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Das Haus an der Friedhofmauer

(Originaltitel: Quella villa accanto al cimitero)
Herstellungsland:Italien (1981)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Haus an der Friedhofsmauer, Das
House Outside the Cemetery, The
House by the Cemetery, The
Zombie Hell House
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,43 (103 Stimmen) Details
inhalt:
Normann, ein junger Historiker, ist mit seiner Frau Lucy und seinem kleinen Sohn von New York nach Neu-England umgezogen, um dort gewisse Forschungen weiter zu führen. Sein Vorgänger hatte Selbstmord begangen. Norman mietet ein Haus, welches ihm die Agentin Laura Gittelson vermittelt. Seit dem Tode Petersons, der vorher dort wohnte, steht das Haus in einem schlechten Ruf. Nicht zuletzt auch, weil vor über hundert Jahren ein gewisser Dr. Freudstein darin lebte und wirklich unheimliche Dinge geschehen: Bob wiederholt täglich, dass er ein kleines Mädchen, genannt May, kenne und sich mit ihr treffe - aber niemand hat dieses Mädchen je gesehen. Lucy findet in einem Raum des Grauens einen Sarg und unerklärliche Geräusche kommen aus dem Keller...
eine kritik von dicker hund:

"Das Haus an der Friedhofsmauer" folgte dem "Zombie am Glockenseil" auf den Fuß. Lucio Fulci stopfte einen Untoten in den Keller einer Villa, um daraus eine trashige Variante diverser Haunted-Flicks zu zimmern.

Wie schon in "The Beyond" steht für die Sichtung dank des Bildformates ein Drittel des Bildschirms zur stolzen Verfügung. Die Handlung des italienischen Exploiters beginnt ohne ersichtlichen Grund in der Nähe der Twin Towers, lässt Personenkraftwagen über die Brooklyn Bridge fahren. Wie gerne wäre die Regie ein Amerikaner. Inhaltslose 13 Minuten überflüssiger Einleitung nehmen schließlich jenseits der Ideallinie die Kurve:

"Es ist nicht New York. Aber ich bin sicher, es wird Ihnen sehr gut gefallen."

Da steht das titelgebende Anwesen. Woanders halt. Es sieht gemütlich aus, komfortabel, bei Tag wie bei Nacht. Seine Fassade ist in freundlichem Himmelblau gestrichen, aufgehellt durch Streifen aus strahlendem Weiß. Haunted ist hier erst einmal gar nichts. Thema verfehlt.

"Die sehen alle eins wie das andere aus."

Ähm ... nein! Vorbilder wie "Amityville" oder "The Shining" belegen das Gegenteil. Die Kamera hält tapfer gegen diese Inspirationsverweigerung an, indem sie weit entfernt von der Eingangstür ein par blattlos bezweigte Äste findet, die sich wie Spinnenweben kreuzen. Investoren würden das äußere Erscheinungsbild aber noch immer als makellos durchgehen lassen. Das Interieur gefällt mit Buntglas, durch welches das Sonnenlicht auf das antike Mobiliar strahlt, das ähnlich angestaubt ist wie das cineastisch zweifelhafte Vergnügen. Ein Dario Argento hatte seinerzeit die Kompetenz, solcherlei Szenerien zu einer Komposition von Set Pieces zu veredeln. Sein besonderer Stargast ist hier die Fledermaus aus "Suspiria", die endlich bekommt, was sie verdient. Hierbei handelt es sich ungelogen um die erste nennenswerte Härte des Streifens - zur Halbzeitpause. 

Bis dahin muss sich der Zuschauer mit akustischen Irritationen wie indifferentem Jammern und Klopfen sowie mit gliedmaßenmäßig mehr oder weniger vollständigen Keramikpuppen zufriedengeben. Sämtliche Schauwerte sind für später aufgespart. Dann kracht es, fast erlösend. Das Auge des Betrachters schwebt über ambitioniert modellierte Leichenteile, karminrote Lachen breiten sich aus, der Keller modert pflichtschuldig (Horror 5/10). Der bis dahin leierig einlullende Score wendet sich düsteren Klängen zu. Und endlich kommt der Gore zum Zuge, indem mitunter raue Mengen Kunstblut aus aufgetrennten Kehlen strömen (Gewalt 6/10). Dazu erklingt ein manchmal massiv überdosiertes Gegrunze und Gekreische, welches die Atmosphäre an der Schwelle zur unfreiwilligen Komik im Zaum hält (Humor 2/10). Erst das Finale wartet mit ein wenig Spannung auf, gewinnt sogar ein bisschen an Drive.

Das Schicksal der charakterlosen Familie verfehlt solange knapp die Gesäßnähe des Rezipienten. Begonnen sei mit der Babysitterin Ann ohne Carol, für welche Ania Pieroni aus "Tenebrae" stets so dreinschaut, als könne sie es gar nicht abwarten, auf der Stelle mit einer schmierigen Hardcoreeinlage loszulegen.

"Diese Ann hat so etwas Merkwürdiges an sich."

Das findet jedenfalls Lucy, die kesse Mutti, welche mit ihrem Nippelwetter unter dem BH-los getragenen Oberteil womöglich die Fantasien ihrer Kollegin erst angeregt hat (Sex 2/10). Es ist Catriona MacColl, die schon beim "Glockenseil" glaubte, ihre Fähigkeiten würden "Über dem Jenseits" liegen. An ihrer Seite ist Gatte Norman vertreten, ein mürrischer, latent sexistisch agierender Bartnuschler. Paolo Malco aus dem feministischen Lehrstück "New York Ripper" weiß schon, wie er sein Weib zu behandeln hat:

"Es wird langsam Zeit, dass ich dir die Wahrheit sage."

