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Tourist Trap - Die Touristenfalle

(Originaltitel: Tourist Trap)
Herstellungsland:USA (1979)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror
Alternativtitel:Horror Puppet
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (18 Stimmen) Details
inhalt:
Fünf junge, fröhliche Leute sind auf einer Urlaubsfahrt. Durch eine Reifenpanne sind sie gezwungen, nach Hilfe zu suchen. So geraten sie an „Slausens Verlorene Oase“, eine Art Wachsfigurenkabinett, vollgestellt mit makabren Mannequin-Puppen, die offensichtlich alle nach lebend-menschlichen Vorlagen gestaltet wurden. Betrieben wird dieses Kuriositäten-Museum von dem verrückten Einsiedler Slausen, der den unternehmungslustigen Touristen seine Hilfe anbietet. Und damit sitzen sie in der Falle eines Fremden, eines Freundes oder eines Wahnsinnigen... Ein Alptraum, der das Herz zum Stillstand bringt!
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Wo wir letztens bei Maniac schon bei Schaufensterpuppen waren, möchte ich diesem Trieb gleich folgen und mich Tourist Trap stellen, einem Film, der als sprichtwörtliche Touristenfalle fünf Jugendliche auf Backwood-Tour ordentlich rannimmt. Das Rezept ist alt und wird jedem, der Freitag, der 13., The Texas Chain Saw Massacre oder auch The Cabin in the Woods kennt, seltsam vertraut vorkommen. Habe ich was vergessen? Ash meint nein.

Nun gut, dieses Jugendliche-werden-im-Hinterland-von-Hinterwäldlern-brutal-ermordet-während-vielleicht-ein-Final-Girl-übrigbleibt, ist sicher nicht mehr besonders originell, aber in all seinen Schattierungen und Drehungen immer wieder - zumindest für mich - interessant.

Tourist Trap ist mit seinen mittlerweile 41 Jahren kein neues Werk mehr, bietet aber durchaus eine interessante Variation des Slasher-Themas. Regisseur David Schmoeller konnte leider weder an diesen, noch an seinen wohl prominentesten Film Puppet Master richtig anknüpfen, von der Idee her geht es aber kreativ zur Sache. Denn schon beim ersten Kill, der quasi als Vorspann fungiert, merkt der geneigte Zuschauer, dass man hier entweder veräppelt wird, oder dass es sich hier nicht nur um einen herkömmlichen Killer handelt, sondern dass eine Art Magie im Spiel ist, die man mit "Telekinse" wohl am besten umschreiben könnte, wenn man will. Wer hier auch an Der Exorzist denkt, wird zwar nicht belohnt, bleibt aber zumindest im Feld der Dämonen und Besessenen.

Der große Pluspunkt von Tourist Trap ist sicherlich die originelle Mischung aus Backwood-Horror und Supernatural-Horror mit einer Prise Wahnsinn à la Maniac oder Psycho. Während das Setting eine fast paradiesische Landschaft preisgibt, erinnert das übersinnliche Element für die damalige Zeit ein Stück weit an Phantasm (oder Das Böse) von Don Coscarelli. Der Twist von den "Totenpuppen" bei The Texas Chain Saw Massacre, den Tierpräparaten bei Psycho oder  sonstigem unappetitilichem Gekröse hin zur Ästhetik des lebendigen Wachsfigurenkabinetts ist allerdings bemerkenswert und nicht nur eine Referenz an House of Wax mit Vincent Price oder Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts, sondern auch wiederum die Wendung ins Geisteskranke. Wo bei The Texas Chain Saw Massacre aber die ganze Familie einfach nur wahnsinnig ist und ein für den Zuschauer nicht dargestelltes Innenleben hat, wird in Tourist Trap die Grenze zwischen Wahn und Realität aufgebrochen und das Final Girl verfällt am Ende selbst dem Wahnsinn oder einfach nur in katatonen Stupor.

Die Verbindung zu Psycho und Maniac ist hier wieder grandios, da wir es auch mit einem Mörder zu tun haben, der das Lebendige tötet, um das Tote lebendig zu erhalten. Leider, und das muss gesagt werden, ist das bei Tourist Trap inszenatorisch letztendlich nicht ganz so gut gelungen, wie bei den vorigen Beispielen. Tourist Trap bleibt zu unausgegoren und am Ende zu fahrig und nicht auf den Punkt gebracht, um mit den anderen mitzuhalten. Dies wird wohl auch deutlich an den eigentlichen Mängeln des Films, wenn man erfährt, dass Charles Band hier quasi mit einem Proto-Full-Moon-Features die "Telekinese" hinzugefügt hat, die den Film mit diesem phantastischen Element eben so besonders macht. Auch der familiäre Konflikt zwischen dem vermeintlichen Bruderpaar ist zu unausgegoren und steht in keinem Vergleich zu Maniac, Psycho, Freitag, der 13. oder auch Halloween. Wer weiß, was für ein Klassiker hier entstanden wäre, wenn John Carpenter Regie geführt hätte, wie es ursprünglich angedacht war.

