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Hostel

Herstellungsland:USA (2005)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,98 (241 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Sie suchen das Abenteuer und finden das nackte Grauen! Die beiden abenteuerlustigen College-Freunde Paxton und Josh sind mit ihrem neuen Kumpel, dem Isländer Oli, mit dem Rucksack unterwegs auf Europa-Tour. Da bekommen sie einen Geheimtipp: Abseits der üblichen Reiserouten soll im tiefsten Ost-Europa ein Nirwana für Backpacker liegen - ein Hostel in der Slowakei, in dem atemberaubende und obendrein noch willige Frauen auf sie warten. Und tatsächlich: Die Freunde lernen die beiden Schönheiten Natalya und Svetlana kennen und sie haben die Zeit ihres Lebens. Doch die währt nur kurz. Zu spät bemerken sie, dass sie in einer tödlichen Falle sitzen. Flucht ist unmöglich - sie stecken bereits mitten in den finstersten Abgründen der menschlichen Natur. Was sie dort erleben, ist so unvorstellbar, dass es alles in den Schatten stellt, was an Grausamkeit und Perversion bislang bekannt war und nur als Mythos galt. Haben sie eine Chance, diesen Alptraum zu überleben? (Sony)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von kaiser soze:

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten... achne, falscher Film - also es war etwa zu Beginn dieses Jahrtausends: Die Welt war zur Überraschung nicht untergegangen (bestimmt nur durch Arnies Einsatz) und das Horrorfilmgenre hatte dank diverser (heutiger) Kultfilmen, wie u.a. der beiden Ex-Indexfilme Wes Cravens Scream - Schrei! (heute ab 16! Siehe Listen Ex-Indexfilme mit 16er-Freigabe) mitsamt den folgenden Teeniehorrorfilmen oder Quentin Tarantinos & Robert Rodriguez From Dusk Till Dawn (beide 1996), wieder frisches Blut getankt.

Mit Werken, wie etwa Ginger Snaps - Das Biest in Dir (2000), 28 Days Later (2002) und den folgenden, französischen Filmen, war für fast jeden Horrorfilmfan etwas dabei. Es gab aber auch etwas altes Neues, denn nachdem 2003 der Kurzfilm Saw (siehe Saw-Reihenspecial), im Folgejahr der Spielfilm Saw (2004) und daraufhin (nach Cabin Fever (2002)) Eli Roths (siehe Roth-Special) zweiter Film

Hostel

(2005) erschienen und das Untergenre der Folterfilme (bzw. den Torture Porn) wiedererweckte, trat etwas ein, dass weit über ein halbes Jahrhundert nicht geklappt hatte: Harte Horrorfilme wurden (mehr oder weniger) ungeschnitten salonfähig und warfen zeitgleich enorme Gewinne ab (Budget: 4,8 Mio, Einspiel Kino: 82 Mio)! Und jetzt braucht mir keiner mt italienischen (Kanibalen-)Filmen, 80er-Jahre-Kultfilmen, die im Vergleich eher gen Geheimtipp einzuordnen wären o.ä. zu kommen, so wie das die Saw-Reihe (seit 2003) sowie Hostel (1+2 - 2005 & 2007) vermochten, hatte das zuvor kaum wer geschafft; alte u.a. deutsche 1920er-Jahre-Horrorklassiker vielleicht, aber nichts nach 1950.

Die Handlung recht einfach zusammenzufassen: Die beiden US-Touristen Paxton (Jay Hernández) und Josh (Derek Richardson) reisen mit dem Isländer Oli (Eyþór Guðjónsson - dem King mit dem Ding!) in die Slowakei (ok, eigl nach Tschechien, aber wer will da kleinlich sein^^), haben zuerst Ihren Spaß mit den ortsansässigen Mädels und landen im Anschluss in einem Folterkeller als Opfer anderer Touristen (etwa Jan Vlasák oder Rick Hoffman).

Jedes Jahr werden in Amerika 10.000 Menschen getötet. 
Über 2.000 mit Schusswaffen. Amerikaner ... sie haben keine Phantasie ...

Hostel ist alleine schon dafür berüchtigt, da dieser nur geschnitten das R-Rating erhielt (siehe NC-17-Special). In Deutschland gab es für die gekürzte Fassung das 18er-Siegel der FSK, für die gerade einmal 9 Sekunden längere (lächerlich!), unzensierte Version (Fuckzähler: 128) hingegen gabs das schwer SPIO-Siegel (SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich) - da will einer erzählen, dass diese 9 Sekunden einem Erwachsenen nicht vollumfänglich zumutbar sein sollen?! Man man man! Immerhin lehnte selbst die BPjM den Indizierungsantrag hierzu ab. Zusätzlich existiert ein abgeändertes Ende, da dem Testpublikum das ursprüngliche Ende zu bösartig war - ich finde das neue Ende weit brutaler und besser, Geschmackssache. Mir war da eher der Mord durch Paxton drei gewissen Herrschaften zu arg kitschig in Szene gesetzt.
Tante Edit - zwei Ausreißer: In Chile ist Hostel übrigens ab 14 und in Singapur nur gekürzt ab 21.

