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Rollerball

Herstellungsland:USA (2002)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,93 (15 Stimmen) Details
inhalt:
Rollerball - ein Spiel ohne Regeln und Gnade, extrem schnell, extrem populär - und äußerst lukrativ. Vor allem, wenn die Einschaltquoten stimmen! Jonathan Cross ist der Superstar und Liebling der Massen. Seine Freude an Reichtum, Ruhm, Frauen und chromblitzenden Spielzeugen schwindet schnell, als er dahinterkommt, welch blutiges Spiel der Ligachef Petrovich spielt: Für den Erfolg seines Millionengeschäftes setzt er auf spektakuläre Unfälle und somit steigende Quoten. Als Jonathan rebelliert, wird es auch jenseits der Arena todernst und lebensgefährlich...
eine kritik von cabal666:

John McTiernans Remake des Actionklassikers "Rollerball" aus dem Jahr 2002 hat allgemein einen schweren Stand, was auch durchaus verständlich ist. Zum Original kann ich nichts sagen, denn ich kenne es leider noch nicht, aber da dieses völlig anders inszeniert sein, einen besseren Hauptdarsteller haben und die Medienkritik da auch besser rüberkommen soll, kann ich mir denken, dass man als Fan davon von dieser Neuverfilmung ziemlich angepisst sein wird.


Und ich muss auch selbst zugeben, dass die Inszenierung ziemlich dilettantisch wirkt. Der Film ist so hektisch geschnitten, dass man teilweise kaum damit mitkommt, was gerade Sache ist. Die Kameraführung macht es auch nicht besser. Und die CGI-Effekte, die teilweise zum Einsatz kamen, wirken ziemlich erbärmlich. Man mag eigentlich kaum glauben, dass dieser Film vom selben Regisseur stammt, der auch den ersten "Stirb Langsam" und "Predator" gemacht hat!


Zur Handlung: Im Gegensatz zum Originalfilm spielt das Remake nicht mehr in einer dystopischen Zukunft, sondern in der (damaligen) Gegenwart. Das halsbrecherische Spiel "Rollerball" wird nun in wirtschaftlich schwachen osteuropäischen und zentralasiatischen Staaten ausgetragen, um die Massen von ihren Problemen abzulenken. Hinter den Kulissen regieren Korruption und Einschüchterung der Spieler.


Medien- und Sozialkritik ist hier also durchaus vorhanden, wird einem aber nicht gerade sehr subtil vermittelt, sondern kommt mit dem Holzhammer daher. Korruption im Sportbusiness und die Probleme in den Staaten des ehemaligen Ostblocks sind schon wichtige Themen, aber die Auseinandersetzung, die hier damit stattfindet, wirkt ziemlich kindisch. Man sagt hier einfach nur: die da oben sind die Bösen, haben alles unter Kontrolle, beseitigt sie, dann wird alles wieder gut. Sehr kurzsichtig, das ganze.


Und zuletzt krankt der Film auch an seinem blassen Protagonisten. Chris Klein war in "American Pie" ganz gut, aber in die Rolle des knallharten Actionhelden passt er einfach nicht, auch wenn er sich noch so sehr Mühe gibt. Eine komplette Fehlbesetzung. LL Cool J als sein bester Freund ist leider auch nicht viel besser.


Wie man sieht, gibt es nicht gerade viel, was für den Film sprechen würde, und doch - ich mag ihn!


Zunächst sind die restlichen Schauspieler durchaus nicht schlecht. So gibt Jean Reno einen schön diabolischen Antagonisten ab, auch wenn er dabei teilweise zu sehr ins Oberacting abgleitet. Rebecca Romijn als Kleins Love-Interest und Teampartnerin hat mir sehr gefallen. Sie bringt die aggressive Kämpferin, welche gleichzeitig aber auch sehr verletzlich ist, durchaus überzeugend rüber. Die Nominierungen für Negativ-Preise wie die Razzies damals hatte sie definitiv nicht verdient. Lustig ist auch, dass ihr Bühnen-Name "Black Widow" lautet. Zuvor gab sie nämlich eine andere Superheldin (bzw. zu dem Zeitpunkt noch -schurkin) in "X-Men".


Naveen Andrews, hier vor seinem Durchbruch mit "Lost" als Renos schmieriger Gehilfe zu sehen, war auch nicht schlecht. Und Wrestling-Moderator Paul Heyman als abgedrehter Kommentator konnte viel Witz in den Film bringen. Fand ihn sehr lustig und sympathisch.


Außerdem sind die Stunts, welche auch von den jeweiligen Schauspielern und Sportlern (hauptsächlich X-Gamern) meist selbst absolviert wurden, wirklich klasse. Besonders das Rennen durch die Stadtschluchten vom Anfang ist sehr beeindruckend. Die Action ist schon größtenteils handgemacht, Computereffekte, auch wenn sie schlecht sind, kamen in den Arenaszenen nur wenige zum Einsatz. Und ein paar der Kampfszenen sind wirklich nicht schlecht, besonders gegen Ende machen sie durchaus Laune. Außerdem gibt's dazu auch nicht wenige coole Sprüche, hauptsächlich von Paul Heyman.


Und dann ist da noch die Verfolgungsjagd durch die Wüste, bei der Chris Klein und LL Cool J abhauen wollen. Sie ist zwar, was Kameraarbeit und Schnitt angeht, eher weniger gelungen, aber der Ansatz, eine Actionszene komplett mit Nachtsichtkameras zu drehen, ist schon sehr originell.


