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Der Schacht

(Originaltitel: El Hoyo)
Herstellungsland:Spanien (2019)
Genre:Horror, Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:La Plataforma
The Platform
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,53 (17 Stimmen) Details
inhalt:
Wenn du ganz unten bist, kann es nur aufwärts gehen? Naja nicht immer, denn in diesem „Gefängnis“ für das man sich sogar freiwillig einschreiben lassen kann, wie es Goreng getan hat, gilt dieser Sinnspruch nicht. Ein Konstrukt mit scheinbar unbegrenztem Ende und Anfang unterteilt in ungezählten Ebenen wird zu seinem Aufenthaltsort. Ähnlich wie Don Quijote, dessen Geschichte er als Buch und einzigen Gegenstand den man auswählen darf mit sich nimmt, beginnt auch Goreng bald gegen imaginäre aber auch reale Feinde im Verlauf seines „Aufenthalts“ anzukämpfen. Das Dumme ist nur, daß nicht all seine Feinde unbewaffnet sind, nicht mal sein "Mitbewohner" auf der Ebene.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Langsam öffnet er die Augen und sieht sich etwas irritiert um. Ihm gegenüber sitzt ein älterer Herr der ihn abschätzig mustert. Der Neuankömmling stellt sich ihm als Goreng vor, er selbst nennt sich Trimagasi. Diese beiden sollen jetzt für die nächste Zeit in dieser Umgebung miteinander leben. Einem kahlen, engen Raum mit einem großen Loch in Decke und Boden. Viele Ebenen nach oben und unten, keine Fenster, keine Türen. Und jede Menge Fragen…

DER SCHACHT

Im Jahre 1997 schaffte ein gewisser Vincenzo Natalie mit wenig Aufwand einen echten Nervenzerrer namens -Cube- zu kreieren. Spaltete damit aber auch die Lager der Filmfans. Manche halten ihn für ein Meisterwerk, andere für belanglosen Mist. So oder so ähnlich könnte es dem spanischen Werk des Regisseurs Galder Gaztelu-Urrutia (Produzent -The Glass Coffin) ergehen, welches für so einige Fragezeichen im Kopf sorgen darf.

Die Rolle des Neulings Goreng (den Namen durfte er sich zuvor selbst geben) übernahm Ivan Massagué (Pans Labyrinth). Ein Mann mittleren Alters der seinen Mitbewohner zuerst mal mit Fragen bombardiert. So scheint er sich seine neue Behausung nicht vorgestellt zu haben. 

Daran hat sich sein Mitstreiter namens Trimagasi (indonesisch für Danke; Zorion Eguileor) schon längst gewöhnt. Ein seltsamer Kauz, kurz angebunden und auf eine komische Art unheimlich. 

Nun senkt sich eine Plattform voll mit Essensresten in den Raum…

"Es gibt 3 Arten von Menschen. Die da oben, die da unten und die die fallen."

Kleine Ursache, große Wirkung ? Der Vergleich zu CUBE von der Grundidee her passt dann doch ganz gut. Nur mit dem Unterschied daß sich die Zellen nicht bewegen. Und ebenso wenig gibt der vorliegende Film sein Geheimnis preis. Fakt scheint zu sein, daß man die Gesellschaft korrigieren möchte, in dem man Personen hier über einen längeren Zeitraum einpfercht. Allerdings vergeht bis zu dieser Erklärung eine Menge Zeit in der der Zuschauer ein wenig gefordert wird. Denn es passiert so gut wie nix ! Da jeder einen Gegenstand mit in die Zelle nehmen darf und Goreng das Buch -Don Quixote- bevorzugte, erklärt sich dieser als in sich ruhender Mensch der so einige Probleme hat. Ein Kampf gegen Windmühlen ? Trimagasi hingegen ist der Brutalo…. samt Messer und dunkler Vergangenheit. 

Actionfans liegen hiermit schon mal auf dem trockenen. Gut die erste Hälfte des Film verbringt der Zuschauer damit, die beiden Herrschaften beim... Verzeihung….fressen zuzuschauen. Mit einer widerlichen und aufdringlichen Deutlichkeit muss man Trimagasi dabei zusehen, wie er sich das Essen ins Maul stopft. Unterlegt von ekligem Geschmatze, das Essen klebt um seinen Mund wie Maden. Man hat nicht ewig Zeit… Anfangs hält Goreng respektvoll Abstand zu diesem Festmahl...bis er sich dazu herab lässt es zu verköstigen. 

Viel Fantasie benötigt man wohl nicht um zu erkennen daß hier die verschiedenen Schichten der Gesellschaft dargestellt werden. Was mit dem Essen anschaulich bebildert wird. Ganz oben gibt's 5 Sterne Speisen und je weiter die Plattform (wie der Film auch genannt wird) hinab fährt desto kümmerlicher die Essensausbeute. Im Laufe der Zeit nutzt eine andere Insassin (Alexandra Masangkay) den "Lift" dazu ihr Kind zu suchen und eine Mitarbeiterin der Anlage (Antonia San Juan) schneit plötzlich herein. 

