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Lost Highway

Herstellungsland:USA, Frankreich (1997)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,62 (25 Stimmen) Details
inhalt:
Zerfressen von Eifersucht verdächtigt Fred Madison seine Frau Renee, ihn zu betrügen. Unter dem Verdacht, sie auf bestialische Weise ermordet zu haben, wird er plötzlich verhaftet. Während er in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet, ereignet sich eine unglaubliche Transformation: Fred verwandelt sich in Pete Dayton, einen jungen Automechaniker...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von prince akim:

 Wie soll man einen Albtraum logisch beschreiben ? Nur kurz ein Beispiel: Ein Kind im KiGa-Alter hat einen Traum, daß in der Badewanne im Badezimmer im 12. Stock eines Hochhauses  eine Gestalt mit Clownmaske und dunkelgrünem Rollkragenpullover von aussen  ins Fenster schaut und klopft ... Wie soll man erklären, daß diese Gestalt bestimmt nicht fliegen kann und da auch kein Gerüst am Haus steht, es also unmöglich ist, daß dieses Etwas in´s Badezimmerfenster schaut und klopft ?

Genau so geht es fast jedem, der "Lost Highway" erklären soll, es ist fast nicht möglich. Der ganze Film ist ein einziger Albtraum, bei dem man nicht weiss, ist das jetzt ein Traum oder erlebt der/die das jetzt wirklich. Ich habe zu diesem, einem meiner "AlleZeitenFavoriten", hier schon eine Review gelesen und will/ muss mich dem Film auf eine ganz andere Herangehensweise antasten. Als ich ihn Ende der 90er das erste Mal gesehen habe ( dank eines Tagestipps unserer TV-Zeitschrift, in der von einem "Filmkunst-Drama" geschrieben wurde, was ich aber noch mit "Thriller" vervollständigen würde ), da war der Film für mich eine Sensation ! Man redete mit anderen über diesen gestrigen Fernsehabend, jedoch sagten alle, daß sie spätestens nach 30 Minuten umgeschaltet oder ganz ausgeschaltet hatten. Was für ein unverzeihlicher Fehler, dachte ich mir in dem Moment ... Mittlerweile habe ich "Lost Highway" schon einige Male gesehen und wollte versuchen, ihn zu verstehen, es ist mir aber bis jetzt noch nicht gelungen. Was jedoch nicht heisst, daß dieser Film unnütz oder zu kompliziert ist. Nein, meiner Meinung nach soll man ihn gar nicht verstehen...

Die Handlung selber ist eigentlich schon in der Inhaltsangabe erläutert, dem ist, meiner Meinung nach, nichts hinzuzufügen. Sie stellt sozusagen das Grundgerüst des Albtraums dar, der einen bei diesem Film erwartet. Wie auf dem DVD-Cover eben geschrieben steht : "Eine faszinierende Reise in den Abgrund !"

Als Schlüsselsatz dient wohl gleich der Anfang in diesen Abgrund :  "Dick Laurent ist tot !"  Nur ein einziger Satz an einer Aussensprechanlage gesprochen, der nichts, aber wirklich gar nichts gutes verheissen mag ...

Und dann kamen auch schon die ersten Eindrücke : Lauter schöne Menschen in einer modernen, aber unschönen & kalten Welt, die mit Grausamkeit und Ekstase geradezu zerbrechen droht. Dazu passt der Auftritt & die Musik von Marylin Manson ebenso wie der Sound von Rammstein. Wer wie ich den Soundtrack besitzt, der wird, wenn er auf die Art von Musik steht, schnell erkennen, daß allein schon die Musik zu diesem Film wahrlich eine Offenbarung ist, obwohl die Lieder auch für sich alleine stehen. Ausser "Apple of Sodom" von Manson wäre da natürlich "Eye" von den Smashing Pumpkins, meine musikalischen Höhepunkte und Szenen des Films. Und wenn ein Marylin Manson in einer Sequenz in seinem typischen 96er-Outfit in einem Fernsehgerät zu sehen ist, da weiss man, daß man in diesem Haus, in dem der Fernseher steht, nicht gut aufgehoben sein dürfte ...

