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Red Letter Day - Töte deine Nachbarn

(Originaltitel: Red Letter Day)
Herstellungsland:Kanada (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Es ist eine schöne, ruhige Gegend, in die Melanie mit ihren Kindern gezogen ist. Bis eines Tages ein roter Brief vor ihrer Tür liegt, der ihr befiehlt, ihre Nachbarin zu töten, bevor diese sie tötet. Als Melanie bemerkt, dass jeder in der Siedlung so einen roten Brief bekommen hat, nimmt das blutige Chaos bereits seinen Lauf.
eine kritik von ghostfacelooker:

Was könnte schlimmer sein, als in einem scheinbar amerikanischen Vorort, der von einem Kanadier erfunden wurde und den Namen einer realen Immobilienfirma sowie zahlreicher sozialer Einrichtungen trägt.

Nun es könnte mit einer schrecklich amateurhaften Synchro behaftet, den schauspielerischen Gesamteindruck schmälern, zumal man eine angehende Satanistin als Tochter etabliert, die aber kaum das sie jemand töten soll menschlich reagiert und einen Bruder hat, der mental keine Probleme damit hätte, jedoch zur Memme wird als es darauf ankommt und lieber seine Mutter in Schwierigkeiten bringt, obwohl er es gut meint.

Wem dies noch nicht schlimm genug ist, dem könnte man noch erzählen, daß es im gesamten Film, trotz des reißerischen Titels und der dringlichen Aufforderung zur nachbarschaftlichen Endlösung nur einen einzigen Toten gibt, aber dafür einige lustig blutige Einlagen, bei denen die normale Verwendung häuslicher Utensilien geschändet wird.

Aber kommen wir zu den Protagonisten dieses, von Cameron Macgowan inszenierten und für mich gescheiterten Werkes, welches die The Purge-Reihe bestimmt genau sowenig in den Schatten stellen wird wie die anarchische Ideologie welche man in Battle Royal verfolgte.

Hobbysatanistin und ihre aufkeimende Weiblichkeit bereits auslebende Tochter Madison (Hailey Foss) ist naturgemäß Objekt des brüderlichen Spotts, welcher durch den Freund der Schwester kreative Blüten treiben darf, den Luther, wie der gutmütige Deathmetaler getauft wurde, wird kurzerhand zu Lucifer und der gute Bruder Timothy (Kaeleb Zain Gartner) wird während der gesamten Laufzeit des Films, neben seiner sehr feminin weinerlichen Synchronisation keine Gelegenheit auslassen, darauf hinzuweisen, daß diese Wortschöpfung seinem voyeuristischen Gedankengut entstammt.

Diese charakterlichen Attribute, sind aber auch schon alles, was man über den Edwardschen Nachwuchs wissen muß, denn die wichtigste Figur ist die postmodern aufgewachsene Mutter Melanie, welche natürlich storybedingt alleinerziehend und ultracool in ihrer Erziehungsmethodik vorgeht, sodaß der Laizess-Fair-Erziehungsstil eine ganz neue Dimension bekommt.

Und hier haben wir die psychologische Komponente des Films, die uns der Regisseur samt seiner Idee aufzuzwingen sucht, daß ein Brief mit krud absurdem Inhalt auszureichen scheint, um vermeintlich normal denkende Leute Amok laufen zu lassen, versucht er doch die familiäre Situation wie in einer schlechten RTL II-Produktion wirken zu lassen und die gesamte Einwohnerschaft asozialem Verhalten anzudichten, welches unter der Oberfläche schon immer gebrodelt haben mag und nur auf die richtige Initialzündung gewartet hat, um sich endlich blutig Bahn zu brechen und gerechtfertigt ausgelebt werden zu dürfen.

In diesem Kontext ist die aktuelle Corona-Situation, ein glänzendes Antibeispiel humaner Disziplin und menschlicher Vernunft in der Realität, denn auch hier hätten anarchische Zustände einen Funken gebraucht und es wäre eskaliert und Leute wären brandschatzend, respektive marodierend durch die Straßen gezogen, wie einst die Fans der Philadelphia Eagles nach ihrem Superbowl Gewinn 2018

Die Menschheit ist nicht so leicht zu manipulieren, und um dies zu unterstreichen begibt sich „Mom“ (Dawn Van des Schoot) nach Sichtung der roten Post zu ihrem fremdbestimmten Opfer Alice (Arielle Rombough) welche zugleich ihre beste Freundin zu sein scheint, oder jene Familie mit der man sich seit Einzug in dieser Vorstadt am häufigsten getroffen zu haben scheint.

