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Hellraiser III - Hell on Earth

Herstellungsland:USA (1992)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Hellraiser 3
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,56 (113 Stimmen) Details
inhalt:
Im Krankenhaus wird die Fernsehreporterin Joey Summerskill Zeugin eines bizarren Todesfalls. Ein junger Mann, dessen ganzer Körper mit zahllosen Widerhaken durchbohrt ist, wird durch eine unsichtbare Macht in tausend Stücke zerrissen. Joey wittert die Story ihres Lebens und stellt Nachforschungen an, die sie geradewegs in den mysteriösen Nachtclub „The Boiler Room“ führt. Dessen Eigentümer Monroe ist in den Besitz einer steinernen Säule gelangt, nicht ahnend, dass Pinhead und seine Zenobiten darin gefangen sind und nur darauf warten, befreit zu werden...
eine kritik von dicker hund:

Der dritte Teil des "Hellraiser"-Franchises ging in die USA, wo Anthony Hickox ("Waxwork") das Projekt unter seine Regie-Fittiche nahm. Verbindungen zu seinem Erbe strickt "Hell on Earth" (Beititel) auf mannigfaltige Weise. So findet Erwähnung, dass ein Würfelsäulenkonstrukt aus "einer dichtgemachten Irrenanstalt" stammt. Zitate finden sich an ausgewählten Stellen wörtlich wieder. Oder es wird über angemessen knapp gehaltene Rückblenden versucht, eine Erklärung für die Story zu liefern. Diese mag unfreiwillig komisch ausfallen (Humor 3/10), der Ortswechsel nach New York City unter weitgehendem Austausch der Charaktere bringt zugleich aber frischen Wind. Wesentliche Konstante ist der Pinhead (nach wie vor Doug Bradley), welcher sich hier in geradezu perfektionistisch pointierten Zeilen als antichristlicher Verführer übt.

"Flieh nicht vor Dir selbst. All das, was Dich außergewöhnlich macht, solltest Du hegen und pflegen, egal was es ist."

Die Band "Such a Surge" hat dieser Abschnitt so beeindruckt, dass sie ihn als Intro für den Titel "Gegen den Strom" verwertet hat. Musikalisch geht es auch hier in metallene Gefilde - genannt sei nur "Motörhead" in den Schlusscredits - sowie in Richtung einer treffsicheren Abmischung aus epochalen Tönen und rockigen Riffs. Das Ergebnis wirkt cooler als früher, was weder besser, noch schlechter, sondern einfach anders aussieht als gewohnt. Die Diskothek "Boiler Room" beinhaltet die von Jugendschützern besorgte Idee eines Sündenpfuhls biblischen Ausmaßes. Dazu passt der Oben-ohne-Frame der GoGo-Tänzerin aus der zu Grunde gelegten Unrated, die jenseits von direktem Splatter noch ein par Anblicke verunstalteter Kadaver mehr bietet, die nicht schaden, für den Gesamteindruck aber sekundär sind. In Sachen Sex (5/10) gibt es ohnehin gelegentliche Nudity und eine sehr explizite Szene zu vermelden, was im nunmehrigen Herkunftsland der Reihe nun wirklich keine Selbstverständlichkeit ist. In der Bundesrepublik Deutschland geht so etwas mittlerweile mit Rotflatschen durch, wovon man angesichts der bis 2016 geltenden Indizierung zuvor nur träumen durfte.

"Jemandem, der träumt, steht immer noch so etwas wie eine zweite Welt offen."

