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The Butcher

Herstellungsland:Südkorea (2007)
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,14 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Gruppe von Menschen wurde von sadistischen Filmemachern entführt, die in einem Keller Snuff-Filme für ein internationales Publikum drehen.
Das Kidnappen von Opfern und das anschließende Meucheln vor der Kamera ist für sie Alltag.
Ruhig gehen sie ihrer Arbeit nach, während ihre Beute Höllenqualen durchleidet.
eine kritik von hudeley:
The Butcher
 
Der 2007 in Südkorea entstandene Fakesnuff Film The Butcher wurde zu seinem damaligen Release in den Staaten eifrig in Filmforen diskutiert. Zum Höhepunkt der grassierenden Torture Porn Welle veröffentlicht, fiel sein Name gerne in einem Rutsch mit dem äußerst rabiaten und später gedrehten Grotesque oder dem Hostel Abklatsch Invitation Only, obwohl die Filme, bis auf das Handlungsmerkmal Folter und ihrer asiatischen Herkunft, gar nicht so viel gemeinsam haben. Grotesque hatte mit der Präsenz des Killers einen Psychothriller-Unterbau, Invitation Only nahm mit den Foltereien vor Publikum seinem Vorbild Hostel die Story des äußerst schwachen, dritten Teiles vorweg. Und The Butcher hatte sein ganz eigenes Allinstellungsmerkmal:
 
Das Fakesnuff Genre macht keinen Hehl um seine inhaltliche Nichtigkeit. Es wird gefoltert und das möglichst realitätsnah. The Butcher packte deshalb seinen Opfern Helmkameras auf den Kopf, durch welche das Publikum den Großteil des Filmes sieht. Unterbrochen von einigen VCR Aufnahmen oder den Handkameras der Folterer, wird der Zuschauer zum Opfer gemacht. Ein Gimmick, der heute durch die POV Granate Hardcore oder diversen Found Footage Streifen gar nicht so revolutionär zu wirken vermag, aber damals wirklich neu war. Selbst jetzt fällt mir kein zweiter Folterfilm ein, der über so lange Strecken aus der Sicht des Opfers gezeigt wird; vergleichbare POV Splatterfilme wie Hotel Inferno 1-3 oder Maniac müssen fairerweise jedoch erwähnt werden.
 
So handelt The Butcher von einer Gruppe von Leuten die gekidnappt und in eine Art Stall außerhalb der Stadt gebracht werden. Dort werden Snuff-Filme produziert, ausgeführt durch einen menschlichen Fleischberg mit einer Schweinsmaske auf dem Kopf. Saw und Motel Hell lassen grüßen. Er und seine ebenfalls mitfilmenden Lakaien setzen das Opfer, also uns, und dessen Geliebte gegenüber voneinander in einen Raum und stellen ihm ein Ultimatum: wenn er 10 Minuten die Gewalttaten über sich ergehen lässt, lassen sie ihn frei. Hält er nicht durch, foltern sie ihn und dessen Freundin nach seinen Ausführungen zu Tode.
 
Ein Saw Szenario wenn man denn so möchte, aber der Vergleich hinkt. The Butcher hat nicht das perfide, Durchkalkulierte der Reihe um den Jigsaw Killer, sondern ist wesentlich dynamischer und spontaner. Bis der rote Lebenssaft fließt, dauert es eine ganze Weile. Es wird diskutiert, geschrieen, die anderen Opfer bekommen Panikattacken und man bekommt einige Vorbereitungen zu sehen, jedoch spielt all dies dem Realismus in die Karten. Diese Aufnahmen, obgleich es wie gesagt teilweise Zwischenschnitte auf andere Handkameras oder Überwachungsbänder gibt, sollen nunmal wie Rohschnittmaterial wirken. Eine Ansammlung von Drehmaterial, welches eben von der Filmcrew an jenem Tag produziert wurde.
 
Somit steht und fällt der Film damit, ob man zwischen all dem Gekreische, Kameragewackel und der genrebedingt beschränkten Ausgangssituation Gefallen an der POV Aufnahmetechnik findet. Bei mir hat selbst bei der Zweitsichtung dieser Kniff exzellent funktioniert und ich empfand The Butcher wirklich als beklemmend. Wenn man sich fallen lassen kann, entfaltet dieser Film eine unglaubliche Wirkung. Nahezu, als sei man das Opfer. 
So holt man als Zuseher zuhause selbst Luft, als dem Opfer der 10 Minuten Deal vorgeschlagen wird. Man fängt an, selbst die Sekunden zu zählen, fiebert mit dem Protagonisten mit wenn er versucht Zeit zu schinden, in der Hoffnung, er könne diversen schmerzhaften Foltereinlagen entgehen, wenn einfach bloß die Uhr vorher abläuft. Man fragt sich selber, ob man über Hammerschläge ins Gesicht froh sein soll da einem zumindest nichts amputiert wurde, oder ob man nicht schon lange aufgegeben hätte. Kann man, trotz aller partnerlicher Edelmütigkeit, für seine Geliebte seine Schmerzgrenze überhaupt so lange übertreten, oder gibt man nach der Hälfte auf und überlässt sie ihrem Schicksal?
 
