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Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Originaltitel: Life of Pi

Herstellungsland:USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,93 (14 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Pi Patel (Suraj Sharma) ist der Sohn eines indischen Zoodirektors und begleitet seine Eltern auf einem Ozeandampfer, auf dem auch die Tiere des Zoos untergebracht sind. Während der Reise geraten sie in einen Sturm, in dem das Schiff gekentert und seitdem treibt Pi auf einem Rettungsboot mitten auf dem Ozean dahin. Er hat Schiffbruch erlitten und der einzige Mitüberlebende, mit dem er sich das Rettungsboot teilen muss, ist ein gefährlicher bengalischer Tiger namens Richard Parker. Auf wundersame Weise baut Pi eine unerwartete Verbindung zu dem Angst einflößenden Tier auf und muss seinen gesamten Einfallsreichtum und Mut aufwenden, um Richard Parker zu dressieren und sie beide zu retten. In den 227 Tagen, die der Teenager auf hoher See verweilen muss, stehen ihm einige schicksalhafte Abenteuer und Erlebnisse bevor... (20th Century Fox)

eine kritik von cecil b:
Momentan dominiert das 3-D-Effekt-Kino Hollywood. Im Gegensatz zu James Cameron's AVATAR setzt Ang Lee's 3-D -Film LIVE OF PI allerdings auch auf seinen Inhalt, als nur auf seine Effekte. Ang Lees Film Verfilmung von Yann Martels Roman Schiffbruch mit Tiger aus dem Jahr 2001 hat 4 Oscar bekommen, und die kommen natürlich nicht von ungefähr, denn Life of Pi ist ein sehenswerter sehr professionell inszenierter Film. Ein Film hat schon eine gute Grundlage wenn der Protagonist überzeugen kann, und diese Grundlage ist gegeben. Suraj Sharma hat für diese Leistung gleich 10 verschiedene Preise erhalten. Die Kameraführung, der Soundtrack, die Dramaturgie, alles ist auf höchsten Niveau, aber zu glatt, zu Hollywood-lastig, zu künstlich (auch aufgrund der CGI-Effekte), zu pathetisch zu gewollt. Edelkitsch. Der Inhalt macht den Film jedoch interessant.

Pi ist ein erwachsener indischer Mann, der eine wahre Odyssee hinter sich hat. Ein weißer Schriftsteller möchte über Pi's ereignisreiches Leben schreiben. Pi erzählt dem Schriftsteller in aller Ruhe von seiner Kindheit und seinem existentiellen Höhepunkt in seiner Jugend, in der er dem Tode nahe gewesen ist. Der Schriftsteller hört Pi aufmerksam zu, als dieser seine Geschichte zum greifen nahe widergibt. Die Geschichte beginnt.
Der aufgeweckte Pi wächst in Indien als Sohn eines reichen Zoo-Besitzers auf. Pi wird allein schon aufgrund seines ungewöhnlichen Namens von seinen Mitschülern und seinem großen Bruder gemobbt. Aber er ist ausgesprochen intelligent, gebildet und neugierig, was ihn auch positiv zu einem Einzelgänger macht. Pi möchte das Leben mit all seinen Facetten kennen-lernen. Er möchte alles über die großen Religionen der Erde wissen, um somit die Welt mit verschiedenen philosophischen Sichtweisen zu erkunden , und herauszufinden was das ist, was man Gott nennt. Aber bevor Pi in Indien richtig Fuß fassen kann, beschließt sein Vater Indien zu verlassen und seine Tiere in Amerika zu verkaufen. Aufgrund dessen schifft die Familie mitsamt Tieren mit einer Fähre Richtung Übersee. Allerdings stürmt es so sehr, dass das Schiff untergeht. Und von allen Menschen die auf dem Boot sind, kann nur Pi auf ein Rettungsboot entkommen. Dies muss er nun mit einem verletzten Zebra, einer Hyäne, einem Orang Utan und einem Tiger teilen. Zwischen ihm und den Tieren gibt es einen Überlebenskampf, den nur Pi und der Tiger zu überstehen scheinen. Pi kommt einer Antwort auf seine Frage nach Gott nun viel näher, als er es jemals zuvor gekommen ist.

