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Hanadama

Herstellungsland:Japan (2014)
Genre:Horror
Alternativtitel:Hana-Dama
Hana-Dama: The Origins
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
An der neuen Schule wird Austauschschülerin Mizuki täglich zum Mobbing-Opfer ihrer Klassenkollegen. Hilfe findet sie weder bei den Lehrern noch im zerrütteten Elternhaus, dafür aber in Schulkameradin Kirie eine echte Freundin. Doch die Hänseleien spitzen sich immer weiter zu und werden sogar sehr bald gewalttätig. Hass und Verachtung lassen in Mizukis Körper etwas gedeihen. Etwas gänzlich Unirdisches, das sich am Leid der Menschen laben möchte.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von the machinist:

Hana-Dama: The Origin

Blumige Aussichten

 

Wenn ein Regisseur in seiner Karriere schon Filme mit den klangvollen Titeln Rampo Noir, Splatter: Naked Blood, Lolita: Vibrator Torture und noch etwa sechzig weitere davon gemacht hat, dann kann man sicher sein, dass dieser von seiner sexuell angehauchten Gewaltschiene vermutlich im Leben nicht mehr herunterkommt. So ist das jedenfalls bei Hisayasu Sato (von dem ich unbedingt noch mehr Filme vorstellen muss), der seit 1985 bis heute einen gepflegten Ero-Guro-Sleazer nach dem anderen raushaut. Diese sind in ihrer Inszenierung manchmal echt stümperhaft und ab und zu sogar richtig gut, und insgesamt immer geschmackvoll geschmacklos bis zu Äußersten. Genau so ein Fall ist auch sein Hana-Dama: The Origin von 2014. Und dann irgendwie doch nicht. 

An der neuen Schule wird Austauschschülerin Mizuki (Rina Sakuragi) täglich zum Mobbing-Opfer ihrer Klassenkollegen. Hilfe findet sie weder bei den Lehrern noch im zerrütteten Elternhaus, dafür aber in Schulkameradin Kirie (Maika Shimamura) eine echte Freundin. Doch die Hänseleien spitzen sich immer weiter zu und werden sogar sehr bald gewalttätig. Hass und Verachtung lassen in Mizukis Körper etwas gedeihen. Etwas gänzlich Unirdisches, das sich am Leid der Menschen laben möchte...

Das Land Japan hat ein enormes Problem mit Mobbing, ob nun in der Schule oder am Arbeitsplatz. Das ist an sich leider nichts Neues und wird auch immer wieder im japanischen Kino als kontroverses Rahmenthema aufgegriffen, sei es nun in Tetsuya Nakashimas kongenialem Seelenzerstörer Confessions - Geständnisse, der Rache-Groteske Liverleaf von Eisuke Naito oder im Kult-Anime Elfen Lied. Da gibt es natürlich noch etliches mehr und irgendwo zwischen den ganzen großen Namen wollte Hisayasu Sato auch noch sein Exempel statuieren.

Das es sich bei Hana-Dama selbst unter den Nischenfilmen um einen Nischenfilm handelt, lässt sich kaum leugnen. Mit der billgen Digitalkamera-Optik des fertigen Shot-on-Video-Produkts sollte man sich jedenfalls anfreunden können, um dieses überhaupt in irgendeiner Form zu genießen. Zusammen mit der kaum vorhandenen Musikuntermalung und den immer gleichen Arealen des Schulgeländes verstärkt sich die trostlose Stimmung aber immerhin soweit, sodass man mit anderthalb zugekniffenen Augen über die schlechte Bildqualität hinwegsehen kann.

