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The Nightingale - Schrei nach Rache

(Originaltitel: The Nightingale)
Herstellungsland:Kanada, Australien, USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Abenteuer, Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,41 (17 Stimmen) Details
inhalt:
Tasmanien 1825: Für die junge irische Gefangene Clare ist das Leben in der australischen Strafkolonie die Hölle. Als Leibeigene von Leutnant Hawkins ist sie permanentem Missbrauch ausgesetzt und muss schließlich sogar mitansehen, wie ihre Familie grausam ermordet wird. Getrieben von ihrem Wunsch nach Vergeltung, will sie ihre Peiniger zur Strecke zu bringen. Unterstützt wird Clare dabei von einem einheimischen Fährtenleser, mit dem sie das Schicksal der Entrechteten und ihren Durst nach Rache teilt...

Inspiriert von historisch verbürgten Ereignissen hat Jennifer Kent, die Regisseurin des modernen Kult-Klassikers THE BABADOOK, einen beeindruckenden und aufwändig inszenierten Rachewestern geschaffen, der sein Publikum sprachlos zurücklässt. An der Seite der grandios spielenden Aisling Franciosi ist Sam Claflin (DIE FARBE DES HORIZONTS, EIN GANZES HALBES JAHR) in einer Hauptrolle zu sehen.
eine kritik von the machinist:

The Nightingale

Gnadenlos grandios.

 

Mit dem Kinostart ihres Arthouse-Horrorfilms Der Babadook war die australische Regisseurin Jennifer Kent schlagartig weltberühmt; neben intelektuellen Suspense-Schockern wie Hereditary - Das Vermächtnis und The Witch gilt ihr Debüt mittlerweile als moderner Klassiker des Genres. Kuriosen Ruhm genießt Kents ''Babadook'' seit 2017 auch als regenbogenfarbene Ikone der LGBT-Bewegung (kein Witz), aber das ist ein Thema für eine andere Seite. Horror-Fans wollten natürlich Nachschlag, und den gab es auch. Allerdings hatte Kent keine Lust auf eine Wiederholungstat und drehte stattdessen den knapp zweieinhalbstündigen Neo-Western The Nightingale, in dem sie maskuline Ermächtigungsfantasien mit auferlegtem Rächerdrang und bitterer Geschichtsstunde kreuzt. Mad Max mit Musketen statt Muscle Cars, wenn man so will. Oder Brimstone ohne den Schnee. 

Tasmanien im Jahr 1825: Die irische Straftäterin Clare (Aisling Franciosi) lebt zusammen mit Ehemann Aidan (Michael Sheasby) und ihrer wenige Monate alten Tochter in der britischen Kolonie, weitestgehend ohne Rechte und unter der Fuchtel des englischen Leutnant Hawkins (Sam Claflin). Sie hofft das Hawkins ihr bald die Freiheit zugesteht, die er ihr seit Monaten verspricht, jedoch ist dieser sexuell sehr an Clare interessiert und denkt garnicht daran sie gehen zu lassen, woraufhin am Abend einer Stabsinspektion ein Streit in der Kaserne ausbricht. Nachdem Hawkins deswegen um seine eigene Beförderung gebracht wird, töten er und seine Kumpane kaltblütig Clares Mann und ihre Tochter und vergehen sich nacheinander an der hilflosen Frau. Am Tag darauf haben die Soldaten die Siedlung verlassen, doch Clare sinnt auf Rache und macht sich zusammen mit dem Ureinwohner Billy (Baykali Ganambarr) auf in die tasmanischen Regenwälder um die Männer zur Strecke zu bringen die ihr alles genommen haben... 

