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VelvetK
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XP 232
Eintrag: 08.02.2020

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Midsommar

Herstellungsland:USA (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Thriller, Mystery

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,61 (22 Stimmen) Details
inhalt:
Obwohl ihre Beziehung kriselt, schließt sich Dani ihrem Freund Christian auf einen Sommertrip in einen kleinen Ort in Schweden an. Gemeinsam mit Christians Clique sind sie zu einem einmaligen Mittsommerfestival eingeladen. Doch der anfänglich idyllische Eindruck der abgelegenen Gemeinschaft trügt, die freundlichen Dorfbewohner verhalten sich nach und nach merkwürdiger: Sie bereiten sich auf ein besonderes Mittsommer-Ritual vor, das nur alle 90 Jahre zelebriert wird. Was als puritanisches Fest der Liebe und Glückseligkeit beginnt, nimmt eine unheimliche Wendung, die das sonnengeflutete Paradies bis in die Eingeweide erschüttert.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Wallfahrt.

Dani (Florence Pugh) bricht nach dem von ihrer Schwester verschuldeten Tod ihrer ganzen Familie vollständig zusammen. Ihr Freund Christian (Jack Raynor) und vor allem dessen Freunde sind zunächst kein großer halt und Dani verliert sich beinahe selbst. Darüber hinaus wollen Christian und seine Freunde (u. a. Will Poulter) nach Schweden in die Heimat von Mitstudent Pelle (Vilhelm Blomgren) reisen, um der Sommersonnenwende einer kleinen, abgeschiedenen Kommune beizuwohnen. Dani wird mit der angedachten Reise der Truppe zuerst überrumpelt und Christian lädt sie nicht ohne Bedenken ein, mitzukommen. Einmal in der festlich entrückt wirkenden Idylle angekommen, sieht sich nicht nur die psychisch labile Dani mit eigenartigen Vorkommnissen und drogenberauschten Visionen konfrontiert. Die alljährlichen Festlichkeiten haben längst begonnen.

Jetzt hat Ari Aster mich doch erwischt und beschäftigt mich mittlerweile seit einigen Tagen, was man nur von dem kleinsten Teil der Filmveröffentlichungen behaupten kann. Ari Asters Midsommar ist eine in mehrfacher Hinsicht hell am Firmament gleißende Sternstunde des abseitigen Genrefilms und wird noch für eine lange Zeit die Gemüter gewaltig spalten. Schon Asters handwerklich famoser und tiefgründig gedachter Erstling, der ziemlich eigenartige, schwer verdauliche und nervenstrapazierende Hereditary, gab eine markant ins Innere schneidende Richtung vor, die mich aufgrund mangelnder Sympathien hinsichtlich der Hauptfiguren und der nicht komplett geglückten Symbiose aus Horror und Psychodrama zwar nicht total begeisterte, aber immerhin ziemlich interessiert zurück ließ.

Schon die noch dunkel eingefangene und niederschmetternde, durch den grandiosen Score an den Geduldsfäden schabende und bitterböse Eröffnung von Midsommar macht klar, dass Aster seinen fruchtbaren und einer ungewöhnlichen Erlösungssuche zugeneigten Stil unbeirrt und durch das befeuerte Echo des Publikums und der Kritiker erstarkt weiterverfolgt. Midsommar ist dabei versierter und sakraler, in seinen faszinierenden Einzelteilen und bedeutsamen Ebenen besser ineinander verknüpft und durch das exotische Szenario und die immerwährende Helligkeit ein unfassbar aufregender Hingucker, den wohl selbst Aster auf kurze Sicht kaum toppen kann. Aster und Kameramann Pawel Pogorzelski verstehen es ab Minute eins durch eine hervorragende Bildkomposition zu fesseln und man kann sich kaum satt sehen an großartigen, Licht durchfluteten und farbenfrohen Bildern von Midsommar, der trotz seiner zweieinhalb Stunden Laufzeit nie langweilig wird und einen in eine außergewöhnliche Welt entführt, die man so noch nicht gesehen hat. Ist es die erste viertel Stunde noch düster, einer Weitsicht beraubt und verschneit angelegt, bricht der Film nach seiner heftigen Exposition auf eine breite und offen angelegte Bühne spielerischer Helle. Midsommar ist ein wunderschöner Film mit zig kleinen Details, unendlich vielen verschiedenen Blüten und Blumen, archaischen Trachten und einer urbanen Magie, die einen kaum nicht in den Bann zu ziehen vermag. Die Palette an Grün-, Gelb- und Brauntönen wird vollends ausgeschöpft - darüber der oftmals strahlend blaue Himmel. Aster und seine Mitschaffenden haben Midsommar zwar nicht in Schweden gedreht, sondern in Ungarn, sich aber geschickt und gekonnt zu verkleiden gewusst. Als ich mir Midsommar ansah, dachte ich sofort, dass der eingefangene Landstrich an die hiesigen Mittelgebirge erinnert, was dann tatsächlich gar nicht so weit daneben lag.