Im ersten Teil des Films wird Pi's Kindheit und seine Suche nach der Weisheit thematisiert. In Comic-haften Bildern wird die Welt so gezeigt, wie sie Pi zuerst sieht. Seine Blicke zentrieren sich auf die schönen und die verträumten, irrationalen Dinge des Lebens. Er sieht die Welt zuerst ohne Wertung mit dem Herzen. So sieht auch der Zuschauer eine schöne, saubere Welt, die surreal wie ein Traum ist, der gedeutet werden kann. Pi hat durch seine Wissbegierde ein breitgefächertes Maß an Bildung (daher auch eine Kenntnis über die Wissenschaft), und durch seine Neugierde nimmt er die Lehren seiner Eltern mit offenen Ohren auf. Aber beide Quellen sind ihm nicht genug. Die Schule ist ihm zu schematisch, die Eltern wollen ihn zu sehr in eine Norm stecken (in erster Linie der Vater) und die Gleichaltrigen sind nicht annähernd so interessierte Menschen wie Pi es ist. So sind es die Religionen, die Pi dafür nutzen möchte sich die Welt zu erklären. Ist es ein Gott, der weiß wie die Welt ist? Pi interessiert sich für den Hinduismus, den Islam und das Christentum, denn er bemerkt dass er sich zu einem Teil mit jeder Philosophie dieser Religionen identifizieren kann. Über seinen Beginn der Religionserfahrung zitiert der erwachsene Pi Philosophen und Gottheiten:" Niemand von uns kennt Gott, bevor ihn uns jemand vorstellt." . Sind es also Menschen, die uns Gott nahe bringen? Oder sind es Menschen, die Götter vertreten? Über seine Erfahrung mit dem Hinduismus sagt der erwachsene Pi: "Im Hinduismus gibt es 33 Millionen Götter, muss man dann nicht zwangsläufig ein Paar davon treffen?". Steht der Hinduismus dann für die Vielseitigkeit Gottes? Pi erlebt die individuelle Interpretation von Religion allein schon dadurch, dass er Götter in seiner Kindheit wie Superhelden wahrnimmt, ein verzweifelter Bekannter ihm aber sagt, dass für ihn Religion die Dunkelheit sei, denn nur diese könnte das Grauen auf Erden zulassen. Die Erfahrung mit dem Christentum sammelt der junge Pi in einer Kathedrale, in der ihm ein Geistlicher sagt, dass man sich als Gottes Kind fühlen könne, da es möglich sei sich mit Jesus zu identifizieren. Denn auch dieser musste leiden. Und der Mensch leide nun einmal genau so, wie er sich auch erfreue. Mit der Hilfe all dieser Informationen formt Pi seine Persönlichkeit, die einen individuellen Weg gehen möchte.
Auch wenn Pi gemobbt wird, beeindruckt er alle Menschen um ihm herum durch seine Bildung, sein Interesse und seine Intelligenz. Aber sein Vater wirft ihm vor dass er sich nicht für eine Religion entscheidet, und er sagt Pi dass die Rationalität -wie etwa die Wissenschaft- viel hilfreicher sei als jede Philosophie. Als Pi immer mehr zu spüren bekommt dass seine bisherigen Anfänge der Philosophie nicht zum tragen kommen, verliert er vorerst den starken Bezug zu einem Gott. Als er dann mit seiner Familie aufbricht, um ein neues Leben anzufangen, macht er durch den Schiffbruch eine Erfahrung, die existentieller ist als alles, was ihm seine Familie, die Wissenschaft oder die Geistlichen bisher haben vermitteln können.

Als Pi dann die Erfahrung mit der Naturgewalt macht, ist dies für ihn das Gefühl etwas zu spüren was die Menschen nicht beeinflussen können, also etwas was über ihnen steht. Etwas wie Gott. Der Gott der Naturgewalt nimmt ihm dann seine Familie, und Pi ist zwangsweise nur noch darauf fixiert am Leben zu bleiben. Zusammen mit den Tieren ist er auf der Arche Pi, statt der Arche Noah aus der Bibel. In der Bibel wurde Noah von Gott auserwählt, um die Tiere vor der Sintflut zu retten. Pi selbst sagt sich zuerst ironisch, dass er wohl auch auserwählt worden sei, um die Qualen zu durchleben. Aber der Überlebenskampf leert Pi als Erstes: Jeder ist sich selbst am Nächsten. Und als Zweites: Das Recht des Stärkeren überwiegt. So muss auch er stark sein, und vor allem: sich selbst am nächsten. Die Tiere bringen sich gegenseitig um, bis Pi und der Tiger darum kämpfen müssen, wer der Stärkere ist. Dieser Kampf zermürbt beide, aber er bindet sie auch ein wenig. Mit Ralismus hat das natürlich nichts zu tun, nehmen wir das mal als Metaphorik hin. Um zu überleben, muss Pi nun die Wissenschaft anwenden, die er erlernt hat, er muss die Ängste besiegen die ihm seine Erziehung aufgetan hat, und er muss sich fragen, inwieweit Gott sein Leid aber auch seine übermenschlich anmutenden Erfahrungen beeinflusst.

