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Hellbound - Hellraiser II

Herstellungsland:Großbritannien (1988)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Hellraiser II - Hellbound
Hellraiser 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,82 (204 Stimmen) Details
inhalt:
Nach den grausamen Vorfällen im Haus ihrer Eltern kommt Kirsty, die einzige Überlebende, in ein Sanatorium. Der Arzt Channard zeigt großes Interesse an Kirstys Fall, aber nicht um ihr zu helfen, sondern um hinter das Geheimnis des Würfels und der Zenobiten zu gelangen. In einem blutigen Ritual lässt er Kirstys tote Mutter wieder auferstehen.
eine kritik von dicker hund:

Schon ein Jahr nach Clive Barkers "Hellraiser" übernahm Tony Randel ("C2 - Killerinsect") die Regie für die Fortsetzung. Entsprechend dicht schließt diese an: Die Story wird schnörkellos wieder aufgegriffen, die Rollen von Kirsty, Julia und Frank besetzungsgleich beibehalten. Für nicht Eingeweihte fasst eine Rückblende die wesentlichen bisherigen Ereignisse mit einer gewissen Konzentration auf Gore und nackte Haut zusammen. Sodann nimmt die Geschichte in einer Nervenklinik Fortgang, deren bedrückende Atmosphäre eine vielversprechende Basis für den zu erwartenden Wahnsinn bildet. Zugleich ist sie Heimat neuer Figuren, insbesondere des suspekten Chefarztes Dr. Channard (Kenneth Cranham, z. B. "Hot Fuzz") und der liebenswerten Stillwasserpatientin Tiffany, gespielt von der 17jährigen Imogen Boorman ("Die dreibeinigen Herrscher").

Reif für den Psychiater sind vor allem die krassen Schockszenen (Horror 7/10), die ihr Epizentrum in der dubiosen Heilanstalt haben. Insbesondere der Einsatz einer Matratze 1987er Baujahrs dürfte lebhaft in Erinnerung bleiben. Fliegen, Kakerlaken und zerschundene Kadaver der allzu neugierigen Inferno-Interessenten tun ihr Übriges. Der Katze Tod kann allerdings dank der opulenten Kulissen nachvollzogen werden. Denn die "höllischen" Sets strotzen nur so vor kreativer Energie, mit welcher sie die Eindrücke des Originals konsequent unter Einsatz der nach wie vor dynamischen Kamera weiterverfolgen. Gleich mehrere Superlative entstehen durch die maskenbildnerische Leistung, mit welcher Menschen in Dämonen transformieren. Für Effektfreunde bergen die einschlägigen Stellen ein unverwechselbares Erlebnis, das nicht allein auf den Pinhead (Doug Bradley) beschränkt ist. Lediglich einige CGI-Funken trüben das Gesamtbild ein wenig. Dafür ist die drastische Gewalt (7/10) handwerklich ausgezeichnet modelliert, wofür die dafür zuständige Schraube eine gute Drehung fester angezogen worden ist. Als Dankeschön der Zensoren gab es eine deutsche Beschlagnahme nebst der bis 2014 bestehenden Indizierung, die nunmehr einem feuerroten Flatschen gewichen ist. Zum Glück währt nicht jedes Grauen unendlich.

"Wir haben die Ewigkeit, um Dein Fleisch kennenzulernen."

Fleischeslust im wörtlichen Sinne ist vor allem Julias Disziplin. Zwar geht sie nur in einer Rückblende zur koital bereits bekannten Sache (Sex 4/10), hat dafür aber einen äußerst morbiden Flirt parat, der etwas mit der Erotik von Bandagen zu tun hat. Zu später Stunde überraschen vereinzelte Oneliner mit einer kleinen Portion Humor (2/10), welche das einzige echte Manko von "Hellbound" (Originaltitel) eine Spur aushaltbarer macht: Ein spätes Zusammentreffen zwischen Kirsty und den Zenobiten ist dermaßen naiv erzählt, dass es bei konsequentem Grimm die Trash-Grenze zur unfreiwilligen Komik überschritten hätte, wäre der vorsichtige ironische Fingerzeig nicht. Ein ausgereifter Score sorgt außerdem dafür, dass die Stimmung nicht das dramaturgische Gleisbett verlässt.

In Sachen Make-up für dämonische Antlitze und Verwandlungen setzt "Hellraiser II" noch heute Maßstäbe. Gleiches gilt für die Visualisierung des Teufelsreichs als Labyrinth voller Kettenhaken und lichterloher Gefahren. Gerinnendes Blut und obskure Erotik tanzen den Trümmertango zu sinisteren Klängen, zu welchem sie pointiert gezeichnete Fieslings- und Opferfiguren einladen. Dank dieser hervorragenden Qualitäten (9/10 Punkten) handelt es sich um ein Sequel, das trotz eines Drehbuchschnitzers sogar sein überzeugendes Wurzelwerk ein Stück weit übertrumpft.