Neben der authentischen und abwechslungsreich gefilmten Kulisse, gefallen die Figuren und Darsteller im ersten Hauch, auch wenn Will Poulter ungewohnt nervt. Was anfangs durchaus in Richtung ausgetretener Pfade des Teenie-Horrors zu kippen droht (Drogen, Beziehungsgeseire usw.), wird von Aster gekonnt umschifft und auf eine höhere, glaubensvolle und einer gewissen Eigenkontrolle entzogenen Stufe gehievt. Sämtliche Darsteller der Kommune überzeugen durch ihr rituell gefärbtes und traditionell durchorganisiertes Auftreten, welches gemeinschaftlich nur wenige emotionale Regungen zulässt und an dem eisernen Bestreben des Ortes und dessen über Generationen hinweg gelebten Zaubers festhält. Auch die fremdländischen und wohl empfangenen Besucher spielen dieses nicht zum Schein vollzogene Theater wortwörtlich mit und gleiten nach und nach aus ihren bequemen Wohlfühlblasen in einen für sie ungeahnten Alptraum. Die für Greta Gerwigs Little Woman für den Oscar nominierte Hauptdarstellerin Florence Pugh lebt ihren Part schlicht überragend und ergreifend aus und ihre seelische Tour de Force zieht unweigerlich mit - die letzte Einstellung ihres natürlich schönen Gesichts ist ganz großes Kino, vor allem aufgrund ihres absolut packenden Spiels und den Gedanken zurück an den Anfang. Erlösung? Aster macht erneut eine gebrochene und gefallene, nicht selten weinende und hysterisch gebarende Frau zur Hauptfigur, doch im Gegensatz Annie Graham (Toni Collette) aus Hereditary, frisst Dani ihre tief sitzende und erschütternde Misere viel öfter in sich selbst hinein und explodiert ihres Umfeldes und mir als Zuschauer zuliebe nicht ganz so oft und ab des Weges wie Annie Graham.

Das sonnige Lokalkolorit ist ungewöhnlich und stark umgesetzt und Asters Regie hat eine wiedererkennbare, bis hierher einmalige und mitunter äußerst rabiate wie brutale Handschrift - einige ultraharte Spitzen im Mittelteil und am Ende von Midsommar sind, ähnlich wie bei Hereditary, beispiellos in ihrer physischen Offenlegung des Grauens. Der an Jonny Greenwood (u. a. There Will Be Blood) erinnernde Soundtrack von Bobby Krlic ist großartig, weil zupfend anstrengend und hypnotisch fiebernd, mitreißend ausbrechend und hoffnungsvoll enigmatisch in gleichen Stücken - ein absolutes Meisterstück, gerade in den finalen Momenten. Die mal wundersamen und dann wieder schief sägenden Klänge unterstützen die situativ unaufhaltsam vordringende Schraube, die sich substanzberauscht gen Finale empor dreht - der heraufbeschworene, traumartige und ausgefallene Sog ist nicht zu verachten und misst sich aktuell beinahe außer Konkurrenz, wäre da nicht Robert Eggers Der Leuchtturm, der dem Horror von einer ganz anderen Seite ebenfalls absonderliche, neue Impulse gibt. 

Und trotzdem ist Midsommar in der von mir gesehenen Kinofassung nicht ganz so perfekt, wie ich mir es erhofft habe, was einer Jammerei auf ganz hohem Niveau gleichkommt. Vor allem das Verhalten der Besucher gestaltet sich mit zunehmender Laufzeit einen Tick zu irrational uneinsichtig und entgegen jeglicher Vernunft auf halbem Weg des Instinktes abgewürgt. Es gehört dem Gesehenen nach eigentlich nicht viel dazu, die durchaus makaberen und letztlich verstörenden Absichten dieses Ortes zu durchschauen - beruhigende Drogen hin oder her. Die eigentliche Intention der Kommune und der Geschichte - die im ersten Drittel des Films durch eine sehr klare Bilderstrecke eingeleitet wird - ist im Gegensatz zu Hereditary sehr viel simpler und schneller durchschaubar angelegt, was Fluch und Segen zugleich ist. Der Schwede Pelle hat die Studenten natürlich aus einem speziellen Grund eingeladen, was wohl seit jeher Tradition hat. Auch eine andere Bewohnerin dieses entlegenen Ortes spricht von Pilgerschaften einer weiteren Wallfahrerin, die wohl gerade um den Erhalt der Siedlung unterwegs ist. Die genetisch frischen Früchte dieser Reisen kann man dann im manisch zelebrierten, teils kunstfertig abgedunkelten und atmosphärisch unheimlich dichten Höhepunkt des Filmes hautnah miterleben und das ist grandios, getrieben und euphorisch über zwanzig Minuten hinweg inszeniert und krönt die hohen Erwartungen, die eingangs geschürt werden - allerdings nicht ohne Platzer und Brandflecken an manch eigensinnigen Enden. Irgendwas fehlt mir, das wohl erst die vor mir liegende Zeit offenlegen wird. Oder eben nicht. Sehenswert ist Midsommar in jedem Fall und außerdem verweilt Asters zweiter Spielfilm unangenehm auf einem sehr hohen und beachtenswerten Level, zieht sein detailliertes Bestreben konsequent durch und bietet jenen suchenden Interpreten, die sich für Runen, Mythen, Symbole und deren metaphorische Deutungsweisen interessieren, genug Stoff für eine tiefere Einsicht in die Materie, die mir vorerst verwehrt bleiben wird, auch wenn das quasi Making Of der Blu-Ray interessante Einblicke gibt und die längere OMU-Filmfassung alsbald über meinen Fernseher geißeln wird.

