SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Cyberpunk 2077 · Dein wahres Ich ist nicht genug. · ab 50,99 € bei gameware Kingdoms of Amalur Re-Reckoning · Entdecke die Geheimnisse von Amalur · ab 38,99 € bei gameware

Aniara

Herstellungsland:Dänemark, Schweden (2018)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Nach der Zerstörung der Erde treten wenige ausgewählte Menschen die Reise zu ihrem neuen Heimatplaneten Mars an. Das dafür eigens entwickelte Raumschiff Aniara erfüllt alle Bedürfnisse einer konsumgetriebenen Spezies, die gerade ihren Planeten verzehrt hat. Doch nach der Kollision mit Weltraumschrott kommt die Aniara vom Kurs ab und den Passagieren steht eine ungewisse Zeit in der Endlosigkeit des Universums bevor.
eine kritik von ghostfacelooker:

Mir als Anit-Star Trekker, der gelegentlich aufgrund Captain Picard und seiner Crew tollkühner Recken mal eingeschaltet hat, mag man ja vieles erzählen können.

Man mag mir weismachen, daß sich ein, mit schwarzem Klavierlack angemaltes Motherboard ähnlich aussehendes Raumschiff, als das Traumschiff des Universums von der Erde zum Mars etabliert hat, welches,- im bekanntlich luftleeren Raum, der wiederum mit undurchdringlicher Schwärze angefüllt ist, auf dem Bildschirm wie ein überdimensionales After Eight auswirkt, und sich mit lediglich vierundsechzig Kilometern in der Minute (oder Sekunde, wie man feststellte) fortbewegt, um so die traumhaft roten Sandstrände des Mars zu erreichen.

Des weiteren kann man mir auch visuell verständlich belegen, daß es auf diesem Topliner natürlich ein Holowdeck ähnliches Konstrukt gibt, welches sich MIMA nennt und Passagieren die entspannende Möglichkeit gibt, sich losgelöst von ihren Körpern, in ihren schönsten Erinnerungen aufzuhalten.

Auch kann man mir klarmachen, daß eben jenes Transportmittel allein mit Hilfe einer simplen, handelsüblichen Schraube, der man vorher noch dramaturgisch in Slow Motion eine eigene Aufnahme widmete, so schwer beschädigt wird, daß man aufgrund des getroffenen Treibstofftanks, nicht nur selbigen zur Vorsicht komplett ablassen muß, sondern somit natürlich manövrierunfähig wird und vom Kurs abkommt.

Was man mir aber beim besten Willen nicht glaubhaft machen kann, ist daß dieser, auf einem 1956 veröffentlichten Gedichts des Schweden Harry Martinson basierender Film spannend in seinem Handlungsaufbau ist.

Die Tatsache, daß dann eben jener erinnerungsprojezierender Computer aufgrund überlastender Datenspeicherung und zu häufiger Depression seiner Probanden, schlagartig an selbiger zu leiden und implodierenden Suizid beginnt, war mir dann doch zusätzlich zuviel abverlangtes Verständnis.

Klar, er visuell interessant und ob der Tatsache, daß er ohne Traumfabrik auskommend, in seiner Inszenierung schon innovativ und künstlerisch gestaltet zu nennen ist, aber dieser Versuch funktioniert allein mit seiner Hauptdarstellerin, die nicht nur gegen die im Drehbuch vorgeschriebene Dystopie, sondern auch gegen den gänzlich unsympathischen Cast anzukämpfen hat, nicht wirklich.

Mimarod, alias Emelie Jonsson, ist nicht nur quasi alleinige Säule des Films, sondern bis zu jenem tragischen Selbstmordes auch durch nichts aus der Ruhe zu bringen und man merkt erst mit diesem Vorfall, daß ihr ganzer, bis dahin bestehender Lebensinhalt dieses Computersystem war und sich in dessen Nähe aufzuhalten, ihre emotionale Stütze.

Einzig die unterschwellige und kaum beachtete Zuneigung zu Fluganalystin, Isagel (Bianca Cruzeiro) lässt ihre Hoffnung nicht schwinden. Und Hoffnung ist genau daß, was man auf beiden Seiten des Films hat.

