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Der schwarze Diamant

(Originaltitel: Uncut Gems)
Herstellungsland:USA (2019)
Genre:Drama, Komödie, Krimi, Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,18 (11 Stimmen) Details
inhalt:
Der charismatische Juwelier Howard Ratner aus New York City ist ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Wurf. Als er einige Wetten mit hohem Einsatz abschließt, die ihm den Gewinn seines Lebens einbringen könnten, geht er einen riskanten Balanceakt ein. Für seine unnachgiebige Jagd nach dem ultimativen Sieg setzt er nicht nur Geschäft und Familie aufs Spiel, sondern legt sich auch mit harten Gegenspielern an.
eine kritik von knochentrocken:

„Uncut Gems" (zu Deutsch: ungeschliffene Edelsteine) - Kurzkritik

„Das ist das Ding. Man sagt, man kann das ganze Universum in Opalen sehen. Weil sie so alt sind.“

Der Juwelenhändler und spielsüchtige Howard Ratner (Adam Sandler) ist der Inhaber eines kleinen, schmierigen Juwelenladens. Eines Tages kommt nicht nur Basketball-Profi Kevin Garnett (Kevin Garnett) in seinen Juwelenladen, er bekommt auch noch ein Paket zugestellt. Eine Lieferung, auf die er schon lange gewartet hat. Der Inhalt: ein seltener, schwarzer Opal. Er zeigt ihn Garnett, um damit zu prahlen. Garnett spürt sofort eine Art Verbindung mit dem Juwel, er "spricht" mit ihm, er gibt ihm das Gefühl, das Universum zu besitzen. Damit könnte er mehr Glück bei den nächsten Spielen haben. Ungefährer Wert: 3.000 pro Karat. Was am Ende ungefähr über $ 1 Mio. entspricht.  Er will ihn Howard abkaufen. Doch Howard kann ihm den Opal nicht verkaufen. Er will ihn bei einer Auktion versteigern. Kevin Garnett bittet ihn den Opal für eine Nacht auszuleihen, dafür bekommt Howard den Meisterschaftsring als Pfand. 
Da Howard allerdings ein notorischer Glücksspieler ist, gerät alles außer Kontrolle... 


Adam Sandler? Ist das nicht dieser Kerl aus „Die Kindsköpfe"?! Oder aus „Jack and Jill"?! Dieser furchtbare Komödien-Quatschkopf, der immer albern ist? Den keiner für Voll nimmt? 
Zugegeben, beim ersten Trailer war ich noch misstrauisch. Doch dass ein Comedian, der immer nur schwache Komödien unterste Schublade produziert, auch beweisen kann, dass er ernste Rollen spielen kann und dabei auch verdammt gut spielen, bewies meiner Meinung nach schon Jim Carrey damals mit dem düsteren Mystery-Thriller „Number 23"
Seit dem 31.01.20 ist „Uncut Gems" (bei uns „der schwarze Diamant") bei Netflix verfügbar. Er lief in den USA auch in einigen Kinos. 
Er ist eine Produktion von Netflix in Zusammenarbeit mit dem Studio „A24", welche schon in der Vergangenheit überzeugt haben. 
Regie führten die Safdie-Brothers („Good Time") die auch (zusammen mit Ronald Bronstein) das Drehbuch schrieben. 
 

Und was soll man sagen? Was für ein Film! Nicht nur, dass die kurze Geschichte, die zugegbenermaßen auf einen Bierdeckel passt, in der Laufzeit von über zwei Stunden vorbei geht wie im Flug. Nein, man ist hier als Zuschauer ganz stark auf Sandler konzentriert, der hier endlich mal der Filmwelt beweisen kann, was er drauf hat. Und ja verdammt, er hat es drauf! 
Untermalt wird die düstere Atmosphäre von Geld, Drogen, Untreue, Nachtclubs, Gangstern und Juwelen durch die Musik von Daniel Lopatin. Diese Musik gleicht den Klängen von techno-synthisisischern der 80er Jahre. Am besten vergleichbar mit dem Score aus „Thief" oder „Drive".