Auf dem Papier klingt das hier also wie ein herkömmlicher Rape-and-Revenge-Flick, dazu noch in bester Ozploitation-Manier. Doch dieser Vermutung schiebt die Regisseurin schnellstmöglich einen Riegel vor, denn ihr Folgewerk mag vieles sein, aber gewiss kein euphorieumjubeltes Massaker. Dies lässt sich passend anhand eines direkten Vergleichs mit Coralie Fargeats thematisch sehr ähnlich gelagertem Revenge von 2017 messen, in dem Hauptdarstellerin Matilda Lutz irgendwann zur personifizierten Rachegöttin aufsteigt und daraufhin, ganz zur Freude des Splatter-affinen Filmfans, die (männlichen) Widersacher wortwörtlich um die Wette verbluten lässt. Doch nicht so bei Jennifer Kent! Nie verfolgt die in The Nightingale dargestellte Gewalt einen ergötzenden Selbstzweck und ist in diesem Sinne kein primitiv brutales Genre-Spektakel a'la I spit on your Grave. Somit begeistert der Film trotz des bekannten Konzepts mit einer unverbrauchten Herangehensweise und setzt mit seinem zur Schau gestellten Sadismus auf eine abschreckende Wirkung, wie sie auch der französische Horror-Thriller Martyrs, oder Gregory M. Wilsons kompromisslose The Girl Next Door-Verfilmung erzielen. Infolgedessen kann von Unterhaltungswert keine Rede mehr sein und vielmehr geht The Nightingale bis zum Abspann, und darüber hinaus, schwer an die Nieren, als dass das Gezeigte tatsächlich freudige Stimmung mit sich bringt. Auf der Premiere beim Sydney Film Festival sollen während der ersten 30 Minuten Zuschauer aus dem Kinosaal ''geflohen'' sein. Mit den wenig expliziten dafür aber mehr als ausreichend hart inszenierten Vergewaltigungen, von denen es im Film insgesamt drei gibt, und den nicht minder intensiv gefilmten Mordszenen hat die Regisseurin also einen wunden Punkt getroffen.       

Zugleich war es auch Kents Ziel einen Film über Australien zu drehen und sich der Vergangenheit ihres Heimatlandes zu stellen. Welch Unrecht den Aborigines vor Jahrhunderten von europäischen Eroberern angetan wurde das spiegelt sich auch jederzeit in The Nightingale wider. Macht die erste Filmhälfte noch den Eindruck einer radikalfeministischen Django Unchained-Arthouse-Interpretation wie sie in ihrer unvermittelten Drastik auch von einem Jeremy Saulnier (Blue Ruin, Green Room) kommen könnte, so bezieht man mit zunehmender Laufzeit ein klares politisches Statement ohne die Geschichte des Landes, welche nunmal auch mit Blut geschrieben wurde, in irgendeiner Form schönzureden. Mit geradezu selbstverständlich ausgelebtem Rassismus und unerbittlichem Rassenmord demaskiert Kent die Historie als reine Hölle, deckt jedoch wohl nur einen Bruchteil der menschenverachtenden Grausamkeiten auf die stattgefunden haben müssen. Nicht umsonst widmet sie ihren Film im Abspann den Ureinwohnern Australiens.

An den Kragen geht es aber nicht nur Clares Familie und den hier umgangssprachlich als ''Boys'' bezeichneten Aborigines, sondern auch den Gefolgsleuten rund um Hawkins. Wenn es aus heiterem Himmel zu Scharmützeln im dichten Unterholz kommt, dann sind fast ausnahmslos gelungene Bluteffekte das Resultat die mit allgegenwärtigem Nihilismus einhergehen. Im selben Augenblick ist The Nightingale aber geradezu antiklimaktisch wie auch subversiv, denn als Clare in einer Szene einen englischen Soldaten erst niederschießt, dann mit dem Messer attackiert und ihm schließlich, als dieser im Nahtod nach seiner Mutter ruft, mit dem Gewehrkolben den Schädel zertrümmert, bleibt ein befriedigendes Triumphgefühl der Vergeltungstat gänzlich aus. Nur einige bemühte Horror-Einschübe, die die Protagonistin in Form von surrealen Albträumen heimsuchen und mit denen Kent offenbar eine Brücke zu ihrem Debütfilm schlagen möchte, wirken im sonst so brachial authentischen Endprodukt ein wenig fehl am Platz.    

