SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Yakuza 7: Like a Dragon · Its time to be a Hero · ab 58,99 € bei gameware Mortal Shell · Die letzten Überbleibsel der Menschheit · ab 34,99 € bei gameware

Hände voller Blut

(Originaltitel: Hands of the Ripper)
Herstellungsland:Großbritannien (1971)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Anna, die als kleines Kind miterleben mußte, wie ihr Vater ihre Mutter erstach, weil sie dahinterkam, daß er der berüchtigte Jack the Ripper war, lebt mittlerweile bei ihrer Tante, die ihr Geld damit verdient, daß sie Anna an wohlhabende Männer vermietet. Als Anna nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem Kunden ihre Tante angreift und sie mit einem Schürhaken aufspießt, kommt sie in die Obhut des Freud Schülers Dr. Pritchard, der versucht, dem Geheimnis von Annas gewaltätigem Ausbruch auf die Spur zu kommen. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, bis Anna bei den Vorbereitungen zu der Hochzeit von Dr. Pritchards Sohn die Zofe auf blutige Weise abschlachtet, die ihr ein Medaillon um hängen wollte. Überzeugt davon, daß dieses Schmuckstück eine Rolle bei Annas gefährlicher Persönlichkeitsveränderung spielt, beginnt Dr. Pritchard mit der Untersuchung von Annas Vergangenheit. Nicht ahnend, daß er damit für sich und seine Familie die Büchse der Pandora öffnet....
eine kritik von cecil b:

 

 

Horrorfilme aus den britischen Hammer-Studios sind fast ein eigenes Genre. Beispielsweise Mörder, Monster, Vampire, tiefe Ausschnitte, Technicolor, Exploitation, Schauspieler wie Bela Lugosi, Christopher Lee und Peter Cushing, Trash, Unsinn, aber auch ungewöhnliche bis gute Ideen, und begabte Regisseure wie etwa Terence Fisher (Dracula 1958, † 1980) , gehörten von 1930 bis in die frühen Achtziger ins Programm dieser Studios. Heute nicht selten Kult, im Jahre 2007 unter neuer Fuchtel reanimiert. 1971 wurde in dieser Rubrik eine wieder mal kuriose Story (Edward Spencer Shew) als ein ebenbürtiges Drehbuch (Lewis Davidson, 1926–1990, TV-Serie: Mit Schirm, Charme und Melone) verfilmt. HANDS OF THE RIPPER heißt der Schinken. 

Die theoretischen Hintergründe in Bezug auf Jack The Ripper, den weltberühmten Mörder, der in der Realität im Jahre 1888 sein Unwesen trieb, dienten schon vielen Filmen als Vorlage, und werden in diesem Horrorfilm noch mal weiter gesponnen. Ist auch verlockend. Der Mörder hatte sich ja auf Dirnen spezialisiert, weshalb man prinzipiell die niedrige Unterhaltung hervorragend mit der Darstellung von Sex und Gewalt bedienen kann. Zudem wurde dieser Schlitzer nie gefasst, weshalb jede Menge Spekulationen betrieben werden können. Auch hinsichtlich der Psychologie. HANDS OF THE RIPPER schmückt sich auch dreist mit dem Namen des legendären Psychoanalytikers Siegmund Freud. 

Dass der Regisseur dieses Streifens, Peter Sasdy, einst den Razzi Award als schlechtester Regisseur für The Lonely Lady bekam, sollte den Filmfan nicht abschrecken, denn, um diesen Film geht es hier nicht, und z. B. Sasdys WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? oder COMTESSE DES GRAUENS schnitten ja nicht schlecht ab. HANDS OF THE RIPPER ist jedenfalls gut inszeniert. Die Mitwirkenden, die währen u. a. der Komponist Christopher Gunning  (6 Auszeichnungen für 5 Filme! u. a. Poirot), Kameramann Kenneth Talbot (1920–1993, Das Dunkel der Nacht), Cutter Chris Barnes (I) (1938–2009, The Saint) und der Effektspezialisten Cliff Culley  (Hellraiser 2, Cabal- Die Brut der Nacht), haben zu großen Teilen gutes zu diesem Film beigetragen. Das Gleiche kann man über die Schauspieler sagen. 
 
