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Brawl in Cell Block 99

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,49 (47 Stimmen) Details
inhalt:
Nachdem der ehemalige Boxer Bradley Thomas (Vince Vaughn) seinen Job verloren hat, heuert er bei seinem alten Freund Gil (Marc Glucas) an und arbeitet fortan für diesen als Drogenkurier. Nach einem fehlgeschlagenen Coup landet Bradley jedoch im Knast. Um das Leben seiner Frau (Jennifer Carpenter) und seines ungeborenen Kindes zu retten, muss er sich dort in einer Spirale der Gewalt gegen Gefängsdirektor Tuggs (Don Johnson) und jede Menge anderer finsterer Gestalten erwehren...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von themoviestar:

Mit Bone Tomahawk (2015) gelang dem ehemaligen Kameramann und Drehbuchschreiber S. Craig Zahler ein vielbeachtetes Regiedebut, welches neben groß aufspielenden Darstellern sowie ausgiebigen, intelligent geführten Dialogarien unterschiedliche Subgenres wie Horror, Western und Kanibalenfilm gekonnt miteinander kombinierte und mit der Vorliebe für übertriebene Gewalt bzw. Goredarstellungen seines Autors verfeinert wurde. Trotz größtenteils positiver Resonanzen schieden sich an Zahlers teilweise behäbiger Erzählweise die Geister und mit knapp 132 Minuten Spielzeit verlangte er von seinem Publikum eine gehörige Portion "Sitzfleisch". In ein ähnliches Horn bläst auch sein zweites, 145 minütiges Werk Brawl in Cell Block 99 (2017), das mit einer ruhig-besonnenen Charakterstudie seines Protagonisten beginnt und nach dessen Inhaftierung in einer gnadenlosen Gewaltorgie endet.

Zahler steuert wie bei Bone Tomahawk zu seiner Regieleistung und dem Score auch das komplette Drehbuch bei. Inhaltlich dreht sich die Story um den ehemaligen Boxer Bradley Thomas (Vince Vaughn), welcher nach Jobverlust als Kurier für den  Drogendealer Gil (Marc Blucas) anheuert, um genügend Geld für ein neues Haus zu sparen, in welches er mit seiner schwangeren Frau Lauren (Jennifer Carpenter) nach einem Beziehungsneuanfang ziehen möchte. Ein geplatzter Deal mit Kartellboss Eleazar (Doin Mucciacito) sowie seinen Handlangern Roman (Geno Segers) und Petro (Victor Almanzar) bringt Bradley für 7 Jahre in den Knast. Eleazar will Rache, er verlangt von Bradley für ihn einen gewissen Christopher Bridge im Hochsicherheitstrakt zu ermorden um seine Schuld zu bezahlen, ansonsten tötet er das ungeborene Kind seiner entführten Ehefrau. Bradley provoziert die Verlegung in den Zellenblock 99, welcher unter der Aufsicht vom korrupten Director Tuggs (Don Johnson) steht, damit er seine Familie retten kann. Dort angekommen trifft er auf alte Bekannte und steht der gesamten Unterwelt in einem brutalen Showdown gegenüber...

Unaufgeregt, bedacht und konzentriert widmet sich Brawl in Cell Block 99 dem Schicksal sowie den Wesenszügen seines fast schon tragischen Titelheldens. Die knallharte Kampfmaschine, der Fels in der Brandlung, welcher sich obgleich emotionsloser Außenwirkung und unkontrollierter Wutausbrüche nur nach Harmonie und Familienglück sehnt und für selbiges alles bereit ist zu geben, wird in weiser Voraussicht auf den finalen Amoklauf für den Zuschauer hinreichend sympathisiert. Wie weit würde man selbst in ähnlicher Situation gehen? Wo sind die Grenzen? Zahler nimmt sich die Zeit um HIntergründe und Schlüsselfiguren zu durchleuchten und provitiert vom ansprechenden Schauspiel sowie der gefälligen Dialogführung seiner Akteure, welche die fast schon lethargisch wirkende und meiner Meinung nach etwas zu dramatikarme erste Filmstunde tragen. Als herausragend hierbei sei Vince Vaughns Leistung genannt, der die Kontroversen seiner Rollendefinition von eiskaltem Gefühlsminimalismus über pure Verzweiflung hin zum unkontrollierten Berserker ingeniös zum scheinen bringt, aber auch die sadistisch ketzerische Darbietung von Don Johnson als zwiespältiger Anstaltsleiter ist bei mir in positiver Erinnerung geblieben.

