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Torture Room

(Originaltitel: Pledge of Allegiance)
Herstellungsland:USA (2007)
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Die Amerikanerin Anoush wird, aufgrund ihrer Bekanntschaften zu Männern aus dem Mittleren Osten, von der US-Regierung gekidnappt. In Isolationshaft gesteckt wird sie gefoltert, um ihren Willen zu brechen und aus ihr ein Spitzel für den Geheimdienst zu machen.
eine kritik von hudeley:
Pledge Of Allegiance - Torture Room
 
Wenn ich ein Horrorsubgenre hasse, dann sind es die in Rekodzeit abgedrehten CGI Trashfilme aus der The Asylum Schmiede und all deren Nachahmer. Freunde, ganz im Ernst: Sharktopus, Sharknado, Ghost Shark und wie der andere Krempel da noch so heißt, hat mit dem Trash-Genre wahrlich null zu tun. Da ist einfach nur Scheiß und hat weder den Reiz von schlechten, jedoch in ernster Absicht gedrehter Filme wie The Room oder Birdemic, noch den liebevollen Trash Appeal aus den Troma Studios, wo man sich nicht nur auf miese Effekte verlassen hat, sondern auch im humoristischen Bereich kreative Vorarbeit geleistet hat. Ob der Humor dann beim Einzelnen zündet oder diesem zu flach ist, mag wiederum auf einem anderen Blatt stehen. Weiterhin bleibt auch ein Gummikostüm-Kasperletheater wie Octaman stets einem x-beliebigen CGI-Trash-Film überlegen, da, egal wie vergleichbar schlecht beide Filme auch sein mögen, ein Octaman wenigstens auf Handwerk basierte, während die CGI Bombe Adobe After Effects das Monster einfach reinrendern ließ. 
So bemitleide ich auch die Regisseure, welche bei ihren Gehversuchen in Richtung Hollywood in zweifelhaften Filmschmieden gelandet sind und dort ihr eventuell vorhandenes Talent gegen aus dem Waschbecken auftauchende CGI-Haie eintauschen. Eric Forsberg war einer von denen. Vom knallbunten Splatter-Trash Alien Abduction, bishin zu dessen hundsbrutalen, aber trotzdem atmosphärisch nicht ganz unbrauchbaren Geheimtipp Night Of The Dead, habe ich seine Filme durchaus gerne verfolgt. Doch irgendwann nahm sein Hang zu Billig-Müll Überhand und er ließ in Megapiranha übergroße Piranhas Hubschrauber fressen oder diese sich auf Leuchttürmen aufspießen. Und doch gibt es den einen Film in seiner Vita, der so gar nicht ins Raster passen will. Nahezu ein kleines Filmjuwel für Genrefan, welches den ein oder anderen angewidert vom Bildschirm wegekelt und für ein paar deprimierende Minuten am Abend sorgt...
 
Torture Room erzählt die Geschichte von Anoush, einer Frau, welche aufgrund ihrer Bekanntschaften zu Männern aus dem Mittleren Osten von der Regierung gekidnappt wird. In Isolationshaft gesteckt, wird sie gefoltert um ihren Willen zu brechen und aus ihr ein Spitzel für den Geheimdienst zu machen.
Der 2007 entstandene Film verarbeitete somit nicht nur die Kriegsgeschehen des Folterskandals aus Abu Ghuraib oder der nach dem 11. September grassierenden Terrorpanik, sondern schwamm auch auf der frisch aufkeimenden Folter-Horror / Torture Porn Welle des damals noch frischen, neuen Jahrtausends mit. Heute für genervte Blicke sorgend, war diese Art von Film damals noch erfrischend, löste dieses Subgenre - wenn man es denn so nennen mag - die blutleeren Teenieslasher der 90er Jahre und die damals nach nur wenigen Jahen schon todgenudelte Remake-Flut asiatischer Geisterfilme ab. Wie damals schon in den 70ern, als der Horrorfilm zum ersten Mal so richtig das blutige Gaspedal durchdrückte und Regisseure wie Wes Craven in ihren Filmen das US-amerikanische Kriegstrauma verarbeiteten, tauchte ein vergleichbares Phänomen im Zeitraum des 3. Golfkrieges auf. Regisseure wie Eli Roth berufen sich bis heute auf die einprägsamen und schockierenden Folterbilder aus dem Abu-Ghuraib Gefägnis und auch James Wans Saw aus dem Jahre 2004 war davon maßgeblich beeinflusst. Dass gerade Saw und Hostel immer wieder als die beiden Vorreiter in Sachen Torture Porn genannt werden, schließt dabei den Kreis zu Torture Room, der sich losgelöst von seinem politischen Kommentar in dieses Genre einordnen lässt.
 