Vor allem im Zusammenhang mit dem vielversprechenden Anfang, wirkt dieser Schritt mehr als fadenscheinige Rechtfertigung der Motivation der Handlung, denn der Zuschauer läßt sich trotz seines Hangs zur blutigen Visualität, denn wer diesem Genrebeitrag eine Chance gibt, ist selbiger Darstellung nicht abgeneigt, nicht verdummen und glaubt dem Kern der Geschichte als solchem schon mal nicht. Vor allem wenn man vorhin genannte Vorbilder gesehen und für sich als gut genug befunden hat.

Warum zum Geier, sollte eine Familie bei der man aus und ein geht, aufgrund eines dämlichen Briefes davon ausgehen, daß man sie besucht, um sie zu töten, schlimmer noch, die gesamte Vorstadtidylle soll durch bloße Briefe ihren Menschenverstand über Bord werfen und sich selbst so eingeschüchtert sehen und wähnen, daß man zum eigenen Schutz den Weg der vorsorglichen Selbstjustiz geht? Diese Begründung als Motiv für die gesamte Geschichte zu bieten, ist mehr als dürftig.

Dazu kommen noch die stetig modernisierte Vorliebe und Modeerscheinung der aktuellen Generation alles zu filmen und ins Internet zu stellen, welche den Rest des Landes? Oder zumindest vereinzelter Städte zeigt, die ebenfalls von ihrer Post schwer geistig beschäd...ähm beeindruckt und manipuliert zu sein scheint.

Für einen experimentellen Film, welcher sich wie zum Beispiel Code 8 als Auftakt präsentieren will und aufgrund fehlendem Budget trotzdem eine innovative Idee zu inszenieren sucht, wäre es bei einer Laufzeit von kaum mehr als einer Stunde noch halbwegs passabel zu nennen und zu entschuldigen.

Doch diesen Film so als Werk neben vielen besseren Beiträgen zu betrachten, nicht mehr Optionen als ihn als aufgrund fehlender Handlung, Spannung und langatmig unnötigen Dialogen, nur als minderwertig bezeichnen.

Da dies das Debüt des Regisseurs Cameron Macgowan, der zuvor ausschließlich Kurzfilme inszenierte darstellt, dürfte sein Ansatz bewusst den Eindruck des Amateurfilms zu erzeugen kaum verwundern, oder warum sonst schneidet man diese Möchtegern-Selbstfilmer in die Handlung, anstatt den ein oder anderen Mord zu präsentieren und dadurch vielleicht gesellschaftliche Abgründe zu durchleuchten und erklären zu wollen?

Selbst das doch durch seine Ironie humoresk gestaltete Ende wirkt, als hätte der Regisseur seine Idee nicht gänzlich durchdacht, denn die vermeintlichen Antagonisten präsentieren sich in der Story und scheinen mit dem tatsächlichen Finale nicht wirklich mehr zu tun zu haben, als Vater des Gedankens zu sein.

Am Ende war er der gute Post-, und Lieferbote, der aufgrund schlechter Bezahlung unter dem Coronavirus und während dessen trotzdem arbeiten zu müssen einen anarchischen Gedanken hegt, der sich wie eine Kettenreaktion ausbreitet.

 

Hoffentlich treibt dieses filmische Experiment keine weiteren Blüten.

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Kommentare

24.05.2020 20:27 Uhr - Tom Cody
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Na, da bin ich ja froh, dass ich mir bis jetzt einen Blindkauf verkniffen habe.
Nachdem schon sonyericssohn nicht gerade begeistert war, dürfte das hier der letzte Sargnagel für den Film gewesen sein.
Sollte er irgendwann mal im Free-TV laufen, werde ich vielleicht einen Blick riskieren - was manchmal (zumindest bei schwächeren Filmen) schneller gehen kann als erwartet...siehe Dick Maas' "Prey - Beutejagd".

25.05.2020 15:05 Uhr - Ghostfacelooker
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24.05.2020 20:27 Uhr schrieb Tom CodyNa, da bin ich ja froh, dass ich mir bis jetzt einen Blindkauf verkniffen habe.
Nachdem schon sonyericssohn nicht gerade begeistert war, dürfte das hier der letzte Sargnagel für den Film gewesen sein.
Sollte er irgendwann mal im Free-TV laufen, werde ich vielleicht einen Blick riskieren - was manchmal (zumindest bei schwächeren Filmen) schneller gehen kann als erwartet...siehe Dick Maas' "Prey - Beutejagd".


Schön dich mal wieder hier zu lesen. Danke dir. Also ich denke man kann hier durchaus auf eine TV Austrahlung im Spätprogramm warten, falls man nicht irgendwie zu amazon prime oder so tendiert

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