HANDS OF THE RIPPER ist nicht ganz so reißerisch, wie das Cover vermuten lässt, und, verdammt, es handelt sich um einen reinrassigen Horrorfilm, der für die damalige Zeit gar nicht ohne ist, und der recht gut unterhält!
 
 
 
 
 
 
Zunächst ist unbedingt zu würdigen, dass die Ausstattung, die Kulisse, die Szenenbilder darin, die Kostüme, die Frisuren und das Make-up eine professionelle Reise ins 19. Jahrhundert ermöglichen. Lustig, dass sich die Figuren gelegentlich darüber unterhalten, wie groß die Unterschiede zur früheren Zeit sein. Es ist schon beeindruckend, wie es gelungen ist, auch Studios in tolle Zeitbilder zu verwandeln. Perfekt beleuchtet, mit Liebe zum Detail, Schnitten, die die Szenenverläufe und die Szenenwechsel solide präsentieren, und einer Kameraführung, die offensichtlich jede Regieanweisung angemessen umsetzen konnte.
 
Die Großaufnahme samt den für die Zeit typischen Zoom, die nahen Einstellungen bei Dialogszenen mit wenigen Figuren, auch die Zentrierung Einzelner dieser, oder die Totale bei der Darstellung von Menschengruppen, werden immer treffend eingesetzt. Und es gibt da ein paar Szenen zu sehen, die wirklich überraschend gut den inhaltlichen Verlauf so wie die Darstellung von diesem dramaturgisch effektiv kombinieren. Wie dann im Finale geschickt eine Architektur inszeniert ist, die wohl klassisch als auch künstlich erbaut wurde, das erinnert doch tatsächlich an die Kunst eines Dario Argento. Das Tüpfelchen auf dem i ist aber fraglos Christopher Gunnings Komposition, die viele klassische Instrumente zu bieten hat, und immer wirksam zu hören ist. Die Effekte sind zweitklassig, dafür muss auch mal eine Puppe herhalten, aber, die zum Teil ziemlich blutigen Szenen verfehlen ihre Wirkung nur selten. Und die schlichte Story mausert sich. 

Der wirklich harte Anfang und die Inhaltsangabe machen keinen Hehl daraus, dass ein Trigger den Wahnsinn auslöst. Nicht besonders raffiniert. Allerdings entwickelt sich diese Idee gewitzt! Und, was so lachhaft ist, wenn Anna von ihrer Tante auch für deren Schar­la­ta­ne­rie missbraucht wird, entpuppt sich dann als Basis für den besseren Teil der Story. Ein ehemaliger Kunde der Tante und Dr. Pritchard nutzen das Schicksal von Anna aus, um gegeneinander einen Machtkampf auszuüben. Die Grenzen zwischen Moral und Ethik, Recht und Unrecht, Schuld und Sühne, verwischen.

Anna kommt aus ganz einfachen Verhältnissen und trifft nun auf die Upperclass, beide Seiten werden gegenübergestellt. Es gelingt wirklich gut,offensiv darzustellen, dass sich Personen aus der Elite manchmal nicht weniger primitiv verhalten, als der Pöbel und das Gesocks. Die durchgängig besoffenen Dirnen (ist ja wohl verständlich), ob sie sich nun mit Dreck beschmutzt im Kittchen aufhalten, oder auf dem Strich, die Kerle in Lumpen, denen man eher nicht im Dunkeln begegnen möchte, sind klischeehaft dargestellt, aber, im 19. Jahrhundert gab es da im Londoner East End bestimmt ein paar Ecken, da waren diese Zustände noch ungeschminkt. Die feinen Herren und Damen tun viel dafür sich von diesen einfachen Leuten zu unterscheiden. Man wohnt in großen Häusern, Zofen, Mägde, Anzüge, Kleider und ein ansehnliches Mobilar, gehören so dazu, wie die durchgehend gehobene Sprache, ändern aber nichts daran, dass sich ganz schön miese Halunken unter dem Anzug verstecken können. Wölfe im Schafspelz. "In meinem Alter sieht man Schamhaftigkeit als Heuchelei an. ".

