SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Cyberpunk 2077 · Dein wahres Ich ist nicht genug. · ab 50,99 € bei gameware Mortal Shell · Die letzten Überbleibsel der Menschheit · ab 34,99 € bei gameware

Hügel der blutigen Augen

(Originaltitel: The Hills have Eyes)
Herstellungsland:USA (1977)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Alternativtitel:La Colline a des yeux
Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen
Slagterbanden
Wes Craven's The Hills Have Eyes
Yön Silmät
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,34 (48 Stimmen) Details
inhalt:
Familie Carter ist mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg in den Sommerurlaub nach Kalifornien. Schon beim ersten Halt an einer Tankstelle wird ihnen nahe gelegt, ihre Urlaubspläne zu überdenken, da in der Gegend schon mehrfach Leute spurlos verschwunden sind. Die Carters fahren dennoch weiter und haben kurz darauf Mitten in der Wüste eine Panne. Vater Bob will zu Fuß zurück zur Tankstelle, um Hilfe zu holen, sein ältester Sohn versucht es in der anderen Richtung. Der Rest der Familie will im Wohnmobil auf sie warten. Was sie nicht ahnen: Sie wurden die ganze Zeit über von unheimlichen Gestalten beobachtet, und der Vater wird an der Tankstelle bereits erwartet...
eine kritik von dicker hund:

Wes Craven, der Schöpfer von "Last House on the Left" und "Nightmare on Elm Street" ließ sich 1977 von dem drei Jahre zuvor entstandenen "Blutgericht in Texas" für seinen "Hügel der blutigen Augen" inspirieren. Seine Backwoods haben es ebenfalls auf Reisende abgesehen, deren Auto stehen geblieben ist, zeichnen sich durch eigenwillige Essgewohnheiten und eine Affinität zu Federn und Knochen aus. Ihre Heimat ist hingegen eine unwirtliche Wüstenlandschaft, die bei Einbruch der Nacht noch weniger vertrauenerweckend erscheint. 

"Unheimlich ist die richtige Vokabel."

Durchaus richtig - der lauernde Score lässt die Spannung steigen, bis das Wüten der Bergbewohner beeindruckend krank vonstatten geht. Sie gehen brachial-animalisch vor, vom gellendem Kreischen ihrer Opfer begleitet. Was hier an roher Brutalität geschildert wird, geht bereits fühlbar an die Nerven (Horror 7/10). Die dabei angewendete Gewalt (5/10) ist allerdings nicht gerade spektakulär getrickst und auch nicht wirklich konsequent inszeniert. Eine Vergewaltigung bleibt gleich ganz offscreen, Blut fließt eher tröpfchen- als fontänenweise. Eine peinliche Sexszene (3/10) zeigt einmal mehr, wie stark Textilien in den USA überbewertet sind, so dass fast nur akustisch erfassbar ist, was da eigentlich stattfinden soll. Der Rohkostanteil, der im Gegensatz hierzu schon sichtbarer ist, wirkt ähnlich wie im großen Vorbild nach dem Prinzip "weniger ist mehr" sehr wohl noch schockierend. Michael Berryman ("Cut and Run") war dabei eine besonders passende Wahl für das Casting der Angehörigen der Menschenfeinde. Durch die Rolle der Ruby (Janus Blythe) erhalten diese ein gewisses Maß an Ambivalenz im Gut-Böse-Schema.

Ihnen gegenüber tritt eine Familie, aus deren Reihen einmal die hübschen Blondschöpfe Bobby (Robert Houston) und Brenda (Suze Lanier-Bramlett) hervorgehoben seien. Die von ihnen ausgehenden Dialoge erweisen sich trotz einer manchmal einfältigen Naivität als hochwertig, weil ihre kokette Sprache durchaus Denkanstöße der aufgeklärten 1970er beinhaltet, etwa im Hinblick auf die Rolle der Frau. Ob der binnen Minuten vollzogene Wandel der Brenda vom PTBS-Zombie zur MacGyver-Epigonin so glaubhaft rüberkommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Was Aufschriebe betrifft, hat die deutsche Synchronisation hier einen bemerkenswerten Sonderstatus. Zwar hören sich die Sprecher durchaus motiviert an, die ihnen vorgelegten Zeilen sind jedoch einer Neuinterpretation der Geschichte geschuldet, in welcher aus den verstrahlten Atomversuchmutanten auf einmal Außerirdische werden. 

