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Brawl in Cell Block 99

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,48 (52 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nachdem der ehemalige Boxer Bradley Thomas (Vince Vaughn) seinen Job verloren hat, heuert er bei seinem alten Freund Gil (Marc Glucas) an und arbeitet fortan für diesen als Drogenkurier. Nach einem fehlgeschlagenen Coup landet Bradley jedoch im Knast. Um das Leben seiner Frau (Jennifer Carpenter) und seines ungeborenen Kindes zu retten, muss er sich dort in einer Spirale der Gewalt gegen Gefängsdirektor Tuggs (Don Johnson) und jede Menge anderer finsterer Gestalten erwehren... ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von man behind the sun:

Das Genre „Gefängnisfilm“ ist in der Filmwelt eine populäre Thematik. Es gibt allerdings nicht nur „reine“ Gefängnisfilme, sondern auch solche, in denen der oder die Charakter/e erst im Laufe des Filmes im Gefängnis landen oder nur ein Teil des Films das Gefängnisleben in die Handlung mit aufnimmt; so z.B. in dem Klassiker „Papillon“, der vor kurzer Zeit ein geniales Remake mit Sami Malek spendiert bekam oder auch der zum Standart-Repertoire eines jeden Film-Freundes gehörende „American History X“, in dem der Gefangene letztlich durch den Gefängnisaufenthalt geläutert und die Story außerhalb des Knasts weiter erzählt wird.

Der Fokus dieses Genres liegt dabei meistens, wohl auch aus dem Grunde, weil der Mainstream so sehr auf den amerikanischen Filmmarkt gerichtet ist, auf die heutigen US-Gefängnisse; so gibt es auch unterhalb dieses Genres sowohl Filme, die gefühlvoll mit dem Thema umgehen („The Green Mile“, „Die Verurteilten“) oder das Gefängnis-Leben möglichst hart und realistisch (?) betrachten, so wie beispielsweise „Der Gefangene von Alcatraz“ oder „Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood.

Der hier zu besprechende Film „Brawl in Cell Block 99“ ist eine Art Hybrid, der mehrere Genres miteinander verbindet.

Der ehemalige Boxer Bradley hat Ehe-Probleme. Seine Frau Lauren, gespielt von Jennifer Carpenter, hat einen Lover. Obendrein verliert Bradley seinen Job bei einer Autowerkstatt, für die er als Abschlepper arbeitet. Das Ehepaar will sich trotz der Affäre noch einmal zusammenraufen. Aber wie soll die schlechte finanzielle Lage des Paares wieder ins Lot gebracht werden? Bradley entscheidet sich, wieder für seinen ehemaligen Dealer Gil zu arbeiten, wobei die Arbeit hauptsächlich aus dem Transport von Drogen besteht.

18 Monate vergehen und Bradley hat es geschafft: Seine Frau Lauren ist schwanger, es stehen zwei schicke Autos vor der Garage der kleinen, weißgestrichenen Villa, in dem das Ehepaar nun wohnt.

Leider meint es das Glück nicht besonders gut mit Bradley. Nach einer von Gil in Auftrag gegebenen Drogenübergabe mit seinem neuen mexikanischen Geschäftspartner wird Bradley erwischt und landet für 7 Jahre in einem Gefängnis mit mittlerer Sicherheitsstufe.

Warum ich erwähne, dass Bradley in einem Gefängnis mit einer mittleren Sicherheitsstufe untergebracht wird, wird im Laufe des Films deutlich. An dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden; das Gefängnis, in dem Bradley landet, ist eigentlich – für US-Gefängnisfilme ungewöhnlich – relativ human, was den Umgang mit den Gefangenen angeht.

Man fragt sich hier das erste Mal, wo die Reise hinführen soll und warum dort Bedingungen herrschen, die eher an ein Rehabilitationsprogramm für Jugendliche erinnern, als an ein knallhartes Gefängnis, in dem eine eigene Hierarchie herrscht, die Wärter allesamt korrupt sind und nur der Stärkste überlebt.

Nur so viel dazu: Ab dieser Stelle der Handlung wird dieses Klischee durchbrochen und der status quo wird sich für Bradley, nachdem er erfährt, dass seine schwangere Frau entführt wurde, drastisch ändern.

Vince Vaughn, der hier den Charakter Bradley spielt, ist eigentlich aus albernen (Liebes-)Komödien oder bescheuerten „Product-Placement“-Filmen wie „Practi.com“ bekannt. Für den ein oder anderen mögen seine Filme lustig sein, ich persönlich mag Komödien nur in seltenen Ausnahmefällen und Vaughns Rollen, insbesondere, wenn er mit seinem „Best Buddy“ Owen Wilson, der hier dankenswerterweise nicht mitspielt, verschwenden das Potential dieses Schauspielers. Denn Vaughn zeigt hier erstmals, dass er es auch abseits der „RomCom“ durchaus harte und gleichzeitig sensible Rollen spielen kann.

Anfangs habe ich Vaughn überhaupt nicht erkannt; mit seinem kahlgeschorenen Kopf und einem über den gesamten Hinterkopf tätowierten Kreuz sieht dieser dem korrupten Cop Vic aus „The Shield – Gesetz der Gewalt“ verblüffend ähnlich.