Okay, entweder bin ich zu dumm dafür die gesamten philosophischen Ansätze zu erkennen, oder es gibt nicht mal ansatzweise solche Einwürfe. Denn mit der Zeit nimmt der Film Formen eines Drogenrausches an. Goreng hört Stimmen, sieht Gespenster. Irgendwie erinnerte er mich an die Darstellung eines Jesus Christus während des Kreuzwegs. Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster und interpretiere in eine ganz bestimmte Szene das letzte Abendmahl hinein ("Dies ist mein Leib…"). Vielleicht mach ich mich aber auch einfach nur lächerlich. Aber ich denke jeder legt das was er hier sieht anders aus. Wobei ich jetzt komischerweise wieder bei der Philosophie bin. Also doch ?

Später dann ändert der Streifen seine behäbige Gangart und wird zunehmend rabiater ! Nun dürfen sich auch Freunde des spritzenden Lebenssaftes auf so einige splattrige Szenen freuen. Diese handgemachten Effekte wirken aber nie so als würden sie in das Szenario hineingequetscht, sondern sind der Situation angepasst. Hier spielt der Film eine Trumpfkarte aus die scheinbar genussvoll freudig zurückgehalten wurde ! Besonders Emilio Buale (Baharat) spielt Goreng fast völlig an die Wand. 

"Dies ist kein Ort für jemanden der liest."

Ja das fürchte ich auch. Aus diesem Text wird man wahrscheinlich ned ganz schlau. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung wie man dieses Werk zu Papier bringen soll. Kein Film der nach Schema F abgenudelt wird, kein Film den man sich aus reiner Unterhaltung samt offline gestelltes Gehirn zu Gemüte führt. Die grobe Botschaft geht eigentlich ganz klar hervor. Doch viele Dinge nebenbei stellen den Otto- Normal Gucker evtl. auf die Probe. Und hierzu zähle ich mich. Ich tat mir schwer einen Zugang zu dem Film zu finden. Wenn aber genau das beabsichtigt war, dann war's erfolgreich. 

Möglicherweise schafft eine zweite Sichtung mehr Klarheit...oder noch mehr Fragen. Man wird sehen. Buchstäblich. 7 Punkte….vorab.

 

ses

 

7/10
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Kommentare

01.07.2020 18:56 Uhr - dicker Hund
1x
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.691
Aufschlussreiche Kritik!

Da ich mit "Cube" herzlich wenig anfangen konnte und Nasi Goreng auch nicht unbedingt meine Leibspeise ist, hat "Der Schacht" für mich keine Priorität.

Für mich liest sich der Titel übrigens wie ein Porno. Vor Urzeiten habe ich in einer Videothek einmal ein Cover mit dem Schriftzug "Die Grotte" gesehen. Darauf war eine reichlich verbraucht aussehende Vagina abgebildet. Erotik geht anders. "Der Schaft?" - Man verzeihe mir meine spätpubertären Assoziationen...

01.07.2020 19:12 Uhr - sonyericssohn
3x
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Dann lieber The Platform. Was du aber dann daraus machst möcht ich gar nicht wissen :-D
Vergleich den aber nicht direkt mit Cube. Der hier funktioniert anders.
Aber danke fürs mitlesen ;-)

02.07.2020 15:38 Uhr - Punisher77
3x
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Ich schließe mich meinem Lieblingsvierbeiner an ... sehr aufschlussreiche, lesenswerte Kritik! Dass dieser Film jemals meinen Player entern wird, bezweifle ich ... trotzdem: starkes Review!

02.07.2020 16:01 Uhr - sonyericssohn
DB-Co-Admin
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Danke dir Puni.
Da der zur Zeit nur bei den Netflixern läuft ist ne Playerenterung wohl eh ausgeschlossen ;-)

02.07.2020 16:19 Uhr - Calahan
2x
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Erfahrungspunkte von Calahan 60
Starker Film, sehr sehenswert. Hoffe ich spoiler nicht zu sehr.
Der Interpretation das er die gesellschaftlichen Schichten darstellt kann ich folgen,
die regelmässig stattfindenden Rotationen der Ebenen zeigt wie schnell man ganz unten zu landet.
Heute auf Ebene 1 *First Class* morgen auf Ebene 200 am Verhungern, das steigert die Spannung deutlich.
Schönes Review, danke.

02.07.2020 17:50 Uhr - sonyericssohn
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 20
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02.07.2020 16:19 Uhr schrieb Calahan
Starker Film, sehr sehenswert. Hoffe ich spoiler nicht zu sehr.
Der Interpretation das er die gesellschaftlichen Schichten darstellt kann ich folgen,
die regelmässig stattfindenden Rotationen der Ebenen zeigt wie schnell man ganz unten zu landet.
Heute auf Ebene 1 *First Class* morgen auf Ebene 200 am Verhungern, das steigert die Spannung deutlich.
Schönes Review, danke.


Danke Cal.
Das mit den gesellschaftlichen Schichten ist klar erkennbar. Aber irgendwie hat der auch was religiöses, kann es aber noch nicht einorden. Wie gesagt, evtl. muss der nochmals ran.

02.07.2020 21:12 Uhr - cecil b
3x
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Hat sich denn keiner der Kommentatoren an einem Schicht im Schacht-Witz versucht?

Ich versuche es erst gar nicht. ;)

Cube fand ich damals toll. Heute noch? Weiß ich nicht.

Aber ich weiß dass mir deine Review wieder sehr gut gefällt. :)

02.07.2020 21:19 Uhr - sonyericssohn
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Du hast da wieder Ideen.... Tztztz...
Dankeschön Cecil. ;-)

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