. Anna Karina († 2019), die man aus vielen Filmen von Godard kennt (kein Wunder, immerhin war sie von 1961 bis 1965 mit dem Regisseur verheiratet), und Belmondo, spielen nicht nach klassischen Maßstäben. Das Overacting ist eine bewusste Verdeutlichung des Paares, das ein wahnsinniges Leben erstrebt. Die schauspielerischen Höhepunkte sind in den Blicken Richtung Zuschauer, oder in manchen leisen Reaktionen auf Aussagen zu finden, und sind dann alles andere als schlecht. PIERROT LE FOU kann meistens dann berühren, wenn er den Beobachter mit ins Boot zieht, indem die Protagonisten dich frontal anschauen und ansprechen.

Du ahnst es nicht, wie schnell das geht. Dass da einer in das Bild kommt, das ein bestimmtes Leben zeigt, und dieses visuell und dann inhaltlich verändert. Was gerade noch ein geordneter Raum war, stellvertretend für ein geordnetes Leben, wird auf einmal blindlings verändert. Die Art der dargestellten Umgebung, die sich systematisch profiliert, kommt in den Hintergrund, mit einer Torte wird das Nest beschmutzt, Regisseur SAM FULLER (!)  (Ich erschoß Jesse James) sagt zu dem Protagonisten, dass der Film ein Schachtfeld der Emotionen ist, und aus Zufall (?) wird ein gewohntes Leben, welches hart erarbeitet wurde, zerstört. Und aus den Scherben kann man keine klare Struktur erschaffen. Von nun an vermeidet das Paar das, was man machen sollte. Es rebelliert gegen jegliches System, auch gegen Logik, und im Endeffekt auch gegen sich selbst. Und hat dadurch vielleicht alles erkannt, zum Scheitern verurteilt. Es soll keine Grenzen mehr geben. Da fährt es einfach von der Straße herunter, und der Wagen landet im Meer, um vom Weg abzukommen, und sich von materieller Abhängigkeit zu befreien. Wenn man etwas Geld braucht, ist Klauen eine Möglichkeit, oder es wird eben eine Parodie auf den Vietnam-Krieg dargeboten, die Amis schmeißen dann lachend das Geld raus. Ist ja auch Wahnsinn, was da im Krieg geschieht, und du wirst sehen, dass die Schlechtigkeit der beruflichen Mörder und Folterer in vielen Menschen steckt. In dem gewalttätigen Paar, wie dessen Verfolgern. Wie zwei Kinder hopsen und springen die Protagonisten singend über Wiesen und Wälder, Ruinen, Strände und Straßen. PIERROT hat sich schon seit langer Zeit in der Literatur versteckt, lässt sich die Bücher nicht nehmen, und sieht das Wichtigste in Schicksal und Eigenschaften. Sie definiert sich gegenüber den im Vergleich wenig gefühlsbetonten Ferdinand "Pierrot" über ihre Gefühlsduseleien, legt aber am meisten Wert auf das Greifbare. Sie beide beschließen ihr Leben neu zu erfinden.

Sie machen aus ihrem Leben einen Roman, einen Film, und schreiben das Drehbuch und führen die Regie meist spontan. Kunst ist Freiheit. Das Leben wird improvisiert, und die Fantasie wird Wirklichkeit. Selbst die Menschen um das Paar herum sind nur noch das, was dieses darin sehen möchte. Nur eine Erweiterung der vorherigen Realität. Die Freiheit der Gedanken gewinnt. Es geht, entscheide dich für das Leben, das du haben möchtest, und lebe es einfach, damit du so lebst, wie du willst. Die Fragen werden direkt gestellt. Du bist doch nur der, der du im Moment bist. Oder?  Wer weiß schon, wer er ist? Die Person, die wir darstellen, ist die mehr durch die Gesellschaft oder uns selbst bestimmt? Wer sind wir davon unabhängig? Was ist das Individuum wirklich? Wenn wir das sind, was wir als Bild anderen gegenüber darstellen, kann die Ein­zel­per­sön­lich­keit dann nicht immer wieder ein neues Bild malen? Die Gedanken sind frei, und dann sind wir frei? Wie trist und zwiespältig es doch dann aber ist, nachdem du die Schönheit des Moments als Lebenssinn erkannt hast, wenn du einsiehst, dass für dich die bekannte Ewigkeit nur die Existenz der Welt und der Tod sein können, das Leben die Vergänglichkeit ist, und der Tod nur aufgrund des Lebens existiert. Und die Suche nach dem wahren Leben überall stattfindet, unabhängig von Orten, Zeit und Umgebungen. Am besten du akzeptierst das, damit du die schönen Momente erkennst. PIERROT LE FOU, le Fou, das heißt der Dummkopf.