Viel Gedanken um einen Film, der bei den Meisten nur Übelkeit auslöst; sei es aufgrund des äußerst verwackelten Bildes oder dessen teils recht harten Bildern. Dass die Kamera wackelt ist logisch, oder würde es Sinn machen, dass der Gefolterte trotz Schmerzen seine Rübe stillhält, um den Snuffregisseuren möglichst schöne Bilder zu präsentieren? So kommt es durchaus vor, dass der Protagonist, beispielsweise als ihm die halbe Hand weggesägt wird, den Kopf wegdreht und der Zuschauer nichts vom Effekt zu sehen bekommt. Ein guter Kniff um einen budgetbedingt nicht zu bewältigenden Special Effect zu kaschieren, oder eben ein klarer Fall von "realistisch". Und genau hier greift für mich der Grundsatz, dass man nicht alles dem Zuschauer zeigen muss, um diesem wehzutun. The Butcher ist, wie auch Grotesque mit dessen unsäglich derber Nägel-durch-die-Hoden-Szene, ein Filmkandidat, der weiß wo er wegblenden muss und daraus seine unfassbare Wirkung zieht. 
 
Der Film ist dreckig, blutig und äußerst real. Es wird mitten ins Bild gekotzt, der Typ mit der Schweinemaske vergewaltigt das Opfer grunzend anal, die Mittelhand wird durchsägt, Augen ausgestochen und aus der Höhle gerissen, Füße werden zertrümmert und Leute abgestochen. Von der Wirkung auf härtestem Niveau, vom rein dargestellen Splattergehalt gibt es Zeigefreudigeres aus der FSK 16 Abteilung. Doch lasst Euch nicht täuschen - wenn der Film Euch packt und mitreißt, stehen intensive 70 Minuten ins Haus in denen man für das Opfer mitfiebert und ihm die Freiheit wünscht. Wie der Film ausgeht und ob "wir" die 10 Minuten an Folter aushalten, lasse ich an der Stelle offen. Dies zu wissen, würde dem Streifen viel an Wirkung rauben.
 
Über diese Wirkung war sich wohl auch die Bundesprüfstelle und ein deutsches Amtsgericht einig, denn The Butcher wurde 2011 beschlagnahmt. Wenn man sich in die Spruchpraxis dieser Institution hineindenkt muss man auch sagen "zu recht", aber ich denke über den Grundsatz behördlicher / staatlicher Einschränkungen unseres Lieblingshobbies gehen wir am Ende alle d'accord.
 
So gelang dem Südkoreaner Kim Jin-Won mit The Butcher ein wirkungsvoller, brutal harter und intensiver Fakesnuff Film mit der neuartigen Idee der Point Of View Kamera auf den Köpfen der Opfer. Von nicht Vielen wertgeschätzt, ist dies ein Film, der entweder beim Zuschauer funktioniert oder nicht. Man kann Referenzen auf andere Horrorfilme erkennen, man merkt ebenfalls, dass der Regisseur von Egoshootern fasziniert war und man merkt, dass es sich trotz aller Boshaftigkeit um einen Film von Fans für Fans handelt. Handwerklich innerhalb des übergeordneten Genres Found Footage wirklich ordentlich, in seinen (wenn auch spärlich vorhandenen) Effekten sehr gut, liefert der Film für den Fan untergrundiger Filmkost eine ordentliche Tour De Force ab. Dass ich mit diesen positiven Worten über den Film nahezu alleine dastehe, ist mir sehr wohl bewusst.
 
8/10
8/10
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Kommentare

07.04.2020 08:07 Uhr - dicker Hund
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Vater Staat und Onkel Hudeley empfehlen "The Butcher". Wie kann man da noch "nein" sagen?

Ich für meinen Teil mochte ja sogar den viel gescholtenen "Grotesque". Was kann da schon schiefgehen?

Wenn aller guten Dinge drei sind: Wie viele rhetorische Fragen braucht dieser Kommentar dann noch?

07.04.2020 09:46 Uhr - Man Behind The Sun
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Sieht wirklich sehr interessant aus. Ich bin eigentlich nie Fan solcher Filme gewesen, eben gerade aus dem Grund, weil sie einfach (meiner Meinung nach) nur eines können: Gore, Gore, Gore, unterbrochen von ein bisschen Folter und viel Gekreische.

Ich glaube aber, dass man dem Film nach dieser wirklich gut geschriebenen Kritik mal eines Blickes würdigen sollte.

08.04.2020 01:58 Uhr - hudeley
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@dicker Hund
Haha, klasse Kommentar :D

Schaut gerne mal rein, wie gesagt - vielen hat der Film nicht gefallen. Doch vielleicht bin ich nicht die einzige Ausnahme!

