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Mikey

Herstellungsland:USA (1992)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,21 (19 Stimmen) Details
inhalt:
Mikey ist ein Adoptivkind. Er ist 9 Jahre alt, gut erzogen und absolut liebenswert. Viele Paare würden für Mikey ihr Leben geben. Und Mikey nimmt es. Er ertränkt seine Stiefschwester, wirft seiner Adoptivmutter den Fön in die Badewanne und erschlägt den Vater mit einem Baseballschläger. Nach dem Massaker verdächtigt niemand den total verstörten kleinen Jungen, und so bekommt er kurz darauf neue Pflegeeltern. Er lebt sich schnell ein. Doch als Mikey Nacktaufnahmen von der jungen Nachbarin macht, wird seine Pflegemutter misstrauisch. Das macht Mikey böse. Kurzerhand steckt er das Haus in Brand. Nach dem Feuerinferno findet man die verkohlten Skelette zweier Erwachsener und eines zehnjährigen Kindes.
Tage später - eine andere Stadt - ein junges Paar entdeckt auf der Straße einen 9jährigen Jungen, der unter Amnesie leidet. Sie nehmen ihn auf und nennen ihn Josh, doch sein wahrer Name ist - Mikey ...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von mcguinness:

" Jason und Freddy waren auch mal Kinder "

 

 

Stets hilfsbereit und aufgeweckt wirkt der kleine 9 - jährige Mikey. Ein Kind, wie es sich viele Adoptiveltern wünschen würden, denen eigene Kinder leider verwehrt bleiben. So auch bei den Trentons. Überglücklich freuen sie sich über den Neuzugang, ohne jedoch zu ahnen, welche Abgründe sich hinter der freundlich - kindlichen Fassade von Mikey auftun und in welch tödlicher Gefahr sie sich befinden.

Unschuldig und rein wirken Kinder auf uns, die mit schier unstillbarem Wissenshunger ihre Umwelt erforschen und im Gegensatz zu den Erwachsenen noch frei von jeglicher Unmoral, Hass, Lügen und Gewalt zu sein scheinen. Anders jedoch in Dennis Dimsters Film " Mikey " von 1992, in dem ein etwa 9 - jähriger Junge buchstäblich über Leichen geht und dabei alles aus dem Weg räumt, was seine scheinbar perfekte Harmonie zu stören scheint, ganz gleich ob es nun die kleine Schwester, die Katze der Nachbarin oder aber selbst die jeweiligen Adoptiveltern sind, fühlt sich der kleine Mikey nicht ausreichend geliebt oder gekränkt, verwandelt er sich in ein wahres Monster.

Dabei ist die Idee des Regisseurs das Böse in Gestalt eines Kindes lebendig werden zu lassen keineswegs neu. Bereits 1976 lehrte uns Richard Donner mit " Das Omen " das Fürchten, indem er den teuflischen Satansbraten Damien auf die Menschheit losließ und bereits zwei Jahre später bescherte uns John Carpenter mit dem erst sechsjährigen Michael Myers, welcher seine ältere Schwester an Halloween bestialisch mit einem Küchenmesser ermordete, einen kindlichen Killer, der heute zum Kultstar avancierte und aus dem Slasher - Genre nicht mehr wegzudenken ist. Ein Jahr später zeigte Regisseur Joseph Ruben dann seine Interpretation einer mörderisch - kindlichen Seele, indem er Macaulay Culkin, bekannt aus " Kevin - Allein zu Haus " und " Kevin - Allein in New York " (1990 + 1992) in " Das zweite Gesicht " (1993) anderen Leuten nach dem Leben trachten ließ und auch der leider real existierende Fall des damals dreijährigen James Bulger aus England, welcher von zwei erst 10 - jährigen Jungen aus einem Einkaufszentrum entführt, gefoltert und anschließend umgebracht worden war, lässt uns noch heute fassungslos zurück. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam. Niemand würde hinter diesen großen, unschuldig dreinblickenden Kinderaugen, einen waschechten Psychopathen vermuten, geschweige denn eines so schwerwiegenden Verbrechens wie Mord verdächtigen.

Wir erfahren im Verlauf des Films, dass Mikey von seinen richtigen Eltern wohl einst schlimm misshandelt und evtl. sogar missbraucht wurde, wobei diese Vermutung allerdings nur vage im Raum stehen bleibt, ohne hier jedoch näher darauf einzugehen. So weigert sich Mikey z. B. beim Fußballspielen mit anderen gleichaltrigen Jungs sein Hemd auszuziehen und äußert seinem besorgten Lehrer unter vier Augen gegenüber, dass seine leiblichen Eltern sehr böse gewesen sind und ihm schlimme Dinge angetan haben, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Durch sein erlittenes Trauma scheint Mikey eine krankhafte Bindungslosigkeit zu besitzen, welche ein dauerhaftes und harmonisches Zusammenleben mit anderen Menschen, insbesondere mit Familienmitgliedern, unmöglich macht. Diese schlägt jedoch ruckartig in physische Gewalt um, sobald Mikey auf Widerstand stößt, bzw. auch mal zurechtgewiesen wird, da er sich fortan nicht mehr geliebt und somit überflüssig fühlt.