Die Dialoge sind voll von Wahnsinn. Oder wie sollte man sonst erklären, daß man von der Person, die vor einem steht, gleichzeitig einen Anruf von einem Telefon bekommt, wo eben diese Person behauptet, bei ihm zu Hause zu sein ? Genau ab dieser Szene wusste ich für mich, daß dieser Film noch lange in mir nachhallen und er mit keinerlei anderem Film vergleichbar sein wird.

Es gibt Sexszenen en masse, die aber auch die Kälte und Verdorbenheit der einzelnen Akteure widerspiegeln. Bei der nackten Patricia Arquette muss ich dem "Vorreviewer" absolut recht geben : Sie ist einfach eine Wucht und man schaut echt gerne zu, was da so abgeht ... und da geht so einiges ! Jedoch kommt auch bei den expliziten Szenen diese Kälte, die den ganzen Film einhüllt, förmlich aus dem Bettlaken heraus, kein Vergleich also mit einer warmen Kuschelnummer.

Vielleicht hilft bei dem Verständnis dieses Films folgende Überlegung meinerseits : Ich höre öfters mal HipHop/Rap-Songs, meistens in englischer Sprache. Mir gefallen diese Songs nicht, weil ich den Text verstehe und genau weiss, was mir der Interpret mitteilen will. Ich höre diese Songs, weil mir die einzelnen Bausteine wie Style, der Beat, Rythmus, die Stimme, die Melodie und das Tempo gefallen. Bei diesen Songs/Tracks/Liedern ist es einfach das Gesamtpaket, was mir gefällt. Genauso habe ich schon etliche Bücher, auch von namhaften Schriftstellern, gelesen, wo ich dann auf der letzten Seite dachte : "Und jetzt ??" Und trotzdem waren es gute Bücher, ich hatte eine gute Zeit, als ich sie gelesen habe. Und genau das ist es auch, was mich an "Lost Highway" so fasziniert, das Gesamtpaket aus dem Filmstyle, der Sprache, den Einstellungen, den Bildern, der Musik und und den Schauspielern. Wie z. B. die einsilbige, rote Mähne tragende Reneé, die fast schüchtern wirkt im Gegensatz zu ihrem Partner Fred ( Bill Pullman ), der eine absolut "coole" Socke zu sein scheint. Im Gegensatz dazu dann die blondmähnige, eiskalte Alice, auf eine undefinierbare Art verletzlich scheinend, was sich aber doch als falsch herausstellt. Alice ist sozusagen der Gegenpart oder "Ersatz" von Reneé. Alle zwei Frauen ( genial dargestellt von Patricia Arquette, die wirklich zwei unterschiedliche Charaktere spielt ) haben eine für ihre Rollen dermassen heisse & gleichzeitig kalte Ausstrahlung, daß man am liebsten in den Fernseher oder in die Leinwand springen möchte ... Natürlich wäre hier auch Mr. Eddy (Robert Loggia) zu erwähnen, der auf so eine schleimige und miese Art auch absolut überzeugend wirkt.  Oder, wie bereits weiter oben erwähnt, diese abgefahrene Musik : Einerseits hat man, wie in einem echten Albtraum, kein gutes Gefühl, wenn Pete ( Balthazar Getty ) alleine im Zimmer sitzt und einer Spinne zuschaut, die an der Wand entlang krabbelt und im Hintergrund "Apple of Sodom" läuft. Und trotzdem möchte man dann mit auf sein Motorrad steigen und mit ihm durch die Nacht in Begleitung mit diesem Manson-Song rasen !

