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Django kennt kein Erbarmen

(Originaltitel: Some Dollars for Django)
Herstellungsland:Italien, Spanien (1966)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Western
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Nachdem der Kopfgeldjäger Django ein paar Bankräuber zur Strecke brachte um ihr Kopfgeld zu kassieren und die von ihnen geraubten 100.000 $ zurückzubringen, macht er sich auf in eine kleine Stadt in Montana, um das letzte Mitglied der Bande zu finden. Dort angekommen gibt er sich als Sheriff aus und gerät in einen brutalen Kampf zwischen Siedlern und Farmern, in den auch der Zwillingsbruder des Gesuchten verwickelt ist.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                 DJANGO KENNT KEIN ERBARMEN

Auch Django Kennt Kein Erbarmen (1966) stellt keine offizielle Fortsetzung zu Sergio Corbuccis Klassiker Django (1966) dar, auch wenn er seinen Titel diesmal keinem deutschen Verleih zu verdanken hat, sondern der von Franco Nero dargestellte Antiheld bereits im italienischen Originaltitel (Pochi Dollari Per Django) auftaucht. Mit Anthony Steffen war ein Hauptdarsteller an Bord, der sich mit solchen Pseudo-Djangos im Italowestern einen Namen machen konnte, ohne in die Riege der absoluten Genre-Topstars aufsteigen zu können. Außer Steffen tauchen noch die Namen von Darstellern wie Frank Wolff (1928 – 1971 / Leichen Pflastern Seinen Weg, 1968), Gloria Osuna (Desperado – Der Geheimnisvolle Rächer, 1967) und Enio Girolami (1935-2013 / Django – Die Totengräber Warten Schon, 1968) in den Credits auf. Schwieriger wird es, den eindeutigen Regisseur des Films zu benennen. In den Credits wird Leon Klimovsky (1906-1996) genannt, der neben diversen Italowestern (Django – Unersättlich Wie Der Satan, 1967) auch mehrere Horrorfilme mit Paul Naschy (z.B. Nacht Der Vampire, 1971) in seiner Vita hat. Aus diversen Quellen heißt es jedoch, dass Enzo G. Castellari (Tote Zeugen Singen Nicht, 1973) den Film entweder vollendet oder  komplett gedreht haben soll, ohne in den Stabangaben erwähnt zu werden. Damit wäre Django Kennt Kein Erbarmen Castellaris Regiedebut.

Django (Anthony Steffen), der eigentlich Regan heißt, wird von einer Bank angeheuert, um gestohlenes Geld zurückzuholen, das sich im Besitz der Gang um den Schwerverbrecher Jim Norton befinden soll. Norton soll allerdings erschossen worden sein, weshalb Django sich an dessen Zwillingsbruder Trevor (Frank Wolff) wendet, der als Farmer bei Miles City lebt. Da trifft es sich gut, dass Django unterwegs einen erschossenen Sheriff aufgabelt, dessen Stern er sich an die Brust heftet. Der Stern ist jedoch Segen und Fluch zugleich – einerseits öffnet er Django viele Türen, andererseits erschwert er seine Ermittlungen, da Django nun in einen Krieg zwischen Rinderzüchtern und Siedlern gezogen wird …

Dass Django kein Erbarmen kennt, macht bereits der Beginn des Films unmissverständlich klar. Der Streifen läuft noch keine drei Minuten, da regnet es Blei und mittels eines coolen Tricks und seiner bewährten Schießkünste pustet Django-Steffen einer Gruppe Schurken, denen das Böse buchstäblich ins Gesicht gemeißelt wurde, das Lebenslicht aus. Django Kennt Kein Erbarmen verfügt über eine wirklich coole, eindrucksvolle Eröffnungssequenz, von der sich so mancher Genrekonkurrent eine Scheibe abschneiden kann. Und auch im weiteren Verlauf geizt Django Kennt Kein Erbarmen nicht mit Action – auch der Showdown ist ein Grund dafür, warum der Streifen für eingefleischte Genrefans einen Blick wert ist.