Hostel zeigt anfangs viel nackte, weibliche Haut, baut allerdings durch die sehr gelungenen Toneffekte sowie die musikalische Untermalung, die oftmals sehr bedrohlich und beklemmend wirkt, Spannung auf; dies finde ich sehr stimmungsvoll eingesetzt. Nach einer halben Stunde sieht man dann den ersten, abgetrennten Kopf und einer Touristen wird mit einer Zange ein Zeh (im Off) abgeknipst - nach 38 Minuten gehts dann nach und nach richtig ab.. und das in einem Horrorfilm aus dem jahr 2005, also einem Jahr, in dem etwa The Descent - Abgrund des Grauens (sehr gut, aber spannend, nicht blutig), Der Exorzismus von Emily Rose (okay, aber Richtung Mysterydrama), Land of the Dead (okay, aber warum ist der nicht ab 16?) und Co veröffentlicht wurden. Im Vergleich ist da Hosten natürlich hammerhart! Ich meine, hallo (?), da sieht man abgetrennte Gliedmaßen, Gangstern werden mit Steinen die Köpfe zertrümmert (von Kindern) und ner Frau wird mit einem Schweißbrenner o.ä. ein Auge raus geglüht, dieses wird dann mit einer Zange abgeschnitten und dann läuft da Eiter volle Kanne raus... hihi^^

Nicht alle wollen Amerikaner töten.

Gerade aufgrund des unvorhersehbaren Umschwungs von einem "normalen" Film zu solch einem 'harten' Folterfilm (für 2005) wirkt das Geschehen noch böser. Dabei spielt Eli Roth Geschickt mit den Gedanken der Zuschauer, zeigt Teile der Folter, lässt weiteres im Off passieren und manches Mal kriegt man nur das Resultat zu Gesicht (das man dann mitunter ansieht - kleiner Wortwitz). Die Spannung und Intensität wird so jedenfalls extrem gesteigert und ist handwerklich absolut überzeugend. Bei der Folter wurde aus Authentizitätsgründen echtes Schweinefleisch & -blut verwendet; übrigens knapp dreimal so viel, wie in Roth Vorgängerfilm, Cabin Fever. Wo wir grad bei ferner liefen sind, der Pornofilm, den der Wachmann in der Fabrik schaut, ist Sex Fever (2003), eine Parodie Cabin Fevers.

Es wurden auch noch weitere Anspielungen eingestreut. Da der zuvor benannte Quentin Tarantino als Executive Producer fungierte, wird in der Lobby Pulp Fiction (1994) abgespielt, die Zimmernummer 237 verweist wohl auf Shining (1980) und Hostel ist weder der erste Film, in dem sich ein stolpernder Täter mit einer Kettensäge am Bein verletzt (Blutgericht in Texas (1974 - TCM)), noch ist die Geschichte des ertrinkenden Kindes, der schockierten Mutter und den abgelenkten Bademeistern neu erfunden (Freitag der 13. (1980)). Davon abgesehen, sieht man im Coffeeshop Eli und seinen Bruder Gabe Roth kiffend sitzen und Paxtons Käufer ist im Original Deutscher, nicht Spanier (wie in der deutschen Fassung). Sowas kennt man ja u.a. aus Stirb langsam (1988). Mit Hostel 2 (2007) und Hostel 3 (2011) folgten zwei weitere Filme.

Für Geld bekommt man da alles, was man will...


Fazit:
Pionier der Zeit wäre wohl / vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber einer der Steine, der alles ins Rollen gebracht hat, darf man Hostel schon zugestehen. Ein Folterhorrorfilm, ein Steigbügel des Torture Porn, der auch heute noch seine harten Momente hat und nach dem ersten Drittel als Folterfilm überzeugen kann, mitunter vor allem durch das, was man eben nicht sieht, aber auch durch das, was wirklich gut inszeniert ist.

7,5 bis 8 von 10 Punnkten

8/10
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Kommentare

11.05.2020 13:26 Uhr - sonyericssohn
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Au weiah ! Der lief damals bei mir des öfteren. Rauf und runter. Ich bin ganz ehrlich....ich kann den nicht mehr sehen ! Vielleicht wärens meinerseits grade noch 5 Punkte.

Feines Review....wie man's kennt ;-)

11.05.2020 15:26 Uhr - dicker Hund
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Durchaus angemessene Darstellung eines polarisierenden Mainstreamers. Ich mag die Offscreen-Methode nicht - wenn, dann ganz, ist meins. Und gerade bei so einem oberflächlichen Titel messe ich die Qualität gerne in Litern. Der Pluspunkt wäre bei mir also ein Minuspunkt. Weit weg wäre ich im Ergebnis aber sicher nicht.

11.05.2020 16:00 Uhr - Kaiser Soze
2x
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Danke Euch beiden!

