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Terminator: Dark Fate

Herstellungsland:USA, Spanien, Ungarn, China (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction
Alternativtitel:Terminator 6
Terminator: New Fate
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,27 (43 Stimmen) Details
inhalt:
Der junge John Conner konnte den Tag der Abrechnung zusammen mit seiner Mutter Sarah Conner und einem umprogrammierten T800 verhindern und den letzten Terminator zerstören. Doch Skynet hat immer einen Plan B und der Frieden hält nicht lange an...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                    TERMINATOR: DARK FATE

Es hätte so schön werden können: Nach Terminator: Salvation (2009), der – abgesehen von einem CGI-Cameo – ohne Arnold Schwarzenegger auskommen musste, hätte Terminator: Genysis (2015) die Wiedergutmachung für diesen Streifen sein können, der aber bei vielen Fans nicht sonderlich gut angekommen war. Schwarzenegger war wieder mit an Bord, mit Emilia Clarke (Game Of Thrones, 2011-2019) verfügte der Streifen über einen populären Co-Star und Regisseur Alan Taylor hatte kurz zuvor mit Thor: The Dark Kingdom (2013) eine wirklich gute und erfolgreiche Comicverfilmung gedreht. Doch die PG-13- Freigabe sowie extrem spoilerbehaftete Trailer nahmen vielen Fans die Vorfreude und auch das fertige Produkt konnte weite Teile der Fangemeinde – und das nicht nur aufgrund der blutleeren Machart des Streifens – nicht überzeugen, auch wenn die 150 Millionen Dollar teure Produktion immerhin über 440 Millionen einspielte. Damit war der Film (dessen Marketing sicherlich auch nicht billig war…) aber hinter den finanziellen Erwartungen zurückgeblieben und die geplante Trilogie (Darunter denkt man ja heutzutage nicht mehr, wenn man einen Film ins Kino bringt…) wurde eingestampft. Es schien aus zu sein mit dem Terminator.

Doch dann geschah ein kleines Wunder. Für 2019 wurde tatsächlich ein sechster Terminator-Film angekündigt … und zwar unter der Mitwirkung von James Cameron! Zwar war von Anfang an klar, dass der Terminator-Schöpfer nicht auf dem Regiestuhl Platz nehmen würde, was letztlich Tim Miller (Deadpool, 2016) tat , aber dafür war er an der Story des Films und als ausführender Produzent beteiligt. Der nächste Knaller: sowohl Arnold Schwarzenegger als auch Linda Hamilton (Terminator 1&2, 1984 & 1991) sollten in Terminator: Dark Fate, so der Titel des sechsten Teils, auftreten. Außerdem versprach man, dass der Film für ein R-Rating konzipiert worden war; diese Altersfreigabe bekam Terminator – Dark Fate dann auch, obwohl - wie später bekannt wurde - die Idee war, parallel eine PG-13 - und eine R-Rated-Fassung in die Kinos zu bringen.

Aber natürlich gab es auch hier – vorwiegend im Internet, wie könnte es anders sein – zahlreiche Unkenrufe, die den Film bereits im Vorfeld schlecht machten. So hegten viele Filmfans Zweifel an dem angestrebten R-Rating, was aufgrund vieler Enttäuschungen in der jüngeren Vergangenheit durchaus verständlich ist. Auch einige lieblos gefotoshoppte Werbeplakate dienten nicht gerade dazu, Lust auf den Film zu machen. Dann wurden Gerüchte gestreut, dass Schwarzenegger und Hamilton nur Cameo-Auftritte absolvieren würden, da man die Terminator-Fackel an die „jüngere Generation“ weiterreichen wolle, was ebenfalls vielen sauer aufstieß. Als dann der Trailer erschien, wurden nicht nur die CGI-Effekte kritisiert. Einige Stimmen - vorwiegend aus der konservativen Ecke, die den Film zum Teil Terminator: Woke Fate nannten  - kritisierten die angeblich „politische korrekte“ (Die Heldin stammt im Film aus Mexiko…) und „gendergerechte“ Ausrichtung, bzw. Besetzung des Films – besonders die kurzhaarige, nicht mit einer mächtigen Oberweite "punktende"  Darstellerin Mackenzie Davis (Blade Runner 2049, 2017) bekam ihr Fett in widerwärtiger Art und Weise („Kampflesbe“) weg...natürlich von irgendwelchen „Tastatur-Helden“, die sich nie im Leben trauen würden, einer Person eine derartige Kritik im wahren Leben ins Gesicht zu sagen. Später wurde sogar behauptet, Schwarzenegger würde als T-800 Windeln wechseln, was jede Menge unpassend infantilen Humor, bzw. eine weitere Verharmlosung dieser einst so furchteinflößenden Figur befürchten ließ. Man durfte also gespannt sein, wie Terminator: Dark Fate nach seinen eher mäßigen Vorgängern bei Publikum und Kritik ankommt…

