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Killing Them Softly

Herstellungsland:USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,41 (17 Stimmen) Details
inhalt:
Zwei nicht allzu hellen Gangstern gelingt es, ein illegales Pokerspiel zu überfallen. Das hat Folgen, denn die Kartenspiele werden vom organisierten Verbrechen ausgerichtet, das eigentlich für die Sicherheit der Zocker geradestehen sollte. Solange die Diebe nicht geschnappt sind, müssen die Spiele ausgesetzt werden. Um schnell wieder Normalität einkehren zu lassen und die beiden Diebe zu erledigen, wird Jackie Cogan (Brad Pitt) engagiert, ein Profikiller, der Beste seines Fachs. Ihm wird es aber nicht leicht gemacht. Die Unentschlossenheit des Syndikats rauben ihm den letzten Nerv, ein einst zuverlässiger Kollege (James Gandolfini) entpuppt sich als Säufer, und Cogans Angewohnheit, seine Ziele nur "weich" zu töten, also aus sicherer Entfernung, ist ein zusätzliches Hindernis bei der Durchführung seines Jobs...
eine kritik von kaiser soze:

1974 erschien George V. Higgins' Roman Cogan’s Trade. Beinahe vier Jahrzehnte sollte es dauern, bis die Geschichte um die Mafia, Kleinganoven, eloquente sowie abgehalfterte Auftragsmörder u.v.m. verfilmt werden würde - als Einschränkung möchte ich noch einwerfen, dass ich den Roman nicht gelesen habe und nun "einfach mal" davon ausgehe, dass dies auch im Roman vorkam:

Killing Them Softly

(2012) mit u.a. Brad Pitt als Jackie Cogan, Richard Jenkins als Kontaktmann zur Mafiaführung, Scoot McNairy als Frankie sowie James Gandolfini als Mickey - beide Kleinganoven und Ray Liotta als Mafiosi Markie Trattman (den alle mochten). Eine Star- und Sternchenriege, die schon einmal interessant klingt. Bei einem Budget von 15 Millionen Dollar konnte Killing Them Softly zwar nur 38 Millionen Dollar einspielen, aber Geld ist halt nicht alles.

„Einer wie Du, der was erledigt haben will, weil er nicht den Mumm hat,
das selbst zu machen, der sollte sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.“

Der lustige (wobei dieser Humor sicherlich nicht jedermanns Sache ist...) Gangster-Thriller, in dem häufiger das Wort "Fotze" genannt wird, als in den meisten anderen (A-Liga-)Filmen und auch sonst keineswegs mit Fäkal- oder Gossen-Sprache gegeizt wird, besticht durch den Wechsel zwischen kuriosen Dialogen, realistisch dargestellten Gewaltszenen und charakterstarken Auftritten, sodass es Spaß macht Killing Them Softly anzuschauen. 

Besonders Brad Pitt als eloquenter und eiskalter Auftragsmörder der Mafia, der nicht nur ohne zu zögern die abschreckende Wirkung eines Mordes dem Wert des Lebens vorzieht, sondern auch als Strippenzieher seinen Plan bis zum tödlichen Ende und Finale spinnt, zeigt bei weitem familienuntauglicher das Treiben eines Killers im Vergleich zu seinem früheren Auftreten in Mr. & Mrs. Smith (2005).

„Mein Freund Jefferson ist eine amerikanische Ikone - aus seiner Feder stammen die Worte 'Alle Menschen wurden gleich erschaffen.' Worte, an die er so nicht geglaubt haben kann, weil er seine eigenen Kinder in Sklaverei gehalten hat...

Die Mischung aus Gewalt und derber Sprache wurde international sehr unterschiedlich bewertet. In Portugal bereits ab 12, in Deutschland mit FSK 16, in den USA natürlich das R-Rating und in Singapur nur geschnitten ab 18. Ich persönlich würde sagen, dass ab 16 vertretbar ist, ab 12 wäre zu niedrig, ab 18 aber übertrieben bei den dargebotenen Gewaltspitzen sowie der Sprache.

Das stellt aber auch einen wichtigen Punkt dar: Killing Them Softly ist kein (reiner) Actionfilm mit dauerhaft Ballereien, Toten und Verwüstung, sondern ein Gangsterfilm mit ein paar (wenigen) Actionsequenzen. Wer hier einen Actionfilm erwartet, wird enttäuscht werden! Richtig gut und überzeugen dürfte der Film wohl nur, wenn der Humor gefällt. Ich persönlich finde das Ende allerdings auch als klassisches Finale mit großem Knall sehr gelungen.

„...Er war ein reicher Säufer-Snob und wollte keine Steuern zahlen an die Briten​. Oh, ja, er schrieb schöne Worte und befeuerte den Pöbel, damit der sich opferte für diese Worte. Doch er trank gemütlich ein Gläschen Wein und fickte seine Sklavin​...“

Hinzu kommt, dass die Geschichte aufgrund der parallel laufenden Handlungsstränge nicht gradlinig verläuft und immer wieder Ideen eingeworfen werden, bei denen man sich denkt "wer macht denn sowas?". Wer sägt schon ein Gewehr so ab, dass die Patronen sichtbar sind, da der Lauf komplett fehlt? Das kann man dann durchaus auch als Parodie auf die Überfallszene ansehen.

Oder die Gespräche über die mimosenhafte Mafiaführung im Auto, die Skrupel haben soll einen Mord zu genehmigen, wohlbemerkt nachdem ein Auftragsmörder hinzugezogen wurde. Die politisch- und gesellschaftskritisch eingeworfenen Sequenzen sind dann das I-Tüpfelchen des Ganzen und passen herrlich zum Filmtitel.

„...Der Kerl (Obama) behauptet, dass wir in einer Gemeinschaft leben? So ein Blödsinn, das ist doch lachhaft! Denn wir leben in Amerika und in Amerika schlägt sich jeder allein durch, Amerika ist kein Land, es ist nur ein Business.“


Fazit:
Ein Gangsterfilm, der definitiv nicht ist, wie die meisten anderen Filme und mit einem gelungenen Genremix sowie mit guten Darstellern und teils amüsant-bekloppten Dialogen und Charakteren aufwartet:

8,5 von 10 Punkten

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Kommentare

07.03.2020 13:24 Uhr - Pratt
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Pratt 11.731
Nettes Review, den Film fand ich ziemlich öde, Ray Liotta konnte das Ganze noch etwas aufwerten, aber Pitt finde ich schrecklich untalentiert und Gangsterfilme sind nicht meins.

07.03.2020 22:22 Uhr - Lukas
1x
Schönes Review zu nem wirklich tollen und ungewöhnlichen Film, den ich damals sogar im Kino gesehen habe. Wäre auch auf jeden Fall mit mind. 8,5/10 dabei.

09.03.2020 17:02 Uhr - cecil b
1x
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Schöne Besprechung!

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