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Total Recall - Die totale Erinnerung

(Originaltitel: Total Recall)
Herstellungsland:USA (1990)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction,
Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,20 (194 Stimmen) Details
inhalt:
2084. Bauarbeiter Doug Quaid wird von Träumen gequält, in denen er ein Leben auf dem Mars führt. Um sich ein Bild von dem roten Planeten zu machen, bucht er eine virtuelle Urlaubsreise bei der Firma Recall Inc. Dabei wird eine künstliche Erinnerung an den Trip direkt ins Gehirn implantiert. Doch etwas geht schief und Quaid findet sich plötzlich in einer völlig neuen Identität wieder. Brutale Killer heften sich an seine Fersen und seine Frau eröffnet ihm, sie wäre Agentin für den Mars-Diktator Cohaagen. Quaids wahres Bewusstsein wurde manipuliert. Um seiner realen Identität auf die Spur zu kommen, bleibt ihm nur eine Chance: Er muss selbst zum Mars reisen und den Auftrag zu Ende führen, den sein reales Ich begonnen hat...
eine kritik von chollo:

1987 war Regisseur Paul Verhoeven mit seinem exzellenten dystopischen Action- Kracher "Robocop" erfolgreich in die USA immigriert. Mit seinen schon damals als kontrovers einzuschätzenden Outputs "Türkische Früchte"; "Der Soldat von Oranien" und vor allem "Spetters" hatte sich der gute Paul über den großen Teich einen Namen gemacht und konnte die in ihn gesetzten Erwartungen mit seinem in Sachen Budget als B- Movie einzugruppierenden "Robocop" aus Sicht der Produzenten dann auch vollends erfüllen . Keine große Überraschung dass er 3 Jahre später für seinen nächsten Kracher "Total Recall" gleich mal das fünffache, nämlich stolze 65 Mill. USD zur Verfügung gestellt bekam. Vor allem da man für die Hauptrolle den damals sehr begehrten Arnold Schwarzenegger besetzen konnte.

Laut diversen Interviews mit Mr. Verhoeven  lautet die Entstehungsgeschichte aber etwas anders. Demnach soll der liebe Arnie nachdem er und ein paar Produzenten die Rechte an dem Stoff erworben haben direkt auf Paul Verhoeven zugegangen sein, da vor allem der "Terminator" nachdem  er "Robocop" gesehen hatte unbedingt mit dem berüchtigten Regisseur zusammenarbeiten wollte.

"Total Recall" basiert wie "Minority Report" oder "Blade Runner" auf einer Geschichte des amerikanischen Science-Fiction Autors Philip K. Dick. Ähnlich wie in den übrigen Verfilmungen geht auch bei "Total Recall" der tiefergehende Anspruch mit deutlich psychologischer Komponente seiner Werke flöten, sodass Verhoeven's Version vor allem als überdurchschnittliche Genre- Unterhaltung funktioniert. Seine Interpretation fokussiert sich nicht wie die Vorlage auf die Frage der Selbst- bzw. Wahrheitsfindung, sondern vor allem auf ein blutiges Gewaltspektakel der Marke Bombast. Dass diese Richtung ebenfalls sehr gut funktioniert, ist vor allem dem Regisseur und seinem Hauptdarstellern zu verdanken.

Aber sind wir jetzt mal ehrlich was dargebotenes Handwerk zu bieten hat, denn Schwarzenegger spielt eigentlich wieder einmal Schwarzenegger. Den aus optischer Sicht nicht ganz so unauffällig geratenen Jedermann, der in Situationen größter Anspannung über sich hinauswächst und den Helden in sich entdeckt. Arnie als Doug Quaid bzw. Hauser macht sein Ding stilsicher und gewohnt sympathisch, doch zu viel in Sachen schauspielerisches Können sollte man natürlich nicht vermuten. Viel facettenreicher ist da die Performance seiner On-Screen Gattin Sharon Stone geraten. Die zum Zeitpunkt der Entstehung noch kleine Leuchte am Filmhimmel  dreht in Sachen Persönlichkeit voll auf und wechselt in Intervallen zwischen eiskalter Psychopathin und Kuschelkatze hin und her. Sehr schön ihrem Treiben zuzuschauen, wobei sie den Rest ihrer Garde dabei dezent in den Schatten stellt. Michael Ironside als Mr. Richter gibt den Kurtwood Smith alias Clarence Boddicker der Zukunft, freilich ohne dabei auch nur ansatzweise dessen diabolische Ader zu ertasten. Ronny Cox bekommt dann mit Vilos Cohaagen konsequenterweise gleich die Zwillingsrolle zu seinem Dick Jones aus "Robocop"  angeboten. Böse Manager- Typen kann der Gute eben mittlerweile und da hat sich Verhoeven mit der Rollenbesetzung wohl nicht allzu lange sein Köpfchen heiß gemacht. Selbst die kleineren Nebenrollen sind mit Namen wie Dean Norris oder Marshall Bell sehr gut besetzt, leider müssen diese sich aber den Produkten der Effekte Schmiede um Rob Bottin geschlagen geben deren Marionetten sie sind.

