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Harry Potter und der Halbblut-Prinz

(Originaltitel: Harry Potter and the Half-Blood Prince)
Herstellungsland:Großbritannien, USA (2009)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Fantasy
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,40 (43 Stimmen) Details
inhalt:
Als Lord Voldemorts Faust sich immer enger um die Welt der Muggels und der Zauberer schließt, ist auch Hogwarts nicht mehr so sicher wie früher. Harry vermutet die Gefahr in der Burg selbst, doch Dumbledore konzentriert sich eher darauf, Harry auf die Entscheidungsschlacht vorzubereiten, die nun bald bevorsteht. Gemeinsam suchen sie nach einer Strategie, mit der sich Voldemorts Verteidigungslinien durchbrechen ließen. Zu diesem Zweck engagiert Dumbledore seinen alten Freund und Kollegen Horace Slughorn, der offenbar über entscheidene Informationen verfügt. Trotz der drohenden letzten Auseinandersetzung knospen in Harry, Ron, Hermine und ihren Mitschülern romantische Gefühle. Während alle Welt verliebt ist, bahnt sich eine Tragödie an, die Hogwarts unwiderruflich verändern könnte.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von lappi:

Dass das Harry Potter Franchise immer noch zu den größten der aktuellen Zeit gehört, muss nicht weiter ergründet werden. Eine Vielzahl von Büchern, Filmen, Theaterstücke, Merch und weitere geplante Produktionen belegen das auch noch im Jahr 2020. Die Filmreihe, die 2001 mit Harry Potter und der Stein der Weisen ihren Auftakt nimmt und 2011 mit dem Zweiteiler Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2 endet, ist enorm erfolgreich und kann bei insgesamt acht Filmen mit einem Einspielergebnis von über 7,7 Mrd. Dollar glänzen. Aber wie bei allem, was am Ende Geld produziert sagt das nicht zwangsweise etwas über die Qualität der jeweiligen Filme aus. 

Ich möchte vorweg klarstellen, dass ich mir bewusst bin, dass Filme unabhängig von ihrer literarischen Vorlage behandelt werden sollten und Filme auch nur als solche bewertet werden sollten. Das fällt mir, nicht nur bei dem hier besprochenen, sondern bei allen Filmen der Reihe schwer. Sowohl Bücher als auch Filme habe ich unzählige Male gelesen und gesehen, mir dazu geliebte Parodien angesehen (Coldmirror for Präsident!) und weitere unzählige Videos über Hintergrundfakten und Theorien aller Art angehört. Damit will ich sagen, dass die Grenzen verschiedener Medien fast verschwimmen. Dennoch sticht der sechste Teil dieser Filmreihe für mich stark heraus und im Folgenden möchte ich das besprechen und das mit dem Hinweis auf eine getragene Fanbrille. 

 

Worum geht es im sechsten Teil Harry Potter und der Halbblut-Prinz? Die Zaubererwelt hat anerkannt, dass Voldemort wieder zurück ist. Doch wie kann man ihn besiegen? Dieser Frage stellen sich Harry und Dumbledore gemeinsam. Dumbledore ist sich bewusst, dass er bald sterben muss, da er einen schweren Fluch abbekommen hat, womit nur noch wenig Zeit bleibt, Harry auf seine schwere Aufgabe vorzubereiten: Harry selbst muss Voldemort zur Strecke bringen.
Harry muss vorbereitet werden. Hier ist des Pudels Kern, oder eher das Kernproblem. Dieser Teil sollte sich damit befassen, Harry Wissen und Instrumente an die Hand zu geben, die ihm Helfen sollen das zu tun, was er tun muss. Dieses Wissen hat unmittelbare Auswirkungen auf sein Handeln im nächsten Film. Wenn man so möchte ist der Halbblut-Prinz ein etwas umfangreicherer Prolog zu Teil sieben. Und hier versagt der Film, indem er es nicht macht oder mindestens unendlich viel Potenzial verschenkt.  

