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Virus - Schiff ohne Wiederkehr

(Originaltitel: Virus)
Herstellungsland:Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA (1999)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Horror, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (16 Stimmen) Details
inhalt:
Es hätte für Captain Everton der große Coup werden sollen, doch stattdessen steht er vor den Scherben seiner Existenz. Er kaufte eine riesige Ladung Stahlrohre und wollte die Ladung unversichert über den Atlantik schleppen, um sie in Übersee möglichst gewinnbringen zu verkaufen. Doch stattdessen gerät sein Schiff, die Sea Star in einen gewaltigen Sturm, die Fracht sinkt und beschädigt das Schiff stark. Mit letzter Kraft erreicht die Sea Star das Auge des Sturms. Die Nerven der Crew liegen blank. Everton will sich schon die Kugel geben, da fängt Navigatorin Kit Foster das Signal eines großen Schiffes auf, was keine Fahrt macht. Everton riecht die Bergungssumme und ordnet an, das leblose Schiff zu untersuchen. Es ist das russische Vladislov Volkov, auf dem scheinbar keine Menschenseele mehr an Bord ist. Dafür allerdings eine außerirdische Lebensform, die auf Elektrizität basiert und sich aus Metall und Leichenteile gefährliche Roboter zusammenbaut.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

Ein amerikanischer Bergungsfrachter büßt seine Ladung während eines Sturms ein. Die Crew kommt zwar mit dem Leben davon, steht nun aber vor den Trümmern ihrer Existenz. Unverhofft stoßen sie im Auge des Sturms auf ein verlassenes russisches Forschungsschiff. Man reibt sich schon gierig die Hände in Aussicht der üppigen Bergungssumme, als eine verstörte Überlebende auftaucht. Diese erzählt eine unglaublich klingende Geschichte, wonach sich ein Wesen aus Elektrizität des Schiffes bemächtigt und die Besatzung ausgelöscht hätte. Bald schon müssen die Crewmitglieder feststellen, wie wahr diese Schilderung ist und um ihr eigenes Überleben kämpfen.

"Virus" ist die Verfilmung eines eher unbekannten Comics des Verlags Dark Horse (u.a. "Die Maske", "Tank Girl", "Barb Wire", "Mystery Men", "Hellboy", Sin City", "300") von Chuck Pfarrer (schrieb u.a. an "Darkman", "Harte Ziele" und "Arlington Road" mit), der auch das Drehbuch mitverfasste und den Stoff ohnehin als Film geplant hatte. Zur Zeit der Niederschrift, Anfang der 90er, waren nur die visuellen Effekte noch nicht so weit ausgereift, dass er Vertrauen in die Umsetzung hatte. Ende des Jahrzehnts kam es dann endlich zur Verfilmung, bei der auch prompt ein Effektspezialist auf dem Regiestuhl saß: John Bruno, der für James Camerons "The Abyss" einen Oscar eingeheimst hatte und nach wie vor im Effektbereich tätig ist (in den letzten Jahren beispielsweise bei "Kingsman" und Brett Ratners "Hercules"). Dementsprechend sind die Effekte recht ordentlich geraten - wenn auch eher die handgemachten und weniger die computeranimierten. Glücklicherweise setzte man aber hauptsächlich auf erstere, wovon der Film profitiert, denn die täuschend echten animatronischen Monster bzw. Cyborgs wirken durchaus furchteinflößend.


Man könnte den Film mit dem späteren "Ghost Ship", der dasselbe Setting verwendet, vergleichen, noch deutlicher dürfte sich dem geneigten Genrefan jedoch "Event Horizon" aufdrängen. Selbiger verwendete fast dieselbe Ausgangslage, nur an Bord eines Raumschiffs. Hinsichtlich der Beleuchtung und des Szenenbilds ähneln sich beide Filme außerdem ziemlich, wobei "Virus" an Paul W.S. Andersons Film in Sachen Atmosphäre natürlich nicht herankommt. Der Unterschied besteht hierbei freilich auch darin, dass die Bedrohung nicht übernatürlichen, sondern außerirdischen bzw. technologischen Ursprungs ist. Die von einer bösartigen körperlosen Intelligenz gesteuerten Roboter und Cyborgs wirken dabei auch aus Elementen verschiedener anderer Filme zusammengesetzt: es werden Erinnerungen an "Terminator", "Hellraiser", "The Thing" und "M.A.R.K. 13 - Hardware" wach und natürlich kommen einem auch die Borg aus "Star Trek" in den Sinn. Diese Mischung geht aber auf.