Bleibt nur zu sagen, dass Tourist Trap ein kleiner und interessanter Genre-Beitrag ist, der für sein Entstehungsjahr 1979 ordentlich was zu bieten hat. Die Hauptdarstellerinnen sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch schön wahnsinnig, allen voran Molly. Der professionelle Basketball- und Baseballspieler Chuck Connors dürfte den meisten wohl aus der Fernsehserie Westlich von Santa Fé bekannt sein und diversen anderen Film- und Fernsehauftritten aus der Jugend (Flipper, Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff, Mord ist ihr Hobby, Roots, etc.), bei denen man ihn wohl eher unbewusst wahrgenommen hat. Als verrückter Mr. Slausen (oder Davey) untergräbt er jedenfalls seine seriösen Rollen überzeugend und macht den bösen Buben.

Grandios sind definitiv die Effekte, die von Robert A. Burns stammen, der auch bei The Texas Chain Saw Massacre, The Hills Have Eyes, Das Tier oder Re-Animator sein Können unter Beweis stellte. Der hochwertige Soundtrack von Pino Donaggio (Wenn die Gondeln Trauer tragen, Das Tier, Der Tod kommt zweimal) darf nicht unerwähnt bleiben und bildet den Schlusspunkt und Dur-Akkord in Moll für diesen übersinnlichen und rundum unterhaltsamen Slasher mit Wachsfiguren-Grusel.

7/10
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Kommentare

08.07.2020 12:30 Uhr - McGuinness
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Klingt jetzt gar nicht mal so verkehrt.
Hatte diesen vor geraumer Zeit schon mal ins Auge gefasst, aber irgendwie ist es dann doch nicht mehr zu einer Sichtung gekommen.
Wie ist denn der Body - Count, bzw. Gore - Gehalt... Annehmbar oder eher nicht ?
Ich erwarte zwar kein Splatter - Fest, aber eine grundsolide Härte sollte für einen Slasher, auch zur damaligen Zeit, schon gegeben sein.

Tolle Kritik 👍🏻 und danke für die Vorstellung 😊

08.07.2020 15:46 Uhr - dicker Hund
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Die Telekinese ließ mich an "The Boogey Man" denken, den ich jetzt nicht gerade für eine Sternstunde des Genres halte, sondern genau wie den "Puppet Master" nur für Mittelmaß. Für Deine Rezis gilt diese Skepsis aber natürlich nicht.

08.07.2020 20:23 Uhr - CHOLLO
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Fand den tatsächlich auch sehr unterhaltsam. Wertungsmäßig wohl gleichauf mit Schmoellers "Puppet Master".

08.07.2020 23:09 Uhr - TheRealAsh
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@McG: Body-Count ist nicht ganz so hoch und beschränkt sich vor allem auf die Teenie-Gruppe, Gore ist auch nicht so hoch, aber schon in Ordnung, kommt hier viel mit der Stimmung rüber. Hart ist er schon, würd ich sagen, für 1979 auf jeden Fall.

@dickerHund: ich muss gestehen, dass ich den noch nicht gesehen habe, da mir Lommel immer etwas suspekt war, "Zärtlichkeit der Wölfe" habe ich gesehen und fand den schon ganz gut, aber irgendwie hats mich da nie gepackt. Danke aber fürs Kompliment, ich denke den hier könntest du einen Tacken besser einschätzen

@Chollo: der erste Puppet Master ist ja auch noch gut, finde Tourist Trap allerdings schon hochwertiger:-)

10.07.2020 03:46 Uhr - Laughing Vampire
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
Ah, den Film habe ich letztes Jahr auch endlich mal geschaut, und ich schließe mich dieser hervorragenden Kritik an: Da wäre sicher noch mehr möglich gewesen, aber mir hat's auch ganz gut gefallen. Einige herrlich bizarre Szenen sind da schon zu sehen, und die Musik habe ich lange nicht mehr aus dem Kopf gebracht.

10.07.2020 11:43 Uhr - cecil b
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DB-Co-Admin
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Sehr schön geschrieben, und die 'Querverweise' sind echt interessant!

14.07.2020 08:48 Uhr - Dissection78
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DB-Co-Admin
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Huch! Deine Kritik ist mir bei ihrem Erscheinen durch die Lappen gegangen. Da sind wir uns punktetechnisch einig. Kommt zwar nicht an die genannten Horror-/Backwood-/Slasherklassiker heran, ist aber dennoch unterhaltsam und auf seine kauzige Art und Weise originell. Ich könnte schwören, die Macher des 2005er "House of Wax" haben sich eher von "Tourist Trap" inspirieren lassen als von den Wachsfigurenkabinett-Gruslern der 30er und 50er ("Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts", "Das Kabinett des Professor Bondi"). Könnte ich mir mal wieder geben :)

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