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Friedhof der Kuscheltiere

(Originaltitel: Pet Sematary)
Herstellungsland:USA (1989)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Cimitero Vivente
Ondskabens kirkegård
Pet Cemetery
Simetierre
Smętarz dla zwierzaków
Stephen King's Friedhof der Kuscheltiere
Stephen King's Pet Sematary
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,29 (93 Stimmen) Details
inhalt:
Louis Creed zieht mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern in ein Haus im tiefsten Maine. Dort zeigt ihnen ihr Nachbar, der alte Crandall einen weit abgelegenen Tierfriedhof. Als bei seinem Uni-Job ein Student namens Pascow stirbt, wirft das einen ersten düsteren Schatten auf die Idylle. Ernst wird es jedoch, als die Katze auf der stark befahrenen Straße vor dem Haus überfahren wird. Daraufhin zeigt Crandall Louis Creed das Geheimnis des Friedhofs, indem er den Leichnam dort vergräbt. Tags darauf ist die Katze wieder lebendig, aber nicht mehr sehr pflegeleicht. Dann aber schlägt das Schicksal richtig zu: Der kleine Gage läuft vor einen Lastwagen und wird überfahren. Crandall warnt Creed vor den Folgen des Plans, der in dem leidenden Vater aufkeimt. Doch es ist schon zu spät: Obwohl Pascows Geist hinzueilt, um die Betreffenden zu warnen, hat Creed seinen Sohn in der Indianerweihestätte begraben. Tags darauf ist er zurück, was mörderische Folgen für alle hat...
eine kritik von themoviestar:

Stephen King erwähnte ureinst bei einem Interview, dass Pet Sematary, so der Originaltitel, der einzige seiner Romane sei, welcher ihm selbst das Fürchten gelehrt hätte, was anhand der intensiv behandelten Themen wie Verlust, Krankheit, Kindstod und bösartige Widerkehr gar nicht mal so abwegig ist.  King selbst verkaufte die Filmrechte 1984 für 10.000 Dollar an George A. Romero, da Mister "Dawn of the dead" aber zur geplanten Drehzeit mit dem Projekt Monkey Shines beschäftigt war, erhielt letzten Endes Mary Lambert den Zuschlag für den Regieposten, weil sie den Meister des Horrors mit ihrer Begeisterung für seine Werke und ihrem Bestreben sich an seine Vorgaben zu halten überzeugen konnte. Der 12 Millionen Dollar teure Friedhof der Kuscheltiere feierte am 21.04.1989 Kinopremiere und ist mit einem Einspielergebnis von knapp 57 Millionen Dollar  die fünft erfolgreichste Kingverflmung  aller Zeiten, was den auch heute noch enormen Zuspruch von Kritikern und Fans zusätzlich unterstreicht.

Der Schulterschluss zur Ursprungsgeschichte war für Stephen King unabdingbar, weswegen sich in seinem Drehbuch nur maginale Abweichungen zum 1983 erschienenen Bestseller feststellen lassen. Der Film gesteht dem guten Geist Pascow (Brad Greenquist) beispielsweise eine tiefere Bedeutung mit mehr Screentime zu, während er im Roman nur einen kurzen Auftritt bei seinem Unfall hat.  Außerdem veränderte King die Umstände von Timmy Batermans Ableben und Paramount Pictures bestand auf ein etwas dramatischeres Filmfinale. Die Kernstory bleibt jedoch unverändert.  Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Familie von der Großstadt aufs Land in ein neues Haus nebst einer von Truckern stark befahrenen Straße. Als der Hauskater der Creeds Church von einem Kraftfahrer getötet wird, weiht Nachbar Jud Candall (Fred Gwynne) Louis in die wiederbelebenden Geheimnisse des nicht weit entfernten Tierfriedhofs ein und nach Begräbnis kehrt das Tier doch tatsächlich als wesensveränderte Zombiekatze zurück. Bei einem weiteren LKW Unfall verliert auch der dreijährige Gage Creed (Miko Hughes) sein Leben, was seinem Vater und den Creeds das Herz bricht. Trotz aller Warnungen beerdigt Louis seinen Sohn an dem verbotenen Ort und muss schon bald feststellen, dass der Tod manchmal besser ist....

