SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Cyberpunk 2077 · Dein wahres Ich ist nicht genug. · ab 50,99 € bei gameware Zombie Army 4 Dead War · Die Kultjagd · ab 38,99 € bei gameware

Police Story: Back for Law

Originaltitel: Jing Cha Gu Shi 2013

Herstellungsland:China (2013)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Police Story: Lockdown
Police Story VI
Police Story 2013
Police Story 2014
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,92 (12 Stimmen) Details
inhalt:
Um einen inhaftierten Terroristen freizupressen, nimmt ein Mann Geiseln, darunter auch ein Polizist und seine Tochter. Was der Geiselnehmer nicht weiß: Der Polizist ist der erfahrene Kommissar Zhong Wen (Jackie Chan) und der hat richtig miese Laune...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                     POLICE STORY: BACK FOR LAW

(Wer keine Lust auf eine lange Einleitung hat, sollte die ersten beiden Abschnitte überschlagen ;-) ...)

Jeder Filmfan wird in seiner Kindheit und Jugend (Action-)Filmhelden gehabt haben, die ihre/seine Leidenschaft für den Film entscheidend geprägt hat. Und während diese Helden des Kinos in ihren Karrierephasen von Erfolg zu Erfolg eilten und ihre Fangemeinde in schöner Regelmäßigkeit mit Filmen versorgten, die wir heute als Klassiker bezeichnen und immer wieder in den heimischen Player schieben, dürften wir wohl kaum daran gedacht haben, wie es sein wird, wenn die von uns so verehrten Herren mal 50, 60 oder gar 70 Jahre alt werden würden … auch wenn wir es schon befremdlich fanden, als in der Bravo 1988 zu lesen war, dass Sylvester Stallone Rambo III im für uns Kiddies geradezu biblischen Alter von 42 Jahren gedreht hatte, und dass Mel Gibson – damals ebenfalls 42 Jahre alt - im Zuge der Lethal Weapon IV-Dreharbeiten (1998) ankündigte, demnächst keine Actionfilme mehr zu drehen, da ihm sein Körper seine Grenzen aufzeige und er langsam „zu alt für den Scheiß“ werde. Trotzdem, dass Schauspieler, die Figuren wie Harry Callahan, Indiana Jones, John McClane, John Rambo oder den Terminator gespielt haben, mal so alt wie unsere Großväter werden und sich möglicherweise mit ähnlichen Gebrechen wie sie herumschlagen müssen, erscheint angesichts ihrer auf Zelluloid gebannten Abenteuer so wahnsinnig irreal. Aber die Realität hat die Helden von einst eingeholt und wenn die körperliche Spannkraft, mit der man damals mitunter schauspielerische Defizite ausgeglichen hat, nachlässt, bleibt die Frage: Was tun, um sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, bzw. nicht in Vergessenheit zu geraten?

Wie alternde Hollywoodstars mit diesem Problem umgehen, ist etwas, worüber man durchaus die Nase rümpfen kann, da nicht jeder so clever ist wie der mittlerweile achtzigjährige Chuck Norris (Missing In Action, 1984), der mit seiner kultigen Gastrolle in The Expendables II (2012) noch einmal ein richtiges Ausrufezeichen setzte und sich damit aus dem Filmgeschäft verabschiedete. Sicher, auch wenn man kritisieren kann, dass Sylvester Stallone mit Anfang 70 immer noch den Rambo gibt und dass der fast achtzigjährige Harrison Ford immer noch glaubt, dass er noch einmal die Hauptrolle in einem Indiana Jones-Film übernehmen werde, hat das Alterswerk so mancher unserer Helden viel Interessantes zu bieten. Clint Eastwood hat die Zeichen der Zeit als erster erkannt, ließ sein fortgeschrittenes Alter bereits Anfang der Neunzigerjahre in sein oscarprämiertes Meisterwerk Erbarmungslos (1992) einfließen und setzte im fortgeschrittenen Alter zu einem neuen Höhenflug als Regisseur und Schauspieler an. Rambo: Last Blood (2019) wurde zwar von den meisten Kritikern zerrissen, aber mit den beiden Creed-Filmen (2015 & 2018) gewann Sylvester Stallone neues schauspielerisches Renommee und hat ein neues, interessantes Superhelden-Projekt in der Pipeline. Und während die Regisseure des Ex-Alarmstufe: Rot-Stars Steven Seagal immer wieder mit hektischen Schnitten und Kameraschwenks gegen dessen Leibesfülle ankämpfen, stehen seine Konkurrenten Dolph Lundgren (The Punisher, 1989) und Jean-Claude Van Damme (Bloodsport, 1987) besser da. Zwar leistet sich Lundgren so manchen filmischen Fehltritt, konnte aber in jüngerer Vergangenheit Rollen in großen Hollywoodproduktionen wie Aquaman (2019) abgreifen, während JCVD in seinen jüngeren Filmen wie The Bouncer (2018) zeigt, dass auch in ihm ein Charakterdarsteller schlummert. Was das alles mit Jackie Chan, bzw. Police Story: Back For Law (2013) zu tun hat? Auch Jackie Chan ist der Held von zahlreichen Filmfans und seine Beliebtheit ergibt sich auch, bzw. besonders  aus seiner körperlichen Fitness, die es ihm gestattete, die wahnwitzigsten Stunts und Kampfszenen selbst auszuführen. Was tut jemand wie Jackie Chan, wenn man an der Sechzig kratzt, bzw. sie überschritten hat? Filme wie Police Story: Back For Law geben die Antwort. Aber kann diese Antwort auch die Fangemeinde zufriedenstellen?