Und zuletzt gibt es noch einen verdammt coolen Alternative-Rock-, Punk-, Industrial- und Nu-Metal-Soundtrack mit u.a. Slipknot (die im Film auch einen Auftritt haben), Rob Zombie (der im Musikvideo zum von ihm verwendeten Song "Never Gonny Stop "The Red, Red Kroovy)" übrigens ausgiebig "Uhrwerk Orange" zitiert), Green Day, P.O.D., Drowning Pool und P!nk (die auch einen kurzen Auftritt hat, dabei aber merkwürdigerweise nicht zu hören ist) sowie einen durchaus ansprechenden Score von Luc Bessons Stammkomponisten Éric Serra (wenngleich dieser auch nur zweite Wahl war).


Als anspruchsloser No-Brainer macht mir der Film daher durchaus Spaß. Und irgendwie will ich den Film auch garnicht so schlecht finden, weil ja durchaus positive Ansätze, einen richtig mitreißenden, sozialkritischen Actionfilm zu machen, vorhanden sind. Ich weiß, dass sie kaum genutzt werden, was auch schade ist, aber ich denke nicht, dass man sich zum Film überhaupt keine Gedanken gemacht hat. Man sollte bedenken, dass das ursprüngliche Drehbuch tatsächlich mehr in Richtung eines sozialkritischen Thrillers ging und von einigen sogar als besser als das des Originalfilms angesehen wurde. McTiernan lehnte es allerdings ab und machte das titelgebende Spiel stattdessen zu einer überdrehten Wrestling-Show. Dazu wurden noch über 30 Minuten aus seiner Schnittfassung herausgekürzt, um den Film für ein jüngeres Publikum ansprechender zu machen. Was auch die oftmals abrupten Szenenübergänge und häufigen Continuity-Fehler erklärt. Auch der ursprüngliche Score vom DJ Brian Transeau, der mehr auf arabische Einflüsse gesetzt haben soll, ist im fertigen Film nicht mehr zu hören. Und das Ende war ursprünglich ebenfalls ein komplett anderes. Genützt hat das alles nichts, denn an den Kinokassen ging McTiernans "Rollerball" damals sang- und klanglos unter. Ich bezweifle zwar, dass die ursprüngliche Version des Films insgesamt besser gewesen wäre, sie hätte aber immerhin in Sachen Sex und Gewalt mehr Schauwerte geboten und ihn so zu einem derben Exploitation-Kracher gemacht. In seiner jetzigen Form wirkt er mehr wie ein weichgespültes Spektakel für Teenies im MTV-Look.

Dass er hier in Deutschland dennoch zunächst eine Freigabe ab 18 erhielt, wirkt wie blanker Hohn. Denn wirklich blutig wird es nie (tatsächlich auch, weil viel Kunstblut digital durch Schweiß ersetzt wurde). 2012 erhielt das Remake dann immerhin die passendere FSK-16-Freigabe. Leider wird McTiernans Director's Cut mit richtig derben Knochenbrüchen und viel herumspritzendem Blut aber wohl nie veröffentlicht werden. Was wohl auch dem Hick-Hack hinter den Kulissen zu verdanken war. John McTiernan ließ während der Dreharbeiten nämlich den Produzenten auf illegale Weise abhören, weil er befürchtete, ausgetauscht zu werden. Dazu kam es zwar nicht, etwa 10 Jahre später landete er aber im Gefängnis aufgrund einer Falschaussage zu diesem Sachverhalt. Somit kann sich das "Rollerball"-Remake auch des kuriosen Fakts "rühmen", dass es seinen Regisseur in den Knast gebracht hat!

Die Vorstellung, dass der Film möglicherweise zu einem richtigen Kracher geworden wäre, hat aber irgendwie was tröstliches. Für mich ist er sowas wie ein (natürlich noch extrem ungeschliffener) Rohdiamant. Ich weiß, das hört sich komisch an. Aber das hier hätte wirklich echt was werden können, und so kann ich den Film irgendwie garnicht richtig hassen. Ist für mich sowas wie ein Guilty Pleasure. Ok, vielleicht liegt's auch nur an der Romijn. ^^


Mit dieser Kritik mache ich mich hier bei einigen vielleicht unbeliebt, aber ich finde den Film trotz seiner Oberflächlichkeit durchaus ganz unterhaltsam. Ist bei weitem nicht so schlecht, wie er immer gemacht wird.
Außerdem: dass die einzige deutsche Spielerin eine Schwarze ist, ist für einen amerikanischen Film doch nun wirklich mal was außergewöhnliches!

6/10
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Kommentare

02.06.2020 18:40 Uhr - Stoi
Wenn man das Original kennt, kann man dieser Gurke eigentlich keine 6/10 geben.
Ein schönes Beispiel für ein sehr lieblos zusammengeschustertes Remake. Bei mir wäre der eher in der Ecke 2/10 oder 3/10 verortet.
Aber auch Norman Jewisons Original von 1975 ist - für mich - nicht besonders gut gealtert.
Zu seiner Zeit sicherlich ein Knaller, heute eher ein typischer Vertreter des 70er-Jahre Dystopie-Science Fiction.
Aber ob gut oder schlecht gealtert, James Caan ist auf jeden Fall ein sehr viel besserer Jonathan E. als der Milchbubi Chris Klein.
Aber anschauen solltest du dir ihn auf jeden Fall, alleine um in mit der von dir rezensierten Gurke zu vergleichen.

02.06.2020 19:49 Uhr - cecil b
1x
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Eine von vielen Seiten betrachtete Vorstellung, gut geschrieben, ein guter Eindruck vom Film. Thanx!

Zu ROLLERBALL kann ich aber nix sagen, da ich weder das Original (Schande über mein Haupt) geschweige denn das Remake kenne.

03.06.2020 07:49 Uhr - Lukas
1x
Schöne Kritik mit vielen spannenden Hintergrundinfos! Den Film werd ich mir aber trotzdem nich anschaun. ;-)

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