Zwischen Auftakt und Schluss präsentiert sich The Nightingale als Roadmovie; allerdings ohne die Straße und stattdessen mit viel Gestrüpp; in dem der beschwerliche Weg das eigentliche Ziel oftmals in weite Ferne zwingt. Warum der 136-minütige Trip durch den tasmanischen Regenwald dabei ausgerechnet im 4:3-Format statt dem gewohnten 16:9 eines modernen Spielfilms gedreht wurde erschließt sich (zumindest mir) nicht ganz, wobei ich dies nicht als Kritikpunkt anprangern will, denn die melancholischen Naturaufnahmen gehören mit zu den Schönsten und Atmosphärischsten des vergangenen Kinojahres. Nur Musik sucht man vergebens, lässt man Aisling Franciosis (Game of Thrones) durch Mark und Bein gehenden Nachtigall-Gesang einmal außen vor. Ohnehin ist deren überraschend ambivalente und spürbar gebrochene Clare ein weiterer Grund sich The Nightingale überhaupt erst anzusehen, genauso wie der genial hassenswerte Sam Claflin der mit einem sichtbar perversen Vergnügen seinen Ruf als Tribute von Panem-Loverboy in Schutt und Asche legt. Natürlich darf auch Baykali Ganambarr nicht unerwähnt bleiben, der es als Billy trotz seinem tragischen Dasein als Opfer der Umstände schafft etwas unterschwelligen Wortwitz mit in den Film zu bringen, darüber hinaus aber ebenfalls an einer der wahrscheinlich tieftraurigsten Szenen des Werks beteiligt ist.  

Wenn man The Nightingale etwas vorwerfen will, dann ist das vielleicht die epische Spieldauer, die man selbst erstmal durchsitzen wollen muss. Anders als der sich kontinuierlich steigernde Der Babadook ist Kents Folgefilm eben deutlich sperriger. Nie wirklich lanweilig, doch sehr langsam. Und das Gezeigte trifft den Zuschauer ganz einfach noch viel heftiger in der Magengrube als es in einem fiktiven Horrorfilm der Fall wäre. Doch ich selbst finde, dass Filme auch manchmal wehtun müssen.

''Willkommen im Leben Boy. Not und Elend vom Anfang bis zum Ende.''

 

Fazit: In ihrem wunderschön gefilmten Zweitling The Nightingale schickt Jennifer Kent ihre hervorragende Hauptdarstellerin Aisling Franciosi auf eine emotionale Tour de Force durch's australische Outback des 19. Jahrhunderts. Das macht ob der schonungslosen Authentizität zu keiner Sekunde wirklich Spaß und gerät mit über zwei Stunden Laufzeit schon fast etwas zu lang, doch genau dies verleiht dem historischen Rachedrama auch die nötige Gewichtung, die dem Film letztendlich seine verdiente Bezeichnung als absolutes Ausnahmewerk attestiert.  

8/10
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Kommentare

06.07.2020 18:05 Uhr - sonyericssohn
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Sehr stark verfasst !!!
Deine Kritikpunkte kann ich durchaus nachvollziehen. Für mich wirken Dinge wie Visionen und Alpträume tatsächlich wie das Salz in der Suppe. Aber ich denke auf jeden wirkt der Film anders und manche geben ihm 1 Punkt. ?????????

06.07.2020 18:13 Uhr - Punisher77
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Hallo Machinist,
die Kritik ist Dir fabelhaft gelungen; man bekommt einen Eindruck vom Film, Du sprichst im Grunde alle relevanten Aspekte an...Daumen hoch dafür!

Zum Film:
Mein Interesse ist generell geweckt, aber zwei Punkte liegen mir schwer im Magen. Ich empfand "Babadook" (vor allem aufgrund des Kindes) als sehr anstrengend, obwohl ich den Film insgesamt gut finde. Aber dass "Nightingale" noch sperriger sein soll, schreckt mich ebenso ab wie die von Dir genannte epische Spieldauer. Ich habe in den letzten Jahren so viele Filme gesehen, die zwischen 130 und 170 Minuten gedauert haben, bei denen ich mich hinterher gefragt habe, was diese epischen Laufzeiten gerechtfertigt hat, da 100-120 Minuten für das, was diese Filme erzählt/gezeigt haben, mit Sicherheit ausgereicht hätten.

