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Disconnect

Herstellungsland:USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Drei Geschichten schicksalshaft miteinander verbunden: Die ehrgeizige Journalistin Nina Dunham wittert eine Story, als sie im Pornochat den minderjährigen Kyle kennenlernt. Der auf Internetkriminalität spezialisierte Ex-Cop Mike Dixon bemerkt nicht, dass sein Sohn rücksichtslos einen Mitschüler über soziale Netzwerke mobbt. Und seit dem Tod ihres Babys sucht Cindy Hilfe in Internetforen und ihr Mann Derek verliert sich beim Online-Poker. Als ihr Computer gehackt und das Konto leergeräumt wird, erwachen die beiden aus ihrer Starre.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

Mit "Disconnect" schuf der ansonsten hauptsächlich für Dokumentarfilme bekannte Henry Alex Rubin ein beeindruckendes Ensembledrama, das sich auf differenzierte und zugleich sehr eindringliche Weise den Schattenseiten der Digitalisierung und globalen Vernetzung widmet. In drei Episoden, die zwar weitestgehend unabhängig voneinander erzählt werden, sich jedoch immer wieder überschneiden, werden die Gefahren von Cybermobbing, Identitätsdiebstahl und digitaler Prostitution wie auch die Auswirkungen davon auf das Privatleben der Opfer und ihres persönlichen Umfelds geschildert.


Dass all diese Personen den ganzen Film über glaubwürdig erscheinen und einem ihr Schicksal nahe geht, ist dem großartigen Cast zu verdanken, der bis in die kleinsten Rollen aus namhaften und talentierten Akteuren besteht, die ihre Figuren ernst nehmen und ihnen Leben verleihen. Wie auch dem Drehbuch vom eher unbekannten Autoren Andrew Stern, dem es gelingt, die verschiedenen Handlungsstränge angemessen auszubalancieren, sodass jeder den angemessenen Raum erhält, bis sie schließlich alle auf einen gemeinsamen Höhepunkt zusteuern, wobei auch Verhalten und Äußerungen der Figuren immer realitätsnah erscheinen. Wie schon ein anderer User in seinem Review zum Film schrieb: hier wirkt nichts aufgesetzt, unnötig oder gar nervig. Jede Szene hat ihre Berechtigung, denn jeder Dialog und jede Überschneidung einer Geschichte mit einer anderen ist wichtig für das Fortschreiten der Erzählung.


Die Handlung folgt nun dem gestressten Anwalt Rich Boyd (der hauptsächlich aus Komödien bekannte Jason Bateman hier mal in einer ernsten Rolle), der seine Familie - bestehend aus seiner Ehefrau Lydia (Hope Davis, u.a. "Flatliners", "Arlington Road") und den beiden pubertierenden Kindern Ben (Jonah Bobo, "Zathura") und Abby (Haley Ramm, "Into The Wild", "X-Men 3") - für die Arbeit vernachlässigt und so nicht mitbekommt, dass sich Ben immer weiter von seinem Umfeld abkapselt und auf eine verhängnisvolle Online-Beziehung einlässt. Parallel dazu wird das Ehepaar Derek (Alexander Skarsgard) und Cindy Hull (Paula Patton) gezeigt, das sich nach dem Tod des gemeinsamen Sohns auseinandergelebt hat, aus seiner Lethargie aber erwacht, als ein Hacker ihre gesamten Konten leer räumt. Sie konsultieren den auf Cyber-Verbrechen spezialisierten Privatdetektiv Mike Dixon (Frank Grillo, sonst vor allem in Actionfilmen anzutreffen, hier ebenfalls in einer untypischen Rolle), der ihnen Cindys Online-Bekanntschaft Stephen Schumacher (der viel zu früh verstorbene Michael Nyqvist, der gemeinsam mit Patton ein Jahr zuvor auch im vierten "Mission Impossible"-Film zu sehen war) als möglichen Schuldigen präsentiert. Mike ist gleichzeitig der Vater des Schülers Jason (Colin Ford, u.a. "Under The Dome", "Captain Marvel"), der gemeinsam mit seinem Freund Frye (Aviad Bernstein) gegen Ben Boyd Cybermobbing betreibt. Die letzte und am stärksten von den anderen Geschichten unabhängige Episode konzentriert sich schließlich auf den Jugendlichen Kyle (Max Thieriot, "Der Babynator", "House At The End Of The Street"), der seinen Körper vor der Kamera im Internet verkauft und von der Reporterin Nina Dunham (Andrea Riseborough, zuletzt im neuen "The Grudge"-Film zu sehen) kontaktiert wird, die eine heiße Story wittert. Als sie ihn näher kennenlernt, versucht sie jedoch, ihn aus diesem Umfeld herauszuholen, was zu Ärger sowohl mit Kyles "Zuhälter" Harvey (verkörpert vom Modedesigner Marc Jacobs) als auch mehreren FBI-Ermittlern (darunter die aus "Candyman" bekannte und mittlerweile selbst als Regisseurin tätige Kasi Lemmons) führt.