Diese käsige Germanisierung reiht sich allerdings ein in eine ganze Reihe von unfreiwillig komischen Trash-Faktoren, die sich durch "The Hills have Eyes" (Originaltitel) ziehen (Humor 3/10). So sorgt etwa ein Kaninchen dafür, dass ein Fahrzeug verunfallt. Weiterhin sehen die Kostüme der Bluthügelglupscher wie eine Parodie auf die Indianerrollen in klassischen Western aus. Nicht zuletzt setzt der Abspann dermaßen abrupt ein, dass man denken könnte, das Budget wäre auf einmal ausgegangen.

Trotz solcher Gehfehler handelt es sich bei "Hügel der blutigen Augen" mitnichten um einen misslungenen Film. Seine fiese, TCM-analoge Atmosphäre besticht durch dreckverschmierte Bösewichte und nordamerikanische Protagonisten in Schlaghosen und farbenfrohen Oberteilen. Angriffe explodieren regelrecht vor Testosteron, das den lebensmüden Wüstensand mit Terror tränkt. Mit ein wenig mehr Gespür für Cheesy-Vermeidung und mit etwas konsequenteren Effekten wäre da sehr viel drin gewesen. Doch auch so erweist sich das Resultat schon als kleine Perle des Genres (7/10 Punkten), der noch eine Fortsetzung und ein Remake mit eigenem Sequel folgen sollten. Die BPjM hielt sie bis 2007 für indizierungswürdig, hat aber inzwischen die Vernunft des roten Flatschens der FSK ermöglicht.

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Ichi
dicker Hund
8/10
120
dicker Hund
8/10
die neuesten reviews
Silent
tp_industries
10/10
Salomé
Cabal666
6/10
Ichi
dicker Hund
8/10
Malone
Punisher77
7/10
Hellraiser:
Cabal666
4/10
Passagier
TheMovieStar
7/10
Masters
Lars Vader
9/10

Kommentare

14.08.2020 09:54 Uhr - Intofilms
2x
Wäre (aktuell) auch meine Wertung. Es gibt übrigens ein alternatives Ende (auf meiner Arrow-Blu-ray enthalten), das tatsächlich etwas stimmiger wirkt. Die inkompetente deutsche ‚Synchro‘ ist in der Tat eine Travestie. Erinnerungen daran sind glücklicherweise kaum mehr vorhanden. Den Originaltitel „The Hills Have Eyes“ finde ich genial. Für mich einer der besten Horrorfilmtitel überhaupt. Für das Sequel hätte ich mir als Filmtitel ‚The Hills Still Have Eyes‘ gewünscht, wie es im Vorspann heißt, nicht einfach „Part 2“. Aber dieses hat wohl allgemein ziemlich wenig Liebe und Sorgfalt erfahren, was ich persönlich ein wenig schade und auch ungerecht finde. Denn so miserabel ist es keineswegs. Bin schon gespannt, wie dein Urteil darüber ausfällt. Diese Review ist jedenfalls in keiner Weise zu beanstanden. ;)

14.08.2020 11:05 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.866
Danke, Intofilms!

Da ich bisher nur das Remake kenne, wird sich meine nächste Rezension mit diesem befassen.

14.08.2020 13:19 Uhr - sonyericssohn
2x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.269
Was hab ich da mal hierzu gelesen...? Eigentlich waren die "Bergleute" Opfer eines nuklearen Unfalls. Das war aber einigen Leuten zu heiß und fluggs wurde aus den Verstrahlten Ausserirdische. Da ich den Film in vorliegender Form aber nicht kenne und nur das Remake sah weiß ich nix näheres.

14.08.2020 21:42 Uhr - Punisher77
2x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Klasse Kritik!
Den Film muss ich mir unbedingt mal wieder ansehen. Hab ihn bisher erst einmal angesehen und das ist locker 6-7 Jahre her. Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich enttäuscht war, weil ich einen irgendwie extremeren, packenderen und blutigeren Film erwartet habe. Das Remake hat mir damals - nicht nur aufgrund des Splattergehalts - jedenfalls besser gefallen.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)