Trotzdem..."The Nightingale" wird im Hinterkopf behalten.

06.07.2020 18:18 Uhr - The Machinist
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@sony: Danke.
Ich schwankte zwischen 8 und 9, also sieh es als ''sehr gute'' 8. Gegen Traumsequenzen habe ich grundsätzlich nichts, Stichwort: ''Mandy'', nur hier haben sie mMn nicht so ganz reingepasst.
Die 1-Punkte-Bewertungen kann ich mir eigentlich nur insofern erklären, dass manch einer den Film denkbar als komplett abstoßend empfand, wobei das für mich persönlich kein gravierender Kritikpunkt wäre. Ich mag immerhin auch ''A Serbian Film''.
Oder es waren vielleicht ein paar radikal subjektive Rebellen unterwegs.

06.07.2020 18:39 Uhr - The Machinist
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@Punisher77: Auch dir vielen Dank. Ich freue mich sehr über dein Lob.
Hmmm, ist bei dir ein wenig knifflig. ''Der Babadook'' bietet ja trotz des verkopften Arthouse-Touch doch eher Mainstream-Kino. Das Kind findet eigentlich jeder nervig, ist ja auch so beabsichtigt. ;-)
''The Nightingale'' ist insofern sperriger als ''Babadook'', dass es sich bei denen schonmal um zwei grundliegend verschiedene Genres handelt. Hab auch von Leuten gehört die ''Nightingale'' insgesamt total lame fanden und in diversen Einzelszenen viel zu krank, wiederum ''Babadook'' als kurzweiligen Down-Under-Mindfuck feiern.
Mit meinen Ausführungen komme ich wahrscheinlich auf keinen grünen Zweig, das ist für mich in etwa so als müsste ich einen direkten Vergleich zwischen ''Conjuring'' und ''Bone Tomahawk'' ziehen. Aber falls dir ''Brimstone'' oder ''Das finstere Tal'' zusagen, dann könnte auch die Nachtigall dein Fall sein.

Jedenfalls Danke für's Lesen und freut mich, wenn ich dich für den Film interessieren konnte.

06.07.2020 19:04 Uhr - prince akim
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Also, ich sage erstmal "Danke" für die Review des Films, auf den ich jetzt schon so lange gewartet habe und ihn mir hoffentlich kommendes Wochenende endlich anschauen werde, wenn die BD dann doch endlich mal in meinem Drogeriemarkt Nr.1 ankommt ... Daß das ein anstrengender Film werden würde, war mir von vornherein klar, aber wie du das so interpretierst, da habe ich nun schon ein wenig Bammel vor der Erstsichtung. Als ich "Martyrs" im Zusammenhang mit "Nightingale" jetzt bei dir das erste Mal gelesen habe, da bin ich nun doch ein wenig entzaubert, denn "Martyrs" zählt für mich zu einem der schlimmsten und abstoßendsten Filmen, die ich jemals gesehen habe. Naja, werden wir ja sehen ...

06.07.2020 22:16 Uhr - TheRealAsh
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Und noch eine super Vorstellung zu diesem umwerfenden Film. Ich halte es ja ganz mit sony und bin diesem starken Stück Kino, das zwischen Geschichte, Politik und Horror manövriert völlig verfallen. Definitiv nachhaltiges australisches Kino mit Werterhaltungsanspruch. Für mich hätte es ja noch länger sein können;-)

06.07.2020 22:44 Uhr - Stoi
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Schöne Kritik und auf den Punkt.
Wobei mich die Laufzeit nicht gestört hat. Es waren keine wirklichen Längen drin.
So eine Odyssee durch den tasmanischen Dschungel braucht seine Zeit.
Ärgerlich gand ich hingegen das 4:3-Format. Dafür gibt es wirklich keinen logischen Sinn und hat den Filmgenuss schon eingeschränkt.

