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VelvetK
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Eintrag: 17.02.2020

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Mother!

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Mystery
Alternativtitel:mother!

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,54 (27 Stimmen) Details
inhalt:
Ein Dichter (Javier Bardem) und seine junge Ehefrau (Jennifer Lawrence) leben allein in einem großen viktorianischen Haus auf dem Land. Eines Tages steht ein fremder Mann (Ed Harris) und kurz darauf dessen Gattin (Michelle Pfeiffer) vor der Tür, die der Dichter beide begeistert einlädt, bei ihnen zu wohnen. Als überraschend auch noch die Söhne (Domhnall & Brian Gleeson) des Ehepaars auftauchen, eskalieren die Spannungen im Haus: Im Streit bringt ein Sohn den anderen um. Durch den tragischen Vorfall inspiriert, verfasst der Dichter ein Werk, das nicht nur mit einem renommierten Preis bedacht wird, sondern ihm schlagartig großen Kultstatus und Ruhm verschafft. Seine mittlerweile schwangere Frau sieht sich mit einer immer aggressiver werdenden Fangemeinde konfrontiert, die sich bald als unberechenbare Bedrohung entpuppt…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Gott und die Welt

Wo fängt man bei mother! an, wo hört man auf? Es ist ja ohnehin ein sich ewig drehender Kreislauf, schenkt man den biblischen und variiert gespiegelten Visionen von Autor und Regisseur Darren Aronofsky Glauben. mother! ist ein strapazierender Film, der auf der einen Seite nicht viel zu erzählen hat. Ein idyllisches und abgelegenes Haus im Nirgendwo, zu dem keine Wege oder Straßen führen. Ein Dichter (Javier Bardem), der unter einer kreativen Blockade leidet und seine Frau (Jennifer Lawrence), die ein abermals abgebranntes Haus in ein neues Licht rückt, mit Farben, Details und Konturen schmückt und füllt. Doch irgendwann stehen eine Frau (Michelle Pfeiffer) und ihr Mann (Ed Harris) vor der Tür, welche die junge Frau empfindlich in ihrer friedvollen Eintracht stören. Die aufdringlichen Gäste setzen der jungen und unschuldigen Frau sichtlich zu, während sich der unberechenbare Dichter an deren Gebaren, Ideen und Konter auf eine scheinbar fruchtbare Weise labt.

"Was ist los?"
"Warum tust du das, ohne mich zu fragen?"
"Was tue ich?"
"Du hast sie eingeladen."
"Ich dachte, da wäre nichts dabei."
"Eigenartig."
"Was?"
"Wusstest du von seiner Frau?"

Doch andererseits bietet mother! hinter seiner einem Alptraum gleichen Fassade einen komplexen, breit aufgestellten und mehrdeutigen Subtext, der faszinierender und ergiebiger kaum sein könnte. Oberflächlich gesehen ist mother! ein ziemlich wirres, kaum nachvollziehbares und aufwühlendes Spannungskonstrukt unter dem situativen Banner des Kontrollverlusts, welches ungefiltertes Unwohlsein auswalzt und mit zunehmender Spieldauer blanken Terror zelebriert. Man sieht der jungen Frau dabei zu, wie ihr nach und nach jegliche Zügel des wohl gehüteten Alltags aus der Hand schnellen und es tut mit zunehmender Laufzeit richtig weh, mother! durchzustehen, was auch am starken Auftritt von Jennifer Lawrence liegt, die gefühlt in jeder Szene zu sehen ist. Mit der Zeit gesellen sich mehr und mehr ungebetene Menschen hinzu und das sorgfältig restaurierte und wieder hergerichtete Haus bricht, samt all seiner Bewohner und Gäste, langsam auseinander.

"Es soll ein Paradies werden."

