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Der Protector

(Originaltitel: The Protector)
Herstellungsland:USA, Hongkong (1985)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Martial Arts, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Wai Lung Maang Taam
Wei Long Meng Tan
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,39 (21 Stimmen) Details
inhalt:
Der New Yorker Polizist Billy Wong (Jackie Chan) wird strafversetzt, da er, um den Tod seines Kollegen zu rächen, den Täter bei einer wilden Verfolgungsjagd einfach in die Luft gejagt hat. Nun arbeitet er mit Danny Garoni (Danny Aiello) zusammen. Ihr neuer Fall führt die beiden nach Hongkong. Die Tochter des einflussreichen Industriellen Shapiro ist entführt worden. Als Drahtzieher vermutet das Duo den gefährlichen Drogenboss Mr. Ko.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                            THE PROTECTOR

In Asien war Jackie Chan in den Siebzigerjahren zum Superstar aufgestiegen, so dass er sich bald auch auf dem US-amerikanischen Filmmarkt etablieren wollte. Das war aber leichter gesagt als getan: Sein erster amerikanischer Film, Die Große Keilerei (1980), blieb an den amerikanischen Kinokassen finanziell hinter den Erwartungen zurück und in der nachfolgenden Actionkomödie Auf Dem Highway Ist Die Hölle Los (1981) stand Chan im Schatten solcher Stars wie Roger Moore (James Bond – Der Spion, Der Mich Liebte, 1977), Burt Reynolds (Ein Ausgekochtes Schlitzohr, 1977) und Farrah Fawcett (Drei Engel Für Charlie, 1976-1981). Vier Jahre später unternahm Chan unter der Regie von James Glickenhaus (Der Exterminator, 1980) einen weiteren Versuch, in den USA Fuß zu fassen. The Protector, so der Titel des Films, hatte ein Budget von (geschätzt) fünf Millionen Dollar und wurde in New York und Hongkong gedreht. Weitere Mitglieder der The Protector-Besetzung waren Danny Aiello (1933-2019 / Es War Einmal In Amerika, 1984), Moon Lee (Winners And Sinners, 1983), Roy Chiao (1927-1999 / Indiana Jones Und Der Tempel Des Todes, 1984) und Bill „Superfoot“ Wallace (Der Bulldozer, 1979).

Weil er den Mörder seines Partners auf ebenso eigenwillige wie kostspielige Art und Weise zur Strecke gebracht hat, wird der Polizist Billy Wong (Jackie Chan) in die Abteilung „Personenschutz“ strafversetzt und muss mit seinem neuen Partner Danny Garoni (Danny Aiello) einer Modenschau beiwohnen. Die Show nimmt ein abruptes Ende, als schwerbewaffnete Männer auf der Szene erscheinen und die Modedesignerin entführen. Wong und Garoni nehmen die Ermittlungen auf, die sie nach Hongkong führen …

Auch The Protector brachte Jackie Chan nicht den erwünschten Durchbruch: gerade mal 982.000 Dollar konnte der Streifen in den USA einspielen. Und wie in den beiden oben genannten US-Filmen hatte Chan keine der künstlerischen Freiheiten, die er in seiner Heimat genoss, was auch dazu führte, dass sich der asiatische Actionstar sehr schnell mit Regisseur Glickenhaus verkrachte, da dieser aus ihm einen „typisch amerikanischen“ Kinobullen machte, der sich durch einen mit viel Gewalt und etwas Nacktheit garnierten Entführungs – und Drogenplot schießt und kämpft. Chan war mit Glickenhaus´ Arbeit so unzufrieden, dass er für sein Publikum zu Hause eine eigene Schnittfassung anfertigte, die knapp 300 (!) Abweichungen (Kürzungen, Umschnitte, alternatives und neu gedrehtes Material) von der US-Fassung aufweist, welche auf dieser Seite in einem mehr als beeindruckenden Schnittbericht von Muck47 dokumentiert wurden. Chans eigens angefertigte The Protector-Fassung ist ein Beispiel dafür, dass eine alternative Schnittfassung – auch wenn sie einige Zensureingriffe beinhaltet (Chan entfernte z.B. Nacktszenen und angedeuteten Oralsex im Massagesalon) – einen Film durchaus aufwerten kann. Aber US-Fassung hin, Hongkong-Fassung her – ist The Protector ein wirklich so misslungener Film, dass er an den Kinokassen (In Chans Heimat war dem Film auch kein großer Erfolg beschieden…) seinerzeit derart abgestraft wurde?