In einen konträren Konflikt mit emotionalen Reaktionen auf spontan entstandene Situationen katapultiert Zahler sein Drehbuch durch Entscheidungen seiner Protagonisten, die nicht immer gänzlich nachvollziehbar erscheinen. Ein etwas an den Haaren herbei gezogen anmutender Restart der Eheleute Thomas ist da noch das geringere Übel, komplett unverständlich war für mich Bradleys später folgender Verrat an den eigenen Komplizen, was ihm am Ende trotz Unterstützung der Gesetzeshüter den Einsitz hinter Schloss und Riegeln eingebracht hat. Ein Mann, dessen sehnlichst erwarteter Lebenstraum von Familienidylle mit Frau und Kind zum Greifen nahe ist, würde niemals, auch wenn er noch so sehr zu Pazifismus bzw. Vaterlandsliebe neigt, jenes Glück in dieser Form gefährden, was Bradleys Handeln in ein stark irrationales Licht rückt. Die Opferbereitschaft für seine Frau und sein ungeborenes Kind alles zu tun verstärken meiner Ansicht nach die eigentliche Abwegigkeit der Entscheidung mit kolossaler Tragweite.

Von ungeheuerer Rohheit und Brutalität sowie bewusster Übertreibung durch blutigste Effekte zeugt die drastische Darstellung der körperlichen Gewalt, mit welcher der gepeinigte Familienvater seine Widersacher zur Strecke bringen darf. Die stilistische Orientierung am Grindhouse Kino und exploiten Inhalten steht der wuchtigen Optik von Bradleys Vergeltungsmaßnahmen gut zu Gesicht und erhält mit dem teilweise bizarren Knastsetting vom Zellenblock 99 ein verucht exotisches Ambiente. Zahler versteht es ausgezeichnet, extreme Mittel und Wege optimal zu dosieren und liefert mit dem schonungslosen Finale ein überraschend verstörendes Ende, welches als absolutes Highlight des in seiner Gesamtheit etwas sperrigen, aber dennoch unterhaltsamen Stück Zelluloid angesehen werden kann, was wie schon bei Zahlers Erstling bestimmt nicht jeder Manns Sache sein wird.

Ein offensichtliches Problem mit Brawl in Cell Block 99 hatten dann wohl auch die deutschen Zensurbehörden. Die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verwehrte der ungeschnittenen Version die Freigabe, was bei den zahlreich zermatscht zertretenen Köpfen und der Zelebrierung von primitivster Gewalt gar nicht mal so die ganz große Überraschung ist. Der Gang zur Juristenkommission SPIO/JK lohnte sich für das vertreibende Label capelight, da der uncut Fassung keine schwere Jugendgefährdung attestiert wurde, von der stark gekürzten FSK 18 Veröffentlichung kann jedenfalls nur abgeraten werden.  Brawl in Cell Block 99 hat mich ungeahndet der etwas zähen ersten 60 Filmminuten und der spürbaren Drehbuchschwächen mit seiner kompromisslosen Mischung aus dialoglastiger biografischer Persönlichkeitsabhandlung und dreckig makaberer Action in seinen Bann ziehen können, wozu auch ein phänomenal aufspielender Vince Vaughn einen gehörigen Teil beigetragen hat, zum Cover beworbenen "Neo-Grindhouse-Meisterwerk" fehlen allerdings nicht nur Nuancen. MovieStar Wertung: 7 von 10 Punkte.