Sie müssen nicht zwingend selbst Kinder haben, um sich ausmalen zu können, wie schlimm für Eltern ein unerwarteter Kindstod ihres Sprößlings sein mag. Und Hand aufs Herz, wer hätte es an Louis Stelle nicht versucht, auch wenn die Aussicht auf Erfolg auch noch so gering sei, seinen Sohn zurück zu holen, trotz aller möglicher Gefahren. Lambert bringt mit ihrer pointiert drastischen Inszenierung den persönlichen Horror der Creeds dem Zuschauer zum Greifen nahe und setzt auf den King typischen langsamen Bedrohlichkeitsaufbau mit urplötzlicher Zerstörung der Familienidylle durch den einen schrecklichen Augenblick. Gages blutiger Kinderschuh auf dem harten Asphalt des Highways wirkt 100 mal aussagekräftiger als der splattrigste Goreeffekt und die nachfolgende Trauerfeier mit dem aufgestoßenen Kindersarg ist an Tragik kaum zu überbieten. Die Kombination dieser real nachempfindbaren, emotionalen Ausnahmesituation mit der mystischen, paranormalen  Wiederauferstehung des eigen Fleisch und Blutes, welches sich vom Bösen besessen gegen seine eigenen Schöpfer richtet, unterstreicht die infernale Entwicklung des Haupthandlungsstrangs und gipfelt in einem blutig beklemmenden Finale, welches das Publikum zwar fasziniert, aber gleichzeitig auch schockiert seinem Schicksal überlässt.

Bild und Ton in Pet Sematary sind optimal audiovisuell auf Angsterzeugung abgestimmt und unterstützen den psychologisch thematischen Spannungsbogen mit schaurig gestalteten Kulissen und einem gruselig atmospherischen Filmscore. Der  steinig weite Weg zum verbotenen Areal der Indianergedenkstätte erzeugt ein maues Gefühl von Unbehagen in der Magengegend. Der Tierfriedhof selbst ist übersät mit von Kinderhand errichteter Grabmäler und Kreuzen, während Lambert die Szenerie mit geschickten Kamerafahrten und Kinderchoruntermalung instrumentalisiert. Gar nicht oft genug gelobt werden kann die klassische Maskenarbeit, welche den untoten Zombiewesen zu einer wahrlich dämonischen Ausstrahlung verhilft. Von unglaublicher Intensität zeugt auch der Subplot rund um Rachels an Multiple Sklerose erkrankten Schwester Selda, dessen qualvolles Dahinvegitieren in Rachels Erinnerung mit verstörender Visagistik und Special Effekts derart furchteinflößend visualisiert ist, dass einem im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg bleibt. Wenn sie kotzt, speibt und dann stirbt, ist das der Stoff, aus dem Kinderalbträume gemacht sind.

In Antizipation geistreicher Gegendarstellungen mit unwesentlichem Antlitz für meine Meinungsbildung ist der eigentliche Star des Films Miko Hughes. Er verinnerlicht alle notwendigen Attribute die es braucht, Gages Verwandlung vom unschuldigen Kleinkind in ein mordendes Monster darzustellen, vom naiv verspielten, niedlichen Auftreten bis hin zum besessen teuflischen Gesichtsausdruck und seinen wahrlich unfairen Kommentaren, er  ist die optimale Besetzung für diese Schlüsselrolle. Aber auch Dale Midkiff muss sich als sorgender Familenvater Louis Creed mitnichten vor Hughes verstecken, mit höchstmöglicher emotionaler Transparenz bringt er seine Gradwanderung zwischen Glück und Trauer, Angst und Hoffnung sowie Erkenntnis und Entschlossenheit evident zur Geltung. Markant, knurrig und charismatisch wirkt Fred Gwynne,  wenn sein Filmcharakter Jud Crandall den Zuschauer durch seine epischen Erzählungen mit den übernatürlichen Kräften der Indianergedenkstätten vertraut macht. Abergrundet wird der in seiner Gesamtheit auf einem hohen Niveau agierende Cast durch Kings Cameo Erscheinung als Priester, einzig und allein die bieder-unsympathische Darbietung von Denise Crosby als Filmmutter Rachel Creed konnte mich nicht vollends überzeugen.

Wer Mary Lamberts Friedhof der Kuscheltiere subjektiv als eine der besten King Verfilmungen bezeichnet, hat meines Erachtens nach also nicht ganz Unrecht. Lambert gelingt es bekannte King Merkmale wie das bedachte Heranführen an die eigentliche Gefahr, der Umgang mit menschlichen Urängsten und die sinnvolle Ergänzung von  übernatürlichen Elementen unterhaltsam umzusetzen. Der Film macht so ziemlich alles richtig, ist hochspannend, kann auf hervorragend aufgelegte Darsteller zurückgreifen, nur die etwas unglückliche Besetzung der Rachel Creed wirft einen kleinen Schatten auf ein ansonsten glänzendes Stück Horrorunterhaltung. Gegen diesen Klassiker kann die aus meiner Sicht klar schwächere Neuverfilmung aus dem Jahr 2019 einpacken. "Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger, Louis. Ein Mann pflanzt das an wovon er was versteht und er pflegt es, denn was du erwirbst, das gehört dir und was dir gehört, kommt immer wieder zu dir zurück"  MovieStar Wertung: 9 / 10 Punkte.  

