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The Experiment

Herstellungsland:USA (2010)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,17 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Gruppe von Testpersonen erklärt sich bereit, an einer Sozialstudie über Dominanz und Unterdrückung teilzunehmen. Dazu soll in einer künstlichen Gefängnissituation das Aggressionsverhalten der Teilnehmer auf die Probe gestellt werden. Per Zufallsprinzip aufgeteilt in Wärter und Gefangene, spielen die 26 Beteiligten zunächst den fiktiven Gefängnisalltag nach. Was sich anfänglich wie ein zwangloses Rollenspiel gestaltet, eskaliert nach und nach zu einer Spirale aus Angst und Gewalt. Bevor die Initiatoren die lebensbedrohliche Tragweite ihrer psychologischen Studie erkennen, ist es zu spät. Das Experiment ist bereits in vollem Gange. Und es fordert Opfer.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von man behind the sun:

Dass Filme aus verschiedenen Kulturkreisen teilweise gar nicht in den hiesigen Gefilden erscheinen, ist hinreichend bekannt; lediglich Indien hat als sog. „Bollywood“ Mitte der 2000er einen kleinen Boom in Deutschland ausgelöst. Aber auch andere Länder wie die osteuropäischen Staaten oder das asiatische Kino haben eigene Filme, von denen es die meisten nicht auf den westlichen Markt schaffen. Zwar trifft dies nicht immer zu; so sind Filme wie der südkoreanische „Parasite“, der surrealistische russische Anti-Kriegsfilm „Komm und sieh…“ und die russische „Wächter der Nacht“-Trilogie auch dem westlichen Publikum bekannt, „Parasite“ sei hier durch seine diesjährigen „Oscar“-Gewinne besonders hervor gehoben.

Dann gibt es noch eine weitere Form, mit der man „fremde“ Filme in „fremde“ Gefilde einführen kann: Die Adaption.

Als Beispiele seien hier insbesondere „Funny Games“ aus Österreich, der von Regisseur Michael Haneke eine „1:1-Kopie“ für den US-amerikanischen Markt spendiert bekam; der äußerst gelungene spanische Mix aus „Zombie“- und „Found-Footage“-Horrorfilm „REC“ hat unter dem Titel „Quarantäne“ (welcher ironischerweise auf Streaming-Plattformen wie „Netflix“ momentan ganz oben in den Suchlisten angezeigt wird) ebenfalls eine Adaption für den amerikanischen Markt erhalten. Als letzte und besonders ärgerliche Adaption sei hier noch kurz auf den französischen Instant-Klassiker des modernen harten Horrorfilms „Martyrs“ eingegangen, der unter demselben Titel ebenfalls für den US-Zuschauer adaptiert wurde und bei den Fans des Orignals - sagen wir es mal so - nicht besondes gut angekommen ist.

In dieser Kritik geht es um „The Experiment“, der, wie man leicht erahnen kann, eine Adaption des deutschen Originals „Das Experiment“ mit Moritz Bleibtreu darstellt.

Der Cast in „The Experiment“ klingt dabei zunächst sehr vielversprechend: Adrian Brody und Forest Whitaker spielen die Hauptrollen in diesem Film.

Für insgesamt 14.000 Dollar werden mehrere Freiwillige für insgesamt 14 Tage einem „Experiment“ unterzogen, bei dem unter realistischen Bedingungen ein Gefängnisszenario nachgestellt werden soll. Ein Teil der Freiwilligen wird dabei in Gefängniswärter und der andere Teil in Gefangene eingeteilt. Dabei wird das Geschehen ganzzeitlich von den Versuchsleitern per Kamera überwacht.