 

 

PIERROT LE FOU ist eine reine Philosophie, in jeder Szene, jeder Handlung und vor allem jeden Dialog. Traurig, wunderschön, böse, erschreckend und gemein ehrlich. Unvorhersehbar. Die dargestellte Suche nach einem Lebenssinn, der höher ist. Vermutlich die Suche nach der Ferne, die immer dort ist, wo man gerade nicht ist. Es wird nicht der Fehler gemacht, zu vermitteln, eine Antwort auf die Frage nach dem Lebenssinn geben zu können. Vielmehr wird dazu animiert, sich selbst die Fragen zu stellen, und diese nach eigenem Sinne zu beantworten. In jedem Moment sind die Sechziger präsent, wir sehen ein Zeitbild, aber, die Philosophie, die ist zeitlos. Ein filmischer Anarchist. Für den einen eine brutale Offenbarung, für den anderen langweiliger Mist. Das ist bestimmt abhängig vom individuellen Charakter oder der jeweiligen Lebensphase. Damit macht Godards Film wohl alles richtig. Kann nur jeder selber wissen. So ist es doch immer. 

 

 

Godard lehnte den Oscar übrigens mit folgenden Worten ab: "Kennen die meine Filme überhaupt?". 

 

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Kommentare

05.02.2020 22:19 Uhr - Egill-Skallagrímsson
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Bravo, Cecil, wie immer eine Top Review! ;-)

Ich kenne Belmondo bisher nur von seinen Actionthrillern Profi, Greifer, Außenseiter usw., jetzt tut sich eine mordsmäßige filmische Lücke bei mir auf! Muss dringend gesichtet werden. Bald! Am besten sofort!

05.02.2020 23:27 Uhr - cecil b
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Thanx a lot. :)

Ich habe mir tatsächlich gedacht, dass dieser Film von deinem Interesse sein könnte. Anspruchsvolle besondere Filme scheinen dir oft zu gefallen. Aber Vorsicht, der ist auf seine Art und Weise ähnlich eigen wie der wunderschöne Valerie – Eine Woche voller Wunder, bei dessen Besprechung du ja fast zu erwarten warst. ;) Pierrot le fou ist so ungewöhnlich, dass er nicht leicht zu konsumieren ist. Aber ein Fest für jeden, der auch gerne mal besondere alte Filme sieht, philosophiert, bezüglich der philosophischen Literatur bewandert ist.......oder sich mal denkt "WENN SCHON VERRÜCKT, DANN RICHTIG!", siehe Cover. ;)

07.02.2020 15:08 Uhr - Pratt
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Schönes Review, mit dem Film konnte ich als großer Belmondo Fan dennoch nix anfangen genau wie mit ihrer vorherigen Zusammenarbeit 'Eine Frau ist eine Frau', Godard ist schon sehr speziell und abgehoben und während 'Außer Atem' noch recht linear einer Geschichte folgt ist das hier nicht mehr der Fall... fällt definitiv aus der Masse raus ;-)

07.02.2020 15:54 Uhr - Horace Pinker
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Dann weiß ich ja jetzt wo ein gewisses Label seinen Namen her hat ;) Wie gewohnt lesenswerte Besprechung von dir, die sowohl informativ als auch stilistisch ansprechend daher kommt. Ob Pierrot was für mich wäre weiß ich noch nicht so genau, behalte ich mal im Hinterkopf wenn ich mal wieder Lust auf etwas anspruchsvollere Kost bekomme.
P.S. Wenn mich meine Französischkenntnisse nicht trügen heißt le fou übersetzt der Verrückte.