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt (oder vielmehr sollte liegen) in der Vergangenheit Voldemorts und der Erklärung, was Horkruxe sind. Das ist der Kern des 6. Bandes. Darin liegt das Abendteuer, welches Harry erlebt. Wir und Harry erfahren, wie Voldemort denkt, was für einen Charakter er hat, worin er etwas wertvolles sieht, was er für Pläne hat, mit wem er verwandt ist, wie skrupellos er schon in jungen Jahren gewesen ist, woher sein Hass und seine Unfähigkeit zu lieben kommt. Es ist im Prinzip eine Charakterstudie des Antagonisten. Zumindest im Buch. Und das hat mich immer am meisten an diesem Teil gereizt. Im Film kommt davon ein Bruchteil vor, was letztlich dazu führt, dass Harry im 7. Film ziel- und orientierungslos unterwegs ist und nicht weiß, wonach er suchen muss und dann mehr oder weniger per Zufall auf die Gegenstände stößt, die er sucht. Reines Glück in Filmen ist so oder eine schlechte Ausrede, wie ein Plot vorangetrieben wird.

Harry erfährt also, mehr oder weniger von Voldemorts Leben. Dieses Wissen teilt er mit seinen beiden vertrauenswürdigen Freunden Ron und Hermine. Dieses Element ist wichtig, damit diese beiden überhaupt mit Harry in Verbindung bleiben. Waren sie in allen anderen Filmen als Trio unterwegs, so wird der Fokus viel mehr auf Harry als Single gelegt und die beiden anderen verliert man aus dem Auge. Die Einheit geht verloren, die im Buch zumindest durch den Austausch des im Denkarium (in den Erinnerungen) erleben erfolgt. Statt dessen bekommen wir eine Soap-Opera vom feinsten schlimmsten geboten. Ron und Hermine werden von ihren Hormonen und Eifersucht getrieben. Diese Schmierentheater tritt allerdings so unangenehm in den Vordergrund, dass es vom eigentlichen Inhalt ablenkt. Man könnte mit Charakterentwicklung argumentieren (ja, beide werden ein Paar und ja, Drama gab es zwischen beiden schon immer), aber doch bitte nicht auf Kosten essentieller Storyelemente. Wir haben also eine gewisse Zerfaserung des Trios und ihrer Dynamik, was dazu führt, dass es eher ein Nebeneinander ist, als ein Miteinander. Die anderen Filme haben das besser gelöst.
Insgesamt ist der Film inhaltlich in allen Belangen zu oberflächlich und unfokussiert.  

Was die Mitwirkenden angeht, so gibt es hier wenig neues zu melden. Der jährliche Austausch des Lehrers für VgddK erfolgte diesmal durch einen alten bekannten: Severus Snape, welcher wiedermal hervorragend durch Alan Rickman dargestellt wird. Leider, obwohl er der Namenspatron des Filmtitels ist, erstaunlich oder vielmehr bedauerlicherweise wenig Screentime hat. Über die ganze Reihe hinweg ist Rickman für mich der beeindruckendste Darsteller überhaupt. Neu ist hingegen der Lehrer für Zaubertränke Horace Slughorn, welcher mit Jim Broadbent zumindest für mich toll besetzt ist und er es schafft die Spleenigkeit der Figur gerecht zu werden. Ganz anders Michael Gambon, der seit seinem ersten Auftreten mir ein Dorn im Auge ist. Eine völlige Fehlbesetzung („DID YOU PUT YOUR NAME IN THE GOBLET OF FIRE?!“). Er schafft es nicht der Figur mit seinen so vielen Facetten gerecht zu werden. Dastehen und ausdruckslos gucken kann er vielleicht bei NVA, aber in Harry Potter gehört erheblich mehr dazu. Richard Harris hat es erheblich besser gemacht. Sonst kann man sich über das routinierte Schauspiel der übrigen Beteiligten aus den vorherigen Filmen erfreuen. Schön, dass Tom Felton als Draco Malfoy mehr zu tun bekommen hat und als verzweifelter Antagonist seiner Figur ein gerechtes Schauspiel verpasst. 