07.07.2020 15:41 Uhr - The Machinist
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Auch euch vielen Dank für's Lesen und euer Lob. Das bedeutet mir viel.

@prince akim: Der Vergleich zu ''Martyrs'' mag auf den ersten Blick ein wenig weit hergeholt sein, doch was die Wirkung der dargestellten Gewalttaten betrifft, fand ich mich tatsächlich an diesen erinnert, genauso wie an den schnörkellosen Sadismus eines erwähnten Jack Ketchum. Ich könnte aber genauso gut Begrifflichkeiten wie ''Straw Dogs'', ''Eden Lake'' oder ''Kill List'' mit in den Raum werfen, denn wie in diesen wird menschliches Leben in ''The Nightingale'' mitunter zur Nichtigkeit erklärt - daher der Nihilismus. Gleichzeitig ist ''Nightingale'' aber auch eine Studie über Gewalt und deren Auswirkungen, womit ich wieder zu ''Martyrs'' und ''The Girl Next Door'' zurückkomme. Wenn du den ersten Rache-Kill im Film siehst, wirst du schon verstehen was ich meine. ;-)
Mein Ziel war es jetzt allerdings nicht dich irgendwie abzutörnen, und wenn ich dich damit erleichtern kann: ''Martyrs'' finde ich selbst zumindest noch nen ganzen Kilometer kränker als den hier. Ist aber trotzdem einer meiner Lieblingsfilme. Und lass gerne auch hören, was du selbst von ''The Nightingale'' hältst.

@Ash: So kann man es natürlich auch sehen und ich weiß ja, dass ''Nightingale bei dir die volle Punktzahl hat.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal mein Wertungssystem erklären, denn alles was bei mir über 5 Punkte kommt, halte ich selbst für sehenswert. Punkte 6 und 7 sind für mich also gute Filme mit Abzügen in der B-Note, und 8 ist dann schon sehr gut. Der Rest erklärt sich ja von selbst. Von allen Filmen die ich kenne, gibt es in etwa 150 bei denen ich eine 10/10 für angemessen halte (hatte da auch irgendwann mal ne Liste) , garnicht mal so viele wenn ich darüber nachdenke was ich alles kenne. Das kriegen bei mir also wirklich nur Filme, die ich als die Besten der Besten empfinde. Oder um es so auszudrücken: Ich bin ''The Nightingale'' ebenso verfallen, er ist für mich nur nicht einer der besten Filme.
Bin jedenfalls schon gespannt was Kent als nächstes macht. Kann ja eigentlich nur geil werden.

@Stoi: Die Laufzeitfrage ist wirklich rein subjektiv. Ist für mich auch nicht direkt so, dass ich den Film aufgrund der Länge als schlechter empfand, doch trotz meiner Begeisterung war er in gewisser Weise auch echt anstrengend und es ist bestimmt kein Film den ich mir 24/7 aus Lust und Laune ansehen könnte. Wie ich geschrieben habe zahlt sich der langsame Aufbau zum Ende hin voll aus und Kent nimmt ja teilweise bewusst das Tempo raus und zeigt die Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Gerade die Szenen mit dem alten Ehepaar im letzten Drittel fand ich richtig stark.

07.07.2020 20:16 Uhr - Cinema(rkus)
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Oh Mann, "Mach".....
Eine echt epische Kritik zu einem "Meisterwerk"; da wurden von Dir wirklich sämtliche Aspekte total fundiert abgedeckt. Deine Sichtweise auf den Film deckt sich völlig mit meiner.
Die Sequenzen sind teilweise schon knüppelhart, jedoch, und das ist für mich jetzt das "meisterliche", ohne
"Effekthascherei" erzeugen zu wollen. Die Gewalt ist kurz, realistisch, eruptiv und deshalb umso drastischer.
Sam Claflin spielt oscarreif; selten einen so verabscheuungswürdigen Charakter in einem Film gesehen. Da kommt - meiner Meinung nach - in den letzten Jahren nur Guy Pearce (in "Brimstone") an diese grandiose Leistung ran.
Die Lauflänge war übrigens genau so richtig. Es gibt Geschichten, die gehören in 85 Minuten erzählt und dann gibt es Storys, bei denen darfst Du nicht mal eine Minute verkürzen. "Nightingale" ist so ein Fall.