In der Besetzungsliste sollte man keine hochkarätigen Charakterdarsteller erwarten, doch erfüllt die abgebrühte Rina Sakuragi (Genre-Insider könnten ihr Gesicht in Flower & Snake: Zero schonmal gesehen haben) als Mizuki ihren Job ordentlich und auch Maika Shimamura, die deutlich verletzlicher spielt, sah ich gerne. Alsbald kommt auch noch Syun Asada dazu und die drei gründen daraufhin eine Art Ultra-Low-Budget-Breakfast Club für Hartgesottene mit Tokyo Fist-Attitüde. Währenddessen glänzt Tetsuo: The Iron Man-Rentnerin Kei Fujiwara als Mizukos überbesorgte Mutter - diesmal allerdings ohne überdimensionierten Metallpenis. Der Rest des Casts setzt sich aus Laiendarstellern zusammen, die ihren Zweck als gehässige Mistkerle aber komplett erfüllen. Zumindest die Lehrer, von denen es lediglich drei gibt, hätte ich in einer bestimmten Szene gerne selbst ermordet.

Die psychologisch überraschend durchdachten Hintergrundgeschichten mancher Charaktere, springen positiv aus dem Konzept, gleichzeitig ist der Film jedoch nicht sonderlich spannend, gerade weil die meisten von Satos interessanten Ideen erst relativ spät zünden. Zum Großteil als krankes Drama ausgewalzt, schreckt Hana-Dama inhaltlich nicht vor Selbstverletzung und sexuellem Missbrauch zurück. Letzteres ist irgendwann sogar explizit regelmäßiger Bestandteil des Gezeigten. Unterm Strich gestaltet sich Hana-Dama aber sowieso als durchgehend zeigefreudig und Sato lässt gleich mehrere der Hauptdarsteller blank ziehen.

Es folgen Informationen über den Ausgang der Geschichte und die genaue Erläuterung warum Hana-Dama denn eigentlich ein Horrorfilm ist. Also...

Achtung Spoiler!

Im letzten Filmdrittel manifestieren sich die in Mizuki durch das Mobbing aufgestauten psychischen Belastungen im besten Body-Horror-Sinne. Infolgedessen sprießt dem Mädchen eine ''Rafflesia arnoldii'', ein fleischiges Blütengewächs (bestehend aus rotem Bastellatex), aus dem Kopf. Daher leitet sich auch der originale Filmtitel Hanadama - stoßende Blume - ab. Die Pflanze ist in der Lage Menschen zu hypnotisieren und deren Emotionen ins Unermessliche zu steigern, von erhöhtem Lustempfinden bis hin zu Suizid. Mizuki startet mithilfe der Blume einen Rachefeldzug gegen ihre Peiniger, der in einer Todesorgie im Klassenzimmer gipfelt, welche mit zweckmäßig getricksten Gore-Effekten aufwartet. Jedenfalls sterben viele Menschen, und das auch überwiegend ziemlich eklig, wobei manche der Figuren auch schlicht an ihren gestörten Persönlichkeiten zugrunde gehen. Das alles ist in seiner Ausführung doch recht verstörend und hat nichts mit veralbertem J-Splatter a'la Mutant Girls Squad oder Helldriver zu tun.

Besonders hierbei: Letztendlich bekommt in Hana-Dama jeder das was er verdient. Da auch die Sympathieträger des Films gen Ende nur noch Gewalt mit Gewalt vergelten, mag dies gleich doppelt subversiv erscheinen.     

Spoiler Ende!

Wer also was mit sicken Low-Budget-Filmen, oder allgemein den Werken des Regisseurs anfangen kann, dem sollte auch Hana-Dama: The Origin in all seiner sperrigen Pracht zusagen. Irgendwie hatte der was. 

 

Fazit: Ein solider, wenn auch unausgegorener Genrehybrid der ausschließlich Fans von extremem japanischem Underground-Kino ansprechen dürfte. 

