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lappi
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XP 70
Eintrag: 13.02.2020

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Jojo Rabbit

Herstellungsland:USA, Deutschland (2019)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Komödie, Krieg

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (6 Stimmen) Details
inhalt:
In der Zweiten-Weltkrieg-Satire JOJO RABBIT wird das Weltbild eines einsamen deutschen Jungen (Roman Griffin Davis als Jojo) auf den Kopf gestellt, als er herausfindet, dass seine alleinerziehende Mutter (Scarlett Johansson) auf ihrem Dachboden ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) versteckt. Jojo muss sich daraufhin seinem blinden Nationalismus stellen, der durch seinen idiotischen imaginären Freund Adolf Hitler (Taika Waititi) genährt wird.
eine kritik von lappi:

Kurt Tucholsky hat vor über 100 Jahren die Frage gestellt, was Satire darf. Die selbstgegebene Antwort ist kurz: Alles. Im heutigen Kontext betrachtet gilt diese Aussage nach wie vor, jedoch mit der Einschränkung, dass Diffamierung und Beleidigung nicht durch den fadenscheinigen Deckmantel einer vermeintlichen Satire geschützt sind. Also intelligent und gerechtfertigt müsse sie sein. Sie darf beißen, wehtun, ungerecht sein. Sie muss übertreiben und die Wahrheit überspitzen, damit sie von jedem erkannt wird.

Jojo Rabbit, der neueste Film von Taika Waititi, wird als Satire über den Nationalsozialismus beworben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Johannes Betzler, ein von er nationalsozialistischen Propaganda verblendeter zehnjährige Junge, der sich für Führer, Volk und Vaterland in der Hitlerjugend engagiert. Überzeugt von der Richtigkeit der gelebten Ideologie trifft er in seiner Wohnung auf Elsa, eine jugendliche Jüdin, die von seiner Mutter Rosie vor den Nazis versteckt wird. Das Aufeinandertreffen Jojos und Elsas bewirkt ein grundlegendes Umdenken Jojos über seine Ideologie und sein Bild von Juden. 

Jojo Rabbit ist ein herzlicher, rührender, bissiger, komischer, tragischer, frivoler Coming of Age Film über Liebe und Hass aus der Perspektive eines Kindes zum Ende des Zweiten Weltkrieges, der es vermag die Balance zwischen Drama und Humor gekonnt zu halten, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften oder zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, was angesichts des Inhalts eine unglaubliche Leistung ist. Die  (potenzielle) Fallhöhe des Films ist dabei enorm. Einerseits vermag es Waititi mit seiner Geschichte eben jene emotionale Balance zu wahren. Auf der anderen Seite greift der Film ein immer wieder angegriffenes Tabu auf, was wie immer dazu auffordert die Frage zu stellen, ob man über das Thema Nationalsozialismus, Juden und Zweiter Weltkrieg lachen darf. Dazu aber später mehr. Waititi hätte sich mit dem Film stark verzocken können. Jedoch geht er trotz des speziellen Humors äußerst gefühlvoll mit dem Thema um. Dazu trägt auch die besondere Perspektive des Films bei. Da die Geschichte durch Jojos Sicht auf die Welt erzählt wird, ist man leichter dazu geneigt, den doch recht naiven Blick auf den Nationalsozialismus zu verzeihen. Einen großen Beitrag zum Funktionieren des Films liefern die Charaktere und die schauspielerische Umsetzung dieser. Natürlich ist als erstes Roman Griffin Davis als Jojo hervorzuheben, der in seiner dargebotenen emotionalen Spannbreite gestandene Darsteller gegen die Wand spielen könnte. Die Chemie zwischen ihm und Thomasin McKenzie, die als Jüdin Elsa den ideologischen und ohnmächtigen Gegenpol zu Jojo darstellt und ihm dazu verhilft eine neue Sicht auf die Welt zu erhalten, um sein Weltbild zu korrigieren, passt und das Zusammenspiel der beiden gibt dem Film seine Dynamik und sorgt sowohl für Lacher, als auch für emotionale und höchst spannende Momente. Scarlett Johansson als Jojos Mutter Rosie zieht ihren Jungen in den Wirren des Krieges allein groß. Sie ist für Jojo sowohl eine emotionale Stütze als auch ein moralischer Kompass. Auch hier zeigt Johansson wieder einmal, dass sie derzeit zu den besten Schauspielerinnen gehört. Vielseitigkeit ist hier das Stichwort. Ebenso sind die kleineren Rollen wunderbar gezeichnet und besetzt. Sam Rockwell als Hauptmann Klenzendorf… sowas hätte es in der Wehrmacht nicht gegebenen. Ausgebrannt, versoffen, liederlich und desillusioniert übernimmt er die Ausbildung der HJler. Absolut überzeugende Darstellung und ein echter Mehrwert für den Film. Aber auch in den kleinen Rollen wissen die Darsteller zu überzeugen. Rebel Wilsons übertriebenes Spiel passt ebenso sehr zu diesem Film wie auch Archie Yates amüsanten Kommentare zur Lage als Jojos Freud Yorki. Zu guter Letzt hat auch Waititi selbst eine Rolle, die wohl seit den Trailern zu den kontroversesten überhaupt im Film gehört: Jojos imaginärer Freund und Berater in sämtlichen Lebenslagen: Adolf Hitler. Eine herrlich überdrehte und groteske Darstellung eines der berüchtigtsten Menschen der Geschichte. Man kommt gar nicht erst in die Versuchung ihn erst zu nehmen. Vielleicht erhält er zu Beginn des Films ein paar Sympathiepunkte, da er unserem Helden Jojo immer wieder versucht auf die Beine zu helfen oder in schwierigen Lebenslagen die richtige Entscheidung zu treffen. Er wirkt wie eine Art verdrehte Version von Jimini Grille. Aber auch im Laufe der Geschichte verändert sich das Verhältnis zwischen beiden, wodurch auch Hitler letztlich nicht als der „Gute“ dasteht und Waititi auch ein gewisses Maß an Explosivität herausnimmt. 

