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Jerry Maguire - Spiel des Lebens

(Originaltitel: Jerry Maguire)
Herstellungsland:USA (1996)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Komödie, Liebe/Romantik
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Jerry Maguire (Tom Cruise) ist der Erfolgsmagnet der Sportagentur SMI. Er hat die prominentesten Kunden und fährt die höchsten Umsätze ein. Auch privat ist der Sonnyboy auf Gold gestoßen: seine attraktive Verlobte Avery (Kelly Preston) ist sehr ehrgeizig, sowohl nach beruflichen wie auch erotischen Höhepunkten. Doch als Jerry eine couragierte Schrift über einen neuen, humaneren Kurs von SMI vorlegt, ist seine Glückssträhne jäh zu Ende: fristlose Kündigung! Nun zeigt sich das Leben von seiner häßlichen Seite, denn nur der Footballer Rod (Cuba Gooding, Jr.) und die Ex-Buchhalterin Dorothy (Renée Zellweger) halten Jerry die Treue. Und der kämpft unverdrossen um Ruhm, Erfolg und wahre Liebe...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

"Tja, das ist die Erde. Auf ihr leben fast sechs Milliarden Menschen. Als ich klein war, waren es nur drei. Es ist schwer da mitzuhalten. Ja, das ist besser. Das ist Amerika. Amerika gibt in dieser Welt immer noch den Ton an."

Was für ein mitreißender, lebendiger und fiebernder Film! Da hatten mich die zumeist mittelmäßigen Wertungen allerorts beinahe trostlos gestimmt und dann brennt Autor und Regisseur Cameron Crowe mit Jerry Maguire ein wort- und emotionsgewandtes Fest ab, das zwar irgendwie auf allen Hochzeiten des herzlichen, aber immer amüsanten und oftmals verdammt witzigen Filmemachens tanzt, doch am Ende auf den richtigen Flecken im Herzen scheint. Dabei schob ich Jerry Maguire ziemlich genau zwanzig Jahre vor mir her. Wegen Tom Cruise? Ja, da gab es nennenswerte Phasen, die ich letztlich überwinden konnte. Oder lag's vielleicht an den schauderlich schrecklichen Inhaltsbeschreibungen? Immerhin stehen da wortwörtlich Sachen wie "Die ultimative Romantic Comedy der 90er" und "...sein Herz erobert..." auf der Rückseite der üppig ausgestatteten Blu-Ray, die dann auch nur fünf europäische Taler gekostet hat. Ach, egal. Jetzt hat's ja geklappt und die meist temporeiche Story um einen geknickt egozentrischen, hier und da weinerlich erfolgsverwöhnten und auf der Gefühlsebene schwierig zerfahrenen Sportmanager namens Jerry Maguire (eben Tom Cruise), der seine großartig laufende Karriere so halbsüßlich der Menschlichkeit wegen total lahm legt, um sich dann portionsweise wieder empor zu hangeln ohne seine Seele zu verkaufen, ist fantastisch geschrieben und trotz einer dicken Linie Kitsch, Liebegefasel in hohen Dosen und reichlich Zuckerguss fulminant inszeniert, pointiert in allen Enden und mit euphorischer Musik durchsetzt, die einfach niemals vergehen wird.

Dabei ist die erste Stunde mit all ihren Höhen und Tiefen, den zig Kurven und Aufschlägen und der verzweifelten Sinn- und Lebenssuche Jerrys 'ne glatte Zehn und Platin! Da verzeihe ich auch den aus heiterem Himmel herunter regnenden und zehn Minuten andauernden, vor sich hin triefenden und beinahe überhand nehmenden Befindlichkeitsschmonz, welcher in dieser geballten Empfindungswucht nach etwa 90 Minuten schon arg an meinen eingerosteten Geduldsfäden schabte und nagte - so gerne ich wie Cameron Crowe ein ewiger ob der Romantik loyalisierender Romantiker mit Kür und Zugabe wäre, aber das ist, so schicksalsträchtig vorgetragen, schon hart an irgendeiner Grenze, die ich für mich erst noch definieren muss. Doch an diesen Stellen, an welchen der Film vorangegangenes spiegelt, reüssiert und neu aufrollt, punktet Jerry Maguire immerhin mit vielen Facetten der Wahrheit in reichlich gesättigten Fetten. Crowes Film heißt zwar Jerry Maguire, bleibt aber vor allem in der zweiten Hälfte öfter auch an anderen Figuren haften, was ich als durchaus zwiespältig und oder unausgegoren hinstellen muss. Es fühlt sich nicht alles richtig, vollendet oder passend an, auch weil Crowe nach diesen zehn Minuten unerträglicher Duselei einem selbstbesoffenen Scheidepunkt gleich auf einmal ein nicht leicht einzuordnendes Ehedrama mit Schmachtmomenten einrührt, das sich selbst nicht wirklich verkraftet - so gut und oder schlecht wie das Leben selbst? Puh! Überhaupt rennt und stolpert Jerry Maguire zum Ende hin durch seine Kapitel und trotz der stolzen 138 Minuten ist der Film schlicht zu kurz geraten oder wahlweise überfrachtet. Der wie gesagt temporeiche Flow, weicht einer taumelnden Hast. Die Oscarnominierung für's Drehbuch war hochverdient, denn Crowe hat ein paar ganz fantastische Lines und Flüsse, Überbauten und Szenen in petto, die zeitlosen Wert ausstrahlen, doch auf den letzten Metern fühlt sich Jerry Maguire an, als käme nach dem elften Schritt nicht der zwölfte Schritt und so weiter. 