Das Beste ist, wenn man denkt, jetzt verliert der Film an Fahrt, kommt es zur nächsten Situation, in die Howard hineingesogen wird. 
Wer darunter am meisten leidet, sind seine Familie und seine Geliebte. Diese beiden Aspekte droht Howard nicht mehr kontrollieren zu können. Und vor allem, nicht stützen zu können. Seine Familie zerfällt allmälich. Von seiner Affäre will er sich distanzieren. Doch von seinen Problemen, die sich immer mehr häufen und immer weiter auf ihn zurollen, lässt sich Howard nicht unterkriegen. Der Fokus bleibt auch deutlich bei Howard Ratner. Denn die Familienprobleme werden nicht zu ausgeschweift dargestellt, was ich allerdings gut finde, da es dem Film nur Tempo genommen hätte. 

Und auch der Zuschauer lässt sich nicht aufhalten. Treffend hat es Christian Eichler geschrieben: 

"In Ratners schwitzigem Diamantenmausoleum dreht er krumme Deals mit nur einem Ziel: Immer weiter zu wetten. Howard Ratner ist der Typ, der dir mit einer Hand auf die Schulter klopft und mit der anderen die Geldbörse aus der Jacke zieht. Und dabei trotzdem noch sympathisch rüberkommt.

Das ist die große Leistung Sandlers in Uncut Gems: Aus einem gierigen Schlitzohr einen Menschen zu machen, mit dem wir mitfühlen."


Auch Wirtschaftskritik ist klar herauszulesen. Dazu schreibt Eichler passend: 

"Der Film ist eine Wirtschaftskritik. Howard Ratners Abstieg verbildlicht, dass alles, was wir tun, im Kern zwei Prinzipien unterworfen ist: dem Fetisch und der Wette.

Als Fetisch hat Karl Marx die Idee verstanden, dass wir Gegenständen eine Eigenschaft zusprechen, die sie gar nicht besitzen. Ein Diamant lässt uns keine Körbe werfen, das ist klar. Aber auch ein Stück Papier mit einer Zahl drauf hat nur einen Wert, weil wir daran glauben. Das ist der Fetischcharakter von Waren und Geld. Mit der Wette verhält es sich ähnlich. Jede Unternehmensgründung, jede Investition: Im Grunde sind sie nur Wetten. Wetten darauf, dass man aus Geld mehr Geld machen kann."

Die Sucht, die Howard Ratner hat, die Spielsucht, treibt ihn voran. Es ist seine Motivation! Sie ist im Grunde eine zweiseitige Medaille: auf der einen Seite pusht Sie (die Spielsucht) ihn, auf der anderen Seite lässt sie ihn immer mehr in einen Sumpf aus Fehlern, fatalen Folgen und Risiken fließen. 
Die Liebe Ratnera liegt hier eher weniger auf die Juwelen, als mehr auf das Spiel. Die Wetten. Und den daraus zu schlagenden Profit. Du gibst mir das, ich verpfände dafür das um an das zu kommen, was ich dann für viel Geld verkaufe, welches ich dann verwette, um daraus evtl. noch mehr Profit schlagen zu können. 
Wirtschaftskritik und Kapitalismuskritik Par excellence! 
 

Verhoeven wäre begeistert, wie ich finde. 


Mit düsteren, aber auch fieberartigen Klängen, einer ernsten und unangenehmen Atmosphäre, dreckigen und rauen Bildern und zu guter Letzt: ungeschliffenen und rohen Charakteren, bietet der Film ein fantastischen Einblick in die Welt von bedeutungslosen Menschen. Amerikanischen „lowlifes". Oder: „white-trashs". Die, die versuchen groß rauszukommen. Die, die versuchen den amerikanischen Traum zu leben und nicht aufhören können, sondern immer weiter machen. 
Ein grandioser Einblick in die Welt eines kleinen Juwelenhändlers, der aufs Ganze geht... und am wichtigsten: mit einem verdammt starken Adam Sandler! 
 

Info: Adam Sandler hat keine Oscarnominierung erhalten. 

9/10
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Kommentare

01.02.2020 16:31 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
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Sehr gute Review! Hab dem Film einen Punkt weniger gegeben weil er mich einfach zu sehr gestresst hat ^^ aber top Film mit einem Sandler der noch nie so gut war und eine Oscarnomination definitiv verdient hätte.