mother! entlarvt sich selbst recht bald als druckvolle und aufreibende Allegorie hinsichtlich biblischer Motive und den Grundzügen des menschlichen Seins aus überlieferter Sicht, was sowohl erzählerisch, als auch in audiovisueller Darstellung ziemlich deutlich transportiert wird und in erster Linie metaphorische Früchte trägt. Ja, dafür braucht es nicht viel Background und es wird schnell klar, was die keimende und spielerisch manifestierte Absicht von Aronofsky war, auch wenn er in der Doku nur über die ebenso interessante Beziehungsdynamik der Hauptprotagonisten spricht. Aronofsky hüllte seinen an den Nerven zupfenden Film in ein ästhetisches Gewand, das wirklich aufregend und fordernd ist - was man so oder so sehen kann. Im Prinzip gilt hier jede Wertung gleichermaßen. Ob ein vergebener Punkt, zehn schillernde Zähler oder irgendwas dazwischen  - mother! lässt einfach alles zu, je nachdem, wie gewillt man selbst ist, einen Film tatsächlich lesen zu wollen und das dann am Ende auch als erträglich zu empfinden. mother! geht in seiner vielfältigen Wirkung sogar soweit, dass ein jeder neuer Kontakt ganz anders ausfällt und man es ohnehin nicht bei einer einzigen Sichtung unter ähnlichen Umständen belassen sollte. Oh, ja! Des einen Anstrengung und Marter, ist des anderen Freude und Ernte. Doch egal für was man sich letztlich entscheidet; mother! bleibt unwiderruflich, schmerzend und im besten Fall kräftezehrend hängen. Ein rastloses, unruhiges und niemals stillstehend aus der Brust blutendes Meisterwerk, das den fortschreitenden und irgendwann verendenden Lauf der Dinge aus einer sanft predigenden Sichtweise heraus perfekt einfängt - Bardem ist am Schluss ebenfalls großartig. Der fruchtbare und kräftige Setzling und die heller lichte und farbenfrohe Blütezeit und das unaufhaltsame Welken im Abendlicht.

"Da mach dir keine Sorgen. Ich werfe sie raus."
"Tja, und wo sollen sie hin?"

Die Figuren in mother! tragen dann auch konsequent keine ausgesprochenen Namen und wer mit ein paar Geschichten aus dem alten und neuen Testament vertraut ist - oder wenigstens mal davon gehört hat -, findet in mother! eine von Aronofsky modern verpackte und zuweilen grotesk anmutende Zusammenfassung vieler Ecken und Kanten im weitesten Sinne vor. In den letzten zwei Jahren habe ich von Bekannten und Freunden oft wenig überraschend vernommen, dass man nicht so richtig durchgestiegen ist, was die Handlung von mother! betrifft, womit der Film erstmal alles richtig gemacht hat. Nicht wenige empfinden Aronofskys Werk als spirituellen, überambitionierten und verklärten Humbug, den man wohl lieber aufgibt, als darin sucht. Die schiere Flut an Fragen und Antworten macht es nicht leicht, keine Frage, stellt sich mother! doch auch als effektvoller Horrorfilm und mahnender Scherbenhaufen aktueller und vom Menschen provozierter Um- und Zustände auf. Darren Aronofsky versteht es ob einiger seiner vorherigen Werke (The Fountain, Noah), die Schablone alter Schriften auf universelle und stets geltende Themen zu legen. Wer nach der allumfassenden und drastisch ausufernden Tour de Force noch Kraft und Lust hat weiter zu forschen, findet im Netz ausführliche Interpretationen, die auf alle wesentlichen Fragen von mother! eingehen und auch jene Dinge besprechen, die unklar und offen bleiben. Schaut man mother! dann erneut, wird schon mit der ersten Szene klar, wie gut die einzelnen Stränge von mother! ineinandergreifen und Darren Aronofsky den alten Worten zeitgenössische Spitzen und ein grelles Gegenlicht verpasst.

"Die sind schnell wieder zurück."
"Was wollen die hier?"
"Sie konnten nirgendwo hin. Ich habe ihnen gesagt, es wäre in Ordnung, wenn sie ein paar Freunde einladen, und die Familie."

