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Hobo with a Shotgun

Herstellungsland:Kanada (2011)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Action, Horror, Splatter, Trash
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,15 (98 Stimmen) Details
inhalt:
Ein Güterzug, ein Landstreicher, eine Stadt: Hope Town. Was idyllisch klingt, ist ein einziger Alptraum. Die Straßen werden von Gesetzlosen regiert, überall gibt es Tod, Raub und Vergewaltigung. Der Obdachlose versucht sich etwas Geld zu verdienen, um einen Rasenmäher kaufen zu können, den er im Schaufenster eines Secondhand-Shops gesehen hat und der seinem Leben endlich eine neue Richtung geben soll. Dafür muss er zwar einiges erdulden, aber als er endlich das nötige Kleingeld zusammen hat, macht er sich voller Hoffnung auf in den Laden. Dummerweise wird der in genau diesem Moment überfallen. Langsam dämmert es ihm: der einzige Weg aus diesem Dilemma ist es, das hart verdiente Geld in die Schrotflinte an der Wand zu investieren und ein für alle Mal aufzuräumen...
eine kritik von dicker hund:

"Hobo with a Shotgun" ritt 2011 auf der Neo-Grindhouse-Welle, der er eine tromaeske Fun-Splatter-Variante spendierte. Regisseur Jason Eisener tauchte später noch einmal in den Credits der "ABCs of Death" auf, brachte aber bisher nichts vergleichbar Aufsehenerregendes mehr hervor.

Der größte Trumpf in dieser kanadischen Hand ist Rutger Hauer ("Blade Runner") als der titelgebende Protagonist. Seine verlebte Aura transportiert die Rolle des herzhaften Penners einfach umwerfend. Selbst der naive Pathos mit holzschnittartiger Sozialsatire klingt aus seinem Munde wunderbar ironisch (Humor 5/10). In den Szenen mit der weiblichen Hauptrolle Abby (respektabel: Molly Dunsworth) entsteht phasenweise trotz des spöttischen Untertons genug Gefühl, um eine gewisse Identifikation zu ermöglichen. Die holde Maid wird sonst nicht ganz so charmant adressiert:

"Ich bin der mit dem Geld, und du bist diejenige, die ihr Loch verkauft."

Schmeichelhafter ist da schon die knallige Technicolor, die mit den grellen Farbfiltern eine charakteristische Optik schafft, die starke Assoziationen zu Comicbildern auslöst. Entsprechend schrill ist auch so ziemlich alles andere. Der Score verweist auf alte Kannibalenfilme, schwingt moderne Elektrobeats durch den Raum oder huldigt dem vergangenen Jahrtausend mit leichtfüßigem Rock. Die Requisiten quillen vor Ideen nur so über. Schon der Ansatz, einen Gullideckel als Halskrause zweckzuentfremden oder Harpunen eine Galgenfunktion zuzuweisen, verdient für seine Innovationskraft Anerkennung. Spätestens, wenn eine Gruppe Oben-Ohne-Bunnies (Sex 2/10) ein armes Schwein zu einer menschlichen Pinata (mit einem "~" über dem "n") machen, dürfte kein Auge mehr trocken bleiben. In der Stadt des Fieslings vor dem Herrn mit dem Namen Drake (souverän: Brian Downey) muss man auf der Hut sein.

"Gnade ist nicht mein Stil."

Ganz bestimmt nicht. Die Gewalt (8/10) ist hier völlig überzogen inszeniert und schön trashig getrickst. Solche Blutfontänen wie hier schießen sonst nur in Fernost umher. Zugleich ist die Brutalität der heimischen Gesetzlosen von einer schockierenden Hemmungslosigkeit durchzogen, die von entfesselter Misoynie begleitet ist und nicht einmal vor Kindern halt macht (Horror 6/10). Dem Streifen kann man alles zutrauen, so dass auch offen bleibt, wer überlebt und wer nicht. Die Geschichte ist bei alledem Nebensache, was schon an den surrealen Elementen klar werden sollte. Dieser Umstand gleitet indes ein bisschen zu weit in die Beliebigkeit ab, was manche Zuschauer ebenso enttäuschen könnte wie die mitunter sinnentstellende Synchro. Statt einem konstanten roten Faden lassen sich zahlreiche Querverweise in das Portfolio der nicht jugendfreien Unterhaltung finden. So mag zum Beispiel der Rasenmäher manch einem Neuseeländer bekannt vorkommen oder der Schulbus an die Wegführung einer gewissen Ulmenstraße erinnern.

Den Zensoren war das zu viel des Guten, weshalb "Hobo with a Shotgun" beschlagnahmt worden ist. Einer gerichtlichen Überprüfung dürfte diese Entscheidung nicht standhalten, denkt man an den ähnlich augenzwinkernd heftigen "Father's Day". Unabhängig davon handelt es sich um einen sehr speziellen, in seinem übersichtlichen Subgenre aber hervorragenden Film (9/10 Punkten). 

9/10
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Kommentare

23.08.2020 10:03 Uhr - Intofilms
2x
Den Film liebe ich. Deine Review ist wie immer besonders gut. Ich unterstreiche jede Aussage. Dass Eisener als Regisseur „bisher nichts vergleichbar Aufsehenerregendes mehr“ hervorgebracht hat, ist ein Umstand, den ich einfach nicht begreife. Ideen hätte er genug. Auch zu einer Rückkehr nach Hope Town bzw. Fortführung einzelner Charaktere aus „Hobo“. Einmal ist er ja bereits erfolgreich dorthin zurückgekehrt. Ein wirklich talentierter Mann. ;)

23.08.2020 12:37 Uhr - Fratze
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100%ige Zustimmung!