Nicht Platin, aber Gold - zumindest in der Kinofassung. Vielleicht gehe ich hier - wie bei Hereditary - um wenigstens einen Punkt zu hart mit Aster ins Gericht. Das kommt daher, dass ich das Gefühl habe, es hätte wieder einmal noch besser werden können, auch wenn ich zugegeben absolut berauscht in den Abspann hinab fiel. Ari Aster beherrscht das filmische Handwerk und weiß genau um das, was er da macht. Midsommar ist klagend verzweifeltes, ausweidend aufrüttelndes und betörend lebendiges Ausrufezeichen genug und auch wenn ich eher zur Sieben als zur Acht neige, gebe ich aufgrund der gelungen Abkehr schlechter Dauer-Jump-Scares und gewöhnlicher 'plötzlich Peng!'-Gruseleinbahnstraßen sonstiger Genrewerke die höhere Note, die hoffentlich durch den DC und die Zeit selbst bestätigt, vielleicht sogar gedehnt wird. Weiter so!

8/10
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Kommentare

08.02.2020 12:20 Uhr - sonyericssohn
1x
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Sehr fein !
Ich find den tatsächlichen meisterlich ! Aber in Sachen Bewertung hat der Film hier schon fast alles eingesackt ;-) Wie man dem allerdings nur 1 Punkt geben kann ist mir ein Rätsel.
Bin wie nachzulesen mit ganzen 10 Zählern dabei. Aber hey, 8 Punkte sind mehr als anständig.

08.02.2020 12:26 Uhr - VelvetK
1x
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Erfahrungspunkte von VelvetK 232
Ich verstehe jeden, der diesen Film oder Asters Arbeit als solche nicht mag, denn das ist schon sehr abseitige Kost und setzt sich aus jedem Blickwinkel vom Horroreinerlei ab. Im übrigen habe ich das Gefühl, da kommt noch ein Pünktchen meinerseits drauf, gerade weil der DC noch aussteht.

Midsommar ist ein Film, mit dem ich mich nun viel länger und viel lieber auseinandergesetzt habe, als mit anderen Film der letzten Monate. Ein starkes und ergiebiges Stück Film, wie wahr.

08.02.2020 12:47 Uhr - sonyericssohn
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DB-Co-Admin
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Na gut, aber 1 Punkt bedeutet Schrott. Beschissene Inszenierung, talentfreie Darsteller usw. Das ist dann doch etwas übertrieben... :-D

08.02.2020 13:11 Uhr - VelvetK
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Das muss eben jeder für sich entscheiden. Wenn da einer einen Punkt gibt, wird er seine Gründe haben, auch wenn du und ich das nicht so sehen oder nicht verstehen, aber als freie Meinung hinnehmen müssen - Argumente hin oder her. Und natürlich wiegt ein Punkt bei so einem fantastischen Film hart. Ich denke, es gibt ein paar Zuseher, die Midsommar für ein heftiges Stück Dreck halten - da nützt es denen nichts, wenn man den Dreck handwerklich gesehen formidabel einfängt, nicht? Dreck bleibt für manchen eben Dreck, egal wie toll das in Szene gesetzt ist. Das ist zwar so gesehen nicht fair gegenüber dem Film, aber was soll's.

Ari Aster wirkt auf mich, als wolle er es nicht jedem Zuschauer recht machen, wo Gegenwind einfach nicht ausbleibt. Das finde ich ziemlich gut.

08.02.2020 13:47 Uhr - sonyericssohn
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Selbstverständlich !
Es fällt mir nur manchmal schwer so etwas nachzuvollziehen.

08.02.2020 14:51 Uhr - TheShield2013
User-Level von TheShield2013 3
Erfahrungspunkte von TheShield2013 107
Der war für mich jetzt auch nicht das Meisterwerk für das ihn viele halten , allerdings hat er mir bei weitem besser gefallen als Hereditary, der war für mich eine absolute Enttäuschung. Midsommar hatte für mich wenigstens Atmosphäre , wenn auch eine ganz eigene. Auch fand ich das Ende hier gut , was bei Hereditary für mich einfach nur schlecht war. Der hier würde gute 6 Punkte bekommen.

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