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Total Recall

Herstellungsland:USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction,
Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,84 (66 Stimmen) Details
inhalt:
„Willkommen bei Rekall, der Firma, die Ihre Träume in echte Erinnerungen verwandeln kann.“ Obwohl Fabrikarbeiter Douglas Quaid eine wunderschöne Frau hat, die er sehr liebt, klingt so ein Mind-Trip wie der perfekte Urlaub von seinem frustrierenden Alltag. Echte Erinnerungen von einem Leben als Superspion könnten genau das sein, was er braucht. Doch als die ganze Prozedur furchtbar schiefgeht, wird Quaid ein gejagter Mann. Auf der Flucht vor der Polizei, die unter dem Kommando von Chancellor Cohaagen, dem Führer der freien Welt, steht, verbündet sich Quaid mit einer Rebellin, um den Chef der Untergrund-Widerstandskämpfer zu finden und Cohaagen zu stoppen. Die Linie zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmt immer mehr, und das Schicksal seiner Welt droht aus dem Gleichgewicht zu geraten, als Quaid entdeckt, wer er wirklich ist, wen er wirklich liebt und was seine wahre Bestimmung ist.
eine kritik von chollo:

2012 beauftragte man Regisseur Len Wiseman damit, den Verhoeven Klassiker "Total Recall" neu aufzulegen. Wiseman hatte sich vorher mit seinen sehr erfolgreichen "Underworld"- Outputs und der gelungenen Reanimation von Bruce Willis One-Man-Show "Stirb Langsam" einen Namen gemacht und konnte offensichtlich auch gut mit gehobenen Budgets haushalten, was ihn geradezu perfekt für die Leitung des mit 125 Mill. USD veranschlagten Sci-Fi Actionkracher Remakes "Total Recall" erscheinen ließ. Leider, und jenes darf man schon vorweg nehmen, ist Wiseman kein Verhoeven und 2012 eben nicht mehr 1990.

Ende der Achtziger und zu Beginn der Neunziger war Schwarzenegger's Popularität auf einem Höhepunkt angekommen. Und auch der Niederländer Paul Verhoeven hatte sich nach kontroversen Produktions im eigenen Land und einem erfolgreichen US- Debüt ( "Robocop") äußerst interessant gemacht was dazu führte, das man den beiden für damalige Verhältnisse extrem hohe finanzielle Mittel zur Verfügung stellte um ihre Vision des Stoffes umzusetzen.  Auch Wiseman bekommt ordentlich Scheinchen in den Rucksack gestopft und zudem mit Farrell, Beckinsale, Biel, Cranston, Woodbine, Nighy und im Director's Cut tatsächlich noch Ethan Hawke ein mehr als ordentliches Ensemble zur Seite gestellt. Was der Regisseur aber damit anstellt ist schon ein paar Milchstraßen von dem entfernt, was der Holländer ein knappes Viertel Jahrhundert vorher inszenierte. Klar, Verhoeven ist eine Klasse für sich und die extravagante Mischung aus Sex und Gewalt gepaart mit seinem persönlichen Look im Bereich der Bildgebung schon einzigartig, doch gerade deshalb wirkt Wiseman's in Sachen Inszenierung und Schauspiel eigentlich grundsolides Remake gleich doppelt abgeschmackt. 

Der totalen Erinnerung von 2012 sieht man in jeder Minute sein hohes Budget an und auch die Settings sind gut in Szene gesetzt und wirken nicht zu aufpoliert oder eintönig. Trotzdem geht in dem CGI- Feuerwerk, als das sich der Film vor allem in der letzten halben Stunde entpuppt, und was seit Beginn des neuen Jahrtausends Usus in dem Genre zu sein scheint, irgendwie die Seele des Ganzen flöten. Nach diversen Jumps über schwebende Autos oder des x-ten Feuergefechts in Slow Motion ist mir irgendwie das Interesse abhanden gekommen. Im direkten Vergleich war es Verhoeven in seiner Version noch gelungen, trotz der schon comichaft anmutenden Farbgebung und der fast skurril wirkenden Gewaltexzesse, ein Stück weit Gefühl unterzubringen. Wenn den gebeutelten Marsbewohnern, die nicht unabsichtlich wie die Besetzung einer Freakshow aus dem Wanderzirkus ähnelt, von einem raffgierigen und skrupellosen Kapitalisten die Luft zum Atmen abgezogen wird, schaffte es das "Enfant Terrible" die entsprechenden Gefühlsregungen beim Zuschauer auszulösen. Solche Einfälle gehen Wiseman's Version völlig ab. Stattdessen bekommt der Zuschauer hier eine Verfolgungsjagd und anschliessende Schießerei auf die andere geboten, sodass man bei dem ganzen Brimborium irgendwann nicht mehr weiß wo einem der Kopf steht.