Einmal als in der Handlung selbst agierender Passagier, doch noch den Mars zu erreichen und als Zuschauer andererseits, daß sich die immer wieder angedeutete Spannung, durch verschiedene, teilweise auch verstörend für die Geschichte zu nennende Situationen, doch endlich entladen und aufbauen mag.

Ihnen gegenüber steht Arvin Kananian, als egozentrischer Kapitän, der gut und gern an den Führungsoffizier der Costa Concordia angelehnt sein könnte -, welcher zwar im Gegensatz zu diesem eine Fluchtmöglichkeit im Unglück hatte und diese auch ergriff, aber ansonsten bestimmt genauso selbstverliebt und in sich ruhend vorgekommen sein muß wie dieser -, ist die letzte Konstante des Films.

Seine Figur konnte auch als Gesellschaftssystem verstanden werden, welches erst durch Konsum und Ablenkung versucht, die Bevölkerung zu beschwichtigen und sie dann mit falschen Versprechungen in Sicherheit wiegen will.

Doch auch wenn man die dystopisch, trostlose Stimmung nachvollziehen und die immer ausweglosere Situation mitbegleitet, reicht eine einzige Darstellerin die mit ihrer positiv gelagerten Ausstrahlung das emotionale Pendant zur sich negativ steigernd frustrierenden Gesellschaft der Passagiere als Kollektiv verstanden werden soll und somit unterschwellig sozialkritische Töne über den Film hinweg verströmt, gegen die große Leere als solches im Film und der Handlung anzukämpfen.

Aber es wird bestimmt „Arthouse Cineasten“ geben, die diesen Film ob seiner filmischen und visuellen Aussage ähnlich feiern werden wie den 2013 erschienen Cargo.

Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Tenet
Ghostfacelooker
Cobra
Ghostfacelooker
die neuesten reviews
Schrottmagnet
sonyericssohn
7/10
Hostel
dicker Hund
7/10
Tenet
Ghostfacelooker
Casshern
The Machinist
8/10
Mile
Kable Tillman
3/10

Kommentare

14.02.2020 13:15 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 8
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 817
Vor allem die erste Hälfte deines Reviews gefällt mir sehr gut Ghost wie du schreibst was man dir alles erzählen kann und was nicht, interessanter Aufbau Toll geschrieben.

überdimensionales After Eight? Ein interessanter Ausdruck :-) Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan von After Eight bin :-)

14.02.2020 14:05 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.835
14.02.2020 13:15 Uhr schrieb TheMovieStarVor allem die erste Hälfte deines Reviews gefällt mir sehr gut Ghost wie du schreibst was man dir alles erzählen kann und was nicht, interessanter Aufbau Toll geschrieben.

überdimensionales After Eight? Ein interessanter Ausdruck :-) Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan von After Eight bin :-)


Ja meine persönliche Offenheit läßt ob meiner eventuellen Einfälltigkeit tief blicken^^^^^^^^^^

14.02.2020 18:55 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 719
Hm, du klingst ja nicht so angetan, von daher weiss ich nocht nicht, ob ich mir den zulegen soll. Auf der anderen Seite habe ich schon einen Faible für diese unheilsschwangeren Slowburner, gerne auch mit Sci-Fi-Setting, gerade ''High Life'' von letztem Jahr fand ich da richtig stark. ''Cargo'' mochte ich hingegen garnicht.

Mal abwarten, bis er billiger ist. Die Kritik gefällt mir von ihrer Struktur her auch recht gut.

14.02.2020 20:24 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.835
14.02.2020 18:55 Uhr schrieb The MachinistHm, du klingst ja nicht so angetan, von daher weiss ich nocht nicht, ob ich mir den zulegen soll. Auf der anderen Seite habe ich schon einen Faible für diese unheilsschwangeren Slowburner, gerne auch mit Sci-Fi-Setting, gerade ''High Life'' von letztem Jahr fand ich da richtig stark. ''Cargo'' mochte ich hingegen garnicht.

Mal abwarten, bis er billiger ist. Die Kritik gefällt mir von ihrer Struktur her auch recht gut.


dank.
Da du ja auch ein Fan von Burning bist, würde ich diesen hier als Burning des SCiFi Genres bezeichnen und so wie ich über Burning denke empfinde ich den hier leider, da es mal wieder einer jener Käufe war, die ich hätte lassen sollen. Hoffe Shadow fällt nicht in diese Liga^^^^^^^

14.02.2020 21:52 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 719
OK, das klingt wiederum so als ob der Film genau mein Ding wäre.