Eine der obersten Spielregeln lautet: Keine Gewalt, weder von den Wärtern, noch von den Gefangenen ausgehend, ansonsten werde das „Experiment“ sofort abgebrochen und jeder Teilnehmer ohne den ausgelobten Preis wieder nach Hause geschickt. Dass hier von Anfang an eine Hierarchie und Machtgefälle aufgebaut wird, in die sich einige der Freiwilligen regelrecht verbeißen und ihre Rolle nach allen Regeln der Kunst „ausschlachten“, dürfte für diejenigen, die das deutsche Original kennen, kein Geheimnis sein, zumal das Geschehen auf einem berühmten wahren Versuch, dem „Stranford-Prison-Experiment“ beruht.

Während Adrian Brody einen der Gefangenen spielt (der obendrein noch Pazifist ist), wird Forest Whitaker als anfangs schüchterner, aber freundlicher Mitmensch dargestellt, der als Anführer der Wärtergruppe zu einem Psychopathen mutiert.

Die Story strotzt nur so vor Logiklöchern. Wie oben schon erwähnt, lautet eine der Regeln in diesem Experiment, dass von beiden Seiten keinerlei Gewalt angewendet werden darf. Der Begriff der „Gewalt“ wird allerdings sowohl von den Versuchsteilnehmern, als auch von den Versuchsleitern wohl sehr weit gefasst; unter anderem wird einem Diabetiker sein Insulin verwehrt, auf einen der Gefangenen wird uriniert, einer der Wärter nötigt einen der Gefangenen, diesen oral zu befriedigen, Brody wird als „Anführer“ der Gefangenenrevolte von den Wärtern in eine Röhre gesperrt und auch sonst werden gleich zum Anfang wegen eines Streits um das widerlich aussehende Essen die Feuerlöscher missbraucht, um die Gefangenen zu „erniedrigen“. Im späteren Verlauf, vor allem zum Ende hin, brechen ohnehin alle Dämme; Wärter und Gefangene prügeln sich, was die Schlagstöcke und Fäuste hergeben.

Die Story ist ansonsten mehr als vorhersehbar, auch ohne das Original oder das Experiment zu kennen; dass die Wärter ihre Macht missbrauchen und die Gefangenen dementsprechend in die Revolte gehen, ist die logische Konsequenz des Szenarios – alles andere wäre auch Story-technisch gesehen langweilig und würde im realen Leben höchstwahrscheinlich genauso eskalieren.

Ein weiteres Problem liegt in Forest Whitaker. Ich gebe zu, dass ich vorbelastet bin und dem Schauspieler an sich nichts abgewinnen kann. Dies liegt unter anderem daran, dass er in der Serie „The Shield – Gesetz der Gewalt“ in einer Staffel einen internen Ermittler spielt und diese Staffel durch sein total überdrehtes, albernes Spiel zur insgesamt schlechtesten Staffel einer der meiner Meinung nach besten Serien überhaupt macht.

Hier ist verhält es sich leider nicht anders: Auch hier mimt Whitaker den Psychopathen, der als Aggressor seine Kollegen immer wieder dazu anstachelt, die Gefangenen noch ein Stück weiter zu drangsalieren, bis zum Schluss der Großteil seiner Kollegen, bis auf wenige Ausnahmen, diesen schließlich als Psychopathen bezeichnen, was dem aufmerksamen Zuschauer allerdings schon im ersten Drittel des Films bewusst werden sollte.

Mal abgesehen von dem hollywood-typischen Klischees wie dem kaputten Außenseiter und Diabetiker, dem perversen Wärter und dem Unruhe stiftenden Pazifisten, der sich ja eigentlich nur ein friedliches Miteinander zwischen Wärtern und Gefangenen wünscht, fragt man sich unweigerlich, warum das wesentlich bessere Original diese grottenschlechte, fast ärgerliche Adaption brauchte.

Am Ende des Films wirkt die Botschaft, die letztlich übermittelt werden soll, dermaßen platt, dass sogar der begriffsstutzigste Zuschauer diese versteht: Gebt einer Gruppe eine Uniform, ein bisschen Macht und wehrlose Untergebene, und schon wird aus dieser Situation ein Gefüge, welches an das „Dritte Reich“ erinnert, oder – und das ist das eigentlich Erschreckende – in Gefängnissen rund um die Welt an der Tagesordnung steht.

