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Bounty Killer

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Comicverfilmung, Komödie,
Science-Fiction, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Kickstart Comics: Bounty Killer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,61 (18 Stimmen) Details
inhalt:
2042. Weil die Apokalypse eine super Geschäftsidee war, ist die Welt nach den Corporate Wars zerstört. Mit ihrem Entdecker und Rivalen Drifter (Branton Box) brettert Mary Death (Christian Pitre) auf getunten MAD-MAX-2-Hotrods durch die staubige Western-Wüste. Sie will mit den Anzugträgern abrechnen, aber die sind schlau genug, Mary gegen Drifter und seinen chaotischen Lakai aufzuhetzen.
eine kritik von cabal666:

Ein herrlich bekloppter Endzeit-Trashstreifen!


"Bounty Killer" ist die Verfilmung des gleichnamigen (hierzulande leider immer noch nicht veröffentlichten) Comics, bei der der Autor der Vorlage Henry Saine ("Der Letzte Lovecraft") auch selbst Regie führte, nachdem er diese zuvor als Kurzfilm adaptierte. Und seine Regiearbeit kann sich wirklich sehen lassen!


Inspiriert ist der Streifen merklich von den "Mad Max"-Filmen und Tarantinos und Rodriguez' "Grindhouse"-Double-Feature sowie anderen Endzeit-Filmen der 70er bis 90er Jahre, vom originalen "Death Race" bis zu "Six String Samurai". Man hat hier natürlich die altbekannten Endzeit-Klischees: eine verwüstete Welt, knurrige Outlaws, schießwütige, leicht bekleidete Damen und abgedrehte Gangs mit verrückten Outfits, die sich in der Wüste gegenseitig bekriegen. Gleichzeitig bringt der Film aber auch genug eigene Ideen ein, um sich vom Genre-Einerlei abzuheben.


Geboten bekommt man hier Kopfgeldjäger (die titelgebenden "Bounty-Killer"), die wie Superstars angehimmelt werden, eine aggressive Zigeuner-Gang, deren Mitglieder ständig wie am "Tag der Toten" in Mexiko geschminkt sind und verrückte Gimmicks, wie einen Wohnwagen, der von Motorrädern wie eine Kutsche gezogen wird. Verbunden wird das Ganze mit einer originellen, wenngleich oberflächlichen, Kapitalismuskritik. Denn in dieser Geschichte sind es multinationale Konzerne, die für die Apokalypse verantwortlich zeichnen.


Die Besetzung kann sich dazu wirklich sehen lassen. Als Protagonist konnte der eher durch Nebenrollen bekannte Matthew Marsden (u.a. "Resident Evil: Extinction", "Transformers 2") gewonnen werden, seinen durchgeknallten Sidekick gibt der witzige Barak Hardley. 80er-Legende Gary Busey und Ex-Terminatrix Kristanna Loken sind die Bösewichter und ziehen dabei so richtig von der Leine; Gary Busey, der sich in größeren Produktionen seit der Jahrtausendwende leider sehr rar macht, hätte aber ruhig etwas mehr Screentime bekommen können. In einer kleinen Nebenrolle als sympathischer Ladenbesitzer, der die Bounty Killer mit Aufträgen und Prämien versorgt, sieht man außerdem den vor allem als Gibbs aus "Fluch der Karibik" bekannten Kevin McNally. Am meisten Eindruck macht aber definitiv Newcomerin Christian Pitre (hatte zuvor eine kleine Nebenrolle in "Crazy, Stupid, Love"; übrigens ein eigenartiger Vorname für 'ne Frau), die als Kopfgeldjägerin Mary Death vollen Körpereinsatz zeigt, alles niederballert, was ihr vor die Flinte kommt und dazu noch sehr hübsch aussieht. Ihre Mentorin und Vertraute wird von der aus den Griswold-Komödien mit Chevy Chase und "American History X" bekannten Beverly D'Angelo verkörpert und ihre Erzfeindin und Anführerin des Zigeunerstamms gibt die Rapperin Eve Jeffers, welche ihren Part auch gut macht.


Schauspielerische Glanzleistungen sollte man freilich nicht erwarten, aber darauf kommt es hier ja sowieso nicht an. Es ging vor allem darum, einen unterhaltsamen Film zu machen, und das ist auf jeden Fall gelungen. Man merkt den Akteuren den Spaß an, den sie beim Dreh hatten.


