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In der Falle

(Originaltitel: Kristen)
Herstellungsland:Niederlande (2015)
Genre:Horror, Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details
eine kritik von man behind the sun:

Ab und zu stößt man so mir nichts, dir nichts auf Filme, die man in keinem Regal stehen sieht, von denen keiner redet, die wohl auch nie auf irgendwelchen – und falls doch – lediglich kleinen Festivals gespielt wurden. Von einer Veröffentlichung auf DVD oder Blu-Ray ganz zu schweigen.

Dabei stößt man vor allem in der „amazon-prime“-Ecke immer mal wieder auf solche Machwerke, die keiner kennt, und man mit diesen wohl deswegen sehr günstig als „Lückenfüller“ die „Filme für lau ansehen“- Sparte etwas aufstocken kann; ein bisschen so wie eine Grabbelkiste, in der Unmengen an DVDs oder Blu-Rays liegen, die sich nicht verkaufen lassen, weil die jeweiligen Filme entweder jeder kennt und/oder schon im Regal stehen hat, oder einfach nur, weil sie Müll sind und sie keiner haben möchte.

Jedenfalls zeigt sich, dass unter dieser Art von Filmen auch mal eine kleine, angenehme Entdeckung zu finden ist. Zwar kein großartiger, massentauglicher Film, der jeden glücklich machen wird, aber doch gute und vor allem spannende Unterhaltung mit einem fiesen Ende bietet.

Bei dem Film „In der Falle“, im Original einfach nur „Kristen“ genannt, handelt es sich um genau so eine Art von Film.

Der niederländische Film, den man sich lediglich mit deutschen Untertiteln ansehen kann, da es keine deutsche Synchronisation gibt, ist 2015 erschienen. Vor diesem Hintergrund wundert es einen umso mehr, dass heutzutage jeder Mist eine deutsche Veröffentlichung erfährt, sogar sehr oft mit miserabler Synchronisation und Filme wie „In der Falle“ wohl bisher von jedem Verleih übersehen, als uninteressant oder nicht rentabel genug für eine Veröffentlichung angesehen hat.

Dabei hat „In der Falle“ durchaus das Potential, einige Fans für sich gewinnen zu können.

Die Story ist hierbei schnell umrissen und es soll nicht zu viel verraten werden, da man sonst das gesamte Sehvergnügen in die Tonne treten könnte.

Es ist der 01. Januar. Die titelgebende Kristen, eine junge Frau um die 20, fährt mit ihrem Freund von einer Silvesterparty nach Hause. Kristen muss allerdings, sie hat es ihrem Vater versprochen, noch die familieneigene Kneipe nach der vergangenen Silvester-Nacht aufräumen und sauber machen.

Da ihr Freund keinen Parkplatz findet, setzt er Kristen an der Kneipe ab, mit dem Versprechen, einen Parkplatz zu suchen und ihr danach beim Saubermachen zu helfen. Währenddessen erledigt Kristen schon einmal die ersten kleinen Arbeiten, muss dafür auch in den Keller. Als sie aus diesem wieder kommt, wird sie ununterbrochen von einem Anrufer terrorisiert, der auch außerhalb der Kneipe physisch anwesend ist. Von Kristens Freund fehlt immer noch jede Spur. Für Kristen beginnt von nun an eine „Tour de Force“, ungewiss, ob sie aus dieser Hölle jemals lebend wieder heraus kommen wird.

Hört sich nach einem atypischen „Home-Invasion-Thriller“ an? Ist es auch streng genommen, bis auf die Tatsache, dass sich das Geschehen in einer Kneipe abspielt und Kristen nahezu eine „One Woman“-Show stemmt; plus einer weiteren Tatsache, die man als geneigter Zuschauer selbst herausfinden sollte.

Dabei ist trotz des genre-typischen Terrors, der sich hier durch die ständigen Telefonanrufe und auch der Anwesenheit eines Mannes, der allerdings lediglich als Silhouette vor der mit einer Gardine behangenen Hintertür erscheint, genügend Material vorhanden, welches sich durchaus mit zunehmend steigendem Interesse an der Story betrachten lässt.

