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The Girl With All The Gifts

Herstellungsland:Großbritannien (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Science-Fiction, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,38 (13 Stimmen) Details
inhalt:
In einer nicht allzu fernen Zukunft: Eine aggressive Pilzinfektion hat fast die gesamte Menschheit in fleischfressende, zombieartige Wesen – sogenannte „Hungries“ – verwandelt. Nur eine kleine Gruppe infizierter Kinder verspricht Hoffnung auf ein Heilmittel: Sie können ihren „Fressimpuls“ kontrollieren, weil ihr Verstand noch nicht der Infektion zum Opfer gefallen ist. In einer Militärbasis werden sie von der Wissenschaftlerin Dr. Caldwell grausamen Experimenten unterzogen und besuchen unter dem wachsamen Auge von Sergeant Parks täglich den Schulunterricht. Doch ein Mädchen unter ihnen ist anders: Die junge Melanie übertrifft ihre Mitschüler an Intelligenz, ist wissbegierig, einfallsreich und vergöttert ihre Lieblingslehrerin Miss Helen Justineau. Als die Basis von einer Horde Hungries überrannt wird, kann Melanie zusammen mit Helen, Sergeant Parks und Dr. Caldwell gerade noch entkommen. In einer in Chaos und Zerstörung versunkenen Welt muss Melanie bald nicht nur über ihre eigene Zukunft, sondern das Schicksal der gesamten Menschheit entscheiden.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

"The Girl With All The Gifts" ist ein spannender, brutaler Endzeitthriller, der von Anfang an eine bedrückende Stimmung aufbaut. Es handelt sich hierbei um die Adaption einer Vorlage von Roman- und Comicautor Mike Carey, der u.a. schon für die "X-Men" schrieb und auch für das Drehbuch des Films verantwortlich zeichnete. Seine Geschichte bezieht aus vielen Werken des Genres Inspirationen; am offensichtlichsten sind die Bezüge zum Videospiel "The Last Of Us", denn der Ursprung der Zombieseuche ist mit einer Pilzinfektion derselbe, zudem ist auch die Charakterkonstellation sehr ähnlich. Auch der mittlerweile bereits fast 20 Jahre alte "28 Days Later", einer der bahnbrechendsten (Quasi-)Zombiefilme stand hier wohl Pate, denn die fleischhungrigen Infizierten sind hier noch am Leben, beide Filme bieten ein postapokalytisches Großbritannien als Schauplatz und ähneln sich auch in ihrer Atmosphäre. Gegen Ende tauchen außerdem Anleihen aus der zeitlosen Parabel "Herr Der Fliegen" auf.

Hauptfigur ist das titelgebende Mädchen Melanie, das mit vielen anderen infizierten Kindern in einem Militärkomplex festgehalten wird. Diese haben trotz ihres animalischen Hungers ihre Intelligenz behalten und dienen daher als Forschungsobjekte, um ein Heilmittel gegen den Pilz zu finden. Bei einem Angriff zahlreicher anderer Infizierter muss der Komplex evakuiert werden. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin, einem Armeesergeant und einer gewissenlosen Wissenschaftlerin gelingt Melanie die Flucht. Verzweifelt streift die Gruppe durch ihr verwüstetes Heimatland, auf der Suche nach einem sicheren Ort.


Getragen wird der Film vor allem von seinen hervorragenden Hauptdarstellern. Newcomerin Sennia Nanua zeigt in ihrer ersten großen Filmrolle ein für ihr Alter beachtliches schauspielerisches Talent (nur im Showdown wirkt ihr Rumgebrülle eher lächerlich). Als augenscheinlich unscheinbares, tatsächlich aber gerissenes und aufgewecktes Zombiemädchen Melanie, das sich trotz seines animalischen Hungers seine Menschlichkeit bewahrt, wird sie zur wichtigsten Identifikationsfigur und ist sogar sympathischer als die meisten "normalen" Menschen. Unter diesen stechen vor allem Gemma Arterton als mitfühlende Lehrerin der infizierten Kinder und die beiden altgedienten Darsteller Paddy Considine (als Armeesergeant, der anfangs skrupellos wirkt, im Laufe des Films jedoch eine Wandlung gegenüber der Hauptfigur durchmacht) und Glenn Close als besessene Wissenschaftlerin hervor. Als Armeeangehörige, die zeitweise ebenfalls zur Gruppe gehören, sind außerdem Anthony Welsh ("Red Tails") und Dominique Tipper ("The Expanse") mit von der Partie. Generell ist der Cast - vor allem für dieses Genre - überdurchschnittlich.