09.04.2020 22:53 Uhr - Dissection78
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"Grotesque" mochte ich auch irgendwie. Das lag vor allem am bizarren Humor, der einerseits sehr schwarz, gleichzeitig wiederum recht albern war. "Invitation Only" habe ich ebenfalls gesehen. Davon ist mir heutzutage wirklich nichts mehr im Gedächtnis geblieben. Das heißt für mich, "Grotesque" ist um einiges markanter.

Markant ist "The Butcher" ex aequo. Dachte ich bei der Veröffentlichung des Beschlagnahmebeschlusses für einen Augenblick so kopfschüttelnd wie unwissend, den gleichnamigen, brettharten Ami-Actioner von Jesse V. Johnson hätte es hier unverhältnismäßig rabiat getroffen, so kann ich beim Südkorea-Schlachter die bundesbürokratische Jugendschutz-Posse noch halbwegs nachvollziehen, wenn auch natürlich niemals gutheißen.

Vorliegendes Fake-Snuff-Teil ist misantropischer, derber, kaltblütiger, fieser und nihilistischer als so manche (die meisten?) westlichen Vertreter des Torture-Porn-Subgenres, in das ich "The Butcher" gleicherweise stecke. Allerdings ist er in meinen Augen einfach nicht sonderlich mitreißend. Deshalb sind von meiner Warte aus letztlich 'nur' 5 bis 6 Punkte drin. Damit liegt er wertungstechnisch für mich aber noch vor dem ersten (nicht dem zweiten!) "Hostel", dem überhypten Pop-Superstar unter den bösen, bösen 'Folterpornos' (wat 'ne blöde Bezeichnung) - ja, auch wenn der Vergleich vielleicht etwas hinkt ;D

10.04.2020 04:07 Uhr - hudeley
1x
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@Dissection78
Bin bei Dir was Grotesque und Invitation Only betrifft. Grotesque hat mich wirklich mitleiden lassen, obgleich es wirklich zeigefreudigere und weniger hölzerne Filme aus dieser Sparte gibt.
Dass The Butcher ein Opfer des Jugendschutzes wurde, wundert mich auch nicht. Der war komplett auf Provokation gebürstet, obgleich die Mittel beschränkt waren. Am Big Boss August Undergrounds Mordum kommt er von der Wirkung nicht vorbei, aber so geht das jedem Film dieser Sparte. Schade, dass The Butcher Dich nicht mitreißen konnte.

... und höre ich hier etwa Kritik an den großartigen Hostel Filmen? ;)

15.04.2020 17:47 Uhr - Man Behind The Sun
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Gestern angesehen und tatsächlich für gut befunden. Es ist und bleibt immer noch ein brutaler Torture-Porn, aber wenigstens steckt hier ein Funken Verstand hinter der ganzen Sache.

Es geht zwar blutig zu, aber so sehr, dass man sich jetzt angeekelt wegdrehen müsste, war es eigentlich nicht.

Die Atmosphäre ist klasse, der "Hauptdarsteller" ein echter Albtraum und endlich findet eine Kettensäge auch mal aus der Ego-Perspektive Anwendung. ;-)

Noch ein kleiner Hinweis: Ich bin auf der Suche nach dem Film auch über einen "The Butcher" gestoßen, der 2019 herausgekommen ist. Den gibt es auch Vimeo für knapp 2,00 Euro zu sehen; lasst die besser stecken.
Leider ist der Film hier nicht eingetragen, sonst hätte ich schon längst eine Review verfasst, so geärgert habe ich mich über diesen Schund. Es ist ein Amateurfilm, das muss man berücksitchtigen. Wie der Film es allerdings ernsthaft auf eine (Stand: 14.04.2020 ) 6,4 geschafft hat, kann ich mir nur dadurch erklären, dass die Macher des Films diesen wohl hochgevotet haben.

Nur mal ein kleines Beispiel für diesen absolut sinnlosen Blödsinn: Es wird eine angeblich reale Geschichte aus der Mitte der 90er gezeigt. Datumsanzeige der Kameraeinstellung (soll woll wie eine Art Doku wirken, das Ganze) xx,xx,1995, Los Angeles.
Einfach klasse, wie da inmitten der Menschenmenge Leute mit Selfie-Sticks und Smartphones rumlaufen und die Autos ganz klar nicht aus den 90ern stammen.

Das tut schon wirklich weh beim Hinschauen. Ich frage mich wirklich, wie man so einen niedrigen Anspruch haben kann, etwas so Hohles tatsächlich gut zu finden. Das kriegt doch jeder Laie mit Schreibblock und Handycam hin.

Hier mal der imdb-Eintrag;
https://www.imdb.com/title/tt11187940/?ref_=fn_tt_tt_16

Ihr könnt euch gerne selbst ein Bild machen, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand diesen strunzdummen Schund auch nur für eine Sekunde ernst oder in irgendeiner Weise eine Daseinsberechtigung als "FIlm" zusprechen kann. Da ist jeder deutsche Amateur-Splatter aus den 90ern ("Kettensägenzombies", "Das kombrutale Duell", "Violent Shit") eine Wohltat gegen dieses wertlose Stück Speicher auf der Kamera.

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