 

9/10
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Kommentare

24.06.2020 17:15 Uhr - Cabal666
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Erfahrungspunkte von Cabal666 572
Perfekt in Worte gefasst, dicker Hund! So sieht's aus!
Mit der Wertung liege ich bei dem auch gleichauf.
Wobei ich dazu sagen muss, dass der zweite Teil auch arg konfus erzählt ist und am Ende viele Logiklöcher und offene Fragen bleiben. Das hat mich sogar mehr gestört als die von dir angesprochene naive Auflösung bezüglich der Zenobiten.
Ansonsten aber ein visuelles und akustisches Brett. Wirklich ein Sequel, das seinen Vorgänger übertrifft und gleichzeitig der Höhepunkt der Reihe. Bin da ganz bei dir.

24.06.2020 17:51 Uhr - dicker Hund
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Danke, Cabal!

Mit Perfektion möchte ich mich nicht rühmen. Aber es freut mich natürlich, wenn meine Meinung geteilt wird. Das ist ja - naturgemäß - längst nicht immer so.

🙂

24.06.2020 18:10 Uhr - sonyericssohn
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Mein Lieblingsteil ! Sagte ich glaub ich auch schon 3000 x :-D

24.06.2020 20:49 Uhr - McGuinness
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Tolle Besprechung, die klar die Stärken und Schwächen dieser überaus gelungenen Fortsetzung hervorhebt und mich als Leser somit über alles wesentliche in Kenntnis setzt.

Mir persönlich gefällt zwar der erste Teil immer noch am besten, was u. a. auch an dem relativ beschränkten Handlungsort liegt und ich nicht überaus verwirrt worden bin, bezüglich des Labyrinthes in der hier besprochenen Fortsetzung.
Dieses gestaltete sich für mich zu einem unübersichtlichen, nicht greifbaren Wirrwarr, welchem ich zunehmend nicht mehr folgen konnte, insbesondere da für mich keinerlei Logik erkennbar gewesen ist.
Aber nun gut, zusammengefasst bleibt eine sehr gute Fortsetzung, welche im Kern den Geschmack des geneigten Zuschauers trifft und durch seine gekonnt bizarr anmutende Inszenierung zu begeistern weiß.

24.06.2020 21:57 Uhr - cecil b
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Sehr schöne Review! " Denn die "höllischen" Sets strotzen nur so vor kreativer Energie, mit welcher sie die Eindrücke des Originals konsequent unter Einsatz der nach wie vor dynamischen Kamera weiterverfolgen." Du sprichst mir aus der Seele. ;)

Der macht mir von der Reihe am meisten Spaß, Dr. Shinnard ist auch der Hammer:" Und zu denken, dass ich zögerte. "

Allerdings sehe ich bei dem auch ein paar ähnlich trashige Szenen wie im Original.

Ändert aber nix daran, dass er bei mir noch gut funktioniert. Knallhart ist Teil 2 auch.

25.06.2020 09:35 Uhr - Draven273
2x
Schöne Review und vor allem passend beschrieben. Ich denke Du hast die Höhen und teils kleineren Tiefen dieses Streifens gut hervorgehoben. Für mich auch und da muss ich mich Sony anschließen, mein Lieblingsteil. Man was war ich damals bei der Erstsichtung begeistert und auch die vielen Jahren danach, wusste der Film mich einfach immer wieder abzuholen. Zumal der in meinen Augen wirklich eine gute würdige Fortsetzung ist und eine nicht zu unterschätzende Steigerung zum 1. Teil ist. Mir persönlich blieb auch durchaus die Szene (ich glaube das hast Du angesprochen mit der Matratze) in Erinnerung, der sich ein Mann mit einem Rasiermesser austoben darf oder soll. Allerdings nur im Originalton wirklich bitter, hörte sich im deutschen nicht ansatzweise so böse an. Dieses Schreien blieb mir gut im Gedächtnis. Ich freue mich schon auf Deine nächste Review, zu dem durchaus umstrittenen 3. Teil. Den ich nicht ganz, aber schon fast so schätze wie den 2. Auf jeden Fall eine tolle Arbeit von Dir, vielen Dank für die Mühe.

25.06.2020 12:00 Uhr - dicker Hund
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Nochmals danke für die freundlichen Worte!

Schon interessant, dass entgegen dem Abstimmungsbild in Punkten oben doch einige wie ich der Fortsetzung den Vorzug geben.

🙂

25.06.2020 18:40 Uhr - lappi
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Einen Punkt vermisse ich in deiner Kritik, welcher etwas zu kurz kommt, mir den Film aber etwas kaputt macht: das schreckliche CGI. Also das wirklich schreckliche CGI. Inhaltlich und von den Effekten her mag der Film noch eins drauf setzen, aber wegen der schlechten Computer Effekte bewerte ich den ersten besser.

Was die Masken angeht gebe ich dir 100% recht 👍🏻

01.07.2020 16:55 Uhr - Taran
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Moderator
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Ich finde manchmal ist weniger doch mehr, und gerade wegen der überschwenglichen Darstellung der Hölle gefällt mir der zweite Teil weniger gut. Das hat der Vorgänger mit seinem Kopfkino besser gelöst. Der bleibt bei mir dann auch Favorit der Reihe...

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