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Doom 64

Herstellungsland:USA (1997)
Standard-Freigabe:USK 16
Alternativtitel:Doom: The Absolution
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,32 (19 Stimmen) Details
eine kritik von dicker hund:

Vier Jahre nach dem ersten Release von "Doom" erschien eine Umsetzung für Nintendos N64, die einer Mode für diese Plattform entsprechend mit "Doom 64" betitelt wurde. Es handelt sich um eine Portierung, die zugleich ein eigenständiger Titel ist. Übereinstimmungen mit dem Original gibt es bezüglich der genutzten Engine, weshalb es nicht möglich ist, nach oben oder unten zu schauen. Das Spielprinzip, die Story, Ausrüstung, Gegner und Design sind in groben Zügen dieselben; im Detail gibt es jedoch weitreichende Unterschiede.

Schon das Intro gibt sich prätentiös, indem es diverse Monster aus der Hubschrauberperspektive präsentiert, die sich auf einer Fläche eine Schlacht liefern, die sich beim Herauszoomen als der bekannte Tag aus den Buchstaben des Franchises herausstellt. Danach fällt die Eingewöhnung erst einmal schwer. Das klobige Nintendo-Pad ist zwar frei belegbar - hierbei machen aber längst nicht alle Konfigurationen Sinn. Glücklicherweise lässt sich später noch nachjustieren. Am besten legt man das Laufen und Umschauen auf den Analogstick, Schießen auf Z, Strafe auf die gelben Richtungstasten rechts und links, die Waffenwechsel auf die verbleibenden Gelblinge oben und unten, Türöffnung auf A und die Karte auf R. Die Funktionen "strafe on" und "run" sind überflüssig, können daher B und dem schwer erreichbaren L zugewiesen werden. Diesen Krampf muss man nach jedem Abschalten der Konsole wieder neu beginnen, weshalb es sich empfiehlt, sich die optimale Belegung einzuprägen oder zu notieren. Als nächstes muss zwingend die Brightness hochgestellt werden, da man es sonst mit einem Blindflug im Dunkeln zu tun bekommt. Ist das erledigt, kann aus vier Schwierigkeitsgraden mit eigenen Bezeichnungen gewählt werden. Dem vorliegenden Test mit der UK-Cartridge liegt der zweithöchste davon zu Grunde: "I own Doom!".

Der erste Eindruck ist verblüffend positiv, gerade wenn man das Programm im unmittelbaren Anschluss an seine Vorfahren startet. Grafisch hat GT Interaktive wirklich alles aufpoliert. Das Scrolling läuft fast immer butterweich, die Fassade der Monster hat unter Beibehaltung der kargen Animationen einen individuellen, viel weniger verpixelten Anstrich erhalten, sämtliche Goodies sehen detaillierter aus und die Waffen am unteren Bildschirmrand glänzen in veredelter Optik. Die Übersichtskarte erscheint bei Aufruf texturiert, bei einem wiederholten Befehl in der gewohnten Vektordarstellung. Dies ist für die Orientierung durchaus hilfreich. Lediglich die hin und wieder auftretenden Clippingfehler gießen einen Schuss Wasser in den ansehnlichen Wein.

Als nächstes überzeugt die Steuerung, auch wenn der Analogstick noch nicht auf Playstation 2 - Niveau ist. Schleichen, langsames Gehen, zügiges Laufen und schnelles Rennen funktionieren stufen- und tadellos. Sie lassen die überkommenen Bewegungen aussehen wie einen dicken Video-Nerd auf der Couch im Vergleich mit einer Ballett-Tänzerin auf dem Parkett. Die Taste Z unter dem mittleren Griffhörnchen fühlt sich als Abzug unglaublich befriedigend an, zumal es Ausfälle der Kollisionsabfrage nur noch in Ausnahmefällen zu besorgen gibt. Etwas Übung erfordert das Strafen, das sich mit der empfohlenen Belegung aber in der Regel meistern lässt, solange sich der Dämonenjäger nicht an irgendwelchen Kanten verhakt. Ein kleiner Fauxpas ist leider beim Waffenwechsel unterlaufen: Bei Erhalt der Kettensäge bleibt die Faust als überflüssige Option erhalten, und zwar vorgelagert. Um von der häufig gebrauchten doppelläufigen Schrotflinte auf den inzwischen zweiblättrig modellierten Nahkampfhelfer zu schalten, muss viermal nach unten geklickt werden. Bei drei oder fünf Betätigungen der Abwärtstaste steht man mit dem nutzlosen Patschehändchen da. Dafür gefallen die Gewehre durch ihren Rückstoß und die realistischere, da geringfügig längere Nachladezeit.

