SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Daymare: 1998 Black Edition · Blutiges Horror-Gameplay mit Resi 2-Geschmack · ab 37,99 € bei gameware Star Wars Squadrons · Stürze dich ins rasante Pilotenerlebnis · ab 39,99 € bei gameware

The Old Guard

Herstellungsland:USA (2020)
Genre:Action, Comicverfilmung, Fantasy
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,22 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Unter der Führung einer Kriegerin namens Andy (Charlize Theron) kämpft eine geheime und rätselhafterweise unsterbliche Truppe von Söldnern seit Jahrhunderten dafür, die Sterblichen zu schützen. Doch als das Team für eine Notfallmission engagiert wird, werden die außergewöhnlichen Fähigkeiten enthüllt. Es liegt nun an Andy und der neuen Soldatin Nile (Kiki Layne), der Gruppe im Kampf gegen diejenigen zu helfen, die mit allen Mitteln versuchen, die Unsterblichkeit der Teammitglieder zu kopieren und damit Geld zu machen.
eine kritik von ghostfacelooker:

Wir kam aus der Dämmerung der Zeit und Wanderten unerkannt durch die Jahrhunderte,verborgen vor den Augen der Welt, doch das hier sind keine Highlander, sondern eine Art Superhelden ohne Kostüm, deren Superkraft wenn man so will, die Unsterblichkeit wäre, und Andromache (Charlize Theron), die Skythin, ist die Älteste von Ihnen.

Nun tatsächlich waren die Skythen ein Reiternomadenvolk bezeichnet, welches zwischen dem siebten und achten Jahrhundert vor Christus die eurasischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres besiedelte und verwandt mit den Sarmaten waren, also jenem Kriegervolk, welches auch im Film King Arthur neben Clive Owen ritt.  Andromache hingegen war in der griechischen Mythologie die Frau des trojanischen Helden Hektor und trug den Beinamen „Jene die wie ein Mann zu kämpfen weiß“.

Genug der geschichtlich, fiktiven Einordnung.

Diese „Helden“ wie auch jene Unsterblichen bei Anne Rice´s Chronik der Vampire, sind jener Krankheit ausgesetzt, welche nur ihre Spezies befallen kann, nämlich die, der ewigen Seelenqual die durch nie endende Schuldgefühle am Tod der eigenen Liebenden oder Einsamkeit hervorgerufen wird.

Seelische Narben, die jedoch in diesem Fall nicht nur die Zeit zu heilen vermag. Diese unendliche Frustration merkt man ziemlich schnell zu Beginn des Films, denn die Anführerin scheint, ihrer Aufgabe müde und die scheinbar über Jahrhunderte andauernde „Rettung der Menschheit“, findet in der heutigen Zeit keinerlei Bedeutung mehr, zumal sie auch kein nennenswertes Ergebnis erzielt hat. Die Menschheit ist am Arsch. Böswilliger, kriegstreibender und gieriger denn je.

Doch keine Angst, der Film, welcher auf gleichnamigen Graphic-Novel-Reihe von Greg Rucka und Leandro Fernández basiert strotzt, trotz dieses melancholischen Grundtons oder gerade deshalb nur so von schwarzem Humor und nicht zu übersehender Action mit einem ordentlichen Blutzoll, den die FSK in ihren berüchtigt „guten alten, und für uns Filmliebhaber beschissenen Zeiten“ ähnlich der katholischen Inquisition hätte handeln und den Streifen wohl für immer im Höllenfeuer der Zensur schmoren lassen.

Was bei herausstehenden Knochenfragmenten, blutigen Einschuß und Austrittswunden sowie Kopfschüssen, wie der Leitfaden des Malleus maleficarum deutscher Zensurbehörde kling, dürfte somit Musik im Ohr und visuelles Feuerwerk im Auge des Betrachters sein.

Regisseurin Gina Prince-Bythewood, die eigentlich mehr im Liebesfilm, respektive Liebesdrama beheimatet zu sein scheint, zaubert hier aufgrund des Drehbuchs von Rucka, der seine Comic-Unsterblichen 2017 erschuf, einen sehenswerten Fantasystreifen, der gerade Leute wie mich, die dem aktuellen Comichelden Universum nicht sehr nahe stehen zusagt.