Aus einem ziemlich breiten Betrachtungswinkel kann man mother! durchaus als religiöse Augenwischerei oder einfacher gesagt, als plump verzierten Bibelmist hinstellen. Darren Aronofskys Film wirkt zwar zunächst verkopft und verkompliziert, doch wer einmal nachgeschlagen hat und dran geblieben ist, sollte den Generalschlüssel zu beinahe allen Türen des Films in den Händen halten. Die Botschaft am Ende von mother!, also der Mensch als nimmersatte und versprengte Plage des Planeten Erde, hallt überdeutlich und demütig nach, egal ob man den Ansatz von mother! nun mag oder nicht. Und hat man einmal den formschönen Schlüssel zu den Hauptthemen von mother! gefunden, rücken auch die anderen Qualitäten in ein interessantes Licht. Tatsächlich legt Aronofsky zwinkernde Fährten, indem er ein von Jennifer Lawrence klasse gespieltes Existenzdrama anrührt und in ziemlich derben Grusel- und Bluteinlagen badet. mother! hätte sicher auch als kürzer gemachter Homeinvasion-Schocker ohne derlei Schnörkel funktioniert, wäre dann aber wohl eher unter anderer Regie gemacht worden. In filmischer Hinsicht ist Aronofskys ebenso kompromisslos, wie bei den narrativen Ebenen. Gedreht wurde hauptsächlich analog auf 16mm und 35mm Film und das sieht in den aufwendig errichteten und miteinander verbundenen Sets schlicht fantastisch aus! Körnige, kontrastarme und eigensinnig beleuchtete Aufnahmen und verwackelte Bilder sind ein schwieriges und meist unnötig betretenes Terrain, doch Aronofsky ist ein Meister der virtuosen Unruhe. Im Grunde verlässt mother! niemals das große und überall verknüpfte, geräumige und verwinkelte Haus - welches neben den klar verorteten Figuren ebenfalls lebendig scheint, von der Geburt bis zum Tode und wieder von vorne. Auf engstem Raum lotet die Inszenierung alle Möglichkeiten, Perspektiven und Abstände aus, was begeistert und in diesem Einfallsreichtum erstaunt. Nur für wenige Momente kehrt Ruhe ein und nur selten verharrt das Bild am gleichen Ort. In der zweiten Filmhälfte ist mother! eine selten dagewesene filmische Stresssituation ohne Atempausen - alles, was mich sonst an diesem schüttelnden, meist falsch verstandenen und aufgepusteten Stil nervt, blüht hier durch die Hand Aronofskys. In audiovisueller Hinsicht ist der Film einmalig, gerade weil es vor dem Abspann kaum musikalische Untermalung gibt. Dafür hat man mother! eine mitreißende, frequente und referenzwürdige Geräuschkulisse verpasst, die allein schon ihr Geld wert ist. Ständig ist was los auf den hinteren Soundkanälen, von oben kommen gezielte Highlights und die Flammen am Anfang und Ende wie einige aggressive Passagen, werden fulminant wiedergegeben. Wer kann, schaut im Originalton, der als wuchtig prasselnde und das Unwohlsein ungemein steigernde Atmos-Tonspur vorliegt und die deutsche Audiospur um Längen hinter sich lässt. Überragend!

"Sie haben mein Baby getötet! Du hast ihn umgebracht."
"Es tut mir so leid, so leid. Sie wollten ihn nur ansehen, sie wollten ihn nur anfassen..."

Was bleibt? mother! ist ein technisch herausragend geformtes und im ersten Augenblick nicht leicht zu nehmendes Erlebnis und ein ausnehmend reich gedeckter Tisch an vielerlei Reflexionen, der sich aus dem Buch der Bücher stechende Facetten diskutabel zu Eigen macht. Aronofsky überspannt den Bogen dennoch weit weniger, betrachtet man mother! mit etwas Abstand und vor allem noch einmal, egal wie sehr man die dem Glauben verfallene Herangehensweise als solche ablehnt.

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Kommentare

17.02.2020 14:17 Uhr - Fratze
DB-Helfer
User-Level von Fratze 7
Erfahrungspunkte von Fratze 795
Wow.

Ganz schöne Mammutarbeit, die du dir hier gemacht hast... allerdings frag ich mich, ob weniger diesem Werk überhaupt gerecht werden würde. Sehr interessante Ansätze, an die ich bei der Sichtung gar nicht mal so sehr gedacht habe, obwohl mir die messianische Stilisierung des Dichters natürlich aufgefallen ist, aber auf jeden Fall lässt der Film diese Interpretationen zu. Und die Inszenierung ist tatsächlich gewaltig und monströs, ich meine mich z.B. zu erinnern, dass als da nachher im Haus das absolute Chaos losbricht, eine ziemlich lange One-Take-Sequenz kommt, die mich schwer beeindruckt hat. Die Geschichte mit dem Baby fand ich schließlich äußerst verstörend und hatte nachfolgend den Eindruck, dass mother! damit einen Trend im modernen Horror begründet hat, Kinder bzw. Säuglinge zu Opfern zu machen (etwa in Hagazussa, Hereditary, The VVitch u.a. - könnte mich natürlich täuschen, weiß grad nicht sicher ob mother! da der erste war).

Klasse Review jedenfalls, Hut ab.

17.02.2020 15:04 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 6
Erfahrungspunkte von The Machinist 468
Toller Film, allgemein geht Aronofsky bei mir immer. Vielen war das Ding damals dann aber doch etwas zu sehr Arthouse, muss man halt mögen.

Bei mir ebenfalls eine 8.
Und sehr gut geschrieben. Ich lese deine Kritiken aktuell nicht so oft, da ich die von dir vorgestellten Filme in der Regel kenne, werde aber in nächster Zeit versuchen dranzubleiben. Finde deine Beobachtungen mitunter nämlich verdammt interessant.

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