Mit Anthony Steffen stand ein Darsteller vor der von Aldo Penelli geführten Kamera, der zwar nicht über das Charisma eines Clint Eastwood (Für Eine Handvoll Dollar, 1964), Lee Van Cleef (Sabata, 1969) oder Tomas Milian (Töte, Django, 1967) verfügte und auch sonst nicht unter die Kategorie „Method Actor mit Oscar-Ambitionen“ fiel, für unterhaltsame B-Italowestern wie diesen aber genau der richtige Mann war, da man ihm die Rolle des knüppelharten Kopfgeldjägers mit dem bestens trainierten Abzugsfinger hundertprozentig abnahm. Mit Frank Wolff stand ihm in Django Kennt Kein Erbarmen ein leider viel zu früh verstorbener, versierter Co-Star zur Seite, der mit so ziemlich jedem bedeutenden Italowestern-Regisseur gedreht hat und hier dem eigentlichen Star des Films so manches Mal die Show stiehlt.

Die beiden Akteure treten in einem Plot auf, der zwar nicht so episch oder packend ist wie der eines Sergio Leone – oder Sergio Sollima-Films, aber dennoch interessanter ist als die oft übliche Rachestory oder das Gegeneinander-Ausspielen zweier rivalisierender Banden, das hier nicht in der Form stattfindet, wie es Leone mit Für Eine Handvoll Dollar (1964) etablierte. In dieser Handlung tauchen dann auch die üblichen Klischeefiguren des (Italo-)Westerns auf, wie z.B. die etwas naive, von Gloria Osuna gespielte Norton-Schwester, die (fast) nur dazu da ist, unseren Django anzuhimmeln, das typisch galgengesichtige Gangmitglied Lister (Enio Girolami) oder den kauzigen Hilfssheriff in der Gestalt von Sandalino Hernandez (Für 1000 Dollar Am Tag, 1966), der etwas Humor in den Film bringen soll.

Bei all seinen Qualitäten ist Django Kennt Kein Erbarmen trotz seines Unterhaltungswerts, seiner Action und seiner beiden Hauptdarsteller kein Film, der in die Top Twenty des Italowesterns gehört. Denn wie die meisten anderen Django-Epigonen auch, ist Django Kennt Kein Erbarmen ein in erster Linie ein aus kommerzieller Motivation entstandenes Fließbandprodukt, auch wenn man in mancherlei Hinsicht ein wenig mehr Sorgfalt hat walten lassen als bei anderen Möchtegern-Djangos. Zu den bisher zart angesprochenen Kritikpunkten gesellt sich ein weiteres, ernstzunehmendes Manko: Die Regie. Egal, ob nun Klimovsky oder Castellari den Streifen inszeniert hat – Django Kennt Kein Erbarmen ist handwerklich bestenfalls in Ordnung, solide und zweckmäßig, aber nicht wirklich hervorragend. Klinovsky hat die mir bekannten Naschy-Filme ebenfalls weitgehend solide, aber eben nicht so wahnsinnig packend oder gar mit einer unverwechselbaren Handschrift versehen in Szene gesetzt, so dass mich die Inszenierung von Django Kennt Kein Erbarmen nicht überrascht. Sollte Castellari hier aber teilweise, bzw. vollständig federführend am Set gewesen sein, so zeigt sich, dass der Maestro hier noch nicht zu der Form gefunden hat, mit der er uns die Actionszenen in B-Movie-Krachern wie Töte Alle Und Kehr Allein Zurück (1968), Racket (1976), Ein Haufen Verwegener Hunde (1978) oder The Riffs – Die Gewalt Sind Wir (1982) servierte, auch wenn der Steffen/Wolff-Western bezüglich seiner Feuergefechte freilich nicht langweilig ist.

Somit ist Django Kennt Kein Erbarmen ein „nur“ guter Film für hartgesottene Freunde des Spaghettiwesterns. Nicht brillant, nicht außergewöhnlich, aber gut, und besser als vieles, was einem sonst unter dem Django-Etikett angeboten, bzw. zugemutet wird. Einsteigern in die Materie des Italowesterns seien erst mal die Highlights aus den Filmographien der drei „großen Sergios“ empfohlen, aber wer sich in den Sumpf der Django-Nachfolge – und Trittbrettfahrerfilme wagen will, wird mit diesem Streifen nicht schlecht bedient.

7/10
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Kommentare

06.06.2020 08:16 Uhr - dicker Hund
1x
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"Ein par Dollar für Django" klang der deutschen Titelschmiede wohl zu harmlos. Aber gut zu wissen, dass der Punisher mindestens so schnell zieht wie die Djangos, die er unter die Lupe nimmt.
🙂

06.06.2020 08:33 Uhr - TheMovieStar
1x
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Ein wirklich lesenswertes Review, dessen Wertung ich auch unterschreiben kann. Klasse Arbeit, weiter so. 😊😊😊

06.06.2020 12:39 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
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Vielen Dank, ihr Zwei!

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