Bezüglich David Yates als Regisseur so hat er für mich in seiner Interpretation der Filme versagt. Es ist enttäuschend zu sehen, dass von Teil zu Teil immer mehr Magie aus dem Schloss und der Lebenswelt verschwindet. Dass die Thematik mit zunehmenden Alter der Protagonisten nichts mehr für 6-10 Jährige ist, ist nachvollziehbar. Aber dass der Look der Filme von mal zu mal trister und düsterer wird, und das beinahe durchgängig, trübt den Filmgenuss. Man meint keine visuelle Unterscheidung mehr zu haben, was nun eine angenehme, freudige Szene sein solle oder eine todernste. Es ist so, als wäre eine durchgehende Trauerstimmung anwesend. Ohne Kontrast wirkt es auf Dauer abgenutzt und langeilig. Man kann nun von den Columbus Filmen haltend was man will. Aber sie stellen die ganze Welt doch erheblich magischer und lebendiger dar, schaffen es aber einen visuellen Kontrast zu schaffen, zwischen den jeweiligen Stimmungen.

 

Immer wieder hört man das Argument, dass man solche langen Bücher kaum verfilmen könnte, ohne massiv am Inhalt zu kürzen. Das ist korrekt und dagegen will ich nichts einwenden. Aber es muss eine Unterscheidung gemacht werden zwischen relevanten und unnützen. Was ich aber nicht nachvollziehen kann, dass man völlig unnötige Szenen neu erfindet, nur um einer Hand voll Schauspielern Screentime zu geben (Fuchsbauszene). Diese verschwendete Zeit hätte man besser in die nicht vorhandenen Erinnerungen investiert. 

Die Laufzeiten der Filme sind so oder so sehr kurios. Der längste Band mit über 1000 Seiten ist mit einer Laufzeit von 138 Minuten der kürzeste. Und aus Band sieben mit knapp 750 Seiten machen sie einen Zweiteiler mit einer Gesamtlaufzeit von über 270 Minuten, von dem der erste Teil fast wie ein aufgeblähtes Nichts wirkt und der zweite Teil nur aus Krach-Bumm besteht. Ähnlich gut gelungen wie Teil zwei und drei vom Hobbit. Dass jetzt Der Halbblut-Prinz bei nur 100 Seiten weniger als sein Nachfolger nur 150 Minuten bekommen hat ist bezeichnend für das Studiosystem, welches mehr auf den Profit schielt, als auf ein qualitativ hochwertiges Produkt. 

 

Fazit

 

Dieser Teil der Reihe steht für mich symptomatisch für das, was in der Filmreihe falsch gelaufen ist und wird hier auch mit Absicht als Sündenbock herangezogen. Ab dem vierten Band bin ich jedes mal auf neue aus dem Kino gekommen und fand den jeweiligen Film schlechter als den vorherigen. Aber nach dem 6. wollte ich die letzten schon gar nicht mehr im Kino gucken. Die Reihe war für mich gestorben. Aber die 7. Teile konnten doch noch was retten, wobei es fraglich ist daraus ein Zweiteiler zu machen, oder ob drei Stunden Laufzeit nicht ausgereicht hätten, da gerade im ersten Teil für die Laufzeit zu wenig passiert und im zweiten Teil… auch. Ich denke, dass 10-15 Minuten mehr Zeit dem Halbblut-Prinzen gut getan hätten bzw. dafür unnötige Szenen (Fuchsbau) ersetzt worden wären. 

Ich versuche jedesmal diesen Film neutral zu betrachten und jedes Mal fällt mir auf, warum ich diesen Film scheiße finde nicht mag. Mein Lieblingsband ist in seinen wesentlichen Elementen kastriert worden und aus dem Übrigen ist eine Teenieschmonzette entstanden. Die guten visuellen Effekte helfen aber nicht darüber hinweg, womit der sechste Teil der Harry Potter Reihe der schlechteste und auch als Fan enttäuschendste ist.  