So redet Terri daher, ein naives Straßenmädchen im aufreizenden Lederfummel. Paula Marshall neigt ein wenig zum Overacting, was bei der Darstellung dieser unsicheren Persönlichkeit allerdings angemessen wirkt. Hickox nahm sie für "Full Eclipse" später noch einmal vor die Kamera. Deutlich selbstbewusster tritt die aufstrebende Journalistin Joey auf, die Terry Farrell ganz ordentlich verkörpert. Mehr Charisma hat indes der eigensüchtige Yuppie Monroe, und zwar dank dem stechenden Blick von Kevin Bernhardt ("Gefährliche Leidenschaften"). In seinen Club zieht strammen Schrittes die Gewalt (7/10) ein, die prägnant inszeniert, abgesehen von einer Handvoll doofer CGI sehenswert getricktst und öfter mal überdurchschnittlich blutig geraten ist. Angesichts vor Kreativität nur so strotzender Zenobiten-Neuerfindungen ist es eine unheilige Freude, bei deren Wirken zuzuschauen. Mithilfe adäquaten Budgets explodiert dort ein Streifenwagen oder zerspringt andernorts ein Kirchenfenster. Flankierend geben Bilder wie das eines Schlachtfeldes voller gefallener Soldaten eine wirksame Portion Horror (6/10) hinzu.  

Barkerfans stößt bei dieser großen Filmperle (8/10 Punkten) auf, dass sie sich stilistisch den nordamerikanischen Routinen eines Freddy Krueger annähert, anstatt den britischen Sonderweg beizubehalten. Dieser war allerdings mit "Hellbound" bereits optimal beschritten, weshalb der eigenständige Ansatz solche Ermüdungserscheinungen wie bei den zahlreichen Slasher-Reihen erfolgreich zu verhindern wusste. Ein recht eloquenter Pinhead in einem leicht zugänglichen, dadurch jedoch nicht weniger beknackten Plot muss sicherlich verdaut werden. Der audiovisuell ansprechende Strauß aus Derbheiten des familienunfreundlichen Kinos, engagiert erstellten Kulissen und markigen Charakteren passt dafür um so besser in seine höchst eigene Vase aus ranzigem Kunstblut.

8/10
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Kommentare

28.06.2020 11:38 Uhr - sonyericssohn
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Für die einen ist dieser der beste Teil. Mir persönlich ist Pinhead hier einfach zu brav. Auch sein Aussehen hier....poliertes, weißes Gesicht frei jeden Makels. Im zweiten Teil sah er so wunderbar verbraucht aus. Ich mag Teil 3 ned besonders. Is mir zu....amerikanisch.

28.06.2020 12:14 Uhr - cecil b
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Sehr geil geschrieben!!!

"Barkerfans stößt bei dieser großen Filmperle (8/10 Punkten) auf, dass sie sich stilistisch den nordamerikanischen Routinen eines Freddy Krueger annähert, anstatt den britischen Sonderweg beizubehalten. Dieser war allerdings mit "Hellbound" bereits optimal beschritten, weshalb der eigenständige Ansatz solche Ermüdungserscheinungen wie bei den zahlreichen Slasher-Reihen erfolgreich zu verhindern wusste."

Sehe ich auch so!

Sony: Zu brav? Also, Pinhead in der Kirche: Mein Fleisch mein Blut......na ja, sein fröhliches Lächeln kommt natürlich nicht so hart rüber. Aber, das, was ihn zum lächeln bringt, das steht schon für einen ganz eigenen Humor, möchte ich meinen. ;)

28.06.2020 12:20 Uhr - sonyericssohn
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Ja, zu brav. Erzeugte sein Auftreten im Vorgänger Gänsehaut, ists hier ein müdes Grinsen. Was wohl auch an der mißratenen deutschen Synchro liegen mag. Und die Szene in der Kirche....*röchel*....ich nenns mal unfreiwillige Komik :-D
Nein, wir beide werden nie Freunde werden.

28.06.2020 12:37 Uhr - lappi
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Ich hab den Film mal vor ner Weile angefangen, aber nicht weitergeguckt. Ich glaub das gönne ich mir jetzt zum Frühstück mal 👍🏻

28.06.2020 13:00 Uhr - The Machinist
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Für mich der letzte ''gute'' Teil der Reihe. Ich müsste die Trilogie auch mal wieder rotieren lassen.

