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Terror in der Oper

(Originaltitel: Opera)
Herstellungsland:Italien (1987)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Im Zeichen des Raben
Terror at the Opera
Terror en la Opera
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,69 (51 Stimmen) Details
inhalt:
Nachdem eine Operndiva bei einem Autounfall schwer verletzt wird und das Krankenbett hüten muss schlägt plötzlich für die junge Sopranistin Betty die Stunde: der junge Regisseur Marco gibt ihr die weibliche Hauptrolle in seiner Neuinszenierung von "MacBeth". Nach dem gefeierten Einstand geschehen aber plötzliche unerklärliche Dinge. Scheinwerfer zerbersten auf der Bühne-ein Mord ist geschehen! Hat der Killer ein grausiges Auge auf die schöne neue Operndiva geworfen oder steckt etwas anderes hinter seinen Morden?
eine kritik von chollo:

Dario Argento gilt nicht nur in seinem Heimatland Italien als einer der besten Genre-Regisseure, auch international darf er sich neben Namen wie Craven; Romero und Carpenter zu den Meistern seines Faches zählen. Sein Markenzeichen, die ganz eigentümliche Bildsprache mit der er seine nicht immer kohärenten und in sich verschachtelten Geschichten vorträgt ist schon beinahe Legendär, und hebt ihn allemal von vielen seiner Landsleute in dieser Zeit ab die vor allem des Geldes wegen wie am Fließband inszenierten. Klassiker aus seiner Vita wie "Suspiria", "Profondo Rosso" oder "Tenebrae" sind schon längst in die filmischen Geschichtsbücher übergegangen, und darauf darf sich der gute Dario zurecht etwas einbilden.

Leider verhält es sich mit seinem Lebenslauf ganz ähnlich wie bei seinen Mitstreitern der gehobenen Klasse. Jüngste Werke wie der lahme "The Card Player", der einschläfernde "Giallo" oder der desaströse "Dracula 3D" rütteln beträchtlich am guten Ruf des Maestros und lassen sein Alterswerk alles andere als versöhnlich erscheinen.

Für viele seiner Anhänger gilt daher der 1987 entstandene "Terror in der Oper" oder "Opera" als sein letztes, vollumfänglich gelungenes Werk. Mit einem eher mickrigen Budget von 8 Mill. USD in seiner Heimat Italien und der Schweiz gedreht, gelang ihm damit dann auch nochmal einer der letzten größeren Erfolge der auch eine gewisse Aufmerksamkeit durch Kino und Heimkinoveröffentlichungen erhielt.

Die junge Sängerin Betty erhält die Gelegenheit den Sopran bei einer Oper zu übernehmen nachdem ihre Vorgängerin, eine launische Diva, auf unglückliche Weise vom Auto angefahren oder überfahren wurde. Nach der erfolgreichen Premiere schmuggelt sich unter die Scharr der Fans ein mordlüsterner Stalker, der sogleich sein grausames Spiel mit dem Mädchen beginnt.

Schon während der Eingangs- Szenen wird Argento's Vorliebe für kreative Blickwinkel ersichtlich. Mit Spiegelungen auf dem Auge einer Krähe und der Point of  View Aufnahmen der aufgewühlten Diva, schafft er es sofort eine morbide Atmosphäre zu erzeugen. Kamerafahrten wie zum Beispiel aus der Vogelperspektive durch die Ränge der Zuschauer und den nur spärlich ausgeleuchteten Gemäuern der titelgebenden Örtlichkeit unterfüttern diese Stimmung zusätzlich. In Sachen Optik kann man dem Direktor dieses Schauerstücks also nichts vormachen, und die ist im Hinblick auf die 33 Jahre die dieses Werk schon auf dem Buckel hat, erstaunlich gut gealtert. Will heißen, auf visueller Ebene weiß "Terror in der Oper" noch vollends zu überzeugen und in seinen Bann zu ziehen.

Mit der Musik hat er in meinen Augen indes ein nicht ganz so gutes Händchen bewiesen. Die Rock- Einlagen wirken bei den jeweiligen Mord und Verfolgungsszenen etwas deplaziert, zum Ende hin bei dem Katz und Maus Spiel auf einer grünen Wiese gar wie ein Fremdkörper. Ein bisschen gedämpfteres Gedudel, von mir aus auch mit Spuren eines Synthesizer's, hätten den Bildern auf der Leinwand etwas besser zu Gesicht gestanden.

Ähnlich wie bei Lucio Fulci ist auch der Giallo/ Horror von Dario Argento berüchtigt für seine äußerst zeigefreudige Gewaltdarstellung, wenn auch nicht in solchem Ausmaß wie bei seinem römischen Kollegen/ Kontrahenten. Und auch "Opera" spart nicht mit diversen Einlagen. Wenn das Messer des Meuchlers mal zum Einsatz kommt, geht es äußerst explizit zu Werke. Daneben ist auch die Art und Weise wie der Killer seinem Opfer den Platz in der ersten Reihe bei diversen Taten sichert nicht von schlechten Eltern, dieser Nackenhaar- sträubende Einfall hat es dann auch auf so ziemlich jedes Cover der zahlreichen Veröffentlichungen geschafft. Im Jahre 2015 von seinem Index- Dasein befreit ziert seitdem das blaue Siegel Argento's Film womit man meines Erachtens der FSK bei jener Neuprüfung einen guten Tag unterstellen dürfte.