08.02.2020 00:17 Uhr - Dissection78
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Ohne Flachs! "Elf Uhr nachts" habe ich als Kind zum ersten Mal gesehen, und er hat mich für mein Leben versaut. Wahrscheinlich war ich viel zu jung für dieses vergeistigt-experimentelle Etwas von Film. Seitdem kann ich jedenfalls nichts, aber auch absolut ganz und überhaupt gar nichts mit Filmen von Godard anfangen (Ausnahme: "Außer Atem"). Ich habe keine Probleme mit David Lynch, Ingmar Bergman, Luis Buñuel, Derek Jarman sowie mit sperrigen Nouvelle-Vague-Vertretern wie Jacques Rivette oder Éric Rohmer, aber Jean-Luc Godard ist für mich ein komplett rotes Tuch. Der kam mir auch in Interviews total abgehoben, im künstlerischen Elfenbeinturm sitzend und komplett arrogant rüber, und seine filmischen Werke wurden mit den Jahr(zehnt)en immer schlimmer 'artsy fartsy', ich möchte beinahe sagen... möchtegern-intellektuell. Ich werde diesem Streifen vielleicht nochmal eine einzige Chance geben, dies jedoch nur aus nostalgischer Neugier. Ansonsten muss ich gestehen: 'Meister' Godard geht mir persönlich am Allerwertesten vorbei.

Fun Fact am Rande - und das spricht vielleicht nicht für mich: Ich weiß, dass Marina Ann Hantzis sich Anna Karina nennen wollte, bevor sie 'Sasha Grey' als Pseudonym für ihre Karriere im Erwachsenenfilm wählte ;)

08.02.2020 06:38 Uhr - cecil b
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Pratt; Thanx! :) Kann dich verstehen.

HP: Danke dir. :) Wenn du mal etwas sehr verrücktes sehen möchtest. ;) Onkel Wiki meinst Dummkopf: https://www.google.com/search?q=le+fou+franz%C3%B6sisch+deutsch&oq=le+&aqs=chrome.1.69i59l2j69i57j69i59j0j69i61l2j69i60.6446j1j7&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Ich aber ich vermute, dass du Recht damit hast, dass man das Wort auch so benutzen kann.

Dissection78: Ich freue mich sehr darüber, dass du die Review kommentierst, bzw. gelesen hast! :)

Ich bin mir sicher, dass Godard sich sehr darüber freuen würde, wenn er lesen könnte, wie viele Emotionen sein Film bei dir ausgelöst hat. ;)


DU bist an allem Schuld! ;) DU hast nämlich mal auf dieser Seite geschrieben, dass dich der Film als Kind aus der Bahn gebracht hat. Ich habe mir den damals gekauft, weil ich wissen wollte, was für ein Film das ist, der die Person, die zu der Zeit hier die härtesten Filme besprochen hat, traumatisiert hat. Du hast das Trauma offensichtlich noch nicht verarbeitet. ;) Es ist aber wirklich wahr, wegen dir habe ich den gekauft.

Nun, wenn man bedenkt, dass der Film jeglichen Ansatz von Lösung und erleichternder Schlussfolgerung in Folter, Gewalt und dem sehr harten Ende ertränkt, verständlich. Ich habe den in frühen Jahren auch mal gesehen, (auch zu früh), wusste aber nicht, welcher Film das war. Bei einer neuen Sichtung kam jetzt die Erinnerung langsam empor. Ich hatte den Film damals auch abgelehnt und als dumm und künstlich abgetan. Verstehen kann ich es immer noch.

Damals: In einer Szene erzählt einer dem Protagonisten singend, lachend und weinend, verzweifelt und geisteskrank, minutenlang davon, das immer wieder das selbe Lied in seinen Kopf kommt, wenn er an seine Frau denkt.

Ich (zu jung): Was soll das denn, so ein komischer Schwachsinn!

Heute: Oh, er ist daran zerbrochen, wie eintönig seine Ehe geworden ist.

GODARD: Arroganz: Bestimmt.

Selbstherrlich sind die meisten dieser Art. Sonst würden sie bestimmt nicht ihr Ding machen.