28.06.2020 17:25 Uhr - McGuinness
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Review ist mal wieder top, aber der Film selbst hat mich nicht mehr so beeindruckt, wie es noch die beiden Vorgänger konnten.
Freue mich auf deine Kritik zum vierten Teil, welcher mir bis heute ganz gut gefällt 😉

28.06.2020 18:16 Uhr - Cabal666
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Sehr schön! So sehe ich das auch.
Der dritte "Hellraiser" ist zwar wirklich "amerikanischer" als die Vorgänger und drängt Pinhead mehr in die Rolle eines Freddy Krueger (der ja auch ab dem dritten Teil seiner Reihe zum Sprücheklopfer wurde), aber die actionreiche Inszenierung und der schwarze Humor brachten frischen Wind in die Reihe. Äußerst brutal ist der dritte Teil auch noch. Insgesamt ein weniger atmosphärisches, dafür aber sehr unterhaltsames Sequel.

@sony: die deutsche Synchro ist zwar wirklich echt mies, aber für die Trilogie-Neuauflage von Turbine hat man das zum Glück wieder ausgebügelt. Die Verantwortlichen haben nämlich tatsächlich Helmut Krauss wieder vors Mikro geholt. Und mit seiner Stimme gewinnt der Film definitiv etwas an Atmosphäre.
Die Trilogie-Boxen von Turbine lohnen sich sowieso. Weil sie haufenweise Extras zu allen drei Filmen und dazu ein fettes Booklet mit zahlreichen weiteren Hintergrundinfos zu sämtlichen Teilen der Reihe dabei haben. Trotz des happigen Preises sehr empfehlenswert!

28.06.2020 18:36 Uhr - Gorno
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28.06.2020 13:00 Uhr schrieb The Machinist
Für mich der letzte ''gute'' Teil der Reihe. Ich müsste die Trilogie auch mal wieder rotieren lassen.


Och der vierte lässt sich auch sehr gut schauen, spielt für mich ebenfalls in der „oberen“ Liga der Reihe. Alles danach war nette bis teilweise leider peinliche Kost. Eigentlich mochte ich bis auf Hellword und alles was danach kam ziemlich gerne.

Wie immer klasse Review!

28.06.2020 19:00 Uhr - dicker Hund
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Vielen Dank für Eure Beiträge, vermittelt durch den grünen Daumen.

:-)

@Cabal
Null Euro war wirklich ein fairer Preis für die Black Box, die ich beim Gewinnspiel hier gewonnen habe. Vorher hatte ich nur DVD-Bootlegs und die US-VHS von Teil 1 im Regal, die qualitativ in der Tat nicht wirklich mithalten konnten. Doch auch in dieser Qualität mochte ich die Ur-Trilogie schon sehr gerne.

30.06.2020 10:25 Uhr - Draven273
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Sorry dicker Hund für die verspätete Rückmeldung hier, zu Deiner weiteren gelungenen Review :) Hellraiser 3. Neben Teil 2 ja mein Lieblingsteil, erst dann kommt der eigentliche Teil 1. Somit war ich damals schon nach der Erstsichtung total begeistert und bin es zwischendurch immer noch. Klar ist der Teil wie die anderen auch, etwas in die Jahre gekommen, aber damit kann ich leben. Auch mit den dadurch resultierenden schlechteren CGI Effekten. Passt noch, kann man aushalten :) Mir hat der etwas andere Style und der Weg in die Moderne hier durchaus gefallen und die Geschichte wurde konsequent weiter fortgeführt. Am Besten bleiben mir auch hier die Szenen in der Bar und die netten kleinen Gemeinheiten auf der Straße in Erinnerung. Zumal der Typ mit der Kamera im Kopf doch wirklich nett aussieht. Mein Favorit ist aber "Mr. ich schmeiß mal paar CDs durch die Gegend" :)
Schön alles von Dir auf den Punkt gebracht. Einiges kam gut wieder in Erinnerung. Und bei den 8/10 bin ich auch dabei. Wie immer vielen Dank für die Mühe.

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