Was sich anfangs noch wie ein harmloser Telefon-Flirt und den Fragen nach dem Wohlergehen von Kristen und den Öffnungszeiten der Kneipe geriert, wandelt sich im Laufe der ersten 30 Minuten in blanken Horror und Terror. Soweit also nichts Neues in diesem Genre, was man nicht schon einmal in irgendeiner Form (z. B. in der Angangsszene von „Scream“) gesehen hat und auch der Terror durch Unbekannte, die damit drohen, in ein Haus einzudringen und dies in den meisten Fällen schließlich auch umsetzen, ist keine Neuerung, bis auf die Tatsache, dass es sich vorliegend beim Setting des Films um eine Kneipe handelt, wie man sie damals auf dem Dorf kannte oder heute noch vereinzelt in großen Städten findet: Ein Tresen, eine altbackene Einrichtung mit vergilbten Gardinen, ein Röhrenfernseher, eine alte Musikbox, die noch mit Schallplatten funktioniert und vereinzelte Sitzmöglichkeiten; man könnte fast von Gemütlichkeit sprechen, ein Ort, in der nach Feierabend gerne mal ein Bier mit Freunden oder Kollegen getrunken wird oder sich Menschen, ähnlich, wie in „Der Goldene Handschuh“ auch während der Öffnungszeiten gerne mal einnisten.

Die Atmosphäre wird allerdings nicht zuletzt durch das Setting für die Protagonistin und den Zuschauer im Verlauf des Films zunehmend bedrückender. Es ist mehr oder weniger die gesamte Zeit dunkel, zumindest draußen. Die kleine Kneipe, die lediglich aus dem Schankraum, einer kleinen Küche und einem Keller zu bestehen scheint, bringt eine klaustrophobische Stimmung in den Film, die, nicht nur für Kristen, im Laufe des Films immer bedrückender wird.

In der Kneipe scheint mehrmals der Strom auszufallen, aus Angst vor dem Unbekannten verschanzt Kristen sich sogar zeitweise hinter dem Tresen oder den Gardinen. Die herbeigerufene Polizei will einfach nicht eintreffen. Der Unbekannte spielt dabei sein Spiel und scheint alles über die Protagonistin zu wissen, selbst Dinge, die diese niemandem jemals anvertraut hat. Er möchte mit ihr ein Spiel spielen (was allerdings bloß nicht mit der „Saw“-Reihe in der Verbindung gebracht werden sollte). Als einziger Ausweg, diesem „Spiel“ zu entkommen, sei aus der Kneipe herauszukommen und sich dem Unbekannten hinzugeben.

Es ist vollkommen unverständlich, dass dieser Film in Deutschland bisher lediglich über VOD zu beziehen ist. Vielleicht mag das auch der momentanen Lage geschuldet sein; da der Film allerdings aus 2015 stammt, ist dies wohl eher unwahrscheinlich. Auch wenn man auf der besagten Streaming-Plattform landet, muss man den Film suchen oder man stolpert – so wie ich – zufällig darüber.

Wer nach dem Film googlet, findet einen deutschen Film unter demselben Titel, welcher allerdings nichts mit dem vorliegenden Film zu tun hat.

Auch nach weiterer Recherche konnte ich nicht herausfinden, ob es zumindest in seinem Entstehungsland den Niederlanden oder irgendwo anders auf der Welt irgendeine Form der Auswertung gab. Leider ist dem nicht so, der Film ist lediglich auf „amazon prime“ zu finden.

Dass die Niederländer durchaus gute Filme drehen können, ist hinreichend bekannt; hier sei vor allem „Spoorloos“ zu erwähnen. Bei dieser völlig zu Unrecht unbekannten und stiefmütterlich behandelten kleinen, klaustrophobischen Perle, die ein Ende bietet, welches genügend Raum für Interpretationen lässt, dennoch kurz vor dem Abspann völlig klar ist, was man gerade gesehen hat, ist dies nicht anders.

Der Film ist auch trotz seines eintönigen Settings wahrlich keine Billig-Produktion, was im Handlungsverlauf immer klarer wird. Vielmehr hat man es hier mit einem Independent-Film zu tun, der sich aber zu keiner Sekunde so anfühlt oder gar billig wirkt.

Wer mal eine gelungene Abwandlung der „Home-Invasion-Thriller“ sehen möchte, wird mit diesem Film seine Freude haben. Und es höchstwahrscheinlich genauso schade wie ich finden wird, dass es der Film bisher auf kein festes Medium geschafft hat.

7/10
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