Alles in allem ein "Meisterwerk", das Du genauso meisterlich besprochen hast. Da ziehe ich echt meinen
C.M.-Hut davor; Respekt !! (ich hätte jedoch - mal wieder ??? - 10 Küsse dafür verteilt...)

08.07.2020 14:54 Uhr - The Machinist
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@Cinemarkus: Claflin zeigt in dem Film wirklich was er kann. Genau so sollte er auch weitermachen und sein Talent nicht in irgendwelchen glattgebügelten Hollywood-Kommerzen a'la ''Ein ganzes halbes Jahr'' verschwenden. An ''Brimstone'' musste ich auch sofort denken; weshalb ich den auch in der Kritik erwähne; genauso wie an Sergi Lopez Hauptmann aus ''Pans Labyrinth''.

Wenn du was mit willkürlich rohen Brutalo-Szenen anfangen kannst, dann check doch auch mal die Filme von S. Craig Zahler, Jeremy Saulnier und Ben Wheatley, (also falls du die nicht kennst), wobei erster und letzterer auch schon mal in surreale Gefilde abdriften.

Und vielen Dank für die Küsse.

08.07.2020 20:24 Uhr - Cinema(rkus)
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Die von Dir genannten Regisseure sind mir bekannt, habe von ihnen schon jeweils alle Filme gesehen, Ausnahme der Gefängnis-Film von Zahler (mir gefallen keine Gefängnis-Storys).
Von Wheatley bevorzuge ich "Sightseers" und vor allem "High Rise", von Saulnier "Blue Ruin". Sind allesamt klasse Filme, ganz nach meinem Geschmack.
Zahlers Kannibalen-Western war toll (aber im Gegensatz zu "Nightingale" ca. 30 Minuten zu lang), und der Cop-Film mit Gibson war auch mitreißend.

Ja, Mann, es gibt schon noch eine Menge guter Filme, die produziert werden....Bitte immer möglichst weit weg von der typischen Hollywood-Massen-Ware.

Bis demnächst, Gruß C.M.

11.07.2020 18:51 Uhr - prince akim
1x
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Also, eben an einem regnerischen Samstagnachmittag den Film angeschaut ... Muss ihn aber bei Gelegenheit doch nochmal wiederholen, hoffentlich gefällt er mir dann bei´m zweiten Mal ein bißchen besser ! Die Erwartungen waren dann doch ein wenig zu hoch. Er ist okay und sicherlich kein schlechter Film, für mich aber auch nicht mehr. Und das 4:3 Format ... Einen tieferen Sinn sehe ich da jetzt wirklich nicht. Hat mich, ehrlich gesagt, auch ein bisserl abgeturnt. Mit dem hier schon erwähnten und viel gelobten "Martyrs" konnte ich damals (und heute ) auch rein gar nichts anfangen. Aber, wie immer, ist halt Geschmackssache. So, schönes Wochenende an alle !

11.07.2020 22:24 Uhr - The Machinist
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@prince akim: Habe ihn selbst nun zum zweiten Mal gesehen und kann dem Film einen gewissen Mehrwert attestieren. Bei 136 Minuten kann da schon das ein oder andere Detail flöten gehen, also lohnt sich eine Zweitsichtung definitiv. Bezüglich ''Martyrs'' enthalte ich mich an dieser Stelle, doch sollte ich über diese Monstrosität einmal schreiben, dann lass uns gerne diskutieren. :)
Meine nächste Kritik wird vermutlich zu 'nem weiteren Wahnsinnsfilm sein. Allerdings aus Osteuropa. ohohoh...

Danke für deine Rückmeldung.

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