Torture Room, dessen Budget sich lediglich auf eine knappe Million US-Dollar belief, ist ein Low-Budget Film der kein Kino Feeling aufkommen lässt. Das dreckige, körnige Bild schreit nur so nach Grindhouse- oder Exploitationmovie und liefert dennoch eine solide und zielführende Kameraarbeit ab. Die Geschichte von Anoush, welche teils in Rückblenden erzählt wird und nahezu durchgehend ihr Martyrium in einer Zelle zeigt, ist dabei in der ersten Stunde sehr repetitiv. Was negativ anmuten mag soll jedoch gar nicht so gemeint sein, denn die systematische Folter diese Frau ist unfassbar intensiv dargestellt. Man nimmt der Schauspielerin zu jeder Sekunde ihre Panikattacken ab und fiebert wirklich für sie mit. Weiterhin ist die Kamera innerhalb der Zelle oftmals in einer Ecke an der Decke befestigt, was dem Geschehen einen voyeuristischen, überwachenden Anstrich verleiht. Nicht nur Anoush ist gezwungen die Misshandlungen auszuhalten - auch der Zuschauer findet sich alsbald in der Zwangslage, die Torturen mit ansehen zu müssen.
 
An einigen Momenten, meist dann, wenn handlungsbedingt Bewegung ins Spiel kommt, wird die statische Kamera gelöst und filmt mitten ins Geschehen rein. Torture Room bietet in der Hinsicht einige Gemeinheiten und ist tatsächlich einer der Torture Porn Vertreter, welche nicht auf überbordendes Blutgesuppe setzen. Die Gewaltausbrüche sind meist psychischer Natur, egal ob man Anoush einen verstümmelten Bekannten vorsetzt oder ihr einen geistig umnachteten Mitgefangenen mit in die Zelle packt, der durch sein Geschrei ihr jeden Nerv raubt. Der Film spielt die komplette Teufelsklaviatur der weißen Folter rauf und runter - Schlafentzug, das Einsperren in eine Kiste und andere Arten des mentalen Terrors, ganz so, wie es real existierende Einrichtungen der Amerikaner praktizierten. Ein Blick nach Hohenschönhausen zeigt, dass solche Vorgänge vor einigen Jahren auch in Deutschland stattfanden, genauso wie es kein Geheimnis ist, dass solche Verbrechen bis heute tagtäglich irgendwo vollführt werden. Der eritreische Machthaber Isayas Afewerki ist dabei wohl das prominenteste Beispiel unter Vielen.
 
Der im Film dargestellte Höhepunkt an abscheulicher Gewalt ist die Verstümmelung von Anoushs Brust. Einer der wenigen Spezial Effekte im Film und gerade deshalb so unfassbar schmerzhaft anzuschauen, sorgt er dafür, dass diese Szene gegen Ende den Zuschauer wirklich trifft und mitnimmt. Es kommen Erinnerungen an die - beziehend auf die rein optischen Schauwerte - nahezu langweilig aber hart anzuschauende Folter aus The Devils Experiment, der sich ständig wiederholende und in Mark und Bein kriechende Tagesalltag an Gewalt wie in Bloodshock oder der eiskalten Zugrunderichtung in Martyrs. Das wären die bekanntesten Beispiele die ich nennen könnte, um die Wirkung von Torture Room zu beschreiben. Ich meine auch Anleihen aus The Green Elephant herauszulesen, sowie eine gewisse Note von neueren Women In Prison Filmen wie Jailbait herauszuschmecken, aber das könnte auch der reinen Thematik geschuldet sein. Thematisch ähnliche Vertreter wie der episodenhafte und in Deutschland nach §131 StGB beschlagnahmte Faccia Di Spia oder der unterschätzte Thriller Unthinkable sollen an der Stelle auch nicht unerwähnt bleiben.
 