In dem von Ding Sheng (Little Big Soldier, 2010) mit einem Budget von umgerechnet 35 Millionen US-Dollar inszenierten Streifen, der weder eine Fortsetzung der ersten vier Police Story-Teile darstellt, noch die Geschichte von New Police Story (2004) weitererzählt, will der vom Leben gezeichnete Detective Zhong Wen (Jackie Chan) seine ihm entfremdete Tochter Miao Miao (Jing Tian – The Great Wall, 2016) treffen. Treffpunkt ist ein Nachtclub namens Wu Bar, der Miao Miaos neuem Freund Wu Jiang (Liu Ye – Air Strike, 2018) gehört. Das Treffen findet jedoch nicht aus Zufall in der Wu Bar statt – kaum, dass Wen angekommen ist, riegelt Jiang seinen Club hermetisch von der Außenwelt ab und nimmt sämtliche Gäste als Geisel…

Police Story: Back For Law klingt martialisch und lässt eher einen Film vermuten, in dem Jackie Chan in seiner Rolle aus den ersten vier Police Story-Filmen noch einmal aus dem (Vor)Ruhestand geholt wird, um ein letztes (?) Mal für Recht und Ordnung zu sorgen. Und auch das oben genannte Szenario erinnert sicherlich an Stirb Langsam (1988). Police Story: Back For Law erfüllt jedoch keine dieser Erwartungen. Der 2013er Streifen hat nichts mit seinen fünf Vorgängern zu tun und auch als Stirb Langsam im Nachtclub kann man den Ding Shen-Streifen nur bedingt bezeichnen. Er ist nämlich viel interessanter.

Zunächst zeigt Jackie Chan – zum Zeitpunkt der Dreharbeiten immerhin 59 Jahre alt – wie man sich auch im fortgeschrittenen Alter rollentechnisch weiterentwickeln kann. So spielt er hier keinen optimistischen Helden, sondern einen Gesetzeshüter, in dessen Gesicht nicht nur die letzte körperliche Konfrontation Spuren hinterlassen hat … man nimmt Chan die Rolle des Inspektors Zhong Wen, der – anstatt für seine Familie da zu sein ist – nur für seinen Job lebt(e) und die dementsprechenden Blessuren hinnahm, hundertprozentig ab. Und auch das Reaktionsvermögen hat abgenommen … während er darüber nachdenkt, wie man einen Missetäter ausschaltet, hat dies schon jemand anders erledigt. Eine solche Rolle hätte er mit in seinen Zwanzigern und Dreißigern niemals glaubhaft spielen können. Aber was das Kämpfen angeht, hat man Rücksicht auf Jackie Chans Alter genommen. Ursprünglich wollte Chan überhaupt keine Kämpfe in Police Story: Back For Law austragen, aber letztendlich überredete Regisseur Sheng seinen Hauptdarsteller zu Kampfszenen wie denen, in denen Chan als Zhong Wen um die Freilassung von Geiseln kämpft. Und allein diese Sequenz wirkt glaubhafter und spektakulärer als vieles, was seine Konkurrenten präsentieren, da Chan sich hier nicht als unbesiegbarer Alleskönner präsentiert, dem das Alter nichts anhaben kann. Während sich Steven Seagal, der sich früher gern abfällig über die Fähigkeiten anderer Kampfkünstler, bzw. anderer Schauspieler, die Kampfsport auf der Leinwand betreiben, äußerte, sich im gleichen Alter wie Jackie Chan oftmals doubeln und/oder seine Regisseure/Kameramänner mit Stakkato-Schnitten arbeiten ließ, präsentiert sich Jackie Chan hier zwar nicht mehr in der Form der Siebziger – und Achtzigerjahre und steckt mehr ein als er austeilt, aber dennoch beweist er, dass er noch kämpfen kann – und wie!