Die The Protector-Handlung gibt nicht sooo viel her. Wenn das Ermittlerduo nicht gerade in Schießereien und andere Kämpfe verwickelt wird, geht es irgendwelchen Hinweisen nach und macht beim Durchstreifen von Hongkonger Hafengebieten, Massagesalons und Lagerhäusern einiges an Kilometergeld. Das ist zwar nicht nervenaufreibend spannend, aber auch nicht so langweilig, dass man sich ständig beim Blick auf die Uhr erwischt.

Jackie Chan macht das Beste aus der für ihn eher untypischen Rolle und zeigt, dass er bereits anno 1985 in der Lage war, einen amerikanischen B-Actionfilm zu tragen, auch wenn sein typischer Kampfstil (zumindest in der US-Fassung) in The Protector nicht so zur Geltung kommt wie in seinen asiatischen Streifen; nichtsdestotrotz gibt sich Chan auch hier in den Actionszenen keine Blöße und präsentiert erneut seine beeindruckende Körperbeherrschung. Darstellerisch deutlich schwächer schneidet dagegen Danny Aiello als Chans Filmpartner ab. Wahrscheinlich als witziger Teil des Duos konzipiert, sind einiger seiner Szenen nicht komisch, sondern eher peinlich. Da er Chan körperlich deutlich unterlegen ist, wirkt er auch in den Actionszenen, in denen er nicht zur Uzi greift, etwas überfordert. Man hat schon bessere Cop-Duos gesehen, zumal die Drehbuchautoren James Glickenhaus und Edward Tang es versäumt haben, Chan und Aiello ein paar erinnerungswürdige Oneliner / Wortgefechte in den Mund zu legen.

Auf der Gegenseite überzeugen Roy Chiao und Bill Wallace in ihren Rollen als Gangsterboss, bzw. Handlanger. Auch wenn Wallaces Rolle nicht besonders groß ist, wirkt er in jeder Szene äußerst bedrohlich und sein Kampf gegen Jackie Chan ist – in der Hongkong-Fassung – ein echtes Highlight. Der Rest der Besetzung erledigt seinen Job zufriedenstellend, ohne aber wirklich hervorzuragen.

The Protector hat aber – abgesehen von seinem Hauptdarsteller und den beiden Nebendarstellern in ihren Schurkenrollen – noch weitere Stärken. So weist Glickenhaus´ vierte Regiearbeit einige ordentliche, zum Teil (besonders für Jackie Chan-Verhältnisse) ziemlich brutale Actionszenen auf, die nicht mit großen, blutigen Einschüssen geizen. Schon die erste Actionszene, die mit einer Barschießerei beginnt und in einer Motorboot-Verfolgungsjagd mündet, ist nicht von schlechten Eltern und ab da gibt es weitere – ordentlich über den Film verteilte – Actionszenen und den einen oder anderen Stunt zu sehen, die in Jackie Chans Schnittfassung noch an Dynamik gewinnen. Das beste Beispiel hierfür ist der bereits erwähnte Kampf zwischen Jackie Chan und Bill Wallace. In der US-Fassung ist diese Auseinandersetzung ein solider Fight, bei dem man sich fragt, warum Glickenhaus nicht mehr aus dieser Konstellation gemacht hat – schließlich handelt es sich bei Bill Wallace um einen Kampfsportler mit Legendenstatus. Durch Nachdrehs, alternative Abläufe und Kürzungen machte Chan aus dieser Szene einen knallharten, spektakulären Zweikampf wie man sich auch in der US-Fassung gewünscht hätte … eigentlich hätten alle Kampfszenen in The Protector so aussehen müssen.