Pritchards Vorstellungen und wahren Intentionen sind aber auch nur Illusionen. Anna kann nichts für ihren Wahnsinn, die besagten Herren versuchen mit Kalkül vorzugehen. Wer ist denn jetzt wirklich böse? "Was ist Wirklichkeit? Das wusste ich nie! ". Das Machtspiel und das spannende Verhältnis zwischen Anna und Dr. Pritchard gleichen dramaturgisch aus, dass der Horrorfan nicht in regelmäßigen Abständen das erwartete Kunstblut zu sehen bekommt, die dargestellten Morde an einer Hand abzuzählen sind. Das liegt auch daran, dass Eric Porter († 1995, Award für The Forsyte Saga) einen großartigen Pritchard gibt, der auf Anna väterlich und vertraulich wirken möchte, und Angharad Rees ( † 2012, TV-Serien wie Remington Steel) der Rolle der mädchenhaften Anna gerecht werden kann. Pritchards Konkurrent im Machtspiel wird von Derek Godfrey (1924–1983, Warship) leider mit einem durchgehenden Overacting gespielt, das nimmt dem dargestellten Verhältnis zwischen Anna und ihrem 'Samariter' aber nicht den Wind aus den Segeln. Eine implizite Ironie gibt zudem frischen Wind. Schade, dass das Finale unrealistisch ist. Dafür schließt es aber mit einem guten Ende ab.  

 

 

HANDS OF THE RIPPER ist ein B-Film, aber die Story ist nicht uninteressant, das Schauspiel ist meist gut, die Inszenierung und der Soundtrack sind hervorragend, die Darstellung des 19. Jahrhundert gelingt toll und....... der Horror kommt nicht zu kurz. Fans der Hammerstudios sollten diesen Film in ihrer Sammlung haben. 

 

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Johnny
cecil b
8/10
Wand,
cecil b
8/10
Homevideo
cecil b
8/10
Destroyers
cecil b
5/10
die neuesten reviews
Malone
Punisher77
7/10
Hellraiser:
Cabal666
4/10
Passagier
TheMovieStar
7/10
Masters
Lars Vader
9/10
Kill
Kaiser Soze
9/10
Kill
Kaiser Soze
9/10

Kommentare

29.06.2020 17:33 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.859
Hammer-Filme gehören zu meinen größten Lücken. Habe einzelne "Draculas" mal im TV geschaut, ist aber ewig her. Dieses Review erinnert mich an meinen Nachholbedarf - und erweckt Vorfreude auf ungenutztes Potenzial!

29.06.2020 19:06 Uhr - lappi
1x
User-Level von lappi 3
Erfahrungspunkte von lappi 175
Allein wegen des Covers wäre der Film interessant. Schade, dass es nicht der Wirklichkeit entspricht 😅
Würde es mir sogar an die Wand hängen. 🤫
Aber Hammer geht ja eigentlich immer. Und das eingesetzte Technicolor gefällt mir auch ganz gut.

29.06.2020 19:49 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.168
Freue mich über eure Kommentare!

dicker Hund: für nen paar Kröten oder im TV bestimmt mal ne 'nette' Unterhaltung. ;)

lappi: Die hysterisch lachenden Dirnen im Kittchen sowie tiefe Ausschnitte in Splatterszenen bedienen wohl am ehesten die Erwartungen, die das Cover vermittelt. ;)

In Sachen schmuddelige Cover bedienten die Hammerfilme ja gerne mal den etwas anderen Humor:

https://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Titel&ID=889

30.06.2020 00:41 Uhr - lappi
1x
User-Level von lappi 3
Erfahrungspunkte von lappi 175
Och, ich bin da einfach gestrickt. Ich sehe schöne Brüste, ich freu mich. Auch wenn sie nur gemalt sind.
Nur schade, dass solche Cover heute eher selten sind. Auch wegen des künstlerischen Aspektes.