6/10
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Kommentare

07.06.2020 02:10 Uhr - Cabal666
1x
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Und wieder eine schöne Kritik, Machinist! :)
Ich kann hier im Grunde nur das wiederholen, was du unter meiner letzten Review geschrieben hast: von dem Film hab ich noch nie gehört, aber jetzt bin ich neugierig geworden. Dank dir. :)
Der Regisseur war mir tatsächlich schon ein Begriff, mit seinem Werk hab ich mich bis jetzt allerdings noch nie auseinander gesetzt. Was du da schreibst, klingt allerdings sehr ansprechend. Und wegen Kei Fujiwara muss ich mir den sowieso ansehen! (^^)
Den behalte ich auf jeden Fall auf dem Schirm. Du gräbst echt tolle Geheimtipps aus!

07.06.2020 08:41 Uhr - dicker Hund
2x
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Humorfreier "Bad Milo!" meets blutigen "Flower & Snake 2"? Nach einem derart schrägen Hybrid hört sich das an. Solche Außenseiter sind selten wirklich gut, dafür aber oft genug ziemliche Grütze. Dank des abseitigen Unterhaltungswerts lasse ich mich trotzdem gerne mal mit bloß mittelmäßigen Beiträgen aus diesem Topf verköstigen. Was mich erwarten würde, kann ich mir jetzt jedenfalls lebhaft vorstellen.

07.06.2020 12:00 Uhr - The Machinist
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@cabal: Kei Fujiwara dreht in dem jedenfalls ordentlich ab. Gibt auch 'ne Szene in der sie und eine Lehrerin versuchen sich gegenseitig zu ''overacten'', köstlich. :)
Jo, irgendwie hatte der seinen Reiz. Deshalb auch die sechs Punkte, was für so einen ''Billo-Film'' eigentlich echt gut gemeint ist.
Danke für's Lesen und dein Lob. Will mir aber auf alle Fälle deinen vorgestellten ''Disconnect'' ansehen, auch wenn der nichts mit japanischem Irsinn zu tun hat.

@dicker Hund: Also ich würde ihn eher beschreiben als kostengünstige Exploitation-Version von ''Carrie'', bei der Junji Ito und Takashi Shimizu ihre Finger mit im Spiel hatten. ;-)
Doch ''Hana-Dama'' ist psychologisch um einiges versierter, als ich anfangs erwartet hatte, womit er mMn deutlich aus dem Meer ähnlicher Produktionen heraussticht. Den kann man sich echt mal geben.

2016 folgte ''Hana-Dama: Phantom'' vom gleichen Regisseur, die Handlung spielt diesmal in einem Pornokino (oje). Eine Sichtung meinerseits steht noch aus.

08.06.2020 19:05 Uhr - Laughing Vampire
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Mann! Ein Film, den ich schon ewig sehen wollte und bislang immer noch nicht finden konnte. :( Tolle Kritik, ich mag Sato Hisayasus Filme sehr. Mein bisheriger Liebling ist der auch in Europa nicht ganz unbekannte "Megyaku: Naked Blood" von 1996. Der Mann kann stilistisch einiges (auch mit sehr wenig Geld), hat etwas zu sagen und provoziert nicht nur der Provokation wegen wie manche seiner Mitstreiter in der japanischen Extremkino-Szene.

08.06.2020 19:21 Uhr - The Machinist
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@Laughing Vampire: Habe selbst die US-Blu-ray davon, ist aber nicht ganz billig. Gibt es etwa hier:
https://www.ebay.de/itm/Hana-Dama-The-Origin-2016-Blu-ray-NIEUW-2-DISC-SET/122800529851?ssPageName=STRK%3AMEBIDX%3AIT&_trksid=p2060353.m2749.l2649

Ist halt nur Region A, also brauchst du kompatibles Equipment.

Sehe Satos Filme soweit auch gerne, auch wenn ich noch lange nicht alles von ihm kenne. Aber ja, hast recht, im Vergleich zu einem Koji Shiraishi oder Sade Sato geht's bei ihm meistens um mehr als reine Gewalt. Wobei ich deren Filme auch ''mag''. ;-)

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