 

PS: Ich kann nur hoffen, dass man eine Adaption in Serienformat vornimmt und der Filmreihe entsprechend Raum eröffnet, ihr ganzes Potential zu entfalten. Schwer wird es allerdings die Schauspieler zu ersetzten, die durch die aktuelle Riege so ikonisch mit ihren Rollen in Verbindung gebracht werden. Snape, McGonagall, Hagrid, Hermine, Flitwick… und mein alltime Fav: Gilderoy Lockhart sind einfach kaum zu ersetzen. 

4/10
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Kommentare

02.07.2020 15:52 Uhr - Kaiser Soze
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Sehr interessant nun einmal ein Review über den Film als Romanverfilmung zu lesen!

Das durchgehende Gemecker von "war im Buch viel besser" ist zwar etwas (zu) viel, aber weitere Begründungen, Zusammenhänge der Reihe (Bücher, wie Filme), die Auswirkungen des Fehlens usw. sind ausreichend gegeben, sodass diese ausführliche Besprechung als gelungenes Review bezeichnet werden darf - schön gemacht.
Die Idee mit den durchgestrichenen Worten finde ich übrigens klasse!

Yates Stil missfällt mir ebenfalls und weitere Regiewechsel, wie bei den ersten, sehr guten drei Filmen wäre bestimmt besser gewesen, aber hätte, hätte, Fahrradkette. Stilistisch die Erstarkung des Bösen durch dunkler Farben / Optik wider zu spiegeln, gefällt mir hingegen genauso sehr gut, wie das die Reihe mit Ihren Fans erwachsen geworden ist; aber das ist Geschmackssache - ähnlich, wie Gilderoy Lockhart, dem beschissensten aller Charaktere aus meiner Sicht^^

02.07.2020 16:09 Uhr - lappi
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Ich weiß, dass das Gebashe sehr ausufernd ist. Es ist aber meinerseits angekündigt worden ;P Es ist mir aber echt nicht (mehr) möglich das zu trennen.

Das der visuelle Stil das Erwachsenwerden und das Erstarken des Bösen darstellen soll, ist mir bewusst. Aber ich weiß noch damals, als die Filme drei, vier, fünf im Kino liefen, wir gescherzt haben, dass man bei den letzten Filmen nicht mehr sehen wird, weil es nur noch schwarz ist. Waren ja nicht ganz soweit weg.
Wenn man HP aber nur auf das Erwachsen werden und das Böse reduziert, darauf hin gänzlich den visuellen Stil ausrichtet, wird man dem Ganzen nicht gerecht. Es gibt mehr als nur Ernsthaftigkeit in den Geschichten. Und das fehlt mir ab Teil drei. Ich finde es gut, dass die Filme ernster geworden sind und kein Ewok-Mist draus geworden ist. Dennoch gibt es schone Dinge, erheiternde Dinge, die nicht durchweg im Dunkeln oder Farbentsättigt gezeigt werden müssen.

Gilderoy ist ein furchtbarer Mensch/Zauberer. Aber die Darstellung durch Branagh finde ich einfach nur grandios. Habe sogar eine Zimmerpflanze nach ihm benannt XD (Die hässlichste, die ich habe. Aber psssst!)

02.07.2020 21:08 Uhr - cecil b
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Ich stimme Kaiser Soze zu, der die Review aufmerksamer gelesen hat als ich.

Das liegt aber nur daran, dass das so gar nicht meine Welt ist. Deine Schreibe gefällt mir aber, wie du weißt. :)

Und ja, die durchgestrichenen Worte haben mich nicht nur schmunzeln lassen, sie bringen deine Meinung über diesen Film wohl auf den Punkt. ;)

Thanx!

03.07.2020 00:15 Uhr - Böhser Hosen-Arzt
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Die Szene mit Dumbledore und dem Trank hat mir im Kino mit 9 oder so damals echt Alpträume gegeben.

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