Den Shadow konnte ich bereits auf der großen Leinwand sehen, in meinen Augen episches Überwältigungskino. Ist zwar von der Erzählstruktur auch eher langsam und in den Kampfszenen dann eben choreographisch vormfollendetes Action-Kino. Ein Martial-Arts-Film mit Arthouse-Anteil, wenn man so will.

14.02.2020 22:16 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.835
14.02.2020 21:52 Uhr schrieb The MachinistOK, das klingt wiederum so als ob der Film genau mein Ding wäre.

Den Shadow konnte ich bereits auf der großen Leinwand sehen, in meinen Augen episches Überwältigungskino. Ist zwar von der Erzählstruktur auch eher langsam und in den Kampfszenen dann eben choreographisch vormfollendetes Action-Kino. Ein Martial-Arts-Film mit Arthouse-Anteil, wenn man so will.


Mich hat es gereizt weil Zhang ja auch Hero und House of flying Daggers drehte, was man schon am Farbspiel erkennen kann wenn auch düster gehalten

14.02.2020 22:55 Uhr - Cabal666
User-Level von Cabal666 7
Erfahrungspunkte von Cabal666 716
Den Film hab ich letztes Jahr auf dem Hardline-Festival in Regensburg gesehen. Erhoffte mir einen düsteren, dystopischen Science-Fiction-Film, der auch die Gefahr von Massenhysterien in isolierten Gesellschaften thematisiert, so ähnlich wie "Herr der Fliegen" oder Stephen Kings "Der Nebel" - und bekam dann das.
Stimme dir bei deiner Kritik auf jeden Fall zu. Interessant ist die Geschichte ja schon, der Film sieht toll aus (man braucht kein Riesen-Hollywood-Budget, um ordentliche Weltraumbilder hinzubekommen!) und der Cast ist auch nicht schlecht. Nur leider ist das alles so dermaßen spannungslos inszeniert! Man wartet praktisch die ganze Zeit darauf, dass mal irgendwas passiert, wird aber meist enttäuscht. Anstatt, dass sich die Konflikte mal entladen, siechen die Charaktere einfach nur der Reihe nach dahin. Versteht mich nicht falsch, für mich muss ein Film über Extremsituationen nicht in Gewalt ausarten, damit er mir gefällt. Und die philosophischen und sozialkritischen Bezüge sind mir auch aufgefallen. Nur sollte die Inszenierung dann auch angemessen packend sein, damit sie stärker nachhallen. So war das hier leider ein Werk, das am Ende nur ein Schulterzucken hevorruft. Massig verschwendetes Potenzial.
Zum Glück lief hinterher "Ghost Killers vs. Bloody Mary", sodass der Abend doch nicht umsonst war. :D
Schöne Kritik jedenfalls, Ghostfacelooker! Wie schon vor mir geschrieben, der Aufbau mit den positiven Aspekten, die du zu Beginn als die Dinge aufzählst, von denen man dich überzeugen kann, ist originell und unterhaltsam zu lesen. Du lieferst einen sehr guten Überblick über den Film.

15.02.2020 01:08 Uhr - Ghostfacelooker
1x
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.835
14.02.2020 22:55 Uhr schrieb Cabal666Den Film hab ich letztes Jahr auf dem Hardline-Festival in Regensburg gesehen. Erhoffte mir einen düsteren, dystopischen Science-Fiction-Film, der auch die Gefahr von Massenhysterien in isolierten Gesellschaften thematisiert, so ähnlich wie "Herr der Fliegen" oder Stephen Kings "Der Nebel" - und bekam dann das.
Stimme dir bei deiner Kritik auf jeden Fall zu. Interessant ist die Geschichte ja schon, der Film sieht toll aus (man braucht kein Riesen-Hollywood-Budget, um ordentliche Weltraumbilder hinzubekommen!) und der Cast ist auch nicht schlecht. Nur leider ist das alles so dermaßen spannungslos inszeniert! Man wartet praktisch die ganze Zeit darauf, dass mal irgendwas passiert, wird aber meist enttäuscht. Anstatt, dass sich die Konflikte mal entladen, siechen die Charaktere einfach nur der Reihe nach dahin. Versteht mich nicht falsch, für mich muss ein Film über Extremsituationen nicht in Gewalt ausarten, damit er mir gefällt. Und die philosophischen und sozialkritischen Bezüge sind mir auch aufgefallen. Nur sollte die Inszenierung dann auch angemessen packend sein, damit sie stärker nachhallen. So war das hier leider ein Werk, das am Ende nur ein Schulterzucken hevorruft. Massig verschwendetes Potenzial.
Zum Glück lief hinterher "Ghost Killers vs. Bloody Mary", sodass der Abend doch nicht umsonst war. :D
Schöne Kritik jedenfalls, Ghostfacelooker! Wie schon vor mir geschrieben, der Aufbau mit den positiven Aspekten, die du zu Beginn als die Dinge aufzählst, von denen man dich überzeugen kann, ist originell und unterhaltsam zu lesen. Du lieferst einen sehr guten Überblick über den Film.