Dabei geht der kleine Bengel bei der Wahl seiner Mordwerkzeuge äußerst kreativ vor, denn egal ob mit einem schweren Baseballschläger, einigen Murmeln und einer Zwille, einem Molotow - Cocktail oder aber mit Pfeil und Bogen, alles was Mikey geeignet erscheint, um sein mörderisches Treiben fortzuführen, wird benutzt, wobei sich das Töten seiner Opfer mit Hilfe eines elektrischen Schlags als besonders beliebt erweist. Auch versteht Mikey sich als versierter Regisseur, indem er " Snuff - Videos " von seinen Taten anfertigt und diese als " Mikey's lustige Kindervideos " betitelt. Geschickt schafft er es dann jedesmal sowohl Polizeibeamte als auch Psychologen zu täuschen und es wie ein Unfall aussehen zu lassen, woraufhin er darauf wieder neu vermittelt wird und das Unheil für die nächste Familie von vorne beginnt.

Bei der Rollenvergabe für Mikey fiel die Wahl auf Brian Bonsall, welcher vor allem für seinen Part als Alexander Roshenko in der bekannten Science - Fiction Serie " Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert " (1992 - 1994) bekannt sein dürfte. Ähnlich wie Macauley Culkin geriet auch Bonsall später auf die schiefe Bahn, nachdem große Erfolge im Film - Business ausblieben und er sich mit einer von ihm gegründeten Band im Musik - Geschäft versuchte.

Bekannt sein dürfte aber definitiv Ashley Lawrence als Mikeys Lehrerin Shawn Gilder, da ihr Part in " Hellraiser 1, 2, 3 und 6 " (1987 - 2002) als Kirsty Cotton, unvergesslich ist.

Als besonders appetitlicher Augenschmaus muss auch noch Josie Bisset erwähnt werden, welche hier die ältere Schwester von dem Nachbarsjungen und Mikeys gleichaltrigen Freund Ben Owens, gespielt von Whit Hertford, verkörpert. Mit ihren damals 22 Jahren sieht sie einfach nur traumhaft schön und zum anbeißen aus und daher ist es wenig verwunderlich, dass Mikey alles unternimmt, um diese ganz alleine für sich zu haben, nachdem sich der kleine Knirps hoffnungslos in diese verknallt hat. Ihren bekanntesten Auftritt hatte Bisset in der Fernsehserie " Melrose Place " (1992 - 1999) und " The Secret Life of the American Teenager " (2008 - 2013).

Das erste Mal sah ich " Mikey " vor über 20 Jahren im Fernsehen, kann mich jedoch nicht mehr daran erinnern, ob dieser, wenn überhaupt nur in einer einzigen und heutzutage nicht mehr nachvollziehbaren Szene, gekürzt gewesen ist oder nicht. Jedenfalls wusste der Film mich damals schon zu fesseln und das nicht nur durch die tolle und intensive Darbietung von Brian Bonsall, sondern vor allem auch durch die den Herzschlag beschleunigende und Gänsehaut bewirkende komponierte Musik von Timothy Truman, welche sich immer dann langsam aufbaut, wenn Mikey beginnt böse zu werden und sich in deren Intensität stetig steigert, je bedrohlicher sich die jeweilige Situation entwickelt. Umso erfreulicher ist es für mich also gewesen, als ich hörte, dass diese kleine Filmperle im Mediabook neu restauriert und komplett ungeschnitten erscheinen soll und ich daher keine Sekunde zögerte, meine Bestellung zu tätigen. 

" Mikey " ist für mich ein Film, der mir damals wie heute immer noch Spaß macht und ich mir diesen daher hin - und wieder auch weiterhin ansehen werde. Dabei lässt sich der Film dem Horror - und Thriller - Genre zuordnen und sollte nicht als komplexe Psychoanalyse über traumatische und gewaltbedingte Kindheitserfahrungen verstanden werden, denn dafür mangelt es einfach an Substanz. Zwar werden Themen wie Auswirkungen und Folgen von gewalttätigen Videos auf Kinder, sowie deren Misshandlung und Missbrauch, thematisiert, doch verläuft dies nur oberflächlich, ohne sich dem Thema ernsthafter zu widmen. Meiner Meinung nach ist dies aber auch gar nicht zwingend nötig, da " Mikey " vor allem eines tun soll... nämlich uns zu unterhalten und uns das Grauen in Form eines kindlichen Unschuldslamm in die heimischen, scheinbar sicheren vier Wände zu bringen und das liebe Freunde, versteht der Film wunderbar ! 

8/10
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Kommentare

14.07.2020 20:56 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
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Sehr schön !
Endlich hat diese kleine Perle eine würdige Kritik erhalten ! Vielen Dank dafür Mc !
Der muss jetzt endlich mal nach Hause ins Schränkchen.

14.07.2020 21:55 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.705
"Mikey" habe ich im TV ungeschnitten gesehen und später auf einer VHS mit 16er FSK aus dem 18er-Bereich der Videothek geschnitten. Eine meiner ersten Begegnungen mit Zensur - da fehlte etwas mit einem Baseballschläger. Unterhaltsam fand ich den damals auch, sonst hätte ich ihn mir nicht ausgeliehen. Das Review hellt meine vage Erinnerung ein wenig auf.

14.07.2020 22:06 Uhr - sonyericssohn
1x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.066
Das mit dem Baseballschläger stimmt. Die Szene fehlte damals. Sieht auf den Bildern im SB ganz charmant aus :-D

14.07.2020 22:19 Uhr - McGuinness
3x
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Erfahrungspunkte von McGuinness 246
@sonyericssohn und dicker Hund

Vielen lieben Dank ihr beiden für das lesen meiner Review und eurem Feedback hierzu 😊
Die Szene mit der Baseballkeule ist in der aktuellen Fassung im Mediabook wie gesagt natürlich komplett enthalten.
Ich meine den Film damals spät abends auf Kabel 1 gesehen zu haben, bin danach aber irgendwie nie wieder fündig geworden, bis ebenhalt vor kurzem ☺️


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