7/10
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Kommentare

25.05.2020 08:13 Uhr - sonyericssohn
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Verflucht, der interessiert mich wahrlich brennend ! Der scheint wohl sämtliche Lager zu spalten. Manche heben ihn in den Himmel, andere würden ihn am liebsten einstampfen.

Danke für die geile Reviews und die Erinnerung daß der endlich ran muss !!!

25.05.2020 11:18 Uhr - Ghostfacelooker
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Da hast du wohl auf einem Duden gepennt ?! Ingeniös, also das war die Vaughn´s Darbietung genausowenig, wie Johnsons´ketzerisch war^^^^^^^^âber liest sich toll. Werde den auch mal bei Gelegenheit gegenreviewen :)))))))))))

25.05.2020 12:18 Uhr - The Machinist
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Immer wieder geil von dem Film zu lesen, und schön dass du den jetzt auch im Repertoire hast MovieStar. Bei mir würde ''Brawl...'' auf fette 9 Punkte kommen, 2017 hat mich kaum ein anderer Film so gecacht. Ist mMn auch der bislang Beste von Zahler, obwohl ich seine beiden anderen ebenfalls mag.

25.05.2020 12:18 Uhr - TheMovieStar
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@ Sony: Danke fürs Lesen und dein positives Feedback sowie dein Lob. Schau ihn dir an, der Film hat seine sehenswerten Momente, vielleicht gefällt er dir ja noch ein Tick besser als mir :-) Geschmackssache eben :-)))

@ Ghost: Danke auch dir fürs Lesen und dein positiv kritisches Feedback. Ingeniös passt in meinem Wort Verständnis daher, dass Vaughn es verstand die in sich unterschiedlichsten sich gegenseitig widersprechenden Charaktereigenschaften (von eiskalt gefühllos zur bitteren Verzweiflung bis zu seinen Wutausbrüchen) intelligent, kreativ und facettenreich darzustellen und ketzerisch war auf die von der Norm spürbar abweichende Haltung des Gefängnisleiters bezogen, wodurch auch diese Bezeichnung nicht gänzlich unangebracht ist. Aber letzten Endes ist ja alles auch irgendwie Interpretationssache von daher habe ich überhaupt kein Problem wenn du Wirkungen anders empfindest bzw. deutest bzw. in deinem folgenden Review für dich noch passendere Adjektive findest :-)))) Ich freue mich jedenfalls auf deine Kritik zu dem Film. Wie hat er dir gefallen? Bist du von der Wertung ungefähr bei mir oder siehst du ihn deutlich besser oder schlechter?

25.05.2020 12:22 Uhr - TheMovieStar
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@ The Machinist: Danke auch dir fürs Lesen und dein Lob. Die Wertung war wirklich nicht ganz so einfach weil ich in meinen Texten immer bemüht bin, diese so fair wie möglich zu gestalten, habe zwischen 6 und 8 geschwankt und dann letzten Endes nach Auswertung aller positiven und negativen subjektiv wahrgenommen Stärken bzw. Schwächen die 7 vergeben. Freut mich wenn dir der Film auch gefällt.

25.05.2020 12:52 Uhr - dicker Hund
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Sehe es eher wie der Machinist, habe die Rezi aber gern gelesen.

25.05.2020 13:08 Uhr - TheMovieStar
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@ Hund: Danke auch dir fürs Lesen und dein positives Feedback.

26.05.2020 06:21 Uhr - CheesyAK47
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Sehr gute Review zu einem meiner Lieblingsfilme, 9/10 von mir.

26.05.2020 10:01 Uhr - TheMovieStar
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Danke auch dir Cheesy fürs Lesen und dein Lob, hat mich sehr gefreut.

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