All diese Geschichten kreuzen sich nun ab und zu, verlaufen größtenteils jedoch für sich allein stehend, wobei sie auch eigene Höhepunkte erreichen (besonders eindringlich ist dabei der Selbstmordversuch Ben Boyds geraten), verschiedene Wendungen einschlagen und schließlich in einem äußerst eindringlichen gemeinsamen Klimax kumulieren, in dem sich die zuvor immer weiter gestiegene psysische Anspannung körperlich entlädt, und der mit beeindruckenden Zeitlupenaufnahmen in einer Parallelmontage die Gemeinsamkeiten der durch die Vernetzung einander entfremdeten Hauptfiguren unterstreicht. Einen so intensiven Höhepunkt erlebt man selten. Der Verlust des Zwischenmenschlichen in einer paradoxerweise immer stärker miteinander verbundenen Gesellschaft ist das Hauptthema des Films, dem er sich jedoch auf differenzierte Weise widmet und nicht nur die negativen, sondern auch die positiven Aspekte des Internets aufzeigt; wie beispielsweise den gegenseitigen Austausch und Trost von Leuten, die geliebte Personen verloren haben, auf für sie erstellten Webseiten. Ge- und Missbrauch der neuen Schrankenlosigkeit im digitalen Zeitalter werden deutlich bebildert und sich einfachen Antworten dabei verweigert. "Disconnect" endet zwar hoffnungsvoll, präsentiert dabei aber keine eindeutige Lösung für die gezeigten sozialen Konflikte, sondern überlässt vieles dem Urteil des Zuschauers, was ihn angenehm vom üblichen, nur selten tiefsinnigen, Hollywoodkino abhebt.


Die vom späteren "Deadpool"- und "Terminator: Dark Fate"-Kameramann Ken Seng eingefangenen, entsättigten, blaustichigen Bilder unterstreichen die von emotionaler Verkümmerung geprägte Interaktion der handelnden Personen. Oft wird auch vom mittlerweile sehr verbreiteten Stilmittel gemacht, digitale Unterhaltungen zweier Personen neben Großaufnahmen der Gesichter beider Charaktere im Bild einzublenden. Der sehr atmosphärische elektronische Score vom post-klassischen Komponisten Max Richter (u.a. "Watz With Bashir", "The Leftovers") und der hauptsächlich aus Titeln von Indie-Bands bestehende Soundtrack, zu dem u.a. The Limousines, Electric Guest und Awolnation einzelne Lieder beisteuerten, sorgen für die passende melancholische Musikuntermalung zum von einer unterkühlten Atmosphäre bestimmten Geschehen, fräsen sich jedoch auch mehrmals mit einer unvermittelten Intensität in die Gehörgänge. Awolnations bekanntestes Lied, "Sail", ist dabei gleich im Vorspann zu hören und gibt die Marschrichtung für den Rest des Films vor.


Insgesamt ist "Disconnect" so ein richtig starkes Drama mit einem großartigen Ensemblecast, das wohl auch eine der ernsthaftesten filmischen Auseinandersetzungen mit der Thematik der sozialen Entfremdung im digitalen Zeitalter darstellt. Henry Alex Rubin (der danach beim "24"-Spin-Off "Legacy" Regie führte) hat mit seinem Spielfilmdebüt ein eindrucksvolles Statement gesetzt. Das hier ist echt ganz großes Schauspielkino und auch in handwerklicher und erzählerischer Hinsicht auf einem sehr hohen Qualitätslevel angesiedelt. Mich hat "Disconnect" bei Erstsichtung jedenfalls völlig kalt erwischt, da ich nicht mit einem so intensiven Erlebnis gerechnet hatte. Ich kann ihn echt nur empfehlen. Das hier ist ein unbedingt sehenswerter Film, der wohl nur wenige ünberührt zurücklassen dürfte!

9/10
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Kommentare

06.06.2020 21:38 Uhr - The Machinist
1x
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Noch nie was davon gehört, aber das klingt wirklich sehr gut. Und mit der erwähnten Musik weiß ich auch etwas anzufangen. Den behalte ich mal auf dem Schirm. Dank dir.

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