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Aggression Scale - Der Killer in Dir

(Originaltitel: The Aggression Scale)
Herstellungsland:USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,63 (8 Stimmen) Details
inhalt:
Die Rutledge Familie zieht in ein abgelegenes Haus auf dem Land. Was die Kinder Owen, Lauren und ihre Mutter nicht wissen, ist, dass Familienvater Bill eine halbe Millionen Dollar von einem Mafia Boss gestohlen hat und sie deswegen alle auf der Flucht sind. Doch die Killertruppe um den skrupellosen Lloyd spürt sie auf und bringt die Eltern auf der Suche nach dem Geld kaltblütig um. Doch die Gangster haben nicht mit Sohn Owen gerechnet, der wg. schwerer Gewaltausbrüche in Behandlung ist. Ehe sie sich versehen wird der Spieß umgedreht und Owen dezimiert die Gangster mit trickreichen tödlichen Fallen einer nach dem anderen um sich und seine Schwester zu schützen.
eine kritik von themoviestar:

Die meisten Einträge in der Vita von Jungregisseur Steven C. Miller sind qualitativ bestenfalls als durchwachsen zu betiteln. Das in 9 Tagen abgedrehte Spielfilmdebut Run for Blood (2005) war unter dem Deckmantel des Amateurfilms als C-Splatter gerade noch konsumierbar, während die beiden Horrorfilme Silent Night und Under the Bed (beide 2012) als beste Beispiele für belangloseste Low Budget Fließbandproduktionen herhalten können. Den absoluten Tiefpunkt erreichte Miller jedoch im Jahr 2018, als er Escape Plan 2 drehen durfte, was laut Stallone der schlimmste Streifen seiner knapp 50 jährigen Filmkarriere bedeutete. Eine überraschend wohlige Ausnahme stellt hingegen der mir vorliegende Home-Invasion Thriller Aggression Scale (2012) dar, welcher mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Rambo, Kevin allein zu Haus und McGyver frische Akzente in einem partiell etwas ausgelutscht wirkenden Genre setzen kann.

Klar ist, dass es sich auch bei Aggression Scale um ein reinrassiges B-Movie handelt, doch dank den professionell agierenden Schauspielern und der feinen Inszenierung von Steven C. Miller darf sich das Publikum über ein optisch wertig wirkendes Gesamterscheinungbild erfreuen. Die Geschichte ist eigentlich recht einfach und simpel, erhält aber alleine durch die Tatsache, dass hier ein Kind zum Einzelkämpfer mutiert, seinen eigenwilligen,exotischen Reiz. Familienvater Bill  Rutledge (Boyd Kestner)  konnte der Versuchung nicht wiederstehen, bei Gelegenheit 500.000 Dollar vom Drogenboss Bellavance (Ray Wise) zu entwenden und mit dem Geld eine riesige Villa für seine "Patchwork" Familie zu kaufen. Gemeinsam mit seinem kleinen Sohn Owen (Ryan Hartwig), seiner Lebenspartnerin Maggie (Lisa Rotondi) und deren pupertierenden Tochter Lauren (Fabianne Therese) freut er sich auf eine idyllische Zukunft in dem abgelegenen Landhaus. Der Schwindel fliegt auf und Bellavance gibt seinen Handlangern, welche vom gewissenlosen Gangster Lloyd (Dana Ashbrook) angeführt werden, 48 Stunden Zeit, seine Moneten wieder zu beschaffen. Eines schönen Tages klingelt es an Bills Tür und die Verbrecher machen kurzen Prozess mit dem diebischen Paar. Das gestohlene Geld scheint zum Greifen nahe, doch sie haben nicht im entferntesten Sinne mit der Gegenwehr des jungen Owen gerechnet...

Die Mühe, so etwas wie eine Einleitung zu liefern, macht sich Aggression Scale gar nicht, in blutigster Manier wird dem Zuschauer während den knapp 80 kurzweiligen Minuten demonstriert, dass die bösen Buben absolut keinen Spass verstehen, wie beispielsweise bei der gorehaltigen Schrotflintenhinrichtung eines weiteren möglichen Langfingers in der Anfangssequenz. Nach der mindestens genauso gnadenlosen wie konsequenten Liquidierung von Bill und seiner Frau greift Miller zu einem einfachen, aber dafür um so wirkungsvolleren Schachzug: Er lässt die kindliche Figur eines potenziellen Opfers als emotionslosen Täter agieren und die Eindringlinge werden im Endeffekt zum Abschuss freigegeben, sie wissen es bloß noch nicht.  Ungeahndet des auf mich etwas zäh wirkenden Mittelteils sind die Verfolgungsjagden temporeich und nervenaufreibend mit rasanten Kamerafahrten und einem erschütternden Psycho-Score realisiert, während Owen den sich ab diesem Zeitpunkt teilweise recht dämlich verhaltenden Verbrechern mit Messern, Schusswaffen sowie phantasievollen Fallenkonstrukten und einer beängstigenden Kaltschnäuzigkeit die Stirn bietet, ergo Macaulay Culkin meets Sylvester Stallone für Erwachsene.

