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Ghostfacelooker
Level 18
XP 6.222
Eintrag: 14.02.2020

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Aniara

Herstellungsland:Dänemark, Schweden (2018)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Science-Fiction

Bewertung unserer Besucher:
Note: - (0 Stimmen) Details
inhalt:
Nach der Zerstörung der Erde treten wenige ausgewählte Menschen die Reise zu ihrem neuen Heimatplaneten Mars an. Das dafür eigens entwickelte Raumschiff Aniara erfüllt alle Bedürfnisse einer konsumgetriebenen Spezies, die gerade ihren Planeten verzehrt hat. Doch nach der Kollision mit Weltraumschrott kommt die Aniara vom Kurs ab und den Passagieren steht eine ungewisse Zeit in der Endlosigkeit des Universums bevor.
eine kritik von ghostfacelooker:

Mir als Anit-Star Trekker, der gelegentlich aufgrund Captain Picard und seiner Crew tollkühner Recken mal eingeschaltet hat, mag man ja vieles erzählen können.

Man mag mir weismachen, daß sich ein, mit schwarzem Klavierlack angemaltes Motherboard ähnlich aussehendes Raumschiff, als das Traumschiff des Universums von der Erde zum Mars etabliert hat, welches,- im bekanntlich luftleeren Raum, der wiederum mit undurchdringlicher Schwärze angefüllt ist, auf dem Bildschirm wie ein überdimensionales After Eight auswirkt, und sich mit lediglich vierundsechzig Kilometern in der Minute fortbewegt, um so die traumhaft roten Sandstrände des Mars zu erreichen.

Des weiteren kann man mir auch visuell verständlich belegen, daß es auf diesem Topliner natürlich ein Holowdeck ähnliches Konstrukt gibt, welches sich MIMA nennt und Passagieren die entspannende Möglichkeit gibt, sich losgelöst von ihren Körpern, in ihren schönsten Erinnerungen aufzuhalten.

Auch kann man mir klarmachen, daß eben jenes Transportmittel allein mit Hilfe einer simplen, handelsüblichen Schraube, der man vorher noch dramaturgisch in Slow Motion eine eigene Aufnahme widmete, so schwer beschädigt wird, daß man aufgrund des getroffenen Treibstofftanks, nicht nur selbigen zur Vorsicht komplett ablassen muß, sondern somit natürlich manövrierunfähig wird und vom Kurs abkommt.

Was man mir aber beim besten Willen nicht glaubhaft machen kann, ist daß dieser, auf einem 1956 veröffentlichten Gedichts des Schweden Harry Martinson basierender Film spannend in seinem Handlungsaufbau ist.

Die Tatsache, daß dann eben jener erinnerungsprojezierender Computer aufgrund überlastender Datenspeicherung und zu häufiger Depression seiner Probanden, schlagartig an selbiger zu leiden und implodierenden Suizid beginnt, war mir dann doch zusätzlich zuviel abverlangtes Verständnis.

Klar, er visuell interessant und ob der Tatsache, daß er ohne Traumfabrik auskommend, in seiner Inszenierung schon innovativ und künstlerisch gestaltet zu nennen ist, aber dieser Versuch funktioniert allein mit seiner Hauptdarstellerin, die nicht nur gegen die im Drehbuch vorgeschriebene Dystopie, sondern auch gegen den gänzlich unsympathischen Cast anzukämpfen hat, nicht wirklich.

Mimarod, alias Emelie Jonsson, ist nicht nur quasi alleinige Säule des Films, sondern bis zu jenem tragischen Selbstmordes auch durch nichts aus der Ruhe zu bringen und man merkt erst mit diesem Vorfall, daß ihr ganzer, bis dahin bestehender Lebensinhalt dieses Computersystem war und sich in dessen Nähe aufzuhalten, ihre emotionale Stütze.

Einzig die unterschwellige und kaum beachtete Zuneigung zu Fluganalystin, Isagel (Bianca Cruzeiro) lässt ihre Hoffnung nicht schwinden. Und Hoffnung ist genau daß, was man auf beiden Seiten des Films hat.

Einmal als in der Handlung selbst agierender Passagier, doch noch den Mars zu erreichen und als Zuschauer andererseits, daß sich die immer wieder angedeutete Spannung, durch verschiedene, teilweise auch verstörend für die Geschichte zu nennende Situationen, doch endlich entladen und aufbauen mag.