Das Setdesign und Effekte müssen sich ebenfalls nicht hinter großen Hollywood Produktionen verstecken. Da es ja im Grunde rein äußerlich ein Film zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist und in Deutschland spielt, sei an der Stelle etwas gespoilert: Deutschland verliert den Krieg und Kämpft auf eigenem Boden. Das wird auch thematisiert. Der Krieg aus den Augen eines Kindes wird hier effektiv, eindringlich und überzeugend visualisiert. Große Schlachten und ewiger Häuserkampf sollten aber hier nicht erwartet werden. Musikalisch bietet der Film eine Hand voll Überraschungen. Intro und Outro liefern mit „Komm, gib mir deine Hand“ und „Helden“ zwei Klassiker des internationalen Pops. Unbekannt? Wohl kaum. Es handelt sich um deutsche Versionen der Lieder „I Want To Hold Your Hand“ von den Beatles und „Heroes“ von David Bowie. Wunderbare kleine Details, die dem Film noch wirkungsvoller machen und durch den Kontext höchst homogen wirken.

 

Kommen wir zur Frage, die der Film letztlich stellt und die wir uns als Rezipienten stellen müssen. Dürfen wir über das gezeigte Thema lachen? Ist diese Satire überhaupt zu rechtfertigen? Eingangs habe ich mich auf Tucholsky bezogen. In letzter Konsequenz muss die Antwort auf die Frage ja lauten. 

Vielleicht hilft es ein Zitat dazu heranzuziehen, dass jedoch die Problematik verdeutlicht, die mit dem Film einhergeht. Elsa zu Jojo: „Du bist kein Nazi, Jojo. Du bist ein zehnjähriger Junge, der gern in lustigen Uniformen rumläuft und zu einem Verein dazugehören will.“ Auf der einen Seite wird sich über die Nationalsozialisten den ganzen Film über lustig gemacht. Es wird von „Verein“ und „lustigen Uniformen“ gesprochen. Nazis werden nicht ernst genommen. Eine bzw. Zwei Szenen, die das ganze Verhalten bzw. Protokoll der Nazis ad absurdum führt, finden sich gleich zu Beginn und in der Mitte des Films. Jojo läuft durch Straßen der Stadt und grüßt jeden mit „Heil Hitler“ und tanzt dabei fröhlich durch die Gegend. In der zweiten Szene grüßen sich zweimal hintereinander fünft bzw. sechs Menschen. Es ist albern und schwachsinnig. 

Auf der anderen Seite zeigt das Zitat einen naiven Umgang mit der ganzen Thematik des Nationalsozialismus. Das Wort „Verein“ verharmlost die Hitlerjugend und damit auch den Nationalsozialismus. Die HJ war ein Mittel, die Jugend zu Indoktrinieren, auf Krieg und Gehorsam zu trimmen. Zunächst freiwillig, wobei für die gesellschaftliche Anerkennung und dem Dazugehören zur Volksgemeinschaft die Mitgliedschaft quasi notwendig war, wurde die HJ während des Krieges verpflichtend. Auf physisches und seelisches Wohl der Kinder wurde keine Rücksicht genommen.