Colin Farrell als Douglas Quade bzw. Hauser macht eine gute und stabile Figur in dieser Neuinterpretation. Natürlich ist er allein von seiner Optik her kein Arnold Schwarzenegger und dieses wollte man intelligenter Weise auch gar nicht. Sein "Albtraum" besticht eher durch Facetten wie Fassungslosigkeit und Entsetzen und wo man bei Arnie trotz der Widrigkeiten nie das Gefühl hatte,dieser würde das Zepter wirklich aus der Hand geben, sieht dass beim lieben Colin schon anders aus. Seine Unbeholfenheit ist einer der wenigen Punkte die das Remake seinem Orginal voraus hat. Aber schon bei Kate Beckinsale als Sharon Stone Ersatz flacht die Kurve deutlich ab. Schön anzuschauen ist sie ohne Frage allemal, aber die hinterhältige und mit allen Wässern gewaschene Natur nehme ich ihr einfach nicht ab. Da macht Jessica Biel als Sidekick und Love Interest von Farrell schon die deutlich bessere Figur. Auch Bryan Cranston als neuer Cohaagen weiß zu überzeugen, und bringt sein diabolisches Spiel ähnlich gut rüber, wie  Ronnie Cox aus dem Original.

Alles in allem verhält es sich mit Len Wiseman's Neuverfilmung wie mit vielen anderen Remakes vergangener Tage auch, es hätte sich einfach nicht gebraucht. Da ist es auch unerheblich wie viele Nuancen diese näher an Philip K. Dick's Kurzgeschichte "Erinnerungen en gros" dran ist oder auch nicht. Maximal um die Geschichte einer jüngeren Generation näherzubringen die sich mit dem alten Schinken nicht mehr befassen möchten rechtfertigt seine Existenz. Ich persönlich ordne ihn als durchschnittliche Genrekost ein, deren Mehrwert ich beim besten Willen nicht erkennen konnte. Als Unterhaltung durchaus brauchbar, aber in Sachen Qualität kann diese Neuauflage seinem Vorbild einfach nicht das Wasser reichen.

6/10
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Kommentare

02.04.2020 13:29 Uhr - Lukas
1x
Sehr gut geschriebene Kritik, die ich nur voll unterschreiben kann! Wertungstechnisch wäre es bei mir vielleicht etwas besser geworden, was aber nichts daran ändert, dass der Film ganz klassisch in die Kategorie "Remakes, die es nicht gebraucht hätte" gehört.

02.04.2020 16:13 Uhr - Kaiser Soze
1x
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Kann mich nur anschließen, gutes Review, dass Deine Meinung und die (berechtigten) Kritikpunkte sauber auflistet und nachvollziehbar zeigt, wieso es eben nur ein 6-Punkte-Film für Dich ist. Schön gemacht!

Ich persönlich sehe vieles ähnlich, wie Du, bloß, dass ich Cohaagen genauso schlechter finde, wie ich "der gelungenen Reanimation von Bruce Willis One-Man-Show "Stirb Langsam"" nicht unbedingt zustimmen möchte^^

Aber insgesamt ein Spitzenreview, wie immer! Sehr gut!

02.04.2020 22:15 Uhr - CHOLLO
1x
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Vielen lieben Dank für euer Feedback :)

04.04.2020 06:18 Uhr - Leela
Sehr Schönes Review !
Ich finde den 2012er besser als das Orig ... Colin gefiel mir besser als Arnold und Beckinsale lässt Stone ja mal richtig alt aussehen (was die Präsenz und Action betrifft) dieses hinterhältige und mit allen Wässern gewaschene funktionierte bei mir Super. Jessica Biel sehe ich auch ganz gerne, aber in TR hat sie mir nicht so gefallen ...
Brian Cranston ... ohne Wort!!

Hätte ma den Film nicht Total Recall genannt wär er bestimmt besser weggekommen.






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