Positiv hervorzuheben sind noch die Darsteller. Donald Sutherland als getriebener Kapitän flößt einem durchaus Respekt ein; Scream-Queen Jamie Lee Curtis und William Baldwin, der nach seinem ältesten Bruder Alec erfolgreichste Spross des Baldwin-Clans, als eigentliche Helden spielen ebenfalls nicht schlecht, auch wenn ihre Charaktere sehr schwach gezeichnet wurden. Ebenso auch der ewige Nebendarsteller Cliff Curtis, welcher hier tatsächlich mal entsprechend seiner Herkunft einen Maori verkörpert und dazu einen mit tätowiertem Gesicht - wohl seine optisch auffälligste und für einen Hollywood-Film durchaus ungewöhnliche Rolle. Ein netter Insider-Gag ist es zudem, dass das Foto von Sutherlands Filmsohn, welches dieser in einer Szene wehmütig betrachtet, seinen echten Sohn Kiefer zeigt.

Bei der Besetzung kann man sich hinsichtlich der Auswahl nicht beschweren, allerdings wird Sutherland leider ziemlich verheizt, da er viel zu früh in eins der Monster verwandelt wird und fast unmittelbar darauf auch schon 'nen Abgang macht. Sehr enttäuschend. Wenn schon, dann hätten die sich ihn für den Showdown aufsparen sollen!


Dazu ist die Handlung leider ziemlich vorhersehbar und die Dialoge sind oftmals albern. Dass der Streifen etwa ab der Hälfte dann eigentlich kaum noch auf Atmosphäre, sondern mehr auf die Actionschiene setzt, tut ihm außerdem nicht wirklich gut. Ebenso macht er kaum was aus seiner eigentlich recht originellen Prämisse, dass die Menschheit von einer fremdartigen Intelligenz angegriffen wird, die sie als Virus betrachtet (worauf sich der Titel bezieht). Was man durchaus für philosophische Fragestellungen hätte nutzen können. Höhere Ambitionen, als einen straighten, derben Sci-Fi-Horrorfilm zu schaffen, waren aber offenischtlich nicht vorhanden.


Nichtsdestotrotz bleibt "Virus" bis zum Schluss spannend und bietet dazu auch einiges an Gore, was für eine FSK-16-Freigabe ziemlich deftig geraten ist.


Der geneigte Horrorfan kann hier durchaus mal einen Blick riskieren. Insgesamt ist das hier zwar eher ein B-Movie mit A-Budget und -Cast, aber dafür auch ordentlichen Schauwerten, einer guten, wenn auch teils verschwendeten Besetzung und durchaus beängstigenden Ekeleffekten. Es ist schon etwas schade, dass "Virus" an den Kinokassen damals unterging und größtenteils vernichtende Kritiken einfuhr. Sogar Jamie Lee Curtis bezeichnete ihn als einen der schlechtesten Filme, an denen sie je mitgewirkt hatte. Verdient hat er das eigentlich nicht.


Ich sah den Anfang des Films übrigens als Kind mal im Fernsehen und bin rückblickend froh darüber, dass ich den kompletten Film erst zu Gesicht bekam, als ich schon volljährig war. Damals hätte mir das wohl nächtelang Albträume bereitet!

7/10
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Kommentare

15.06.2020 20:34 Uhr - McGuinness
1x
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Habe mir immer wieder vorgenommen, diesen zu sichten, zumal mir deine tolle Rezension wieder einmal aufgezeigt hat, wie sehr mich dieser doch eigentlich ansprechen müsste ?!
" Event Horizon " finde ich sau - stark, " Ghostship " wusste mich gut zu unterhalten und " M. A. R. K 13 " gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Danke dir für die ordentliche und ansprechend verfasste Review 😉👍🏻

16.06.2020 16:50 Uhr - Cabal666
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Und ich bedanke mich bei dir für dein nettes Feedback. Freut mich sehr! :)

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