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American Violet

Herstellungsland:USA (2008)
Genre:Drama
Alternativtitel:American Inquisition
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Basierend auf einem wahren Ereignis erzählt der Film die Geschichte der 24-jährigen Dee Roberts (Nicole Beharie). Im US-Wahljahr der Präsidentschaftswahlen Bush / Gore 2000 wird die Afro-Amerikanerin und alleinerziehende Mutter von vier Kindern zu Unrecht wegen Drogenbesitz verdächtigt und gerät in eine Drogen-Razzia. Mit der Unterstützung ihrer Mutter (Alfre Woodard), die sich um die Kinder kümmert, kämpft Dee vor Gericht…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

"American Violet" ist ein ambitioniertes Drama mit wichtiger Thematik und guten Schauspielleistungen, wenngleich es nicht gänzlich überzeugen kann.

Der Film basiert auf dem realen Fall von Regina Kelly, einer alleinerziehenden Mutter, die im November 2000 mit zahlreichen weiteren Bürgern afroamerikanischer Herkunft aus der texanischen Kleinstadt Hearne aufgrund fadenscheiniger Beschuldigungen inhaftiert wurde und aufgrund dessen beinahe das Sorgerecht für ihre Kinder verlor. "American Violet" ist somit eine Anklage gegen das marode Justizsystem der Vereinigten Staaten, speziell in Texas, das rassistische Diskriminierung und Machtmissbrauch seitens der Behörden begünstigt sowie gerade unschuldig Verurteilten eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft erschwert oder sogar völlig unmöglich macht.


Es sind viele Missstände, die hier ineinandergreifen: die mehr als zweifelhafte Praktik von Staatsanwälten und Polizeikräften, Verhaftungen zu veranlassen, um Erfolge für ihren Kampf gegen Kriminalität vorzuweisen, finanzielle Belohnungen für diese Behördenvertreter, die sie für jede erfolgreiche Verurteilung erhalten, das Verwenden von unzuverlässigen oder gar direkt erpressten Zeugenaussagen, mangelnde Eignungsüberprüfungen für Ordnungskräfte und Staatsanwälte, im Zuge des "war on drugs" extrem hartes Vorgehen gegenüber Drogenkriminellen (oder nur als solchen Verdächtigten), damit einhergehend überzogene Strafen für Angeklagte sowie viel zu hohe Kautionssummen und, wie erwähnt, kaum vorhandene Möglichkeiten der Rehabilitation, was ehemals Inhaftierte nach ihrer Freilassung praktisch dazu zwingt, erneut - oder gar erstmals - straffällig zu werden, um für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. All das fällt meistens auf gering verdienende oder erwerbslose amerikanische Bürger zurück, von denen eben viele Afroamerikaner sind.


Regisseur Tim Disney (ja, er gehört zu DER Disney-Familie) und Produzent und Drehbuchautor Bill Haney schaffen es, diese gesellschaftlichen Probleme durch das Schicksal der Hauptfigur exemplarisch zu verdeutlichen und legen so den Finger in die Wunde. Dabei wird der Film in der zweiten Hälfte von einem Sozialdrama zu einem Gerichtsfilm, da die Protagonistin nicht mehr nur um ihre Freiheit und die Wiederherstellung ihres Rufs kämpfen muss, sondern gemeinsam mit einer Bürgerrechts-Gruppierung versucht, den für sein Amt gänzlich ungeeigneten Bezirksstaatsanwalt aus diesem zu entfernen.


Allein, es mangelt an Spannung. Die Inszenierung ist nur selten dynamisch und zieht manche Szenen etwas zu sehr in die Länge. Wirklich emotionale Momente gibt es eher wenige, was auch an der nicht besonders hervorstechenden Filmmusik liegt. Außerdem stört die platte Charakterisierung der Figuren, die sich kaum Grautöne gestattet. Die Protagonistin wird beispielsweise zu sehr als unschuldiger Engel porträtiert, wobei auf ihren christlichen Glauben natürlich auch nochmal besonders stark hingewiesen werden muss. Die Behördenvertreter sind dagegen einfach nur unsympathische Mistkerle, deren Motivation überhaupt nicht ergründet wird. Damit macht man es sich dann doch zu einfach.


Wenn einem der Film trotzdem im Gedächtnis bleibt, dann wegen der starken Besetzung. Die damals erst 23 Jahre alte Nicole Beharie, die später eine Hauptrolle in der Serie "Sleepy Hollow" übernahm, zeigt in ihrem Spielfilmdebüt eine sehr facettenreiche, Mitgefühl hervorrufende Performance, wobei vor allem ihr emotionaler Ausbruch im Höhepunkt des Films beeindrucken kann. In Nebenrollen sind dazu der vor allem in Serien auftretende Michael O'Keefe als hassenswerter, rassistischer und korrupter Staatsanwalt sowie die versierten Charakterdarsteller Will Patton ("No Way Out", "Armageddon") als geläuterter ehemaliger Drogenfahnder, Alfre Woodard ("Die Vergessenen", "Twelve Years A Slave") als Mutter von Beharies Charakter, Charles S. Dutton als Pastor und Tim Blake Nelson ("O Brother, Where Art Thou?", "The Incredible Hulk") als gewissenhafter ACLU-Vertreter zu sehen. Außerdem kann man noch den mittlerweile durch Marvel-Filme sehr bekannt gewordenen Anthony Mackie in einer kleinen Nebenrolle ausmachen. Negativ fällt höchstens Rapper Xzibit als unverantwortlicher Exmann der Hauptfigur auf, denn sein Schauspieltalent ist doch sehr begrenzt.


Insgesamt ist "American Violet" ein wichtiger Film, der auf in der amerikanischen Gesellschaft leider nach wie vor aktuelle gesellschaftliche Probleme aufmerksam macht und auch die aufgeheizte Atmosphäre während des ersten Bush-Wahlkampfs gut einfängt. Die träge, einfallslose Inszenierung hebt ihn aber letztlich nur knapp über den Durchschnitt. Eine fähigere Person hinter der Kamera hätte mit Sicherheit noch wesentlich mehr aus dem Stoff herausholen können.

Zum Schluss des Films, der ein Happy End suggeriert, sollte übrigens noch erwähnt werden, dass die echte Regina Kelly ihren Heimatort wegen fortgesetzter rassistischer Diskriminierung letztlich verlassen musste. Im echten Leben geht es eben selten so gut aus wie im Film.

7/10
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