Danke liest man gern. Auch das meine Sichtweise hierzu nicht "exotisch" ist^^^^

05.07.2020 21:44 Uhr - DerPehlgrimm
Wenn man schon kritisiert, sollte man es richtig widergeben. Es war nicht von 64 KM / Min. die Rede, sondern von 64 Km/ Sek. klingt schon etwas schneller. Ist natürlich immer noch sehr viel langsamer als Lichtgechwindigkeit, aber die Entfernung zum Mars schwankt zwischen 56 Mio. und 401 Mio. Km. Im Idealfall sind es also nur 10 Tage bei 64 Km/ Sek. Im Film war von 3 Wochen die Rede. Passt also.

Im luftleeren Raum spielt die Form eines Flugobjektes auch keine große Rolle mehr. After Eight, Domino oder auch ne Kackwurst können gleichschnell vorankommen.

"simplen, handelsüblichen Schraube" - die Größe der Schraube war nicht erkennbar in Relation zum Weltraum und dem Schiff. Schonmal ne Schraube oder Bolzen in der Landwirtschaft gesehen? Und es gibt noch Größere. (Raum)schifffahrt, Riesenkräne, etc.
Sandkörnergroße Teilchen können Satelliten schrotten.

Auch war Mima nicht mal annähernd soetwas wie ein Holodeck.

Diese ganze Einleitung von wegen, was der Schreiber sich gefallen lassen könnte, war eigentlich nur ein Herunterziehen des Films.
Hier hat einfach jemand der Film nicht gefallen, den ich selber sehr sehenswert fand. Je mehr man erwartet, umso enttäuschter wird man. Der Film ist absolut sehenswert, aber natürlich, so wie alles, eine Frage des persönlichen Geschmacks. Egal, hauptsache es klang klug.

06.07.2020 12:19 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.835
@ DerPehlgrimm:
Fühle mich ja schon fast geehrt, daß dein allererster Kommentar mir gilt und das du dich so sehr von dem Review "angegriffen" gefühlt hast um dies so intensiv zu korrigieren. Fakt bleibt der eigene Geschmack und ich finde diesen Film genauso wie ich ihn beschrieben habe, da ich mich in meinen Reviews immer nur von eigenen Gefühlen beim Ansehen leiten lassen und diese so auch widerspiegle.
Dementsprechend ist also auch meine Einleitung genau dieses Wiederspiegeln und drückt deutlich aus, was ich mir als Zuseher gefallen lasse.
Die Sache mit der Schraube ist ein solches Beispiel und kam mir indessen so banal vor, daß ich diesen Vergleich als Metapher passend finde, besonders wenn man bedenkt wieviel High Tech man für das Raumschiff zeigt und dann scheitert es wegen dieser unlogischen Sache.
ICH erwarte nicht, daß jemand meine Ansicht teilt, noch behaupte ich, daß sie das Maß aller Sichtweisen ist, jedoch ist sie im Hinblick zu hochjubelnden Kritiken ob hier oder im Netz "nüchterner" und nicht von überzogenem Blendwerk getragen, was andere Autoren auf verschiedenen Seiten zu falschem Hype nutzen.
Wenn dir MEINE AUSFÜHRUNGEN nicht zusagen, ist das deine zu "respektierende" aber von mir nicht unbedingt zu übernehmende Meinung
Deine Aussführung der km / sek werde ich natürlich verbessern.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)