Das erste Drittel -die Kindheit von Pi- ist sehr gelungen. Die ruhige Wissbegierde von Pi wird klug, schlüssig und recht kompakt zusammengefasst. Auch wenn die Sympathien teilweise etwas aufgezwungen werden und es etwas schwache Momente gibt, sorgen die klugen Dialoge und die sich verträumt ineinander verschwommenden Bilder für eine Interessante und gut inszenierte Einführung.
Das zweite Drittel überzeugt mit großenteils tollen Effekten! Die Tiere auf dem Boot sind hervorragend inszeniert! Nur selten bewegen sie sich stark unrealistisch. Außerdem ist ihr Verhalten miteinander und Pi gegenüber durchaus tragbar! (für einen Kino-Film sehr gut). Leider gibt es aber auch einige unnötige Szenen, die nur für das 3-D-Konzept kreiert wirken. Das größte Problem aber: Es gibt sehr starke Logikfehler. Oft wird wohl bewusst nur das gezeigt, was Pi mit seinen Augen wahrnehmen möchte, aber selbst in diesen Fall wären die Logikfehler unverzeihlich. Zum Beispiel werden die toten Tiere verschwinden einfach, ohne dass die Möwen sie holen! Somit wird 'Gott' nur Light dargestellt. Dies wird bestimmt daher so sein, dass der Film sonst für Kinder eventuell zu gruselig eingestuft worden wäre. Aber es gibt weitere Fehler die wohl nur selbstzweckhaft die Logik ignorieren.

Das größte Problem ist aber, dass es dem intelligenten Film leider nicht gelingt den Kitsch zu umschiffen. Klebrig süße Bildchen von fantastischen Mandalas lenken vom Wesentlichen ab! Die großartige und kluge Story pendelt leider etwas ins Lächerliche, wenn der Kitsch in den Vordergrund kommt und die Härte deutlich verharmlost wird (die Kadaver!)
Wie soll man einen Film über das Existentielle -das Leben an sich- vollkommen ernst nehmen, wenn er bei dem gleichwertig bedeutenden Tod (der Vergänglichkeit) eher nicht hinschaut? Ein existenzieller Fehler!
Aber nach der größten Schwäche des Films, möchte ich auch gleich seine größte Stärke benennen : Das ENDE!
Das verrate ich logischerweise nicht, und selbst meinen Kommentar zu dem Ende kennzeichne ich als
SPOILER: Das Ende zeigt wie subjektiv Religion ist und dass wir es sind, die über sie entscheiden! Besser geht es nicht!

Die Schwächen können die tolle, intelligente und IMMER aktuelle Story zum Glück nicht ganz verhauen. Die tolle Einführung muss sich in der Mitte mit ärgerlichen Logiklöchern und Kitsch messen , sie wird aber von einem sehr gelungenen Ende weitgehend gerettet!

7,5 Punkte, die ich Aufgrund der interessanten Story aufrunde.
8/10
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Kommentare

20.10.2015 19:40 Uhr - Norminator
User-Level von Norminator 3
Erfahrungspunkte von Norminator 168
Sehr schönes Review, Cecil!

Wunderbar flüssig und unterhaltsam geschrieben! Darüber hinaus hast Du auch das "Hintergrundwissen" sehr schön ausgearbeitet und mit einfließen lassen. Wunderbar!

Die negativen Aspekte des Filmes hast Du eben so gut dargestellt und ich kann Dir in Allen Punkten nur zustimmen. Diese sind leider zu offensichtlich und schmälern dann doch etwas den ansonsten schönen Filmgenuss.

Bitte weiter so! :-)

21.10.2015 22:06 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.384
Danke dir!

Würde ich heute anders schreiben, aber passt schon. ;)

Bleib auch du am Ball!

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