Außerdem ist The Protector gerade wegen der Tatsache sehenswert, dass er sich so von Jackie Chans bisherigen Arbeiten unterscheidet. Besonders der Auftakt des Films wirkt erstaunlich düster und dreckig und durch die Nackt – und Drogenszenen erhält The Protector (in der amerikanischen Version) einen bis dahin nie in einem Chan-Film gesehenen Sleaze-Touch. Man fühlt sich teilweise an Cannon-Filme wie Death Wish II & III (1982/85) oder Glickenhaus´ Exterminator erinnert. Das macht The Protector auch für (Action-)Filmfans interessant, die mit Chans Martial Arts-Actionkomödien nichts anfangen können.

The Protector ist  kein Meilenstein des Actionkinos und auch in Jackie Chans Filmographie gibt es etliche bessere Werke. Dennoch handelt es sich bei Chans zweiter Hauptrolle in einem US-Film um einen ordentlichen, soliden B-Actionreißer, der mit vielem bricht was Jackie Chans bisherige Arbeit ausgemacht hat, was durchaus seinen Reiz hat. Da ich mich während meines Reviews auf zwei Filmfassungen bezogen habe, ist es schwer, ein endgültiges Urteil abzugeben. Mir persönlich gefällt die Hongkong-Fassung besser, auch wenn sie die eine oder andere "anstößige" Einstellung aus der Glickenhaus-Fassung vermissen lässt und dadurch etwas weniger "dreckig" wirkt als die US-Version. Trotzdem ist sie insgesamt packender, straffer und temporeicher, weshalb ich ihr eine 7 mit starker Tendenz zur 8 gebe. Die amerikanische Kinofassung enthält von mir - je nach Tagesform - eine 6 oder 7/10. Dem einen oder anderen Leser mag dieser Unterschied marginal vorkommen, aber ich möchte einerseits deutlich machen, dass die Hongkong-Fassung der amerikanischen Version meiner Meinung nach überlegen ist, anderereits macht diese den Film nicht so gut, dass ich mich zu einer glatten 8/10 oder einer noch höheren Punktewertung "durchringen" könnte, da es mehrere Jackie Chan-Filme gibt, die eine solche Bewertung eher rechtfertigen. Sorry für diese Umständlichkeit. 

Hongkong-Fassung: 7-8/10; US-Fassung: 6-7/10 

7/10
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Kommentare

02.05.2020 12:21 Uhr - Charlie Bronson
1x
Danke für die Review, den Film habe ich noch nicht gesehen aber jetzt Lust drauf. Vor allem auch auf den Vergleich zwischen jüdischem 80er-Sexismus (Glickenhaus-Fassung) und chinesischer Hochkultur (Hong Kong Version).
Gleich mal bei ofdb geschaut und siehe da, die "Dragon Edition" von Splendid enthält sowohl die unrated US- als auch die asiatische Jackie-Can-Variante. Aber warum mussten die so ein hässliches Cover machen? Warum nicht das coole Kinoplakat als Motiv? Sowas finde ich ärgerlich, alle jammern (zurecht) übers Videothekensterben und darüber dass alle nur noch legal und illegal downloaden, streamen, netflixen usw., dann sollen die DVD-Firmen auch etwas Liebe in die optische Aufmachung stecken..

02.05.2020 13:52 Uhr - Punisher77
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Nichts zu danken, Charlie!
Die heutigen DVD/Blu Ray-Cover von alten Filmen stören mich mittlerweile auch. Was hat z.B. die James Bond-Reihe für tolle Kinoplakate gehabt und wie langweilig sehen dagegen die Blu Ray-Cover aus...

02.05.2020 22:09 Uhr - Charlie Bronson
1x
Ja das ist echt schade. Die guten alten Poster, seufzt.. Geht bei mir fast so weit, dass ich vor schlechten Filmen mit gutem Plakatmotiv mehr Respekt habe als vor dem umgekehrten Fall. Zumindest in Bezug auf Heimkinoveröffentlichungen. 🤪

03.05.2020 20:24 Uhr - Pratt
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Schönes Review, ich mag den Film, finde aber auch die HK-Fassung deutlich besser als die US-Version, sollte wahrscheinlich so'ne Art "Dirty Jackie" werden und geizt nicht mit Brutalitäten!!!

09.05.2020 13:03 Uhr - Punisher77
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Danke sehr, Pratt.

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