9/10
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Kommentare

05.06.2020 17:57 Uhr - McGuinness
3x
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Erfahrungspunkte von McGuinness 239
Echt starke und richtig tolle Vorstellung von dir, zu der meiner Meinung nach besten King - Verfilmung überhaupt.
Viele zusätzliche von dir eingestreute Informationen, sowie deine wie gewohnt sich auf hohem Niveau bewegende Schreibweise, machen auch diese Review mal wieder zu einem besonders vergnüglichen Erlebnis und das nicht nur für King - Fans... Immer weiter so !!! 😉👍🏻

05.06.2020 18:03 Uhr - cecil b
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Eine wunderbare Review, zu einem der besten Horrorfilmen aller Zeiten, möchte ich meinen!

05.06.2020 19:49 Uhr - CHOLLO
3x
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Feine Rezi.. Mir persönlich gefällt das Remake auch ganz gut, auch wenn es natürlich nicht an das Original heranreicht.
Denise Crosby's Talent möchte ich jetzt nicht beurteilen, obwohl sie mir den Erinnerungen nach zumindest optisch schon ganz gut gefiel damals ;)

05.06.2020 20:42 Uhr - sonyericssohn
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Zündet bei mir nicht mehr so wie früher, aber mit ner guten 7-8 wär ich vielleicht noch dabei. An das Neugewerke hab ich mich noch nicht rangewagt.... möcht ich noch nachholen.

Schön gemacht Movie..... kennt man ja ;-)

05.06.2020 22:40 Uhr - TheRealAsh
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Schönes Review zu einem Film, den ich mir mal wieder anschauen muss, von der Erinnerung her, wäre ich auch bei deiner Wertung, schönes Zitat am Ende, das mir auch immer in Erinnerung war:-)

05.06.2020 22:53 Uhr - lappi
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Allein die Aussage zur Wirkung des Kinderschuhs trifft es. Die Review fängt den Film unglaublich gut ein.
Für mich eine der unterschätzten King-Verfilmungen und Horrorfilme. Sowohl als auch glänzt dieser hier. Allein die dichte Atmosphäre und der Umgang mit den Themen zeugt von einem durchdringenden Verständnis von Horror. Guter Horror entsteht im Kopf und nicht durch plakative Bilder. Dieser Film beweist das bestens.
Das Remake finde ich auch unter aller Kanone. In eigener Sache (höhe) - Meine Meinung dazu:
https://www.schnittberichte.com/review.php?ID=13393

05.06.2020 23:51 Uhr - Kaiser Soze
1x
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Ich kann mich nur anschließen, sehr detailliertes und absolut gelungene Review. Man merkt Dir Deine Begeisterung wirklich an und es ist sehr schön zu lesen, dass Dir der Film so gut gefallen hat. Persönlich finde ich den Film wahnsinnig schlecht gealtert und eigl fast nur langweilig, dafür liebe ich die verhasste Neuauflage, also jedem das Seine ^^

06.06.2020 00:30 Uhr - Punisher77
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Ein vortreffliches Review, Hut ab!
Der Wertung und den positiven Punkten des Reviews kann ich mich nur anschließen. Habe letztes Jahr das Buch gelesen und den Film gesehen und bin mit beiden hochzufrieden. Dass die Rolle des guten Geists ausgebaut wurde, finde ich sehr gut ...aber auch wenn der Geist gut war, als Zwölfjähriger, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, habe ich vor ihm `ne Menge Schiss gehabt...

06.06.2020 08:30 Uhr - TheMovieStar
4x
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@ All: Danke euch fürs Lesen und für euer Lob, hat mich sehr gefreut😊.😊😊

06.06.2020 14:39 Uhr - Ghostfacelooker
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Schließe mich den Vorrednern an, wobei du sowieso eine stetig qualitative Geradlinigkeit des hohen Niveaus deiner Reviews abgibst. Das einzig gute an der Neuverfilmung ist, daß kein Hughes Pendant verwendet wurde^^^^^^

06.06.2020 19:35 Uhr - TheMovieStar
2x
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@ Ghost: Danke auch dir fürs Lesen und dein Lob. Das hat mich sehr gefreut 😊. Ja das kann man aus deiner Sicht so sehen, was die Bewertung der Neuverfilmung betrifft 😊.

06.06.2020 21:04 Uhr - The Machinist
1x
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Geil MovieStar. Den ''Friedhof der Kuscheltiere'' liebe ich ebenfalls, ob nun in Buch- oder Filmform. Der Originalfilm würde bei mir auf acht Punkte kommen und ist, wie du richtig erkannt hast, um Längen besser als das bekloppte Remake. ;-)

06.06.2020 23:12 Uhr - TheMovieStar
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@ The Machinist: Danke auch dir fürs Lesen und für das positive Feedback. Freut mich wenn wir was die beiden Friedhof der Kuscheltiere Verfilmungen angeht die gleiche Meinung haben😊

12.06.2020 19:09 Uhr - Giant P
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Tolle Review zu dem besseren Originalfilm.Das Remake war beschissen , so schlecht. Für mich grenzt das schon an ein Verbrechen.

13.06.2020 00:30 Uhr - TheMovieStar
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@ giant: Danke auch dir fürs Lesen und dein Lob. Freut mich wenn wir einer Meinung sind, was beide Filme betrifft.

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