Möchtegern-intellektuell: Wie geschrieben, ist Godard einer der wichtigsten Regisseure, wenn es darum geht, die künstlerische Freiheit der Regisseure zu bewahren. Er hat mehrere inszenatorische Mittel, die wir heute kennen, erfunden! Die unzähligen Philosophien, die er in ELF UHR NACHTS zitiert, ergeben alle im Kontext einen Sinn. Die Dialoge bestehen zu großen Teilen daraus. Er ist sehr belesen, und hat, da alles einen Sinn ergibt, verstanden, was er da gelesen hat. ;) Aber, man kann natürlich sagen, dass es platt ist, die Philosophen zu zitieren, und Bilder von Picasso und Co. überall an den Wänden hängen zu haben.

Ob Godard, Lars von Trier, Lynch, Argento, Noe, Schlingensief, Marian Dora, ich halte sie alle für wahnsinnig. Und ich kann ernsthaft JEDEN verstehen, der ihre wahnsinnigen Filme ablehnt. :)

Aber, mich fordern diese Filme heraus. Ich werde also stark animiert.

Ich hoffe, das mein oben veröffentlichtes Fazit diesem seltsamen Film gerecht wird. :)

08.02.2020 06:39 Uhr - cecil b
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08.02.2020 06:38 Uhr schrieb cecil b
Pratt; Thanx! :) Kann dich verstehen.

HP: Danke dir. :) Wenn du mal etwas sehr verrücktes sehen möchtest. ;) Onkel Wiki meint Dummkopf: https://www.google.com/search?q=le+fou+franz%C3%B6sisch+deutsch&oq=le+&aqs=chrome.1.69i59l2j69i57j69i59j0j69i61l2j69i60.6446j1j7&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Ich aber vermute, dass du Recht damit hast, dass man das Wort auch so benutzen kann.

Dissection78: Ich freue mich sehr darüber, dass du die Review kommentierst, bzw. , vermutlich, gelesen hast! :)

Ich bin mir sicher, dass Godard sich sehr darüber freuen würde, wenn er lesen könnte, wie viele Emotionen sein Film bei dir ausgelöst hat. ;)


DU bist an allem Schuld! ;) DU hast nämlich mal auf dieser Seite geschrieben, dass dich der Film als Kind aus der Bahn gebracht hat. Ich habe mir den damals gekauft, weil ich wissen wollte, was für ein Film das ist, der die Person, die zu der Zeit hier die härtesten Filme besprochen hat, traumatisiert hat. Du hast das Trauma offensichtlich noch nicht verarbeitet. ;) Es ist aber wirklich wahr, wegen dir habe ich den gekauft.

Nun, wenn man bedenkt, dass der Film jeglichen Ansatz von Lösung und erleichternder Schlussfolgerung in Folter, Gewalt und dem sehr harten Ende ertränkt, verständlich. Ich habe den in frühen Jahren auch mal gesehen, (auch zu früh), wusste aber nicht, welcher Film das war. Bei einer neuen Sichtung kam jetzt die Erinnerung langsam empor. Ich hatte den Film damals auch abgelehnt und als dumm und künstlich abgetan. Verstehen kann ich es immer noch.

Damals: In einer Szene erzählt einer dem Protagonisten singend, lachend und weinend, verzweifelt und geisteskrank, minutenlang davon, das immer wieder das selbe Lied in seinen Kopf kommt, wenn er an seine Frau denkt.

Ich (zu jung): Was soll das denn, so ein komischer Schwachsinn!

Heute: Oh, er ist daran zerbrochen, wie eintönig seine Ehe geworden ist.

GODARD: Arroganz: Bestimmt.

Selbstherrlich sind die meisten dieser Art. Sonst würden sie bestimmt nicht ihr Ding machen.

Möchtegern-intellektuell: Wie geschrieben, ist Godard einer der wichtigsten Regisseure, wenn es darum geht, die künstlerische Freiheit der Regisseure zu bewahren. Er hat mehrere inszenatorische Mittel, die wir heute kennen, erfunden! Die unzähligen Philosophien, die er in ELF UHR NACHTS zitiert, ergeben alle im Kontext einen Sinn. Die Dialoge bestehen zu großen Teilen daraus. Er ist sehr belesen, und hat, da alles einen Sinn ergibt, verstanden, was er da gelesen hat. ;) Aber, man kann natürlich sagen, dass es platt ist, die Philosophen zu zitieren, und Bilder von Picasso und Co. überall an den Wänden hängen zu haben. Und kann ja gut sein, dass er sich mittlerweile verrent. :)

Ob Godard, Lars von Trier, Lynch, Argento, Noe, Schlingensief, Marian Dora, ich halte sie alle für wahnsinnig. Und ich kann ernsthaft JEDEN verstehen, der ihre wahnsinnigen Filme ablehnt. :)

Aber, mich fordern diese Filme heraus. Ich werde also stark animiert.