In der ersten Filmhälfte ist Tom Cruise in unwiederholbarer Bestform! Was Cruise die erste Stunde an Feuer, Ausbruch und Leben auf die Leinwand bannt, ist packend, absolut brillant und ein zunächst ungefiltert chargierender Wahnsinn! Geil, geil, geil! Klar, auch Jerry Maguire ist letztlich die blendend gleißende und unverfälscht positive Tom-Cruise-Show wie man sie kennt und liebt oder wahlweise kennt und verachtet - mitsamt unabwendbarer Läuterung und Glückseligkeit au four. Diese rastlose Energie und die empathische Hingabe, diesen aufgedrehten Irrsinn und den wärmenden Zauber dieser Rolle - das hätte wohl kein anderer Schauspieler so unverwechselbar rüberbringen können. Anders gesagt: Zwischen einer genüsslich grimassierenden und noch viel mehr faszinierenden Irritation und einer ungebrochen optimistisch vorgetragenen Zuneigung, rauscht Cruise durch all das, was sich Leben nennt. Gerade nochmal über die damaligen Oscar-Gewinner geschaut. Schade, dass Cruise den Preis nicht verliehen bekommen hat. Als Cruise am Tiefpunkt Jerrys den grinsenden und grabschenden Betrunkenen gibt - stilecht mit Sonnenbrille im Dunkeln und einem beneidenswerten Movement -, hab ich applaudiert, genau wie beim nicht enden wollenden Geschrei des Schotters wegen. Oscar (an Geoffrey Rush) verschenkt. Was soll's.

Renée Zellweger macht im Spagat zwischen bieder hilflos und ohne echte Konturen niedlich, was ihr das Drehbuch gibt, was sich leider in überschaubaren Grenzen hält. Dennoch stimmt die Chemie im Gesamten und vor allem die humorvollen Einschübe durch sie hindurch passen, passt das, was nicht passen kann und dann doch irgendwie. Oder so ähnlich. Die sprühende und Gänsehaut atmende Liebesszene zwischen Zellweger und Cruise ist wirklich sinnlich und geduldig - Crowes Regie sitzt, ohne das es selbst im Ansatz graut. Nennenswerte Auftritte haben noch Bonnie Hunt (witzig und schlagfertig), Kelly Preston (unwitzig, aber schlagfertig), Beau Bridges (ist immer 'ne Bank) und Jerry O'Connell (covert im Hintergrund gekonnt Nirvana). Eric Stoltz und Regina King sind auch da und laut Wikipedia hat selbst Katarina Witt irgendwo einen Auftritt in Jerry Maguire. Ich habe sich nicht erblickt. Na, so schaue ich also Filme. Keine Ahnung, wann ich mal geblinzelt hab. So viel dazu.

Cuba Gooding Jr. ist der, der mit dem Oscar für den besten Nebendarsteller nach Hause ging - tolle und ebenfalls aufbrausende Performance! Seine körperbetonte Exaltiertheit und der ansteckend freudige Krawall ob einer ehrlichen Reaktion sind am Ende schon so ein bisschen rührend und neben Cruise das Highlight des Films. Ja, Buddy-Movie kann Jerry Maguire ebenso. Jede der Zutaten schmeckt zumindest markant heraus und für alle ist was dabei.

Jerry Maguire ist damit zwar eigenartig gewichtet, aber zuweilen bissig und geschliffen, rasant und mitunter zum Brüllen genial! Dann hat Crowes Film auch noch eifrig Herz in allen Biegungen und Krümmungen, was zwar nicht vollends aufgeht, manchmal dem Verzweifeln nahe schmerzt und Stirnfalten zeichnet, aber auch alles andere als verärgert. Am Ende bleibt ein in gleichen Teilen lebensfroher, positiv lähmender und hellerlicht berauschender Mischmasch hängen, der einen nicht nur zum Schotter führt, sondern auch zum womöglich allein zählenden Quan, wie es im Film so schön heißt. Das Wort -s-c-h-ö-n- kommt mir hier in den Sinn. 20 Jahre vor mir hergeschoben! Scheiße! Hätte ich den Film mal eher geschaut. Vielleicht lag's auch an der einstigen Gesellschaft? Ich erinnere mich nicht mehr, weiß aber, weshalb Jerry Maguire irgendwann mal wieder laufen wird. Führ mich zum Schotter!

8/10
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Kommentare

03.06.2020 10:59 Uhr - CheesyAK47
Führ mich zum Schottaaaaaa!

Schicke Review !

03.06.2020 20:17 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.136
Über den Film kann ich nix schreiben, gehört nicht in mein Programm.

Aber, wirklich toll geschriebene Review!

12.06.2020 19:11 Uhr - Giant P
Toll geschriebenes Review zu einem wirklich guten Film mit guten Darstellern

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