Aber Jackie Chan ist nicht der einzige Schauspieler, der in Police Story: Back For Law überzeugen kann. Jing Tian überzeugt in der Rolle der rebellischen Tochter, der man den Zorn auf ihren (Film-)Vater absolut abkauft. Aber eine noch stärkere schauspielerische Leistung zeigt Liu Ye als Nachtclubbesitzer Wu Jiang, der nicht bloß ein eindimensionaler Bösewicht ist, sondern durchaus mehrere Facetten zeigt.

Was Police Story: Back For Law außerdem auszeichnet, ist sein Plot. Regisseur Sheng, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat jede Menge Irrungen und Wendungen in die Handlung eingebaut, die den Zuschauer dauerhaft in Atem halten. Bereits die erste Einstellung, in der Jackie Chan zu sehen ist, sorgt für eine handfeste Überraschung, die einen das Ende des Films kaum erwarten lässt. Hinzu kommen einige spannende Rückblenden, so dass sich die Handlung nach und nach wie ein Puzzle zusammenfügt, und in denen noch weitere Actionszenen präsentiert werden. Und auch der Showdown ist nicht von schlechten Eltern. So geht die Spieldauer von über 100 Minuten schnell und ohne nennenswerten Längen rum.

Für manch einen mag sich dieses Review zu Police Story: Back For Law wahrscheinlich zu enthusiastisch anhören – sicher, der Streifen wird jetzt und auch in Zukunft wahrscheinlich eher nicht als Klassiker in die Actionfilmgeschichte eingehen und viele Fans werden sicher mal wieder den alten Zeiten hinterhertrauern. Und aufmerksame Zuschauer werden sicher auch das eine oder andere Haar in der Suppe finden, was die Schlüssigkeit der Story angeht. Aber da ich den Film im Bundle mit Police Story I & II (1986 & 1988) erwarb, erwartete ich einen billigen, lauen Aufguss, der mit maximaler Verzweiflung versucht, noch einmal ein paar Dollar mit einer etablierten Marke zu machen. Sicher, da der Film im Grunde nichts mit seinen Vorgängern zu tun hat, liegt der Verdacht nah, dass man schon ein bisschen gehofft hat, mit dem Titel noch mal die alten Fans anzulocken, aber trotzdem ist Police Story: Back For Law ein wirklich guter, fesselnder Action/Polizei-Thriller. Inwiefern dieser Film repräsentativ für Jackie Chans Spätwerk ist, vermag ich nicht zu sagen, aber zumindest mit dem ebenfalls sehenswerten The Foreigner (2017) hat Chan eine ähnlich ernsthafte Schiene weiterverfolgt. In dem Stil darf der asiatische Superstar meiner Meinung nach gern weitermachen.

8-9/10

8/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Attack
Punisher77
3/10
Legacy
Punisher77
7/10
P.O.W.
Punisher77
7/10
die neuesten reviews
So
TheMovieStar
8/10
Monster
McGuinness
9/10
Terminator:
Kaiser Soze
7/10
Outside
Ghostfacelooker
Perfect
Kaiser Soze
8/10
Ohne
TheMovieStar
6/10
Star
sonyericssohn
6/10

Kommentare

04.12.2020 11:03 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
User-Level von Gorno 13
Erfahrungspunkte von Gorno 2.685
Ich kann deine Meinung nachvollziehen. Sehr gute Kritik. Fand den Film auch sehr gut und sogar noch viel besser als New Police Story. Ach ich mag die Police Story Filme einfach zu sehr :D Sind neben den Armour of God Teilen meine liebsten Jackie Chan Filme.

04.12.2020 12:34 Uhr - Draven273
User-Level von Draven273 2
Erfahrungspunkte von Draven273 35
Tolle Review Punisher. Vor allem mit einer schönen Einleitung die ich wirklich sehr genossen habe und mit der Du es geschafft hast, mich ein wenig in die guten alten Zeiten fliehen zu lassen. Sehr schön :) Mit den Jackie Chan Filmen habe ich mich immer mal wieder schwer getan, den von Dir besprochenen Film habe ich noch nicht gesehen, aber nach Deiner gelungenen Review werde ich dem hier doch mal eine Chance geben.

05.12.2020 01:52 Uhr - Punisher77
2x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.584
Ich danke Euch für Euer tolles Feedback!

@Gorno:
Ich teile Deine Leidenschaft für die PS-Story-Filme!

@ Draven
Danke für Dein Lob! Vielleicht gefällt Dir ja trotz allem dieser Chan-Film!


07.12.2020 21:44 Uhr - Belphegor1999
Was der dreht noch Filme? Dachte der hätte schon längst aufgehört der Jackie Chan... Tolle Vorstellung 👌👍🎥😊

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)