Ich hoffe, das mein oben veröffentlichtes Fazit diesem seltsamen Film halbwegs gerecht wird. :)

08.02.2020 22:15 Uhr - Intofilms
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Mit „Elf Uhr Nachts“ konnte ich auch nur wenig anfangen. Ich hatte vorher schon so viel darüber gehört und war dann vermutlich umso enttäuschter. „Außer Atem“ und „Die Außenseiterbande“ fand ich dagegen sehr gut. Noch aufdringlicher als Godard ist für mich zum Beispiel Wim Wenders. Im Grunde kann ich aber bei beiden nicht wirklich mitreden, da mir hierzu der nötige Gesamtüberblick fehlt (vor allem bei Wim Wenders). Ich habe deswegen kein schlechtes Gewissen.
Sehr lesenswerte Review, cecil!

09.02.2020 09:09 Uhr - Dissection78
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Oh, ich kann mich jetzt ehrlich gesagt gar nicht mehr an eine entsprechende Äußerung meinerseits erinnern, aber das kann schon sehr gut sein, cecil 🤔 Dass die mal eine solche Auswirkung haben würde... 😲

Lars von Trier, Gaspar Noé, Christoph Schlingensief oder Nicolas Winding Refn - deren Werke kann man (also, in dem Fall ich) sich gut geben, wenn man in der richtigen Stimmung ist, ja, auch die von Marian Dora. Selbst der von Into ins Spiel gebrachte Wim Wenders geht noch ("Der amerikanische Freund", "Paris, Texas", "Der Himmel über Berlin" oder "The Million Dollar Hotel" gefielen mir einst). Aber Godard.. nee! Was den Neuen Deutschen Film angeht, war Alexander Kluge vielleicht noch so unnahbar vergeistigt sowie versponnen abgehoben; der kam allerdings in Interviews deutlich sympathischer rüber.

Was Godard über die Hollywood-Academy und ihre 'Oscars'™/® (hihi!) sagt und denkt, dafür gibt's andererseits einen Daumen nach oben ;)

09.02.2020 11:22 Uhr - cecil b
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Into: Danke für deinen wieder mal bereichernden Kommentar.

Dissection78: Ich könnte den Kommentar suchen, aber, wir sehen das bestimmt beide so, dass dies nicht nötig ist. ;)

Godard: Die von mir beschriebene Inszenierung fasziniert mich schon. Diese Kamera-Bewegung in den Himmel, oder die Drehung. Selbst die ersten Worte, die zu lesen sind, sind interessant. Einfach, weil die Buchstaben vereinzelt und zerstreut auftauchen, passend zum Film (!), und erst dann Worte ergeben. Es werden diverse militärische und politische Verbrechen von Frankreich und der U.S.A. angesprochen. Waterboarding wird ausgeführt, und der Protagonist sagt: Plüm Plüm Palüm. WAS? Schlingensief muss Godard geliebt haben. Und das direkte Ende: Unglaublich! Die höchste Form der inneren Zerrissenheit.


Ich gehe davon aus, dass Lars von Trier, Gaspar Noé, Christoph Schlingensief oder Nicolas Winding Refn und vermutlich viele andere, Godard als einen wesentlichen Einfluss ihrer Kunst bezeichnen. Er gehört zu den ersten, die sich getraut haben, aus den üblichen Schema der Inszenierung seiner Zeit herauszuspringen. Wie ein Wahnsinniger. Es ist unmöglich, dabei vielen zu gefallen, es ist ein Risiko, es ist Kunst. Und ganz schön komisch, da stimme ich zu. :) https://www.youtube.com/watch?v=SHfyW_BUxVc

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