Terminator: Dark Fate ignoriert die Teile drei bis fünf und knüpft an Terminator 2 – Tag Der Abrechnung an. Der Judgment Day wurde zwar verhindert, aber John Connor wurde trotzdem das Opfer des T-800 (Arnold Schwarzenegger). Die folgenden Jahre verbringt seine Mutter Sarah (Linda Hamilton) ihr Leben damit, Terminatoren zu jagen, deren Standorte ihr stets per Textnachricht mitgeteilt werden. Bald bekommt sie es mit einem besonderen Gegner zu tun, einer neuen Art von Terminator, dem Rev-9 (Gabriel Luna – 9 Folgen von Marvel´s Agents Of S.H.I.E.L.D., 2016-2017) zu tun, der die junge Dani Ramos (Natalie Reyes – Birds Of Passage, 2018) aufs Korn genommen hat. Dani hat allerdings schon eine Beschützerin: die Soldatin Grace (Mackenzie Davis), die offenbar aus der Zukunft geschickt wurde …

Auch wenn ich es kaum für möglich gehalten hätte – Terminator: Dark Fate ist eine durchaus solide Fortsetzung des von James Cameron erdachten Franchises. Natürlich kommt er nicht an die ersten beiden Teile heran, aber mal ehrlich – wie kann man so etwas heutzutage ernsthaft erwarten? Terminator 1 & 2 sind nun mal absolute Klassiker (nicht nur) des phantastischen Films und solche Meilensteine lassen sich nicht so einfach wiederholen oder gar übertreffen. Außerdem sind viele von uns mit diesen beiden Filmen aufgewachsen und verbinden daher ganz besondere Emotionen und Erinnerungen mit Terminator 1 & 2 … auch das lässt sich nicht so einfach reproduzieren, weshalb man im Fall von Terminator: Dark Fate kein lebensveränderndes Ereignis erwarten sollte, sondern schlicht und ergreifend einen neuen Beitrag zur Terminator-Filmreihe, der einem gefällt oder nicht – gleiches gilt nebenbei gesagt auch für den kurz vorher gestarteten, kontrovers aufgenommenen Rambo: Last Blood. Terminator: Dark Fate ist in meinen Augen jedenfalls ein zwar nicht fehlerfreies, aber dennoch ordentliches, unterhaltsames Sequels, was man von insbesondere von den beiden direkten Vorgängern nicht behaupten kann.

Atmosphärisch gesehen orientiert sich Terminator: Dark Fate an Terminator 2 – Tag Der Abrechnung. Soll heißen: Teil 6 ist nicht so düster wie das sehr häufig nachts spielende Original, ist aber trotzdem von einer ernsten Atmosphäre geprägt. Dem passt sich auch der dann und wann aufflackernde Humor des Films an. Terminator 2 – Tag Der Abrechnung wies bei allem Ernst auch den einen oder anderen witzigen und selbstironischen Moment auf, ohne dadurch die Stimmung des Films zu zerstören. So ähnlich verhält es sich auch mit Terminator: Dark Fate. Der Film verfügt über eine (geringe) Portion Witz, die dem einen oder anderen Fan wahrscheinlich schon zu viel sein wird (Dialoge übers Windeln wechseln …) , aber hier gibt es keine dämlichen Sonnenbrillen-Gags, hier müssen Maschinen nicht das Lächeln lernen und der T-800 wird auch nicht ständig „Paps“ genannt …

Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger wieder vereint zu sehen, ist ein echtes Ereignis! Die Auftritte der beiden sind – zum Glück! - weit davon entfernt, Gastauftritte zu sein. Hamilton ist quasi von Anfang an dabei und ihr erster Auftritt in der eigentlichen Story des Films ist schon ein echtes Highlight, da sie hier auftritt wie ein fleischgewordener Terminator. Ab diesem Moment bietet das Terminator-Urgestein eine hervorragende schauspielerische Leistung – Hamilton gelingt es eindrucksvoll, eine Sarah Connor zu spielen, die ihr Leben auf der Jagd verbracht hat, was deutliche Spuren hinterlassen und sich nicht nur auf ihren Alkoholkonsum ausgewirkt hat. Selbst wenn man Terminator 2 – Tag Der Abrechnung als Vergleich hinzuzieht, ist es erstaunlich, wie kriegerisch, abgeklärt und zynisch Hamilton als Sarah Connor agiert, was einigen Zuschauern aber zu sehr in Richtung "Mannsweib" ging, bzw. gehen dürfte.  Trotzdem - schon wegen ihr lohnt eine Sichtung von Terminator: Dark Fate.

Eine ebenso starke Leistung bietet Arnold Schwarzenegger. Auch seine Rolle ist weit davon entfernt, ein Cameo zu sein oder sich auf einen 15-Minuten-Auftritt zu beschränken (Es gab Leute, die befürchteten, Schwarzenegger könne nur in einer Szene auftreten), aber man muss schon ein bisschen auf die steirische Eiche warten. Nicht so lange wie auf Harrison Ford in Blade Runner 2049 (2017), aber eine gute Stunde vergeht schon, bis Schwarzenegger in Erscheinung tritt, aber ab dann ist er den ganzen Film über präsent. Und so paradox es klingen mag – auch als Maschine kann Schwarzenegger ähnlich punkten wie Linda Hamilton. Natürlich vollzieht der Ex-Gouverneur von Kalifornien – wie in den vorigen Filmen – keine mimischen Kunststücke, aber trotzdem gelingt es ihm, dem ehemaligen Killerroboter glaubwürdig eine menschliche Nuance hinzuzufügen, da das Drehbuch die interessante Frage aufwirft, was ein Terminator macht, wenn sein Auftrag ausgeführt ist, er keine weiteren Befehle empfängt und nicht mehr in die Zukunft zurückkehren kann. Und da ein Terminator dazu programmiert ist zu lernen und zu infiltrieren, hat er es geschafft, die Menschheit zu "infiltrieren", wenn auch auf eine harmlose Weise. Ein weiterer positiver Aspekt des Drehbuchs, bzw. des Films: Das Aufeinandertreffen einer Mutter mit dem Mörder ihres Sohns, auch wenn man diese Facette noch etwas hätte vertiefen können. Aber wie man es dreht und wendet – die gemeinsamen Szenen mit Schwarzenegger und Hamilton sind klasse.

Aus den Neuzugängen ragt die im Vorfeld die im Vorfeld häufig geschmähte Mackenzie Williams hervor. Auch wenn sie mit ihrer Kurzhaarfrisur und ihrem Körper nicht dem „weiblichen Ideal“ mancher „Fans“ entsprechen mag, bietet Williams als „missing link“ zwischen Mensch und Maschine eine erstaunlich gute Performance, da sie in ihren Kampf – und Actionszenen (glaubwürdig) maschinell wirkt, aber auch Emotionen transportieren kann. Aber auch die von vielen ihm Vorfeld geschmähte Natalia Reyes, die mit Daniella “Dani“ Ramos eine postiv besetzte Mexikanerin (Dürfte für viele rechtsgerichtete Zuschauer schon zu viel gewesen sein…) spielt, kann punkten, da sie ähnlich wie Sarah Connor erst mal eine „ganz normale“ Frau spielt, die angesichts der Bedrohung immer mutiger und kampfbereiter wird.

Ein weiteres Markenzeichen der Terminator-Filme sind spektakuläre Actionszenen, und von denen hat Terminator: Dark Fate einige zu bieten. So bietet die bereits im Trailer gezeigte Verfolgungsjagd einen ordentlichen Auftakt und bis zum bombastischen Showdown werden – trotz vieler ruhiger Momente – immer wieder Actionsequenzen eingestreut, so dass im Grunde kein Leerlauf entsteht. Allerdings unterliegen diese Actionszenen modernen Sehgewohnheiten. Das bedeutet, dass der T-800 seinen Gegner Rev-9 auch schon mal mit einem Arm zig Meter durch die Luft schleudern kann. Es mag etwas merkwürdig sein, bei einem Action/Science-Fiction-Film von Realität zu sprechen, aber die ersten Terminator-Filme entsprachen den Gesetzen der Physik und wirkten deshalb glaubwürdiger, da solche Sequenzen hier noch nicht möglich waren und man (im wahrsten Sinne des Wortes) „auf dem Boden geblieben“) ist. Trotzdem ist die Action in Terminator: Dark Fate insgesamt gut gelungen und bietet reichlich Schauwerte.