01.02.2020 21:15 Uhr - The Machinist
1x
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Da stimme ich zu. Gestern Abend gleich voller Vorfreude geschaut, und wurde nicht enttäuscht, auch wenn ich ihn noch nicht als Meisterwerk betiteln würde. Von mir 8 von 10, gerade wegen Sandler, den man so devinitiv noch nie gesehen hat.

Spitzenmäßige Vorstellung deinerseits.

02.02.2020 10:08 Uhr - CheesyAK47
1x
Der gute Adam überzeugte mich auch in Reign over me oder dem phantastischem The Meyerovitz Stories (auch bei Netflix). Super Review!

03.02.2020 12:51 Uhr - TheMovieStar
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Sprachlich ist das Review bis auf ein paar Ungereimtheiten in Ordnung und lässt sich gefällig lesen. Was eher unglücklich ausfällt ist die Sandler Verallgemeinerung, der Typ hat bestimmt auch ein paar brauchbare Filme veröffentlicht und auch einige Fans bzw. Leute, die seinen Humor gut finden.
Aussagen wie "den NIEMAND für voll nimmt" oder "der NUR Komödien unterster Schublade produziert" sind überzogen und zu sehr verallgemeinert. Wenn du das so für dich persönlich siehst ist das ja ok, dann kann man das z.B. mit dem Zusatz meiner Meinung nach entschärfen, aber so wie du das hier formuliert hast, lehnst du dich ein wenig sehr weit aus dem Fenster.

03.02.2020 13:58 Uhr - Knochentrocken
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@Moviestar

Es ging mir bei dieser Verallgemeinerung eher darum, dass Sandler von Vielen Seiten - vor allem in den letzten Jahren - als untalentiert eingestuft wird und dass er nichts besseres kann als solche Sachen wie „Jack & Jill“ oder „Urlaubsreif“ oder oder...

Im Grunde wird kritisiert, dass er in den letzten Jahren Produktionen à la Schweiger/Schweighöfer herausgebracht hat.

Ich mag auch einiges von seinen Komödien. Vor allem die Klassiker wie Mr. Deeds.

Und wenn wir mal ehrlich sind. Wenn man mal auf der Straße nachfragt, wer Adam Sandler ist, dann werden dir die Meisten - die mal von ihm gehört haben - sagen: „ist das nicht dieser schreckliche Comedian, der diese überzogenen und unlustigen Filme macht?“

03.02.2020 14:18 Uhr - TheMovieStar
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Nun, ich bin auch kein bekennender Fan von ihm, ein paar Filme wie Bulletproof oder Happy Gilmore waren jedoch zumindest für mich recht unterhaltsam. Ich denke,
wenn man sich mal seine unterschiedlichen Filme ansieht, die teilweise sehr erfolgreich sind, dass er auch eine dementsprechende Fanbase haben wird die seine Filme toll findet, also kann er ja gar nicht alles falsch gemacht haben. Ob seine Werke dann deinem oder meinem Geschmack entsprechen, ist natürlich wieder eine andere Sache.

Und auch lustig ist immer subjektiv, was der eine peinlich findet, findet der andere total komisch.

10.02.2020 10:44 Uhr - Frank Drebin
1x
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Ich kann "Punch Drunk Love" empfehlen, wo er eine sehr starke Darstellung ablieferte, die nicht überdreht und albern war. Klingt für mich so, dass das der o.g. Film der nächste mit Sandler sein wird, den ich mir freiwillig antun werde. Sorry, ich mag Komödien, aber Zohan, Mr. Deeds oder Jack und Jill: das alles fand ich nur furchtbar.

Vielen Dank für diese tolle Review!
Gruß,
Frank!

20.03.2020 17:15 Uhr - joecool69
Klasse Kritik Trockner Knochen!
Hatte ich nicht in den Anfangscredits den Namen Martin Scorsese gelesen, das letzte Filmdrittel sah mir jedenfalls ganz schön von ihm Inspiriert aus. Verdammte Meisterleistung, stakes Drehbuch sowie ein Mitreißender Film in dem Sandler besonders im Schlussakkord richtig aufdrehen kann.
Von mir 9 von 10 Scorsese

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