Dass so eine Herangehensweise zu Unglaubwürdigkeiten und zu Unzulänglichkeiten bei der Einhaltung von logischen Strukturen führen kann, versteht sich eigentlich von selbst und Aggression Scale macht aus diesem Faktum auch kein Geheimnis. Exemplarisch genannt lässt die ominöse Selbstverarztungssequenz, die plötzliche Tatortreinigung nach vorherigem Geldregen oder auch die wie aus Geisterhand geschehene perfekte Fallenpräperierung trotz spontan entstandener Situation die Schlussfolgerung zu, die Naturgesetze seien  bewusst ignoriert worden, um die ausgezeichneten Einzelkämpferqualitäten von Owen nochmals gesondert hervor zu heben. Selbstverständlich ist der Umgang mit dem Stilmittel der Übertreibung höchst subjektiv, ich für meine Begriffe hätte mir hier ein bisschen mehr Bodenständigkeit gewünscht, um dem Film einen noch ernsteren Gruntenor zu spendieren. 

Ein kostengünstiger Film kann auch ausgezeichnete Darsteller verinnerlichen, wie Aggression Scale treffend unter Beweis stellt. Rollenbedingt bekommen Boyd Kestner (Bill) und  Lisa Rotondi (Maggie) verhältnismäßig wenig Screentime, da sie ja relativ früh das Zeitliche segnen dürfen, dass hindert sie aber nicht, positiv durch emotionales und mimikreiches Schauspiel aufzufallen. Mit Dana Ashbrook (Lloyd) konnten die Verantwortlichen einen herrlich egozentrischen und charismatischen Bösewicht arrangieren, der auch auf Grund seiner ausstrahlenden Gewissenslosigkeit dem unterhaltsamen Thrillermix eine zusätzliche Würze verleiht. Den schauspielerischen Glanzpunkt schlechthin setzt jedoch Ryan Hartwig mit seinem Auftritt als jugendliche Kampfmaschine, ohne ein Wort zu verlieren vermittelt er mit ausdrucksstarker Gestik dem Zuschauer seine eiskalte Gedankenwelt. Als etwas nervig empfand ich hingegen die Darbietung von Fabianne Therese als Owens Schwester Lauren, trotz ansprechender Optik hat sie außer lauthalsigem Geschrei nicht wirklich viel zum Gelingen des Films beizutragen.

Aggression Scale feierte am 28. August 2012 auf dem Fantasy Filmfest in Berlin seine Deutschlandpremiere und wurde auf Kritiker- und Fanseite gesamtheitlich mit offenen Armen empfangen. Wer bei den streckenweise hanebüchenen Inhalten beide Augen kräftig zudrückt, wird mit etwas ungewöhnlicher, größtenteils spannender und blutiger Thrillerunterhaltung belohnt, was mich auch wegen des meines Erachtens nach nicht gerade klangvollen Namen von Steven C. Miller mehr als positiv überrascht hat. Selbst ein blindes Huhn findet bekanntlich mal ein Korn. Letzten Endes will Aggression Scale doch nur eins: Spass machen und das tut er! MovieStar Wertung gute 7 von 10 Punkte.

7/10
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Kommentare

30.03.2020 01:57 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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^^^^^^^^êines meiner ersten Reviews hier^^^^^aber deins ist deutlich besser.Chapeau

30.03.2020 02:59 Uhr - Tom Cody
2x
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Sehr gute und 100%ig zutreffende Kritik zu dieser kleinen B-Movie Perle mit kleinen Einschlüssen (um mal beim Vokabular zu bleiben) .

Dass der Junge emotional gestört zu sein scheint, beinhaltet ja schon der Titel.
Ich weiß es nicht mehr genau. War da nicht auch noch eine Szene, dass Owen bei einem psychologischen Test, welcher die Gewaltbereitschaft einer bestimmten Person feststellt, ein doch eher beunruhigendes Ergebnis erzielte?
Was mich auch etwas überrascht hat, war die Kaltschnäuzigkeit, mit der die Gewalt hier von Pro- wie auch Antagonisten ausgeübt wird.

Die Filmographie von Steven C. Miller hab' ich schon ein paarmal mit der von Brian A. Miller durcheinander geworfen. Vor allem weil beide im B Movie-Bereich tätig sind und gelegentlich Leute wie Bruce Willis oder Dave Bautista in ihren Werken auftauchen.
Ich glaube, einige Fans konnte (Steven C.) Miller auch mit seinem blutigen Weihnachts-Slasher "Silent Night" für sich einnehmen...aber das war's dann auch schon.

30.03.2020 10:02 Uhr - JasonXtreme
2x
DB-Helfer
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Da würde ich mich wiedermal anschließen :) den fand ich auch ziemlich unterhaltsam, und Ashbrook samt Wise wiedermal zuammen (nach Twn Peaks) war ebenso ein nettes Schmankerl

30.03.2020 12:58 Uhr - TheMovieStar
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@ Ghost: Danke fürs Lesen und für dein Sonderlob :-)

@ Tom Cody: Danke fürs Lesen und für dein positives Feedback. Freut mich, wenn wir den Film ähnlich beurteilen.

@ Jason: Danke auch dir fürs Lesen und dein positives Feedback, hat mich sehr gefreut.

31.03.2020 08:35 Uhr - Bruce Banner
1x
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...bei den aufgeführten Darstellern fehlt mir persönlich noch Derek Mears, der (hier auch mal unkostümiert) ja doch schon auffällig ist und in recht vielen Genre-Produktionen mitgespielt hat, wenn auch manchmal hinter einer Maske... ;-)

31.03.2020 09:09 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 7
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@ Bruce Banner: Danke fürs Lesen und deinen Ergänzungsvorschlag. Hätte man sicherlich auch anführen können, ich hatte mich aber aus Straffungsgründen dagegen entschieden, weil er und auch Jacob Reynolds meines Erachtens mehr oder weniger nur als Beiwerk funktionieren und Lloyd unter geordnet sind. Aber gut jeder setzt die Schwerpunkte unterschiedlich :-)

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