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A Good Woman Is Hard to Find

Herstellungsland:Großbritannien, Belgien, Irland (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,75 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Nach dem Mord an ihrem Mann ist Sarah auf sich allein gestellt. Die Polizei, das Jugendamt und sogar ihre eigene Mutter lassen kein gutes Haar an ihr. Im Supermarkt wird sie von fremden Männern belästigt. Mit zwei Kindern, um die sie sich kümmern muss, wenig Geld und ohne Unterstützung von außen, bleibt der jungen Mutter kaum Zeit für sich selbst. Als der in Bedrängnis geratene Drogendealer Tito sich eines Tages ausgerechnet ihre Sozialwohnung als Versteck für sein Diebesgut aussucht, platzt Sarah schließlich der Kragen. Um sich und ihre Kinder zu schützen, greift sie zu drastischen Mitteln - und entdeckt dabei, wozu sie fähig sein kann.
eine kritik von ghostfacelooker:

Die mir bisher unbekannte Sarah Bolger, wirkt in ihrer Figur der alleinerziehenden Mutter, stellenweise wie Carey Mulligan in Drive, denn auch sie hat eine naiv schüchterne Art, welche hier jedoch mehr durch den familiären Status bedingt wird und der Tatsache, daß Sarah, so die titelgebene Frau, ihren Mann nicht auf herkömmlichen Weg verloren hat, sondern dieser ermordet wurde.

Auch wenn sich Regisseur Ronan Blaney keine andere für die Figur der Sarah vorstellen wollte, kann ich die im Netz allgemein zu lesende kraftvolle Darstellung, oder ein gesondert leistungsstarkes Schauspiel der Hauptdarstellerin kaum erkennen, denn die Story bietet keine Situation, in der man direkt eine schauspielerische Leistung außerhalb dieses Berufes finden muß, sich wirklich entfalten oder durch emotionale Mimik und Darbietung in den Vordergrund spielen müsste, und schon gar nicht in einer bestimmten leicht blutig dargestellten Sequenz.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß man Sarah ihre emotionale Situation in jedem Moment ihres Lebens nicht glauben wollen würde. Ebenso wenig die Diskrepanz zwischen in jungen Jahren verwitwet zu sein und aufgrund dieser und fehlender monetärer Tatsache, teilweise subtilen und sogar offenen Sexismus ertragen zu müssen, während man gleichzeitig zwei kleinen Kindern als Vorbild gegenüber verpflichtet ist.

Gleichsam vermittelt ihre Darstellung auch jenes Gefühl, weniger wert zu sein oder ungewollt den Geruch leichter Beute auszustrahlen, welche sie durch die Naivität der Figur besonders gut verdeutlicht, die besonders gegen Ende des Films in fast gerechtfertigtem Zorn umschlägt.

Wie gesagt, für mich ist es eine, für jeden Schauspieler normal abzurufende Leistung, die ebenso von den anderen Protagonisten abgeliefert wird und die einfache Struktur der Story somit visuell werden lässt.

Gerade auch weil der Film bis auf die angesprochen blutige Sequenz und den Schluß, der eigentlich die Altersfreigabe rechtfertigt und die sich bis dahin in Sarah aufgestaute Wut und Enttäuschung in für sie erlösender Weise entlädt, von seiner Handlung her eher schlicht gehalten ist. Man könnte fast sagen, es ist eine Geschichte die jeder respektive jedem passieren könnte, wobei Sarah´s Verhalten gegenüber Tito schon ein wenig fragwürdig erscheint.

Tito, wird von Andrew Simpson, als stereotypischer Kerl von der Straße jeder beliebig englischen Stadt gespielt, dessen Niveau sich gleichsam mit seiner Herkunft deckt und gerade noch so die Grenze zur Asozialität schrammt, und nicht nur weil er bis zu einem gewissen Grad, Sarahs Schüchternheit und Sorge ob ihrer Kinder für sich zu nutzen weiß, was aber auch Sarah ihm gleichtut.

Gut, daß er einfach in ihr Leben platzt, liegt einerseits an der Tatsache, daß die Handlung sonst ins Stocken geriete und andererseits an ihrer kurzfristigen Unachtsamkeit. Weitere Begegnungen und Interaktionen mit ihm, zeugen zwangsläufig jedoch nicht unbedingt von normalem Verhalten.

Gleichsam ambivalentes Verhalten könnte man aber auch Sarahs Mutter (Jane Brennan) und wiederum somit Sarah zu ihnen, als subalterndes Gebaren unterstellen, denn obwohl sie eigentlich vor beiden zu fliehen sucht, besteht gleichzeitig in gewisser Weise eine unausgesprochene Abhängigkeit.

Damit die Handlung aber ihren Höhepunkt rechtfertigen kann und nicht zu einem reinen Drama mutiert, bringt man mit Edward Hogg, als Leo und Antagonisten, einen ebensolch stereotypischen Gangster ins Spiel, der sich mit dem notwendigen Hang zur gewalttätigen Gleichgültigkeit an Titos und indirekt somit auch Sarahs Versen heftet.

Dazwischen eingestreut blutige Aspekte, dienen zwar der obligatorischen Transformation Sarahs, wären aber auch wenn sie nur angedeutet wären, ebenso verständlich und da sie die Handlung weder auf noch abwerten, bleiben sie in ihrer Gänze eher trivial, da der Schluß das eigentliche Ausmaß ihrer Charakterentwicklung zeigt.

Bis zum eskalierenden Finale bleibt dieser Film somit eine für mich solide Inszenierung, welche nicht großartig mehr Innovation bietet, als man sie nicht schon in vorangegangenen Revenge-Filmen gesehen hätte.

 

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Kommentare

21.06.2020 13:11 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 670
''Solide'' ist genau die richtige Beschreibung für diesen Film. Sarah Bolgers Schauspiel und der nicht abzusprechende Stylus sowie die gelungene Begleitmusik ließen mich ''A Good Woman is hard too find'' auf eine Endwertung von 7 Punkten anheben.

Du hast das jedenfalls perfekt in Worte gefasst.

21.06.2020 13:54 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.696
21.06.2020 13:11 Uhr schrieb The Machinist''Solide'' ist genau die richtige Beschreibung für diesen Film. Sarah Bolgers Schauspiel und der nicht abzusprechende Stylus sowie die gelungene Begleitmusik ließen mich ''A Good Woman is hard too find'' auf eine Endwertung von 7 Punkten anheben.

Du hast das jedenfalls perfekt in Worte gefasst.


Fast zuviel der Ehre^^^^^danke

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