Es ist hierbei anzumerken, dass Waititi sich nicht mit der Thematik befasst hat. Das kann man nun kritisch sehen oder letztlich als unbeschwerten Umgang frei von Historie hinnehmen. Die Beantwortung der Frage macht das nicht leichter sondern um einiges schwerer. Hierzu könnte man sicherlich eine ganze Abhandlung darüber schreiben, was aber nicht den Zweck dieser Review entspricht. Für eine Einordnung des Films ist es aber sicherlich hilfreich.

Für mich ist es in diesem Zusammenhang, auch in Hinblick auf den Aspekt der Satire, völlig in Ordnung über Nazis und besonders über Hitler zu lachen. Es ist eine überspitze Darstellung der Realität bzw. Von Geschichte, die die Menschen zum diskutieren anregt. Geschichtskultur lebt davon. Zudem ist es in der Geschichte des Films nicht das erste Mal, dass sich (auf anspruchsvolle Weise) über Hitler lustig gemacht wird. Blickt man auf „Der große Diktator“ zurück oder noch eine Schippe drauf setzend „Frühling für Hitler“, so gibt es die Frage schon seit gut 80 Jahren. Natürlich werden sich verschiedene Gruppen von diesem Film in ihren Gefühlen angegriffen fühlen. Aber um noch mal auf Mel Brooks zurückzugreifen: Die politische Korrektheit ist der Tod der Komödie. Humor entsteht immer auf Kosten anderer. Opfer des Films sind in erster Linie die Nazis, die hier auf mehreren Ebenen persifliert und veralbert werden, um einen Standpunkt zu verdeutlichen. Was ist nun die Message des Films? Liebe besiegt auch in den schwersten Zeiten den Hass und überdauert, während das Böse am Ende verliert. Ich denke, das ist durchaus eine positive Herangehensweise, um sich auch auf eine humorvolle Art und Weise dem Thema des Nationalsozialismus zu nähern.

 

Fazit:

 

Jojo wird älter, lernt über Elsa was Liebe bedeutet und kämpft durch sie (und auch für sie) gegen Hass und Ideologie an. Trotz des satirischen Tons des Films ist er in erster Linie ein Film über Freundschaft und das Erwachsenwerden. Es sind zeitlose Themen, verpackt in einen gefühlvollen Film, der einen doch speziellen Humor voraussetzt und gerade durch das Spiel mit dem kritischen Thema Nationalsozialismus in Verbindung mit Humor nicht nur zum diskutieren einlädt, sondern auch den Zeitgeist trifft und dadurch an Bedeutung gewinnt.

8/10
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Kommentare

14.02.2020 08:16 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.011
Das Review ist spitze.

Ich will den Film sehen, und weiß nun darüber Bescheid, wie hin und her gerissen der eventuell von mir wahrgenommen wird. Das Cover würde ich aber eventuell verbrennen. ;)

14.02.2020 11:06 Uhr - Lukas
Tolles Review, das den Film wirklich sehr treffend analysiert und beschreibt. Von mir gäbe es mit 9/10 sogar noch einen Punkt mehr.

14.02.2020 12:01 Uhr - lappi
User-Level von lappi 2
Erfahrungspunkte von lappi 70
Danke.
Ja, ich würde gerne mit Höchstwertungen um mich werfen, aber ich muss ja auch ein wenig differenzieren ^^
Eine 8 ist ja auch eine tolle Wertung. Es muss aber auch immer im Verhältnis zu anderen Filmen stehen. Für das Genre der Komödie wäre eine 9 auch voll drin.

14.02.2020 19:13 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 5
Erfahrungspunkte von The Machinist 431
War selbst mit Freunden im Kino und wir haben Tränen gelacht. Was ''Jojo Rabbit'' aber gerade so gut macht ist, dass er es abseits der Kalauer schafft einen wirklich zu berühren und in einer ganz speziellen Szene dem Zuschauer regelrecht den Boden unter den Füßen wegzieht. Großartiger Film, ich vergebe ebenfalls die 9. Im Allgemeinen liebe ich Taika Waititi's Filme, allen voran ''What we do in the Shadows''.

Super geschrieben, macht Lust auf den Film.


15.02.2020 11:04 Uhr - Intofilms
Wird sofort auf die Wunschliste gesetzt. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Merci, lappi. Gut gemacht! ;)

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