Ihnen gegenüber steht Arvin Kananian, als egozentrischer Kapitän, der gut und gern an den Führungsoffizier der Costa Concordia angelehnt sein könnte -, welcher zwar im Gegensatz zu diesem eine Fluchtmöglichkeit im Unglück hatte und diese auch ergriff, aber ansonsten bestimmt genauso selbstverliebt und in sich ruhend vorgekommen sein muß wie dieser -, ist die letzte Konstante des Films.

Seine Figur konnte auch als Gesellschaftssystem verstanden werden, welches erst durch Konsum und Ablenkung versucht, die Bevölkerung zu beschwichtigen und sie dann mit falschen Versprechungen in Sicherheit wiegen will.

Doch auch wenn man die dystopisch, trostlose Stimmung nachvollziehen und die immer ausweglosere Situation mitbegleitet, reicht eine einzige Darstellerin die mit ihrer positiv gelagerten Ausstrahlung das emotionale Pendant zur sich negativ steigernd frustrierenden Gesellschaft der Passagiere als Kollektiv verstanden werden soll und somit unterschwellig sozialkritische Töne über den Film hinweg verströmt, gegen die große Leere als solches im Film und der Handlung anzukämpfen.

Aber es wird bestimmt „Arthouse Cineasten“ geben, die diesen Film ob seiner filmischen und visuellen Aussage ähnlich feiern werden wie den 2013 erschienen Cargo.

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Kommentare

14.02.2020 13:15 Uhr - TheMovieStar
1x
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Vor allem die erste Hälfte deines Reviews gefällt mir sehr gut Ghost wie du schreibst was man dir alles erzählen kann und was nicht, interessanter Aufbau Toll geschrieben.

überdimensionales After Eight? Ein interessanter Ausdruck :-) Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan von After Eight bin :-)

14.02.2020 14:05 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.222
14.02.2020 13:15 Uhr schrieb TheMovieStarVor allem die erste Hälfte deines Reviews gefällt mir sehr gut Ghost wie du schreibst was man dir alles erzählen kann und was nicht, interessanter Aufbau Toll geschrieben.

überdimensionales After Eight? Ein interessanter Ausdruck :-) Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan von After Eight bin :-)


Ja meine persönliche Offenheit läßt ob meiner eventuellen Einfälltigkeit tief blicken^^^^^^^^^^

14.02.2020 18:55 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 5
Erfahrungspunkte von The Machinist 431
Hm, du klingst ja nicht so angetan, von daher weiss ich nocht nicht, ob ich mir den zulegen soll. Auf der anderen Seite habe ich schon einen Faible für diese unheilsschwangeren Slowburner, gerne auch mit Sci-Fi-Setting, gerade ''High Life'' von letztem Jahr fand ich da richtig stark. ''Cargo'' mochte ich hingegen garnicht.

Mal abwarten, bis er billiger ist. Die Kritik gefällt mir von ihrer Struktur her auch recht gut.

14.02.2020 20:24 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
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14.02.2020 18:55 Uhr schrieb The MachinistHm, du klingst ja nicht so angetan, von daher weiss ich nocht nicht, ob ich mir den zulegen soll. Auf der anderen Seite habe ich schon einen Faible für diese unheilsschwangeren Slowburner, gerne auch mit Sci-Fi-Setting, gerade ''High Life'' von letztem Jahr fand ich da richtig stark. ''Cargo'' mochte ich hingegen garnicht.

Mal abwarten, bis er billiger ist. Die Kritik gefällt mir von ihrer Struktur her auch recht gut.


dank.
Da du ja auch ein Fan von Burning bist, würde ich diesen hier als Burning des SCiFi Genres bezeichnen und so wie ich über Burning denke empfinde ich den hier leider, da es mal wieder einer jener Käufe war, die ich hätte lassen sollen. Hoffe Shadow fällt nicht in diese Liga^^^^^^^

14.02.2020 21:52 Uhr - The Machinist
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OK, das klingt wiederum so als ob der Film genau mein Ding wäre.

Den Shadow konnte ich bereits auf der großen Leinwand sehen, in meinen Augen episches Überwältigungskino. Ist zwar von der Erzählstruktur auch eher langsam und in den Kampfszenen dann eben choreographisch vormfollendetes Action-Kino. Ein Martial-Arts-Film mit Arthouse-Anteil, wenn man so will.

14.02.2020 22:16 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
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14.02.2020 21:52 Uhr schrieb The MachinistOK, das klingt wiederum so als ob der Film genau mein Ding wäre.