Wenigstens insofern taugt der Film als Studie und Überbringer einer Moral. Einer Moral, die wohl durch einen Film vermittelt werden kann, weil zwar jeder Zuschauer am Ende sagen wird: „So würde ich niemals agieren“, es letztlich aber in der konkreten Situation unweigerlich anders kommen würde. Das zeigt sich an Brodys Charakter, dem Pazifisten, der Whitaker zum Schluss mehr als verdient (das mag man jetzt verstehen, wie man möchte), die Fresse poliert.

Ein insgesamt unlogisches und aufgrund des sehr guten deutschen Originals völlig überflüssiges, mit Mainstream-Klischees beladenes Machwerk, welches man getrost links liegen lassen kann.

3/10
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Kommentare

30.03.2020 13:52 Uhr - Cabal666
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Schöne Kritik zu einem unnötigen Film.
Das Original ist meiner Meinung nach einer der besten deutschen Filme überhaupt. Eine Nacherzählung brauchte es eigentlich nicht. Ist immerhin ungewöhnlich, dass Hollywood sich hier mal daran machte, einen Film aus hiesigen Gefilden neu zu verfilmen, aber wie man es kennt, ging dabei auch jegliche Subtilität verloren, um den Stoff ans amerikanische Publikum "massentauglich" anzupassen. Der übrigens sogar noch ein zweites Mal adaptiert wurde: 2015 erschien "The Stanford Prison Experiment", der auf dem ursprünglichen Experiment aus den 70er Jahren basiert. Der soll immerhin besser sein als der hier.
Du hast den Film jedenfalls gut zusammengefasst. Nur ein kleiner Fehler ist dir unterlaufen: die Hauptrolle wird von Adrien Brody gespielt, nicht von Adam Brody. :)

30.03.2020 14:06 Uhr - Man Behind The Sun
1x
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Wie peinlich... Habe ich gleich geändert :)

31.03.2020 00:40 Uhr - pan
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Ich habe eben mal nachgeschaut und konnte für das Remake von Martyrs Jennifer Carpenter im Cast nicht finden! Ich fand nur Troian Bellisario (Spencer aus Pretty Little Liars). Könnte Dir da ein Fehler unterlaufen sein? Mit Quarantaene stimmt.


01.04.2020 09:51 Uhr - Man Behind The Sun
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31.03.2020 00:40 Uhr schrieb pan
Ich habe eben mal nachgeschaut und konnte für das Remake von Martyrs Jennifer Carpenter im Cast nicht finden! Ich fand nur Troian Bellisario (Spencer aus Pretty Little Liars). Könnte Dir da ein Fehler unterlaufen sein? Mit Quarantaene stimmt.



Du hast völlig recht. Ich weiß nicht, warum ich meinte, Jennifer Carpenter habe in Martyrs 2015 mitgespielt. Vielleicht habe ich gedanklich die Cover vertauscht.

Danke für dne Hinweis!

01.04.2020 23:02 Uhr - pan
Niemand ist allwissend, mir passieren leider genuegend Fehler und Irrtuemer. Gerngeschehen.

02.04.2020 10:05 Uhr - pan
Mit dem Cover verstaendlich. Bei dem Cover vom Martyrs Remake denke ich irgendwie immer an Jessica Biel. Hab mich bis jetzt noch nicht an die Remake von Das Experiment, Martyrs, Inside rangetraut. Kommt Zeit, kommt Rar...

02.04.2020 10:05 Uhr - pan
Mit dem Cover verstaendlich. Bei dem Cover vom Martyrs Remake denke ich irgendwie immer an Jessica Biel. Hab mich bis jetzt noch nicht an die Remake von Das Experiment, Martyrs, Inside rangetraut. Kommt Zeit, kommt Rat...

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