Gerade durch die ausbalancierte Mischung des emotional unterschwellig, leicht angedeutetem Drama, der durchaus angemessenen Brutalität im Kontext des verwendeten Waffeneinsatzes und dem Unsterblichkeitsfaktors, somit realistisch blutig in Szene gesetzt wird und der für dieses Genre doch ziemlich schlüssigen und ebenso realistischen Storyline der Gier des Menschen nach Macht und Geld durch das Lösen des Rätsels der Unsterblichkeit (gerade im Hinblick auf Pandemien und Krankheiten) und dies so für egoistische Unternehmenszwecke einzusetzen, bleibt dieser Mix am Puls der Zeit.

Chiwetelu Umeadi Ejiofor aus Salt oder Triple 9, steht als Copley, sinnbildlich für diese Art der Organisation, die auf der Jagd nach unseren Unsterblichen, äußerst bleihaltig blutrünstige Mittel einsetzt um ihre Zwecke zu verwirklichen.

All dies wäre wenig interessant, würde man dies mit den falschen Schauspielern umsetzen, womit ich nicht sagen will, daß dies der Non Plus Ultra-Cast Hollywoods für Besetzung wäre, jedoch ist die Sympathie die diese Schauspieler auf ihrer erzwungenen Flucht zu erzeugen vermögen doch für den Genuß des Films ausschlaggebend.

Das in diesem Kontext zu nennende, wesentlich schlechtere, aber mit bis auf eben jene Sympathieentwicklung gleichermaßen Attribut befüllte Pendant, wäre hier der aktuelle Last Day of American Crime.

Hierbei griff man neben Theron als „Zugpferd“ zu Marwan Kenzari aus Die Mumie oder Mord im Orientexpress als Joe, Luca Marinelli aus Sie nannten ihn Jeeg Robot und Matthias Schoenaerts aus Racer and the Jailbird oder Red Sparrow.

Kiandra Layne (Captive State) bildet nicht nur das neueste Teammitglied, sondern den eigentlichen Roten Faden der Geschichte, denn wenn man so will ist es ihre Geschichte und wie sie zu den The Old Guard stößt.

Da der Film, als Filmtrilogie angedacht ist, möchte ich dieses Review als mit den bereits beschriebenen Ingredienzien als quasi literarisches „Amuse-Gueule“ nachwirken lassen und nur anmerken, daß es jedem mundet, der diesen temporeichen Mix in anderen Filmen kosten durfte.

Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Queen
Ghostfacelooker
Wira
Ghostfacelooker
Sweetheart
Ghostfacelooker
die neuesten reviews
Flashdance
Kaiser Soze
8/10
High
dicker Hund
9/10
Queen
Ghostfacelooker
John
McGuinness
4/10
Savage
Kaiser Soze
1/10
Cloud
Cabal666
10/10
Freies
VelvetK
8/10

Kommentare

12.07.2020 22:00 Uhr - Cabal666
User-Level von Cabal666 7
Erfahrungspunkte von Cabal666 614
Wie immer schön geschrieben, Ghostfacelooker!
Bin erst kürzlich auf den Film gestoßen. Hab heute auch eine Review eines meiner Kollegen bei Filmtoast dazu gelesen, der zu einem recht ähnlichen, wenngleich etwas negativeren, Fazit kommt. Die Besetzung und Thematik sprechen mich auf jeden Fall sehr an. Und mit deiner Kritik konntest du ihn mir erst recht schmackhaft machen. ^^
Der wird geguckt! Und den Comic hol ich mir sicher auch noch.

12.07.2020 22:24 Uhr - The Machinist
2x
User-Level von The Machinist 7
Erfahrungspunkte von The Machinist 685
Wie die meisten vergleichbaren Netflix-Produktionen (''Tyler Rake: Extraction'', ''Polar'' usw.) fand ich diesen hier nur in Ordnung. Aber immerhin: Handwerklich top umgesetzt, Theron ist eine Wucht und das Konzept schlichtweg großartig. Aus den interessanten Charakteren hat man dann mal wieder viel zu wenig gemacht, und wie so oft bei diesen Massenprodukten scheitert auch ''The Old Guard'' teils an seinen eigenen Ambitionen. Dafür gefallen die John Wick-esquen Actioneinlagen, die durch den Unsterblichkeitsfaktor seiner Helden noch einen gewissen Kniff bekommmen. Insgesamt 6 Punkte. Für Genre-Fans empfehlenswert.

Mich persönlich reizt eine Fortsetzung sehr, das Ganze hat wirklich Potenzial.
Cabal kann ich mich indes nur anschließen. Wie immer super geschrieben.

13.07.2020 13:27 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 6.763
Danke euch beiden. Liest man gerne auch wenn ich höher werten würde

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)