@ Sony
Ja, man kann sich auch satt sehen an einem Film, aber in ein paar Jahren kannst dem ja nochmal ne Chance geben ;-)

@Hund
Du Banause ;-D Aber klar, Geschmäcker sind verschieden, aber wenns im Endeffekt passt und wir beide gut unterhalten wurden, dann ists doch auch gut.

11.05.2020 21:57 Uhr - DriesVanHegen
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Vor kurzem auch mal wieder gesehen. Einen gewissen filmhistorischen Effekt würde ich nicht abstreiten, aber hochloben würde ich ihn nicht. Den Auftakt aus Feiern, Saufen und nackter Haut finde ich einfach nur nervig. Genauso unsympathisch und dümmlich sind die Kerle. Das Geschlachte ist dann ganz nett, den gern gesehenen Subplot um Kapitalismuskritik etc. finde ich im zweite Teil aber tatsächlich besser.

Miikes Cameo ist allerdings ganz nett.

11.05.2020 23:42 Uhr - McGuinness
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Den finde ich immer noch äußerst ansprechend... Genau wie deine Review hierzu 😊

Mich hat besonders die Szene gepackt, bei der Paxton den Gang in der Folter - Fabrik entlanggezehrt wird und dabei jeweils einen kurzen Blick in die Räume erhaschen kann, in denen sich die anderen Sadisten nach Herzenslust austoben... Grauenhaft - Genial !

Auch die nackte Haut der beiden Schönheiten Natalya und Svetlana war hübsch anzusehen 😘

Also bei mir zündet der definitiv immer noch... Bin mit 8 - 9 Punkten auf jeden Fall dabei 😁👍🏻

12.05.2020 00:18 Uhr - Chímaira
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Danke für diese Kritik! Schön, mal wieder wohlwollende Töne zu einem meiner liebsten Horrorfilme zu hören. Hostel bleibt für mich die perfekte Kombination aus Party-Trip und Torture-Horror. Alleine der Übergang zwischen diesen beiden Themen gelang Roth mehr als überzeugend :)

12.05.2020 10:57 Uhr - Kaiser Soze
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@DriesVanHegen
Na so unterschiedlich sind die Geschmäcker! Ohne den harmlosen Anfang hätten die aus meiner Sicht sympathischen Typen nicht in so schockierender Weise das grauen erlebt ;-) Kapitalismuskritik im 2.?! Naja, wenn man unbedingt will :D

@McGuinness
Vielen Dank fürs Lob und ja, die Szene hatte schon ihre Wirkung und kommt auch nicht umsonst in den Rückblenden im zweiten Teil vor.

@Chímaira
Sehr gerne und danke Dir! Ja, Hostel ist aus meiner Sicht auch der mit Abstand beste Film von Eli Roth (als Regisseur).

12.05.2020 17:09 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
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Eine tolle Kritik, informativ und schön zu lesen!

Dem Film würde ich auch eine 8/10 geben, u.a. auch deshalb, weil er - wie Du auch geschrieben hast - wie ein "normaler" Film beginnt und dann richtig böse und blutig wird. Allerdings hat der Film damals die Geduld einiger Kinogänger auf eine arge Probe gestellt. Ich erinnere mich gut, wie drei Twens die Vorführung nach etwa einer halben Stunde verließen und sich beim Rausgehen bitter darüber beschwerten, dass "ja gar nichts passiere", obwohl überall zu lesen war, wie brutal "Hostel" doch sei...

14.05.2020 02:32 Uhr - Man Behind The Sun
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Der Film eilt seinem Ruf voraus. Er is gut, aber bei Weitem nicht so brutal, wie man es erwarten könnte. Ist ein bisschen so wie beim "Kettensägenmassaker"... Trotzdem ist und bleibt "Hostel" ein Meilenstein, wenn auch für ein nicht so ganz beliebtes Genre. Der Film an sich ist sehr gut gemacht; bei der zweiten Sichtung ist mir allerdings erst aufgefallen, dass bis zur Hälfte so gut wie gar nichts passiert. Trotzdem ein Film, den man im Schrank stehen haben sollte, ebenso, wie den ersten "Saw".

Schöne Kritik übrigens, gehe da vollkommen konform mit dir.

22.03.2021 10:58 Uhr - Rullep
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Gelungene Review Kaiser!
Der hätte von mir auch eine 8 bekommen, da ich seine bedrohliche Atmosphäre sehr gelungen finde. Eigentlich stört mich an "Hostel" lediglich die Einfältigkeit von Roth, der (Ost)-Europa nicht gerade in ein gutes Licht rückt.

24.03.2021 00:52 Uhr - Kaiser Soze
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Huch, neue Kommentare :D
Danke auch Euch dreien!

@Punisher
Geduld ist eine Tugend!

@MBTS
Brutal ist das eine, das Kopfkino das andere.

@Rullep
Ja, Gewalt trifft auf gute Inszenierung & Atmo!
Ach, da ist, wie mit den Klischeegegnern in Actionern, Kriegsfilmen und Co. Da ist sicherlich nichts negativ gemeint, gerade hier bei nem Film mit satirischem Aspekt.

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