Auch handwerklich bietet "The Girl With All The Gifts" wenig Anlass zur Kritik. Die von Pflanzen überwucherten Sets und Stadtlandschaften erzeugen eine überzeugende Endzeitstimmung. Die wohldosierten Actionmomente sind brutal und wirken unmittelbar, kommen jedoch ohne allzu großes Gesplattere aus. Dazu wird auch oft an der Spannungsschraube gedreht. Wenn die Hauptcharaktere sich durch eine riesige Menge schlafender "Hungries", wie die Zombies hier heißen, schleichen, wagt man selbst kaum zu atmen.


Für richtig viel Atmosphäre sorgt zudem die Filmmusik mit ihrem summendem, bedrohlich wirkendem Chorgesang, die vom chilenischen Musiker Cristobal Tapia de Veer komponiert wurde. Sie geht einem noch lange nach dem Film nicht mehr aus dem Kopf.


Interessant sind auch die existenzialistischen Fragestellungen, die hier angestoßen werden: wenn die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung (hier verkörpert durch Kinder-Hybride) bereits abgeschlossen ist, lohnt es sich denn dann überhaupt noch, für ein Überleben der Menschheit zu kämpfen? Hat sie es angesichts ihrer Grausamkeit überhaupt verdient, den Planeten weiter zu beherrschen? Oder ist unsere Zivilationsform dennoch die bestmögliche?


Einfachen Antworten wird sich hier zum Glück verweigert. Das apokalyptische Ende, welches in der allerletzten Szene dennoch Optimismus aufkeimen lässt, beantwortet nicht, wie eine zukünftige Gesellschaft aussieht. Aber es lässt Hoffnung auf eine bessere zu.


TV-Regisseur Colm McCarthy, der hier sein Debüt bei einem größeren Kinofilm gab, und Mike Carey ist hiermit einer der besten Horrofilme des neuen Jahrtausends gelungen. "The Girl With All The Gifts" verwendet viele Zitate aus anderen Werken, fügt diese jedoch zu einem funktionierenden, originellen neuen Ganzen zusammen. Er hat durchaus das Zeug zum künftigen Klassiker.

8/10
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Kommentare

13.06.2020 21:57 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 685
Einer der besten Horrorfilme des neuen Jahrtausends ist der für mich zwar nicht, aber ein sehr guter und vor allem ambitionierter. Tolle Kritik die du hier mal wieder verfasst hast, auch wenn ich finde dass sich eine kurze Inhaltsangabe innerhalb dieser immer besser macht.

Auch das Buch gelesen?

14.06.2020 15:18 Uhr - Cabal666
1x
User-Level von Cabal666 6
Erfahrungspunkte von Cabal666 572
Danke für dein Feedback, Machinist!
Habe mal eine Inhaltsangabe und ein paar zusätzliche Infos bezüglich des Casts ergänzt. Hast schon recht. Die Kritik war noch nicht ganz vollständig.

Das Buch habe ich leider noch nicht gelesen. Will es mir aber auch schon länger zulegen. Mike Careys "X-Men"-Storyline war jedenfalls meiner Meinung nach eine der besten innerhalb der Comics.

14.06.2020 16:25 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 10
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.350
Schöner Film und gut vorgestellt. Der Soundtrack ist tatsächlich noch besser als der Film selbst, finde ich. Hätte mir den fast mal gekauft, aber man kann ja nicht alles haben, trotzdem juckt es mich schon;-) baubaubaubaubau... totaler Ohrwurmcharakter.

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