SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Assassins Creed Valhalla · Schreibe deine eigene Wikingersaga · ab 57,99 € bei gameware Daymare: 1998 Black Edition · Blutiges Horror-Gameplay mit Resi 2-Geschmack · ab 34,99 € bei gameware

Zwei wilde Companeros

(Originaltitel: Viva la muerte... tua!)
Herstellungsland:Deutschland, Spanien, Italien (1972)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Western
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Inmitten der blutigen Wirren der mexikanischen Revolution ist der Russe Dimitri Vassilovich Orlowsky auf der Suche nach einer verschollenen Geldkasse, die irgendwo in einem unscheinbaren Dorf vergraben sein soll. Dabei kommt er mit dem schlitzohrigen Ganoven Lozoya zusammen, der als einziger die Namen der Personen kennt, die einen Teil der Schatzkarte besitzen, die zum Gold führt. Den beiden auf den Fersen ist nicht nur die mexikanische Armee sondern auch eine irische Journalistin, die dem Russen und dem mexikanischen Gauner zwar immer wieder das Leben rettet, die beiden aber mit ihren halsbrecherischen Aktionen in so manches Schlamassel führt. So startet ein spannendes Abenteuer entlang der mexikanischen Grenze mit einem wilden Trio, das unterschiedlicher nicht sein könnte.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                               ZWEI WILDE COMPANEROS

Franco Nero war mit dem Italowestern Django (1966) der internationale Durchbruch gelungen, weshalb es nicht verwunderte, dass er dem Italowestern und Django-Regisseur Sergio Corbucci in den nächsten Jahren treu blieb. So drehte er unter dessen Anleitung die Italowestern Die Gefürchteten Zwei (1968) und Zwei Companeros (1970), die deutlich von Sergio Leones Zwei Glorreiche Halunken (1966) beeinflusst waren. Nero spielte einen nur auf seinen Vorteil bedachten Einzelgänger, der durch widrige Umstände dazu gezwungen war, mit einem deutlich extrovertierteren Partner zusammenzuarbeiten und gegen einen übermächtigen, charismatischen Antagonisten zu kämpfen. Beide Filme waren offensichtlich so erfolgreich, dass ein dritter Film in ähnlicher Manier ins Auge gefasst wurde. Diesmal sollte allerdings nicht Sergio Corbucci Regie führen. Franco soll sich mit Corbucci zerstritten haben, da er Tomas Milian während der Zwei Companeros-Dreharbeiten bevorzugt haben soll, weshalb der Django-Darsteller verkündet haben soll, nie wieder mit Sergio Corbucci arbeiten zu wollen. Also engagierte man stattdessen Duccio Tessari (1926-1994 / Der Bastard, 1968) engagierte. Neben Franco Nero versammelte Tessari u.a. Eli Wallach (1915-2014 / Zwei Glorreiche Halunken, 1966), Lynn Redgrave (1943-2010 / Georgy Girl, 1966), Horst Janson (Der Bastian, 1973) und Eduardo Fajardo (1924-2019 / Django, 1966) für die Co-Produktion der Länder Italien, Spanien und Deutschland.

Der russische Großfürst Dimitri Orlowski (Franco Nero) hält sich als Bandit im Priestergewand über Wasser, bis er von einem Goldschatz erfährt, von dem der inhaftierte Ganove Max Lozoya (Eli Wallach) mehr weiß. Orlowski befreit Lozoya aus dem Gefängnis, doch bald begegnen sie der Journalistin Mary O´ Donnell (Lynn Redgrave), die in Lozoya den Revolutionär „El Salvador“ sieht und über den sie eine Story schreiben will. Außerdem wird das Verbrecher-Duo von Sheriff Randall (Horst Janson) verfolgt, der mit Orlowski noch eine Rechnung offen hat …

Zwei Wilde Companeros gehört inhaltlich gesehen nicht gerade zu den originellsten Italowestern. Die mexikanische Revolution ist anno 1971, als der Film erschien, bereits in mehreren Genrestreifen thematisiert worden, die Figurenkonstellation hat es so schon in den bereits erwähnten Die Gefürchteten Zwei und Zwei Companeros und vor allem in Zwei Glorreiche Halunken gegeben, was durch die Verpflichtung von Eli Wallach zusätzlich unterstrichen wird. Außerdem ist Zwei Wilde Companeros bei weitem nicht so dreckig und hart wie manch früherer Italowestern, sondern etwas leichter und humorvoller angelegt, was bestimmt auch auf den Erfolg der Bud Spencer/Terence Hill-Italowesternpersiflage Die Rechte Und Die Linke Hand Des Teufels (1970) zurückzuführen sein dürfte. Das ist aber hier nichts Schlechtes, da Zwei Wilde Companeros – auch wenn er nicht an Zwei Glorreiche Halunken oder Die Gefürchteten Zwei herankommt – ein gelungener, äußerst unterhaltsamer Italowestern.