Es sind diese bestimmten Szenen und Eindrücke, die bei mir haften geblieben sind. Öfters im Film die nächtliche Fahrt aus Sicht des Fahrzeuglenkers auf einem langen Highway mit gelben Markierungsstreifen, auf dem auf einmal der kleine "Mystery Man" ( Robert Blake ) steht, in bläuliches Licht gehüllt. Dieser kleine, immer in schwarz gekleidete Mann ist wirklich der personifizierte "Schwarze Mann", vor dem man als Kind immer Angst hatte. Das alles sind Eindrücke und Bilder, die man so in noch keinem anderen Film gesehen hat ( glaube ich zumindest, habe auf alle Fälle derartiges vorher und nachher nie mehr gesehen ).

Einen Film von David Lynch zu "reviewen" ist echt kein leichtes Unterfangen. Ich wollte aber schon immer zu diesem Albtraum in Bildern meine eigene Meinung verfassen. Es kann/wird durchaus sein, daß viele andere Filmliebhaber eine andere Meinung über den Film haben, für mich ist er einfach eine "Offenbarung" gewesen und ist es bis heute. Wer von "Lost Highway" noch nichts gehört hat, der sollte sich als kleine Einstimmung eventuell mal einen Trailer ansehen, der sagt dann schon so einiges aus, was einen bei Betrachtung des kompletten Films so erwartet. Wie der Film selber auch, sagt der Trailer viel und doch gar nichts ! Das Nachfolgewerk von David Lynch, "Mulholland Drive", habe ich mir kurze Zeit später zugelegt und war bei Erstsichtung eigentlich relativ enttäuscht, mir fehlten diese düsteren Bilder, die ich von "Lost Highway" her kannte und wieder zu sehen glaubte. Aber von einem FeelGoodMovie ist natürlich auch "Mulholland Drive" weit weit entfernt !

Als kleine Warnung würde ich dann doch noch gerne etwas anfügen : Wer plant, als erstes Date vielleicht zu Hause in den eigenen vier Wänden diesen Film für einen gemütlichen Abend zu zweit bei Kerzenschein zu organisieren, der sollte sich nicht wundern, wenn einer der Teilnehmer/innen dieses Dates verstört auf der Couch sitzenbleibt und am liebsten nach Hause fahren würde ! Als Trost würde dann nur noch eins gelten : Wenn man sich nach über 2 Stunden am Schluss des ganzen Films an den Anfang zurückbesinnt, dann hätte man bei alldem dann doch noch ein gutes Gefühl, nämlich daß Dick Laurent nun wirklich tot ist ... ;-)

 

 

10/10
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Kommentare

17.06.2020 13:26 Uhr - TheRealAsh
2x
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Nein, einfach ist es nicht, dir aber sehr gut gelungen, Bravo! Und zum ersten Date würde ich den auch nicht empfehlen. Trotzdem ein genialer Film, immer wieder.

17.06.2020 14:00 Uhr - Intofilms
3x
Momentan mein Lieblingsfilm des Meisters. Man muss sich darauf eben einlassen können und ich kann das zum Glück. Ein echt lynchesker Mystery/Noir-Thriller, hirnverbiegend und lange nachwirkend, du hast vollkommen recht. Daumen hoch für deine Review! ;)

18.06.2020 00:42 Uhr - Stoi
2x
Ich habe den zweimal gesehen und versucht, mich drauf einzulassen.
Hat nicht geklappt. Ich halte das Ganze für ziemlich unausgegorenen Stuss.
Ähnlich erging es mir mit Blue Velvet , Wild At Heart und Mullholland Drive.
Alle fangen interessant an und kippen dann in einen absurden, pseudo-surrealen Bullshit ab.
Ich halte Lynch für völlig überschätzt.
Eraserhead war da eine kleine Ausnahmen, den fand ich damals teilweise echt beklemmend.
Die letzte Sichtung war aber auch in den 80ern, vielleicht sehe ich das heute auch anders.

18.06.2020 13:31 Uhr - Cinema(rkus)
2x
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Oh Mann, ein sehr vertracktes Werk hast Du Dir für die 3. Review ausgesucht (3:3 Ausgleich, yeahhh !!!), und sehr gut gemeistert.