Wobei wir gleich beim nächsten Punkt wären. "Total Recall" entstand in einer Zeit des Umbruchs im Bereich der visuellen Effekte. Miniaturbauten, Stop- bzw. Go Motion und Matte Paintings wichen immer mehr den aufkeimenden und sich als sehr praktikabel erweisenden Computer- generierten Effekten. Als Paradebeispiel sei an dieser Stelle der ein Jahr später veröffentlichte "Terminator 2- Judgement Day" genannt. Zwar übt sich "Die totale Erinnerung" auch schon in derlei Spielereien, siehe X- Ray Laufband, doch beherrschen Verhoeven's Sci-Fi Actioner noch ganz klar die "altmodischen" Herangehensweisen. Dieser Aspekt sollte aber keinesfalls negativ aufgefasst werden, denn was Bottin's Handwerkskunst wieder einmal heraufbeschwört kann nur als überragend bezeichnet werden, obwohl sich Maskenbildner und Regisseur nach den Zwistigkeiten während des Dreh's von "Robocop" wohl geschworen hatten nie wieder miteinander zu arbeiten.

Was "Total Recall" aber vor allem auszeichnet, ist die unverkennbare Handschrift seines Regisseurs. Im blutigen Gewand präsentiert uns Verhoeven eine bitterböse Satire auf den Kapitalismus und der Soziologie im allgemeinen um sie gleichsam mit den nötigen Schauwerten zu unterfüttern. Der Gute weiß nämlich was die breite Maße bei seinem Namen verlangt und der Maestro lässt es sich auch nicht nehmen, seine Sichtweisen mit denen der Protagonisten zu verknüpfen. Überhaupt wurde meines Erachtens Verhoeven's Vita in der Vergangenheit viel zu oberflächlich betrachtet und wird somit der Intelligenz  seiner Werke nicht im mindesten gerecht.

"Total Recall" ist ein Reißer alter Schule und heute wie damals eine Sichtung mehr als Wert,wenn nicht sogar Pflichtlektüre. Nach der Listenstreichung und der neuerlichen Freigabe mit dem blauen Flatschen jetzt auch überall und jederzeit zu haben. Diejenigen die dieses Stück Filmgeschichte noch nicht kennen sollten unbedingt einen Blick riskieren, alle anderen muss ich ohnehin nicht von der Qualität dieses Werks überzeugen. Über die konturenlose Effekthascherei die sich Remake schimpft lege ich jetzt aber mal lieber den Mantel des Schweigens.

9/10
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Kommentare

20.02.2020 09:29 Uhr - Kaiser Soze
2x
DB-Co-Admin
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Ein ausgezeichnetes Review mit Augenmerk auf die Entstehung und das Drumherum, hat mir gut gefallen und ließt sich wie gewohnt flüssig. Der Film selbst ist sehr gut und zählt in meinen Augen sogar zu Arnies Besten!

20.02.2020 12:22 Uhr - cecil b
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DB-Co-Admin
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Ich stimme da dem Kaiser in allen Punkten zu!


20.02.2020 14:08 Uhr - McGuinness
2x
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Ein Klassiker, welcher heute immer noch enormen Unterhaltungswert besitzt und der für Fans der " Steirischen Eiche " mitunter zu seinen besten und bekanntesten Werken gehört.

Hin - und wieder sehe ich mir diesen ganz gerne an, wobei ich allerdings dem " Terminator " dann doch den Vorzug lassen würde 💪🏻😎

Deine Kritik hierzu ist jedoch wie gewohnt spitze 😊👍🏻

20.02.2020 15:16 Uhr - CHOLLO
1x
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Vielen Dank liebe Leute!!

@McGuinness
Jup gegen den Terminator kommt der nicht an!

20.02.2020 15:43 Uhr - TheMovieStar
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Spitzen Review zu einem von der Erinnerung her unterhaltsamen Klassiker. Hab den damals rauf und runter geguckt, die letzte Sichtung ist allerdings schon ein paar Jahre her, deswegen habe ich eventuell vielleicht nicht ganz die totale Erinnerung :-)

Muss ihn mal wieder sehen! Danke Chollo für die tolle Erinnerung!

20.02.2020 15:55 Uhr - CHOLLO
1x
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:) Danke auch dir MovieStar

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