Der große Unterhaltungswert liegt im Zusammenspiel von Franco Nero und Eli Wallach, der hier seine Tuco-Rolle aus Zwei Glorreiche Halunken variiert. Wie die beiden einander auszutricksen versuchen und sich dann bei Gefahr doch immer wieder zusammenraufen müssen, macht Laune, zumal Rainer Brandt, der Franco Nero hier auch seine Stimme leiht, dem Film eine wirklich witzige Synchro verpasst hat, die zwar manchen beinahe schon schmerzhaften Kalauer aufweist, ansonsten aber mit den witzigen Sprüchen und Wortspielen punktet, für die der Schnodderdeutschmeister berühmt, bzw. berüchtigt ist. Denn oft haben eine deutsche Synchronisation und Schnitte schon dafür gesorgt, dass aus einem an sich ernsthaften Film eine platte Komödie geworden ist (Vergleiche Django Und Die Bande Der Gehenkten und Joe, Der Galgenvogel…), aber da Zwei Wilde Companeros auch im Original etwas leichter angelegt ist, ist das hier meiner Meinung nach kein Makel, denn mir hat die deutsche Sprachfassung enorm Spaß gemacht. Dass der Film trotz allem den einen oder anderen ernsthaften Unterton aufweist, zeigen die Szenen mit Lozoyas Schwester, von denen die meisten aber in der deutschen Kinofassung gefehlt haben dürften, da sie keinen deutschen Ton aufweisen – mittlerweile kann man die Zwei Wilden Companeros ungekürzt erwerben.

Mit Lynn Redgrave, Horst Janson und Eduardo Fajardo hat Zwei Wilde Companeros drei exquisite Nebendarsteller an Bord. Lynn Redgraves Rolle als Reporterin, die manchmal schon etwas nervig auftritt, so dass sie – wenn man schadenfroh ist – es auch verdient hat, zur Zielscheibe des Spotts der beiden Companeros zu werden. Andererseits erweist sie sich als äußerst schlagkräftig und manchmal wären Orlowski und Lozoya ohne sie ganz schön aufgeschmissen gewesen. Horst Jansons Rolle ist zwar nicht besonders groß ausgefallen, aber trotzdem ist sein Part recht einprägsam und es ist ziemlich witzig, ihn als kaltblütigen Sheriff zu sehen, wenn man bedenkt, dass er von 1980-1984 in der Sesamstraße auftrat. Eduardo Fajardo strahlt hier nicht das eiskalte, bedrohliche Charisma seiner Django-Rolle aus, da sein schurkischer General hier eher eine (wenn auch etwas sadistische) Witzfigur ist, aber auch diese Rolle spielt der Spanier mit Würde und Anstand.

Duccio Tessari lässt diese fünf Darsteller in einer abwechslungsreichen, mit vielen Schauplatzwechseln versehenen Handlung agieren, die jede Menge gut platzierte und inszenierte Action bietet. Da der Film wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg spielt (Ein Grabstein gibt als Todesjahr das Jahr 1912 an) kommen hier auch diverse Fahrzeuge und Maschinengewehre zum Einsatz. Ein besonderes Highlight des Films ist der Angriff auf die Garnison des Generals in der Nacht des Totensonntags. Was hier an Schießereien und Explosionen aufgefahren wird, braucht keinen Genrevergleich zu scheuen und auch danach geht’s noch packend weiter. Dabei wird zwar reichlich geschossen und gestorben, aber Blut oder ausufernde Gewalt gibt es – der lockeren Atmosphäre des Films gemäß – nicht zu sehen, so dass die Freigabe ab 12 Jahren schon in Ordnung ist.

Bleibt unterm Strich ein äußerst unterhaltsamer, komödiantisch angehauchter Italowestern mit guten Darstellern, jeder Menge Action und einer witzigen Synchronisation, vorausgesetzt, man kommt mit Rainer Brandts Schnodderdeutsch klar. Zwei Wilde Companeros mag zwar keine Klassikerambitionen mitbringen, sehenswert ist er aber allemal.

8/10
mehr reviews vom gleichen autor
Seized
Punisher77
6/10
Freitag
Punisher77
7/10
Todesrächer
Punisher77
5/10
die neuesten reviews
96
happymetal4evr
10/10
John
Phyliinx
9/10
Klasse
sonyericssohn
7/10

Kommentare

05.07.2020 14:15 Uhr - lappi
1x
User-Level von lappi 3
Erfahrungspunkte von lappi 175
Danke für den Eindruck. Da ich ja so oder so schon mit Spencer/Hill quasi aufgewachsen bin, klingt diese für mich neue Kombi recht unterhaltsam. Gerade auch, da es eher etwa humorvoller zur Sache gehen soll. Bitterböse und zynische Western gibts ja genug ;)

05.07.2020 16:51 Uhr - Punisher77
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Freut mich, dass ich Dir `nen ersten Eindruck verschaffen konnte. Und ja, der Film ist `ne nette Abwechslung zu den vielen zynisch-brutalen Spaghettiwestern, auch wenn ich ein Faible für sie habe.

05.07.2020 18:57 Uhr - lappi
1x
User-Level von lappi 3
Erfahrungspunkte von lappi 175
Ich mag sie auch. Nur muss es nicht immer sein ;)
Leichen pflastern seinen Weg lässt einen ja schon fast depressiv zurück xd

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)