Sein Charakter Bradley ist wie ein wilder Stier; gleich zum Anfang bekommt der Zuschauer von seiner Kraft, sowie seiner Mentalität eine Kostprobe, indem gezeigt wird, wie er das Auto seiner Ehefrau mit bloßen Fäusten zerlegt, indem er neben den Autoscheiben auch noch die Motorhaube zertrümmert und diese schlussendlich heraus reißt und weg wirft. Ja, wir haben es hier auf jeden Fall nicht mit einem Mann zu tun, der besonders zimperlich agiert. Schon hier wird klargestellt: Bradley ist ähnlich wie Kevin Interdenatos Charakter „Bad Frank“ eine Ein-Mann-Armee.

Allerdings hat Bradley das Herz am rechten Fleck. Das wird in Momenten deutlich, wenn er seiner Frau den Seitensprung verzeiht und sich auf das gemeinsame Kind, welches er liebevoll „Koala“ nennt, freut.

Was in dem insgesamt 145-minütigen Film passiert, ist sowohl für den Zuschauer, als auch für Bradley eine „Tour de Force“. Unweigerlich wird im Verlauf des Films klar, dass diese Tour, zumindest für Bradley, nicht gut ausgehen wird.

Die Story bietet an sich wenig Neues. Allerdings ist die Art, wie der Film sich insgesamt zusammensetzt, eher eine seltene Mischung; Familien-Drama, Gangster-Film, Entführung, Thriller, Action, schwarzer Humor – alles vereint in einem insgesamt runden und spannenden Film, bei dem die Zeit wie im Fluge vergeht. Man sollte sich nicht von der Länge des Films abschrecken lassen; gerade die Laufzeit des Films ist teilweise ein Indikator, ob ein Film gut oder schlecht ist. Das passt zwar nicht in jedem Fall; zumindest in „Brawl in Cell Block 99“ ist die Lauflänge allerdings nötig, um dem Film die nötige Breite zu gewähren, die die Entwicklung der Charaktere und die Ausweitung der Story brauchen.

Auch Freunde von harter (und zwar in diesem Fall sehr harter) Action kommen voll auf ihre Kosten; in manchen Szenen spritzt viel Blut, es wird geschossen, Knochen werden verdreht und gebrochen. Aber auch die Thematik rund um die Entführung ist manchmal – auch, wenn die Gewalt teilweise nur angedeutet wird – nicht ganz einfach wegzustecken. Zumindest versteht man dadurch, warum Bradley es schließlich bis in den titelgebenden „Cell Block 99“ schaffen will.  

Die fein verstreuten, dafür umso heftiger dargestellten Gewaltszenen haben dem Film sogar eine SPIO/JK-Freigabe eingebrockt, was zwar etwas übertrieben, aber durchaus auch in Ordnung geht. Die (in diesem Fall) gekürzte Freigabe ab 18 hätte es letztlich auch getan.

Wer auf Gefängnisfilme und harte Action steht, wird mit diesem Film seine helle Freude haben. Vince Vaughn spielt die Rolle seines Lebens, zu keiner Minute kommt Langeweile auf. Leider ist der Film in den deutschen Kaufhäusern lediglich als geschnittene Version zu haben. Es gibt ein Mediabook und noch einige andere Möglichkeiten, sich den Film legal anschauen zu können. Falls ihr zu der oben genannten Gruppe gehören solltet: Schaut ihn euch an, ihr werdet es sicher nicht bereuen.

7/10
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Kommentare

31.03.2020 18:15 Uhr - voorheeskrüger
1x
Ein tolles sehr schön geschriebenes Review zu einen Klasse FILM von dir. Bin voll und ganz deiner Meinung .Wer solche Filme mag sollte den unbedigt anschauen.Bei der Punkte Vergabe gehe ich sogar weiter.Eine 9 ist bei mir drin .Vince Vaughn spielt Bradley so grandios das er für die Rolle wie die Faust aufs Auge passt.

31.03.2020 20:29 Uhr - The Machinist
1x
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Bei mir wäre dieser ebenfalls eine fette 9.
7 Punkte gehen aber auch voll klar, der hat eben seine Längen.
Gut geschriebene und nachvollziehbare Kritik, bei der du auch deine eigene Meinung nicht vernachlässigst.

Schon ''Dragged Across Concrete'' vom selben Regisseur gesehen? Ist ebenfalls sehr toll.

31.03.2020 21:09 Uhr - dicker Hund
1x
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Feine Rezi zu einem ruppigen Film, der bei mir einem guten ersten Eindruck hinterlassen hat. Die von Dir zu Recht hervorgehobenen Gefängnis-Sets sind auf jeden Fall einprägsam. Da stampfe ich doch glatt mit dem Fuß auf.
😉

01.04.2020 09:37 Uhr - Man Behind The Sun
2x
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Vielen Dank für eure Rückmeldungen! :-)

01.04.2020 10:24 Uhr - cecil b
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Ein toller Eindruck vom Film, danke dafür!

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