Zu dem Film wurden ja schon kilometerlange Analysen veröffentlicht, siehe viele entsprechende Einträge im Netz. Ich bin auch ein großer Fan von David Lynch; mir muss sich eine Handlung nicht immer völlig erschließen, um einen Film genießen zu können. Die Bruchstücke zu interpretieren, das ist hier die große Aufforderung des Zuschauers. Für mich selbst auch ein klares Meisterwerk.
Ich kann aber auch "Stoi" verstehen; viele Leute können mit dieser Art des "Geschichte erzählen" nichts anfangen, wollen am Schluss nicht mit einem dicken Fragezeichen hinterlassen werden.

--------> Nochmals: Zeitloses Meisterwerk und eine sehr gute Review; vor allem in Anbetracht der "komplizierten" Geschichte und vor allem auch dahingehend, dass es von Dir erst die 3. Review ist. Diesbezüglich hast Du großen Mut bewiesen und - nach meiner bescheidenen Meinung nach - auch hoch gewonnen !!

18.06.2020 13:51 Uhr - prince akim
1x
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@ Stoi :
Muss zugeben, daß mich die von dir erwähnten Lynch-Filme auch nicht "aus den Socken gehauen" haben, mit Ausnahme von "Mulholland Drive" vielleicht, den fand ich zwar, wie erwähnt, anfangs nicht ganz so toll, ist aber im Laufe der Zeit für mich immer besser geworden, obwohl ich auch den nie verstanden habe ... :-) Und "Eraserhead": Den habe ich wirklich noch nie gesehen, nur von gehört und gelesen !

@ Cinema(rkus)
Danke für dein positives Feedback ! Da muss ich auch zugeben, daß ich mir von den "kilometerlangen Analysen" noch nie eine durchgelesen habe, obwohl es auch einer meiner Top 5 - Filme ist. Wollte mir den Film immer "selber beibringen" und nicht von irgendwem anderen erklärt bekommen, was da jetzt was heissen soll. ;-)

19.06.2020 12:43 Uhr - Man Behind The Sun
1x
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Ich glaube, dass ist einer der Filme, den Lycnch dermaßen vertrackt gedreht hat, dass er höchstsahrscheinlich garkeinen Sinn ergeben soll und den Fans dann einfach mal nach dem Motto: "Schaut mal, das ihr drauß macht", und Lynch sich nebenbei ins Fäustchen lacht.

Trotzdem ein Film der einen in seinen Bann ziehen kann, aber trotzdem bei mir nicht so wirklich zünden möchte. Dabei muss ich erwähnen, dass "Eraserhead" mein absoluter Lieblingsfilm ist. Aber das wäre in diesem Fall wohl ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen.

19.06.2020 19:01 Uhr - Dissection78
1x
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Ich gestehe, ich bin Lynch-Fan (genauso wie ich beinharter Hitchcock-Fan bin) und kann mit JEDEM Film von ihm was anfangen. Er ist m. E. demnach nicht überschätzt, sondern im Mainstream eher absolut unterschätzt. Und dabei ist er neben seinen Tätigkeiten beim Film auch noch als anderweitig bildender Künstler unterwegs, nämlich als Maler, Fotograf, Lithograf, Skulpturist, Möbeldesigner sowie Komponist - und ja, für mich persönlich sind seine Kunstwerke alles andere als kalt, steril, seelenlos und tot, wie es etliche Designer und Künstler heutzutage anscheinend - zumindest digital - nicht mehr allzu viel anders hinbekommen können, sondern im pursten, besten Sinne sperrig, kantig und 'dreamy' (und somit eben ganz und gar nicht 'pseudo-surreal').

Ich liebe "Lost Highway" und "Mulholland Drive" (Naomi Watts spielt hier oscarreif). Lynchs Favoriten meinerseits sind "Der Elefantenmensch", "Blue Velvet" (beides absolute Klassiker!) und "Twin Peaks" (wegweisend). Aber alles von dem guten Mann ist meiner dezidierten Meinung nach genial (ja, auch "Inland Empire"). Man entschuldige mir meinen Enthusiasmus :)

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