Und ja, sehr schade, dass man bislang nicht mehr viel von Jason Eisener gehört hat. Das "warum" würde mich da auch interessieren... wer weiß, vielleicht ist er mit seinen bisherigen Einträgen zu sehr angeeckt, sein Beitrag zu "ABCs" war ja auch einer, der aus dieser sinnentstellten deutschen Version "22 Ways To Die" rausflog... 🤷‍♂️

Allerdings, ob die Beschlagnahme bei einer (neuerlichen) gerichtlichen Überprüfung keinen Bestand mehr hätte, halte ich zumindest für diskutabel, zumal bei aller Comic-Haftigkeit die Zensoren bei lethaler Gewalt gegen Kinder doch eher selten Spaß verstehen. Wünschenswert fände ich es aber natürlich auch (demgegenüber: beim deutlich derberen Serben Beschlagnahme abgelehnt und umgetragen in Liste A trotz sexueller Gewalt gg Kinder oO - muss man wohl nicht verstehen, diese Doppelmoral).

Schöne Rezi jedenfalls, die du hier meinem Grindhouse-Liebling spendiert hast, vielen Dank ^^

23.08.2020 15:19 Uhr - Pratt
1x
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Interessantes Review, ich selber werde aber mit dem Film nicht richtig warm, weil er mir einfach zu gewalttätig/splatterhaft ist, selbst wenn die Gewalt hier überzogen sein soll (Bagger, Fuß, Kopfszene ist mir alles zu...). Rutger Hauer's grandiose Darstellung finde ich für diese Art von Film verschwendet, die anderen Grindhouse/Fake-Trailer Filme sind nicht so "schlimm".

23.08.2020 15:28 Uhr - Punisher77
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Klasse Review, der einen umfassenden Eindruck vom Film vermittelt. 9/10 ist auch mein Urteil.

23.08.2020 15:40 Uhr - Intofilms
2x
Mit deiner Erlaubnis möchte ich gerne noch Karim Hussain kurz erwähnen, den DoP von „Hobo“, ebenfalls ein sehr guter Mann, der sicher maßgeblich dazu beigetragen hat, diesen höchst stimmigen Grindhouse-Look zu kreieren, der „Death Proof“, „Planet Terror“ und „Machete“ in meinen Augen deutlich übertrifft. Hussain hat übrigens auch „We Are Still Here“ bebildert (den du ja bereits besprochen hast) und ist meines Wissens der Stammkameramann für die Filme von David Cronenbergs Sohn Brandon. Auch als Regisseur hat er schon gearbeitet.

23.08.2020 23:03 Uhr - Cabal666
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Schöne Kritik zu einem Film, den ich schon lange sehen will.
"Hobo With A Shotgun" ist der einzige Film, der mir in meiner Retro-Grindhouse-Sammlung noch fehlt. Der Fake-Trailer hat auch schon ziemlich Bock gemacht und allein schon wegen Hauer will ich den Film sehen. Nicht nur wegen der Beschlagnahme ist es aber schwer, an den ranzukommen, denn die DVD wurde ja auch nicht nochmal neu aufgelegt.
Weiß jemand, wo man den relativ günstig mit deutscher Sprachfassung bekommen kann?

24.08.2020 08:04 Uhr - Fratze
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23.08.2020 23:03 Uhr schrieb Cabal666
Schöne Kritik zu einem Film, den ich schon lange sehen will.
"Hobo With A Shotgun" ist der einzige Film, der mir in meiner Retro-Grindhouse-Sammlung noch fehlt. Der Fake-Trailer hat auch schon ziemlich Bock gemacht und allein schon wegen Hauer will ich den Film sehen. Nicht nur wegen der Beschlagnahme ist es aber schwer, an den ranzukommen, denn die DVD wurde ja auch nicht nochmal neu aufgelegt.
Weiß jemand, wo man den relativ günstig mit deutscher Sprachfassung bekommen kann?

AAAAHRG, Kommentar versehentlich gemeldet! Ich hasse mein Telefon! Mods, bitte ignorieren 🙈
(mal so als konstruktiver Vorschlag, könnte da nicht auch so ein Bestätigungs-PopUp erscheinen wie im Forum? Das würde solche Unfälle vermeiden)

Zu deiner Frage: Schwierig. Ich würd vorschlagen erstmal die üblichen Shops in AU/CH abzuklappern (k.A. was ich davon hier verlinken darf, daher lass ich es lieber). Ansonsten mal in der Bucht stöbern... Flohmärkte und Börsen sind ja z.Zt. wohl eher mal nicht... 😕

05.09.2020 18:49 Uhr - RetterDesUniversums
Einer meiner teuersten Film die ich habe im Mediabook, 80€ bei eBay und ich habe den noch runtergehandelt bekommen.Ich hatte auch nur Glück es zu bekommen, da er es wohl gerade reingestellt hat und auch schon so freundlich war mit sich handeln zu lassen! Für mich ein Kult Film der Neuzeit!

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