Freunde des R-Rated, bzw. des „Prädikats“ Strong bloody violence dürfte interessieren, wie brutal Terminator: Dark Fate ausgefallen ist. Abgesehen davon, dass Gewalt allein keinen guten Film ausmacht, kann man feststellen, dass der Film definitiv nicht kinderzimmertauglich ist, man aber wegen des R keine Splatterorgie erwarten sollte … was die ersten beiden Teile aber auch nicht waren. Es mag zwar unrealistisch erscheinen, dass bei den vielen Attacken des Rev-9, so „stichhaltig“ sie auch sein mögen, erst mal kein einziger Tropfen Blut fließt, aber mit zunehmender Spieldauer häufen sich Sequenzen, bei denen man denkt, dass Terminator: Dark Fate für ein PG-13 doch zu heftig ist. Das erkennt man z.B. an der Maske des T-800. Wenn er in Terminator: Genysis (2015) verletzt wurde, zeigte man lediglich porentiefreine stählerne Haut. Hier aber bekommt man ein Gewirr aus menschlicher Haut, Blut und künstlichen Elementen zu sehen, was an die Darstellung eines Cyborgs aus den Achtzigerjahren anknüpft.

Zu den bisher angedeuteten Kritikpunkten kommen aber noch neue hinzu: Mit Gabriel Luna enthält Terminator: Dark Fate einen ziemlich blassen Gegenspieler. Robert Patrick ging in Terminator 2 – Tag Der Abrechnung (1991) zwar auch als „Normalbürger“ durch, wirkte aber trotzdem bedrohlich und charismatisch.

Hinzu kommt, dass insbesondere die ersten beiden Teile der Serie Maßstäbe setzten, was Spezialeffekte anging, doch auch was das angeht, hat Terminator: Dark Fate – wie (mindestens) seine beiden Vorgänger – nichts Bahnbrechendes zu bieten. Die Effekte – insbesondere was Rev-9 angehen – wirken zwar bei weitem nicht so billig wie in den vorab veröffentlichten Trailern, können aber auch nicht – angesichts der aktuellen Marvel – und Star Wars-Filme – restlos begeistern. Diesbezüglich hinkt der Film etwas hinterher.

Unterm Strich ist Terminator: Dark Fate ein ordentlicher, sehenswerter Action/Science-Fiction-Streifen; allerdings sollte man das Franchise endlich mal ruhen lassen. Das Einspielergebnis von ca. 261 Millionen Dollar (bei einem Budget von 196 Millionen Dollar) ist katastrophal und ein Zeichen dafür, dass das Publikum das Terminator-Franchise satt hat, zumal es für die Hardcore-Fans sowieso nur die ersten beiden Teile gibt. Außerdem dürfte sich die Rolle des T-800 spätestens mit diesem Teil für Arnold Schwarzenegger endgültig erledigt haben. Von daher sollte man dieses Werk als (soliden) Abschied sehen.

7-8/10

7/10
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Kommentare

23.08.2020 01:17 Uhr - voorheeskrüger
3x
Wieder hast ein Film raus geholt wo mein Herz höher schlagen lässt .Und ich wiederhole mich gern bei dir,du hast wieder mal ein wahnsinnig tolles Review geschrieben die ich sehr gerne gelesen habe. Terminator Dark Fate ist wirklich nicht so schlecht wie es von manchen gemacht wurde.Eine 6-7 bekommt er locker von mir.was mir persönlich nicht gefiel war das Rev-9 wie Spiderman rum gesprungen ist ,aber das wars auch schon .

23.08.2020 12:27 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für das Lob!
Das mit den Spiderman-Sprüngen hätte ich noch in mein Review aufnehmen können, jetzt, wo Du es sagst.

23.08.2020 22:54 Uhr - Cabal666
2x
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Und auch hier toll geschrieben, Punisher! Eine sehr detaillierte und faire Kritik, die den Film von allen Seiten betrachtet und bei der ich wirklich mit nahezu allen Punkten konform gehe. Genau so sehe ich das auch. Gut gemacht. :)

24.08.2020 22:33 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Cabal. Freut mich, dass das Review Deinen Geschmack trifft.

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