Und die Action ist auch nicht schlecht. Man bekommt ordentliche Schießereien geboten und es explodiert auch viel. Dem niedrigen Budget geschuldet, sind die Explosionen allesamt computeranimiert und sehen dementsprechend ziemlich beschissen aus, aber da sich der Film selbst nicht so ernst nimmt, macht das nichts. Außerdem gibt's auch 'ne Menge Splatter, diese Effekte sind dagegen in der Mehrzahl ordentlich handgemacht. Im Gegensatz zu Explosionen kann es nämlich auch in einem Trashstreifen nerven, wenn das Blut und Gekröse aus dem Rechner stammt; da erwarte ich mir schon etwas. Die teils wirklich derben Schlitz-, Schieß-, Enthauptungs- und Kopfspalt-Eskapaden brachten dem Film dabei wider Erwarten keine Indizierung, sondern "nur" eine ab-18-Freigabe ein. Wobei ich persönlich finde, dass eine Freigabe ab 16 wegen des doch eher humorvollen Grundtons passender gewesen wäre.


Besonders witzig ist jedenfalls ein Gag mit einer "lautlosen" Schießerei, die stark einer Szene aus dem ersten "Amazing Spider-Man" ähnelt, in der ein bestimmter Charakter durch eine akustische Trennung nicht mitbekommt, was sich hinter ihm abspielt. Hier ist die betreffende Szene sogar wesentlich cooler inszeniert worden.


Und natürlich wird wohl jeder Filmfan beim Wilhelmsschrei, den man in einer anderen Actionszene hört, richtig grinsen müssen. Solche Referenzen machen manche Filme erst richtig unterhaltsam.


Das Einzige, was ich wirklich zu bemängeln habe, sind die Dialoge. Sonderlich intelligent müssen sie freilich nicht sein, aber in einem selbstironischen Actionstreifen gehören schon auch ein paar einfallsreiche One-Liner rein. Und das sind die hier leider nicht im Geringsten, im Gegenteil. Die Sprüche sind lahm, einfallslos, hat man schon zigmal gehört. Dadurch ist leider der Unterhaltungswert auch nicht so hoch, wie ich es mir gewünscht hätte.


Aber nichtsdestotrotz bleibt "Bounty Killer" ein erfrischend anderer, kleiner Genrefilm, bei dem man merkt, dass richtig viel Herzblut rein floss. Der Vorspann mit Szenen aus dem Comic und der Abspann, bei dessen Anfang nochmal die wichtigsten Beteiligten eingeblendet werden (das Stilmittel gefällt mir immer bei Filmen) sind dazu sehr schön anzuschauen. Und besonders sympathisch macht es die Macher auch, dass man während des Abspanns dann noch ein paar Outtakes zu sehen bekommt. Auch wenn der Anspruch hier nicht sehr hoch ist - auch bei Trashfilmen können Szenen vergeigt werden, und wie bei größeren Produktionen (bei denen das dann meistens in die Extras der DVD gesteckt wird) ist das lustig anzusehen.


Also alles in allem, ein witziges, schön anzuschauendes, ordentlich brutales B-Movie mit Charme und Retro-Grindhouse-Flair. Für Fans auf jeden Fall einen Blick wert. Auch wenn es gegenüber vergleichbaren Vertretern wie "Planet Terror" oder dem ersten "Machete" doch ziemlich abstinkt.

8/10
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Kommentare

17.06.2020 00:11 Uhr - Romero Morgue
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Ich merke schon, was den Filmgeschmack angeht sind wir auf einer Wellenlänge. Ich fand den auch ziemlich „trashig-unterhaltsam“ und bekommt von mir eine ähnliche Bewertung spendiert. Sehr informative Review, weiter so! 🤘

17.06.2020 15:03 Uhr - The Machinist
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Hmmmm, dem kann ich nicht ganz beipflichten, wobei ich ''Bounty Killer'' immerhin noch als soliden Film für Genre-Fans schätze. Ne 8 wär der bei mir jedenfalls nie und nimmer, da tendiere ich eher zum recht ähnlich gelagerten ''Doomsday''.
Aber an sich eine gute Kritik, die Lust auf den Film macht.

17.06.2020 15:46 Uhr - (sic)ness_666
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Moderator
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Kann zum Film nicht viel sagen, außer dass ich ihn nach deiner Review geordert habe...
Gut gemacht, Cabal666 ;-)

18.06.2020 11:52 Uhr - prince akim
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User-Level von prince akim 1
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Ich merke langsam, wieviel Defizit ich in Sachen "Film" doch habe...Auch von diesem hier habe ich vorher noch nie etwas gehört, würde aber bestimmt mal ganz "lustig" anzuschauen sein ! Da habe ich jetzt irgendwie richtig "Bock" drauf bekommen ...

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