Die Nahaufnahmen der Augenpartien versuchen bei diesen Knalltüten auf eine abstrakte Art Gesicht zu geben, wo durch konkrete Schauspielqualitäten nicht viel zu holen ist. Auf den Close-up auf den blonden, blauäuigen Lautheulplärrer Bob, dem zur Drehzeit schuldunfähigen Blag Giovanni Frezza, würde man allerdings gerne verzichten. Der Nervfaktor dieses Köttels mit dem ferngesteuerten Auto und der rosa Spielzeugpistole kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Nach alledem muss resigniert festgestellt werden, dass "Das Haus an der Friedhofsmauer" gleichermaßen überbewertet ist wie der ebenfalls nur mittelmäßige "Zombie", der "am Glockenseil" hing. Dramaturgische Totalausfälle gesellen sich zu formal äußerst volatilem Handwerk. Es gibt eine konfuse Geschichte zu verfolgen, deren dialogmäßige Aufbereitung immerhin recht annehmbar synchronisiert worden ist. Nach einem miserabel gepaceten Auftakt sind es wieder einmal Einzelleistungen im Bereich von Make-up, Splatter, bewegter Fotografie und musikalischer Untermalung, die den Karren aus dem Dreck ziehen. Assoziationen mit italienischem Profifußball, bei welchem ein, zwei Star-Stürmer in der Nachspielzeit durch eine von der Teamleistung unabhängige Aktion doch noch ein Tor treten, keimen auf. Für Genreliebhaber bleibt da ein unschön auf die lange Bank geschobenes, aber letztlich irgendwie solide befriedigendes Schlussgefühl von "Hauptsache gewonnen" (5/10 Punkten). Ganz ähnlich gerierten sich die Fans des vorgeblich gemeinnützigen Vereins "Gebundene Werke in Flammen", die im Jahre 2014 den Rotstift in der Zeile ansetzten, in welcher der Titel in der Liste der indizierten Medien eingetragen war. Für den Flatschen brauchte das Schreibgerät nicht ausgetauscht zu werden.

5/10
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Kommentare

31.05.2020 08:19 Uhr - Punisher77
3x
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Exzellent geschriebene, unterhaltsame Kritik.

Auch wenn der Film sicherlich seine Zeit braucht, um in Fahrt zu kommen und Bob supernervig ist, gefällt mir der Film aber - schon aufgrund seiner Atmosphäre - doch ganz gut. Da gibt es meiner Meinung nach schlechtere Fulcis.

01.06.2020 00:29 Uhr - CHOLLO
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Och, ich gehöre ja auch eher zu den Befürwortern dieses Werks. Aber deine Kritik ist natürlich auch dieses Mal wieder sehr unterhaltsam und ansprechend geraten.

01.06.2020 10:17 Uhr - Ivan_Danko
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Schwer an einen Verriss grenzende Kritik mit Formulierungen mit Kultpotenzial. Bin vollkommen Deiner Meinung, Hundi, bei einem Horrorfilm sollte man nicht zigmal einschlafen, bis man irgendwann mal das Ende tagsüber nachholt. Konnte mit dem noch nie wirklich viel anfangen. Kein Stinker aber bestimmt auch nicht das Kultwerk, als dass es manche gerne sehen.

01.06.2020 12:49 Uhr - Chímaira
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Gelungene Kritik und ein feiner Abschluss der Trilogie. Bewertungstechnisch liegen wir ungefähr gleich. Mich haben die drei Filme leider enttäuscht. Insbesondere, weil ich mit Zombi 2 deutlich mehr Spaß hatte. Dieser kam bei Dir ja auch nur durchschnittlich gut weg ;)

01.06.2020 12:50 Uhr - cecil b
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Wieder eine bomben Schreibe, und eine Review, der ich mich nur zu gern anschließe. Auch, wenn meine Bewertung da höher liegt, lag? Lange nicht gesehen, ist auch nicht schlimm. ;)

01.06.2020 13:13 Uhr - dicker Hund
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Vielen lieben Dank in die muntere Runde!

Nach meinem Review zu "Glockenseil" wollten mich einige ja gleich auf Strafdiät setzen. Schön, dass die Resonanz diesmal nicht mehr ganz so entsetzt ausfällt.

;-)

Wer sich für Fulci interessiert, fährt meines Erachtens am besten mit "The Beyond", der bei mir eine 7 abgeräumt hat, oder mit "Woodoo", der immer noch bei einer vorzeigbaren 6 gelegen hat. Viele andere Werke aus der Blutkammer des Italieners bekommen in meinen Augen zu viel Hype, was zu Enttäuschungen führen dürfte.

Gleichwohl: Für mich ist das Horrorgenre ohne sein Mittelmaß nicht vollständig. Mir gefallen daher selbst Filme, die punktemäßig nicht so toll abschneiden. Bei diesen gehört der hämische Spott dann aber zum guilty pleasure dazu. Erst unter vier Punkten reißen meine so zu verstehenden Geduldsfäden...

01.06.2020 15:30 Uhr - shharry2
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@dicker Hund

Ich finde auch, dass Fulci viel zu sehr gehyped wird. Den hier besprochenen Streifen finde ich sehr dröge und langatmig, maximal 4 Punkte würde ich hier vergeben.

"Zombi 2" ist für mich sein unterhaltsamster Film, den schau ich immer wieder gerne, der Rest ist Durchschnitt im allerbesten Fall. Ganz grauenvoll fand ich "The Black Cat", da ist Valium ein reines Aufputschmittel dagegen....

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