Die Darsteller machen allesamt einen passablen bis guten Job. Christina Marsillach in der Rolle der Gejagten und Missbrauchten, wirkt hinreichend überzeugend und es darf mit ihrem Schicksal mitgefiebert werden. Mit Ian Charleson ("Greystoke", "Ghandi") und William McNamara ("Copykill") haben sich dann auch noch ein paar International vermarktbare Gesichter eingefunden.

Ob "Terror in der Oper" nun wirklich eines von Dario Argento's letzten großen Werken ist kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Zum ersten müsste ich mich dafür noch mehr und ausführlicher mit seiner Filmographie beschäftigen, und zum zweiten ist der Gute ja noch nicht Tot und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Für meinen Teil ist seine Oper großes Kino welches es auch schaffte mich, neben kleineren Mängeln wie der Musik oder des doch ein wenig überkonstruierten Endes, durchgehend zu unterhalten.

8/10
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Kommentare

30.04.2020 08:54 Uhr - Dissection78
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Den finde ich nach wie vor grandios. Ich glaube, das war der allererste Argento, den ich je gesehen habe, und zwar in der arg kastrierten deutschen TV-Version. Doch selbst die hatte mich damals fasziniert. Die unglaublich verspielte Kameraarbeit, das Sounddesign, die Musik (abseits der Steel-Grave-Songs)... das mag man unter Style over Substance abhaken, aber wenn dies so elegant dargeboten wird wie in vorliegendem Fall, dann bitte sehr gerne. Auch hier gilt für mich das Wort 'Albtraumlogik'. Gerade im Giallobereich brauche ich keine richtige Logik. Ich hoffe jedenfalls, dass der gute Dario "Occhiali neri" noch realisieren kann, und dass etwas Ordentliches dabei rauskommt. Traurig, wenn seine mMn lausige "Dracula"-Variante die Abschiedsvorstellung wäre.

30.04.2020 12:28 Uhr - Intofilms
1x
Für mich ist „Phenomena“ sein letzter wirklich großer Film. Mit „Opera“ hatte ich schon immer gewisse Schwierigkeiten, die vor allem die Plausibilität der geschilderten Ereignisse betreffen (den Begriff Logik möchte ich hier vermeiden). Ich werde aber nicht müde (weil ich ein schlechtes Gewissen habe?), „Opera“ immer wieder eine neue Chance zu geben. Bis jetzt allerdings ohne viel Erfolg. Die leisen Zweifel, die in deiner Review anklingen, kann ich also sehr gut nachvollziehen, CHOLLO. Meine letzte Begegnung mit Argento war übrigens „Inferno“. Den fand ich wiederum schon immer überragend und neulich war ich geradezu euphorisch: einer der besten Horrorfilme aller Zeiten! Aber auch das ist vermutlich Ansichtssache. ;)

30.04.2020 13:34 Uhr - CHOLLO
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Danke danke

Ich muss mir unbedingt noch ein paar von ihm antun. Dazwischen werfe ich dann welche von D'amato und Fulci :))

30.04.2020 17:00 Uhr - The Machinist
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Bei der Punktewertung gehe ich voll mit, auch wenn ich ''Phenomena'' ebenfalls minimal bevorzuge. ''Opera'' war aber tatsächlich, wie bei Dissection, mein erster Argento, zum Glück aber in der unzensierten Blu-ray-Fassung. ;-)

Spitze verfasst!

30.04.2020 20:50 Uhr - CHOLLO
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Danke auch dir :)

30.04.2020 22:17 Uhr - sonyericssohn
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Meine erste Begegnung mit Argento war damals -Trauma-. Den fand ich zwar ned schlecht, aber irgendwie überdreht. Dann war das Thema Dario A. auch schon wieder beendet. Der hier steht noch immer auf der Warteliste.

Danke für die Kritik Chollo. Muss mir den mal vormerken.

01.05.2020 11:37 Uhr - Punisher77
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Den müsste ich mir mal wieder ansehen. Aus der Erinnerung heraus würde ich auch `ne 8/10 verteilen. Für mich ist "Opera" auch eines seiner letzten, vielleicht sogar DAS letzte große Werk - obwohl ich "The Stendhal Syndrome" und "Sleepless" auch noch gut finde. "Dracula 3D" hat mir dagegen gar nicht gefallen - im Gegensatz zu Deinem gelungenen Review. "The Card Player" und "Giallo" habe ich mir gar nicht erst angesehen.

01.05.2020 11:50 Uhr - CHOLLO
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Vielen lieben Dank auch euch beiden.. "Sleepless" kenn ich noch nicht, denke den werde ich mir auch mal antun

01.05.2020 12:54 Uhr - Punisher77
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"Sleepless" kann ich in der Uncut-Fassung wirklich empfehlen. Er bietet zwar nichts wirklich Innovatives, aber hier spielt Argento seine "Giallo"-Stärken noch einmal aus. Und mir ist ein solches "Best Of" lieber als etwas Neues, aber dafür völlig Verkorkstes.

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