Interessanterweise wäre der Film ein ganz anderer geworden, hätte man Regisseur Eric Forsberg ihn drehen lassen, wie er angedacht war. Geplant war eine wesentlich zeigefreudigere, härtere Fassung, gefilmt mit versteckten Kameras im Fernsehlook. Doch da sich das Finden nach Produzenten damit als schwierig herausstellte, ließ er sich überreden eine zahmere und aus ästhetischer Sicht einfacher zu goutierende Version abzuliefern. Betrachte ich mir das Endprodukt, war die Entscheidung sicherlich nicht falsch. Denn sehenswert und wirkungsvoll ist Torture Room in der jetzigen Fassung auf alle Fälle. Trotzdem wäre eine an Fakesnufffilme erinnernde Ursprungsfassung neben meiner reinen Neugier auch dahingehend interessant geworden, dass zur Kriegskritik und dem politischen Kommentar, noch eine Abfuhr an die Medien mit hinzugekommen wäre. So sind in meinen Augen nämlich nicht nur die Vorgänge hinter den Gefängnismauern zu verurteilen, sondern auch das mediale Teilen von Grausamkeiten bestenfalls diskutabel. Ich selbst habe immernoch rege Erinnerungen an die Zeit, in welcher in den Nachrichten Kriegsgräuel aus dem Nahen Osten täglich über die Mattscheibe flatterten oder in den Schlagzeilen der Zeitungen standen. Ob das sein muss oder auch nicht, darf und sollte diskutiert werden. Eine Torture Room Fassung, bestehend aus Fernsehaufnahmen und heimlich gefilmtem Material, hätte dahingehend den Film um noch eine Diskussionsebene erweitert.
Ich möchte trotz allem dem Film nicht mehr inhaltlich Bedeutung zusprechen, als er es möglicherweise verdient. Wie sehr Eric Forsberg einen zeitgeschichtlich relevanten Film drehen wollte, lässt sich schwer nachvollziehen. Im schlimmsten Fall wurde eine denkbar einfach zu kritisierende Thematik als Folterfilm verpackt und der Zuschauer macht sich, aufgrund des Inhalts, der keine zwei Meinungen zulässt, einfach selbst die richtigen Gedanken. 
 
So bleibt Torture Room für mich bis heute eine brandaktuelle Verarbeitung von Menschenrechtsverletzungen und ist als US-Produktion sicherlich sehr kritisch mit seinem eigenen Land. Schauspielerisch eindringlich dargestellt, bietet der Film einige Gemeinheiten und an Härte teils nicht zu vergessender Szenen. Leider hat Eric Forsberg, trotz vorhandenen Talents, bis dato nichts Vergleichbares herausgebracht, genauso wie Torture Room nie die Aufmerksamkeit bekam, die ihm zustand. Selbst losgelöst vom politischen Bezug, als reinen Folterfilm (das nichtssagende 0815 Folter-Cover der DVD spricht Bände über die Vermarktungstaktik), läuft er vielen Hostel-Klonen an Härte den Rang ab. Gerade dahingehend wundert es, dass dieser Film außer einem längst vergriffenen US Release von Echo Bridge nie erneut aufgelegt wurde, denkt man doch zurück an die damalige Zeit, als man sich vor all den neu erscheinenden Torture Porn geschimpften Filmen kaum mehr retten konnte...
 
7.5/10
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Kommentare

05.03.2020 11:43 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.120
Schön, dass man von dir mittlerweile wieder neuen Lesestoff in altbewährter Qualität bekommt. :)
Mit deinen Besprechungen in den Gefilden der etwas extremeren Horrorsparte hast du dir hier echt eine markante Nische erschlossen.

06.03.2020 02:05 Uhr - hudeley
1x
User-Level von hudeley 8
Erfahrungspunkte von hudeley 905
@NoCutsPlease
Hey, danke Dir! Über "normale" Horrorfilme zu schreiben, ist auf dieser Seite für mich nicht notwendig. Hier gibt es so viele tolle Reviewer, die wirkliche Bretter an Kritiken abliefern, dass ich da nicht mitmischen muss. Und mit dicker_Hund, critter und einigen anderen, habe ich ja gute Unterstützer, die den extrem-Sektor mit abdecken :)


06.03.2020 12:08 Uhr - Scrapbook
Howdie @Hudeley schade den Rooms hat ich letztens noch in der hand beim Dealer des Vertrauens. Das Reviews von dir macht Bock doch Mal anzugucken wie immer . Grüße jutte cool wusste gar nicht das du hier bist :Beer: 😎

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