So ausgerüstet findet man sich in etlichen exklusiv gestalteten Levels wieder - 25 an der Zahl plus ein par Boni. Selbst diejenigen unter ihnen, die dem Spieler auf den ersten Blick bekannt vorkommen, sind nur vom Bestehenden inspiriert, gehen aber eigene Wege. Auf diesen finden sich bewegliche Industriestrukturen mit wuchtigen Klötzen, Förderbänder und Monitore, die an "Duke Nuk'em" erinnern, ohne dass dessen Sex (1/10) hier eine Rolle spielen würde. Die Bildschirme zeigen bisweilen praktischerweise die Auswirkung des soeben getätigten Schalters, so dass diese dann nicht durch Herumgelatsche herausgefunden werden muss. Zu schade, dass dieses Tool in den späteren Höllengebieten nicht mehr angeboten wird. Dafür werden dort coole Ideen wie eine unheilige Bibliothek verwertet. Nach Abschluss einer Stage wird zunächst nur ein Passwort gezeigt; bei eingelegtem Controller Pak, der Memory Card des Nintendo 64, ist speichern jedoch möglich. Dass hierfür erst der Ausgang des Levels erreicht werden muss, führt gelegentlich zu Frust. "Dark Citadel" und andere Karten mit unfairen Stellen, die den Spieler ohne jede Vorwarnung in eine sich plötzlich öffnende, ausweglose Lavagrube plumpsen lassen, sorgen angesichts der stichelnden Zeilen über dem Todesbildschirm für Unverständnis. Dass für den Save zwei Tasten gleichzeitig zu drücken sind, ist dagegen nur eine schrullige Besonderheit. Spielerisch fällt vor allem der höhere Anteil an Geschicklichkeitsherausforderungen auf. Zudem sind die Monster, auch wenn einige von ihnen wie schon auf der Playstation Türen überwinden können, recht langsam in ihren Bewegungen und Reaktionen. Hierdurch wird ein wenig mehr Zeit für das Zücken der richtigen Kanone eingeräumt. Die Feinde aus der Hölle sind dem Namen nach bekannt, ohne vollständig dem Portfolio aus "Doom II" zu entsprechen. So fehlen etwa die "Arch Viles". Als wirklich exklusiv kann man nur die transparenten "Imps" bezeichnen - und eine späte Überraschung. Schießeisen und Bonusobjekte sind um jeweils eine Innovation reicher, die das Aufspüren von Geheimnissen lohnenswerter macht. Bei Kenntnis der absurd versteckten Extras erhöht sich der Wiederspielwert auf einem höheren Schwierigkeitsgrad enorm, zumal den zwischenzeitlichen Profi dann keine plötzlichen ad-hoc-Tode mehr verärgern können.

Der Kampf gegen die Dämonen hat ein vornehmeres Antlitz erhalten. Zugleich sehen die Kreaturen comichafter und dadurch geringfügig weniger sick aus. Die hier eigentlich extrem gefährlichen "Lost Souls" lassen zum Beispiel aufgrund ihrer dezenten Transparenz und ovaleren Form nicht mehr ganz so eindeutig Leichenschädel assoziieren. Blut spritzt zwar gerne einmal rot umher, solange niemand versehentlich die japanische Version in die Finger bekommt, der Splatter wirkt dennoch weniger derb. So führt die systemeigene Unschärfe der Optik zu einem dezenten Verhüllungseffekt bezüglich des austretenden Gekröses, auch wenn sie für die Augen der ausgereiftere Anblick ist. Die manchmal immer noch recht auffällig harte Gewalt (6/10) ist damit an etlichen Stellen zwar nur homöopathisch, in der Summe jedoch nicht ganz irrelevant zurückgefahren. Als weitere Kleinigkeiten gleicher Herkunft seien der fehlende Schlagring am Handschuh des Doomslayers sowie dessen wegrationalisiertes Matsch-Antlitz in der reduzierten Anzeige am unteren Bildschirmrand erwähnt. Und das auf der PS1 eingeführte Zerquetschen von lebenden Feinden, die in der Tür hängenbleiben, ist der Nintendoversion ebenso fremd wie durchsichtige Geheimgänge, die das Suchen bei Sony geschickt vereinfacht haben. Hier hilft oft nur ein Video von einer klassischen Webseite weiter.