30.06.2020 09:12 Uhr - prince akim
User-Level von prince akim 2
Erfahrungspunkte von prince akim 42
Meine ersten Erfahrungen mit Hammerfilmen war ( lang ist´s her ... ) Anfang der 80er in der ARD mit der Reihe " Der phantastische Film" . Wenn ich mich recht entsinne, war damals "Frankensteins Rache (oder) Fluch " und "Der Fluch von Siniestro" am Start. Für meine damaligen Verhältnisse doch recht gruselig , da das meine ersten filmischen Kontakte zu Grusel/Horrorfilmen waren ... Aber von dem, der hier in dieser Review vorgestellt wird, hatte ich vorher noch nie etwas gehört oder gesehen .

30.06.2020 22:49 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 742
Bei Hammer-Filmen geht es mir ähnlich wie dem dicken Hund. Hab selbst sogar eine komplett ungesehene Blu-ray-Collection mit um den 10 Titeln davon im Regal stehen. Doch irgendwann wird sich die Chance ergeben, und vielleicht kriege ich ''Hände voller Blut'' auch noch in die Hände cecil.

02.07.2020 12:26 Uhr - Punisher77
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Ein fabelhaftes Mammut-Review, das alle relevanten Aspekte eines Films abdeckt. Hervorragender Lesestoff.

Der Film gehört für mich zu den besten Streifen aus der späten Hammer Films-Phase. Bekommt von mir eine 7 mit starker Tendenz zur 8.

02.07.2020 19:53 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.168
Ich freue mich auch über eure Kommentare!

prince akim: Der ist weniger trashig, als die vielen Monster und Vampirfilme aus dieser Schmiede. :)

The Machinist: Lohnt sich, mMn!

Punisher77: Thanx! :) Ja, bei mir geht die Tendenz auch nach oben.

14.07.2020 08:37 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.904
Aufgrund Deiner Rezension habe ich mir den Streifen besorgt und am Wochenende gesehen. Ich dachte erst, ich kannte den schon, hatte ihn vermutlich aber mit einem anderen Titel verwechselt. Ist in den beiden Hauptrollen (Eric Porter, Angharad Rees) tatsächlich sehr gut gespielt, die Inszenierung macht einen kompetenten Eindruck, ebenso die gefällige Ausstattung; ist insgesamt recht ruhig erzählt, aber spannend und für den Zeitpunkt seines Entstehens sowie für einen "Hammer"-Film erstaunlich brutal. Ergo: Lohnte sich für mich! Und soll ich Dir was sagen? "Hände voller Blut" erinnert mich irgendwie leicht an eine Psychothriller-/Horrorvariante von George Bernard Shaws "Pygmalion" :)

14.07.2020 16:36 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.168
Das freut mich sehr! :)

Wir scheinen da eine tatsächlich ziemlich ähnliche Sichtweise auf den Film zu haben.

Ich fand das Ende, trotz der unglaubwürdigen Tatsache, dass SPOILER: der Protagonist nicht verblutet ist, SPOILER ENDE, so lyrisch wie obligatorisch, und sehr schön inszeniert!

Und ja, der ist echt ziemlich hart! Die Szene mit der Dirne ist echt knüppelhart, nicht nur für die Zeit, wie ich finde.

Pygmalion: Eine sehr interessante Sichtweise, die ich gut nachvollziehen kann! Passt auf der einen Seite zu meiner Sichtweise, oder ergänzt diese, kann aber auch neue Perspektiven bieten. So könnte man sagen, dass der Protagonist überhaupt ein Ziel haben möchte, auch, wenn er dafür in Kauf nehmen muss, sich selbst ein Grab zu schaufeln. Und dann bietet das Ende die Möglichkeit, ein ähnliches Prinzip von zwei Seiten der beiden Protagonisten aus zu sehen. Huch, ich denke schon wieder zu viel nach. Ja, theoretisch wahrlich kein dämlicher Film, der solche Möglichkeiten bietet.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)