Den Shadow konnte ich bereits auf der großen Leinwand sehen, in meinen Augen episches Überwältigungskino. Ist zwar von der Erzählstruktur auch eher langsam und in den Kampfszenen dann eben choreographisch vormfollendetes Action-Kino. Ein Martial-Arts-Film mit Arthouse-Anteil, wenn man so will.


Mich hat es gereizt weil Zhang ja auch Hero und House of flying Daggers drehte, was man schon am Farbspiel erkennen kann wenn auch düster gehalten

14.02.2020 22:55 Uhr - Cabal666
User-Level von Cabal666 4
Erfahrungspunkte von Cabal666 208
Den Film hab ich letztes Jahr auf dem Hardline-Festival in Regensburg gesehen. Erhoffte mir einen düsteren, dystopischen Science-Fiction-Film, der auch die Gefahr von Massenhysterien in isolierten Gesellschaften thematisiert, so ähnlich wie "Herr der Fliegen" oder Stephen Kings "Der Nebel" - und bekam dann das.
Stimme dir bei deiner Kritik auf jeden Fall zu. Interessant ist die Geschichte ja schon, der Film sieht toll aus (man braucht kein Riesen-Hollywood-Budget, um ordentliche Weltraumbilder hinzubekommen!) und der Cast ist auch nicht schlecht. Nur leider ist das alles so dermaßen spannungslos inszeniert! Man wartet praktisch die ganze Zeit darauf, dass mal irgendwas passiert, wird aber meist enttäuscht. Anstatt, dass sich die Konflikte mal entladen, siechen die Charaktere einfach nur der Reihe nach dahin. Versteht mich nicht falsch, für mich muss ein Film über Extremsituationen nicht in Gewalt ausarten, damit er mir gefällt. Und die philosophischen und sozialkritischen Bezüge sind mir auch aufgefallen. Nur sollte die Inszenierung dann auch angemessen packend sein, damit sie stärker nachhallen. So war das hier leider ein Werk, das am Ende nur ein Schulterzucken hevorruft. Massig verschwendetes Potenzial.
Zum Glück lief hinterher "Ghost Killers vs. Bloody Mary", sodass der Abend doch nicht umsonst war. :D
Schöne Kritik jedenfalls, Ghostfacelooker! Wie schon vor mir geschrieben, der Aufbau mit den positiven Aspekten, die du zu Beginn als die Dinge aufzählst, von denen man dich überzeugen kann, ist originell und unterhaltsam zu lesen. Du lieferst einen sehr guten Überblick über den Film.

15.02.2020 01:08 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.222
14.02.2020 22:55 Uhr schrieb Cabal666Den Film hab ich letztes Jahr auf dem Hardline-Festival in Regensburg gesehen. Erhoffte mir einen düsteren, dystopischen Science-Fiction-Film, der auch die Gefahr von Massenhysterien in isolierten Gesellschaften thematisiert, so ähnlich wie "Herr der Fliegen" oder Stephen Kings "Der Nebel" - und bekam dann das.
Stimme dir bei deiner Kritik auf jeden Fall zu. Interessant ist die Geschichte ja schon, der Film sieht toll aus (man braucht kein Riesen-Hollywood-Budget, um ordentliche Weltraumbilder hinzubekommen!) und der Cast ist auch nicht schlecht. Nur leider ist das alles so dermaßen spannungslos inszeniert! Man wartet praktisch die ganze Zeit darauf, dass mal irgendwas passiert, wird aber meist enttäuscht. Anstatt, dass sich die Konflikte mal entladen, siechen die Charaktere einfach nur der Reihe nach dahin. Versteht mich nicht falsch, für mich muss ein Film über Extremsituationen nicht in Gewalt ausarten, damit er mir gefällt. Und die philosophischen und sozialkritischen Bezüge sind mir auch aufgefallen. Nur sollte die Inszenierung dann auch angemessen packend sein, damit sie stärker nachhallen. So war das hier leider ein Werk, das am Ende nur ein Schulterzucken hevorruft. Massig verschwendetes Potenzial.
Zum Glück lief hinterher "Ghost Killers vs. Bloody Mary", sodass der Abend doch nicht umsonst war. :D
Schöne Kritik jedenfalls, Ghostfacelooker! Wie schon vor mir geschrieben, der Aufbau mit den positiven Aspekten, die du zu Beginn als die Dinge aufzählst, von denen man dich überzeugen kann, ist originell und unterhaltsam zu lesen. Du lieferst einen sehr guten Überblick über den Film.


Danke liest man gern. Auch das meine Sichtweise hierzu nicht "exotisch" ist^^^^

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