Das gleiche Schicksal wie der Gorefaktor erleidet der Horror (6/10). Klar, es gibt immer noch Schreckmomente mit von hinten aus einer plötzlich geöffneten Tür herausstürmenden Schauerwesen. Und auch der Score geriet Playstation-ähnlich simpel, jedoch angemessen dissonant und dadurch spannungsfördernd. So klingen die Geräusche in "Final Outpost" wie das Röcheln eines Lungenkrebspatienten, im "Terror Core" grollt Donner, und im "Altar of Pain" ist schauriges Babyschreien zu hören. Andererseits gibt sich die Umgebung seriöser, weniger dem Geist eines kranken Genies entsprungen. Gekreuzigte Folteropfer an den Wänden kann man lange suchen. Hier und da mal ein aufgespießter Kopf oder herumliegende Eingeweide sind das höchste der Gefühle, wobei letztere schön "Hellraiser"-mäßig an Kettenhaken baumeln. Die Teleporter zeigen dagegen kein Pentagramm-Zeichen mehr, obwohl gestürzte Kreuze durchaus noch zum Ambiente gehören. Nach alledem ist "Doom 64" keineswegs harmlos - das Massaker lässt sich in dem gewienerten Lack klarer als solches erkennen und bleibt eine martialische Aneinanderreihung von Rückfahrscheinen in Satans Reich. Dem Anschein nach wurde jedoch Wert darauf gelegt, halbwegs Maß zu halten und den kreativen Irrsinn nicht in totale Geschmacklosigkeit ausufern zu lassen. Auf eine weitere Entschärfung durch Humor (1/10), wie sie teilweise in "Final Doom" Einzug gefunden hatte, wurde glücklicherweise verzichtet. 

Das seit "Doom II" etablierte Teleportieren der Gegner ist leider eine häufige Erscheinungsform. Das Kanonenfutter materialisiert sich oftmals ohne die radioaktiv konnotierten Strahleneffekte, dafür mit dem Sound des Fiepsens einer intelligenzgeminderten Maus. Zum Glück gibt es trotzdem noch reichlich schön fies platzierte Überraschungsgäste, die unter Verzicht auf diese stillose Methode geduldig lauern.

Im Ergebnis kann diese große Spieleperle (8/10 Punkten) das Original nicht ersetzen. Enthusiasten freuen sich aber über eine Edelversion auf eigenen Wegen, die im Grunde schon eine "echte" Fortsetzung darstellt. Grafisch und spielerisch meistens beeindruckend stark, hindert schließlich die Summe benörgelnswerter Kleinigkeiten den Einzug in Wertungssphären oberhalb des ursprünglichen Klassikers.

8/10
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Kommentare

10.09.2020 18:39 Uhr - McGuinness
1x
User-Level von McGuinness 5
Erfahrungspunkte von McGuinness 323
Sehr schön, auf diesen Klassiker für den N64 habe ich gewartet... Angemessen vorgestellt, da gibt es nix zu meckern 😊 von mir aber volle 10 Punkte, trotz der manchmal wirklich unfairen Passagen 😒😅

Habe dieses Spiel damals geliebt und erst vor kurzem wieder mal gezockt... Immer wieder gerne ☺️

11.09.2020 07:14 Uhr - der666rick
2x
Ich war in den 90gern Nintendo Jünger gewesen und hab mein ganzes Geld in die Spiel- Cartridges investiert. Doom64 hatte eine Spitzen-Atmosphäre. Mit der doppel-läufigen Kettensäge durch klaustrophobisch enge Gänge hetzen und Imps zerschreddern.. Auch die Portierungen von Quake 1 und 2, Duke Nukem und mit Abstrichen Hexen haben richtig Laune gemacht!

Nebenbei.. geht es nur mir so oder finden andere auch diese Monstermengen auf freien großenFlächen in den aktuellen Doom Spielen (die sich ständig wiederholen..) Spaßkiller sind?

11.09.2020 12:32 Uhr - McGuinness
1x
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@der666rick

Ich würde nicht unbedingt von " Spaßkiller " sprechen, aber ich verstehe gut was du meinst.
Da die neueren " Doom " Titel im Vergleich zu den Vorgängern wesentlich schneller bzw. hektischer ablaufen, macht es teilweise schon Sinn, die Schlachten auf größerem Terrain mit vielen Gegnern ablaufen zu lassen.
Dies finde ich persönlich jetzt nicht negativ, da dem Spieler mehr Bewegungsfreiheit als früher geboten wird und die verschiedenen Waffen zahlreicher zum Einsatz kommen, was mir wiederum auch mehr Freude bereitet ☺️
Der Horror - Gruselfaktor bleibt dadurch allerdings auf der Strecke 😔 doch so lange es ausgeglichen ist, sehe ich darin kein Problem 😉

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